Samstag, April 01, 2017

Wer hat uns das angetan? Erinnerungen an die Wirklichkeit

Laut Pressburg hätten islamische Staaten, besonders die arabischen davon, heute niedrige Werte bei sozio-ökonomischen Daten. Das treffe konkret auf Bildung, Buchproduktion und Patente zu. Der arabische Humanismus brachte Wissenschaften und Übersetzungen aus dem Griechischen, nicht jedoch der Islam. Der Islam entstand vorwiegend aus Christentum und beduinischer Wüstenkultur, die bildungs- und technikfeindlich war. Vorherrschend sind in islamischen Gesellschaften der Koran, die Sunna, die Umma und die Scharia; das sind alles religiöse Begriffe, die nicht hinterfragt werden dürfen. Diese Wissensfeindlichkeit und die Beharrung auf mittelalterlichen Konzepten hemmen die Entwicklung in islamischen Staaten stark. Der Araber Abdel Wahab (1703-1791), der Inder Ala Maududi (1903-1979) und der Ägypter Sayyid Qutb (1966) waren salafistische Muslime, die die buchstabengetreue Koranbefolgung wieder salonfähig gemacht und vorangetrieben haben. In diesen Kreisen ist Reformfähigkeit und Modernisierung des Islam nicht vorgesehen; am ehesten wären Reformen und Veränderungen von Muslimen in der westlichen Diaspora zu erwarten.

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Freitag, März 31, 2017

Die 1000 und zweite Nacht: Die Märchen von al-Andalus

Pressburg gibt zu bedenken, dass es keine zeitnahen Quellen zur islamischen Legende von al-Andalus gebe, der erste Text stamme aus dem 14. Jahrhundert (Seite 179). Der ägyptische Geschichtsschreiber Ibn bd Al-Hakam (803-870) schrieb von christlichen Arabern und Berbern, den Ibaditen, die nach Spanien kamen. Der Kalif Abd er-Rahman, der Dritte, etablierte 929 nach Christus al-Andalus. Hakam der Zweite (915-976) war gebildet und besass eine Bibliothek mit 400'000 Büchern. Der kriegerische Wesir Abi Amir (938-1003) dagegen zerstörte diese Bibliothek. 1031 endete die Omayaden-Herrschaft. Die muslimischen Almoraviden aus der Sahara unterwarfen al-Andalus 1090-1094 mittels Dschihad. 1095 fand der erste Kreuzzug statt, erst später erfolgte die Reconquista, die christliche Rückeroberung. 1147 herrschten Almohaden in Nordafrika und 1161 dann auch in Spanien. 1212 erfolgte die erste islamische Niederlage bei der Schlacht in Las Navas de Tolosa. 1236 wurde Cordoba durch den spanischen Herrscher Ferdinand eingenommen; 1246 ging Granada an Ibn Nasr. 1492 wurde auch Granada von den spanischen Königen Ferdinand und Isabel beherrscht. Nach Oleg Grabar waren Rom und Persien Vorbilder für die maurische Architektur, nicht Arabien. Zentrum der Wissenschaften und der Toleranz war al-Andalus nie, es brachte nur wenige Gelehrte hervor, nämlich Ibn Massarra, Ibn Ruschd, Ibn Maymun, letzterer mehr bekannt unter Maimonides. 1066 fand sogar ein islamisches Progrom an Juden in Granada statt; 1391 waren zwei Drittel der Judengemeinden ausgelöscht, und 1492 wurden dann alle (von den Katholiken) vertrieben.

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Sonntag, März 26, 2017

Die „Goldenen Zeiten“ des Islam: Verklärte Blicke in eine nicht existente Vergangenheit

Als „Goldene Zeiten“ des Islam gelten der Prophet und seine Nachfolger, die „rechtgeleiteten“ Kalifen und die Eroberungen bis China und Spanien. Auch beduinische Raubzüge wurden als islamische Glaubenseroberungen annektiert und so dargestellt. Noch heute weigert sich die „Salafiyya“ die real gewesenen Entwicklungen zu akzeptieren und konserviert und glorifiziert die „Goldenen Zeiten“. Auch nichtislamische Gelehrte und Forscher werden als Muslime dargestellt, obwohl sie es nicht waren oder es zumindest umstritten ist, weil sie unfrei unter islamischer Herrschaft waren: • Jakub ibn Ishak al-Kindi (800 in Kufa-873 in Bagdad), arabischer Philosoph & Mathematiker • Hunain ibn Ishak (808 in al-Hira-873 in Bagdad), christlich-arabischer Arzt und Übersetzer • Thabit ibn Kurra (834 in Harran-901 in Bagdad), heidnischer Sabier, Arzt und Astronom • Muhammad ibn Zakarija ar-Razi (865 in Teheran-925 in Teheran), persischer Arzt & Optiker • Al-Farabi (870 in Otri-950 bei Damaskus), kasachischer Gelehrter und Philosoph • Ibn al Haitham (965 in Basra-1040 in Kairo), arabischer Mathematiker, Optiker & Astronom • Abu Ali ibn-Sina “Avicenna“ (979 in Buchara-1037 in Hamadan), persischer Arzt • Al-Biruni (976 in Kath-1048 in Ghazna), usbekischer Astronom, Physiker, Geograph und Philosoph. . . . . . . Wirklich muslimische Gelehrte waren: • Ibn Ruschd „Averroës“ (1126 in Cordoba-1198 in Marrakesch) , andalusischer Arzt, Philosoph und Physiker; kein orthodoxer Muslim • Al-Ghazali (1058 in Tuz-1111), persischer Theologe, Philosoph und Mystiker; mit ihm begann die „versiegelte Zeit“ nach Dan Diner • Omar Ghayyam (1048-1123 in Nischapur), persischer Philosoph, Mathematiker und Dichter. . . . . . . Pressburg sieht es auf Seite 178 so: Goldene Zeiten“ gab es in der arabischen Wissenschaft, die aber mit dem Aufkommen des Islam abrupt eine Ende fand.

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Montag, März 20, 2017

Die Metamorphose: Von Jesus zu Muhammad

613 besetzte Persien Syrien, 614 Jerusalem und 619 Ägypten. 622 wurde Persien von Byzanz in Armenien vernichtend geschlagen, wobei die arabischen Emire als Vasallen dienten. Es war auch ein christlicher Sieg über die persischen Feueranbeter, der eine neue arabische Zeitrechnung, die kata araba rechtfertigte. Muhammad und seine Eroberungskriege dagegen sind geschichtswissenschaftlich nicht belegt. Es gibt keine Nennungen der Worte Muslim und Islam aus dem 7. und 8. Jahrhundert. 753 wurde erstmals Meshlem erwähnt, was Muslime heisst und rechtgläubige, arabische Christen meinte, die syrische Christen waren und den Judenchristen nahe standen. Auch Abd al-Malik (646-705) war ein arabischer Christ und Herrscher. Al-Mamun (786-833) führte ein Kalifat Allah ein. 875 tauchte erstmals ein zusammengefügter Koran in arabischer Schrift auf. Muhammad war nun eine reale Person geworden, die von Bakka in Mesopotamien nach Mekka in Arabien verlegt wurde. Aus dem aramäischen Platz der Gottesverehrung Masjid war die Moscheee, das islamische Gotteshaus mit Gebetsnische nach Mekka, geworden. Auch die Form der Kaaba erinnert an eine judenchristliche Kirche, die zur Moschee gemacht wurde.
Historisch gesehen ist der Islam nicht direkt aus dem Himmel gekommen, sondern hat sich aus Heidentum (mit den Göttinnen Allat und Uzza), Judentum und Christentum gebildet. Der Koran kam nicht exklusiv und in reinem Arabisch vom Himmel an den Analphabeten Muhammad, sondern er ist prozesshaft aus dem Qeryan, dem christlichen Liturgiebuch der Aramäer, entstanden. Die Beduinengesellschaft, die Sehnsucht und das Bedürfnis nach Abgrenzung vom westlichen, trinitarischen Christentum hat die Bildung eines eigenen Buches mit eigener Sprache befördert. So ist der Koran in Koranarabisch entstanden mit seinem theologischen (mekkanische) und juristischen Teil (medinesische Suren), worin Jesus seine göttliche Sonderstellung verloren hatte.
Mitte: Minarett in Marrakesch; unten: Moschee mit Minarett in einem kleinen marokkanischen Dorf im Atlasgebirge

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Dienstag, März 14, 2017

200 Jahre Abwesenheit: Der historische Muhammad

Mwawiya war Amir al-Muminin, der erste Kalif der Omayaden-Dynastie, Statthalter Byzanzs und arabisch-christlicher Herrscher Syriens, Iraks und Irans. 622 besiegte Byzanz unter Kaiser Herakleios Persien, das damals als Antichrist galt. 682 wurde Abd al-Malik aus dem turkmenischen Marw Herrscher. Auch er war ein arabischer, syrischer und nestorianischer Christ und vollendete den Felsendom 694. „Muhammad“ war damals noch kein Name, sondern hiess einfach Gepriesener; sowie „Abd AllahKnecht Gottes und „Isa bi MaryamJesus, Sohn der Maria bedeutete. Muhammad ist historisch kaum fassbar; eine früheste Erwähnung stammt aus dem Jahr 780, die meisten Erwähnungen tauchen erst 830-930 nach Christus auf. Ab 660 gab es persische Münzen mit „Muhammad“. Es gibt keine ausserislamische Quellen zur Person Muhammads; aber arabische Christen hatten Sehnsucht und Bedürfnis nach einem eigenen Prophet und Buch, gerade auch weil sie von Byzanz unterdrückt und marginalisiert wurden. Weitere Beinamen, Titel und Attribute für Muhammad waren „Ahmad“ Gepriesener, „Kahtim“ Siegel, „Haschir“ der Erwecker, „Akib“ letzter Prophet und „Machiy“ Sündentilger.

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Sonntag, März 12, 2017

Ein perfekter Mensch: Der Prophet Muhammad nach traditionellen Berichten

Nach islamischer Tradition wurde Muhammad 570 in Mekka geboren und ist 632 in Medina gestorben. Er stammte aus einer Haschemiten-Sippe des Kuraisch-Stammes, sein Vater hiess Abd Allah und seine Mutter Amina. Er war zuerst Schaf- und Ziegenhirte, dann Karawanenführer und kam auch mit einem christlichen Mönch in Kontakt. Mit 39 Jahren heiratete er die reiche, 55 jährige Khadidscha, mit der er sechs Kinder gehabt haben soll. Er war Verehrer der Allat und Uzza, der Göttinnen des Mondes, des Morgensterns und der Fruchtbarkeit. Dank dem Reichtum seiner Frau konnte er sorglos leben, wurde religiös und mystisch und ging oft in die Wüste, wo er Offenbarungen Gottes empfangen haben soll. 622 flüchtete er als Gottgläubiger aus dem heidnischen Mekka ins jüdisch-christliche Medina. Dort wurde er besser aufgenommen und konnte auch lehren. 642 besiegte er mit 300 Mann die Mekkaner, 644 eroberte er Mekka. Er hatte dann 9-23 Frauen, je nach Quelle, jedoch keine Söhne, zahlreiche Sklaven und viel Vermögen.

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Mittwoch, November 30, 2016

Kapitel 6: Gemeindearbeit als Abenteuer: Lernen, gerne die Wahrheit zu sagen

Die neue Pfarrergeneration ist dafür ausgebildet, den einzelnen Menschen zu helfen, mit ihrem Leben besser zurechtzukommen. Die arme alte Kirche möchte hingegen einen Pfarrer, der ihr helfen kann, Kirche zu bleiben (Seite 168). Schliesslich sind die meisten Christen heutzutage – Liberale und Fundamentalisten – in den meisten Lebensbereichen praktische Atheisten. Service und Gemeinschaftsgefühl seien problematisch, wenn sie zum Selbstzweck werden. Und Sentimentalität ist die gefährliche Droge, sie ist Theismus mit Verfalldatum. Die Kirche sei ein Ort der Verehrung Gottes und nicht ein Therapiezentrum für die Stillung von undisziplinierten und unhinterfragten Bedürfnissen (Seite 177). Wir dürfen, ja wir müssen einander in der Wahrhaftigkeit gegenseitig unterstützen. Denn die Kirche ist eine disziplinierte Gemeinschaft der Wahrhaftigkeit. Hauptaufgabe und –berufung von Leitern und Pastoren ist es, die Menschen hin auf Gott und seine Gegenwart zu weisen und ihnen zur Anbetung Gottes zu verhelfen. Das kann Schuldkonfrontation und grosse Furcht, wie im fünften Kapitel der Apostelgeschichte beschrieben, bedeuten. Denn es gehe in der Kirche nicht darum, was der Besucher will und was die Tradition sagt, sondern was das Evangelium verlangt. Damit werden auch die Prioritäten für Pfarrpersonen richtig festgelegt, die und deren Dilemmas die Autoren sehr treffend beschreiben. . . . . . . . . . Kapitel 7: Macht und Wahrheit: Tugenden, die den Dienst an der Gemeinde möglich machen. Es geht im christlichen Glauben nicht um die Frage, ob jemand liberal oder konservativ ist, sondern um Wahrheit oder Lüge. Oft wollen beide, Fundamentalisten und historisch-kritische Theologen, jeden Menschen religiös machen. Die Bibel dagegen will alle zur christlichen Gemeinschaft rufen und anstiften. Vollmacht kommt zusammen mit Wahrhaftigkeit, der lebendigen Wahrheit, die Jesus Christus in Person ist. Geistliche sind Personen, die mit der ungeheuren Macht von Wort und Sakrament recht umgehen können; sie haben Macht Sünde zu vergeben und zu behalten.

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Sonntag, November 27, 2016

Kapitel 4: Leben in der Kolonie: Die Kirche als Fundament christlicher Ethik

Christliche Ethik ist kirchenabhängig und auch Sozialethik (Seite 107 und 120). Was die Kirche von den Menschen verlangt, ist zu schwierig für den Menschen als Einzelnen. Bei christlicher Gemeinschaft geht es vielmehr darum, den Weg Jesu gemeinsam mit all jenen zu gehen, die er zu sich ruft. Die Bergpredigt geht davon aus, dass uns als isolierten Individuen die ethischen und theologischen Ressourcen mangeln, die ein glaubenstreues Leben ermöglichen. Die (eigentliche) Frage ist vielmehr: Was für eine Art Gemeinschaft braucht es, um eine Ethik der Gewaltlosigkeit, der ehelichen Treue, der Vergebung und Hoffnung zu stützen? Die Bergpredigt ist eschatologisch – also endzeitlich – qualifiziert; in Christus hat Gott ja bereits dafür gesorgt, dass die Weltgeschichte ein gutes Ende nimmt. Und sie zitieren E. Stanley Jones: Wir haben die Welt mit einer abgeschwächten Form von Christentum infiziert, damit sie über kurz oder lang immun wird gegen alle Formen echten Christentums. . . . . . . . . . . . . . Kapitel 5: Ganz normale Menschen. Christliche Ethik. Für Hauerwas und Willimon die entscheidende Frage nicht: Existiert Gott?, sondern: Was für ein Gott existiert? (Seite 140) Ethik ist also die Frage des rechten Sehens und dann des rechten Handelns. Glauben und Glaubensstärkung geschieht vor allem durch Vorbilder und Nachahmung, die Beispiele sind in der Kirche zu finden.

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Freitag, November 25, 2016

Kapitel 3: Das Abenteuer der Nachfolge

Die Kirche existiere heute als Gemeinschaft von Fremdbürgern in der Welt, als eine Kolonie von Gläubigen in einer Gesellschaft des Unglaubens, die von Selbsterhaltung und Selbsterfüllung geprägt sei. Durch die Aufklärung hätten wir nicht wirklich die Freiheit des Selbsts bekommen, sondern vielmehr Selbstsucht, Einsamkeit, Oberflächlichkeit und Konsumorientierung. Jünger Jesu dagegen seien ein bewegliches Volk, das atemlos versuche, mit Jesus Schritt zu halten. Glaube beginne nicht im Entdecken, sondern in der Erinnerung an die Geschichte Gottes ohne uns. Die frühen Christen begannen nicht mit metaphysischen Spekulationen über die Inkarnation, mit einer Christologie in Abstraktion von den Erzählungen der Evangelien; sie begannen vielmehr mit den Geschichten über Jesus und das Leben derer, die in Jesu Leben verwickelt wurden. Wir können Jesus nicht kennen, ohne ihm nachzufolgen; und wir kennen Jesus, bevor wir uns selbst kennen (Seite 86). Eine Gemeinde lässt sich am besten von der Heiligen Schrift leiten, wenn sie ihre eigene Geschichte erzählt. Dies tat auch der Verfasser des Hebräerbriefs, er erzählte vom Glauben in Form von Glaubensgeschichten. Errettet sein heisst unterwegs sein (Seite 91). Die Gemeinschaft der Christen eröffnet uns eine Palette von neuen Möglichkeiten, Gottes Liebe in ihrer ganzen Tief zu erfahren, und gibt unserem Leben eine Richtung, die wir sonst nicht einschlagen könnten. Sich auf eine Reise zu begeben, heisst, sich auf ein Ziel hin zu bewegen. Nun wissen wir auf der Reise des Glaubens zwar nicht, wie das Ende aussehen wird, ausser dass es in irgendeiner Form auf die Vervollkommnung unserer Freundschaft mit Gott hinauslaufen wird. Ethik, die Jesus verkündigte, war durch und durch endzeitlich ausgerichtet. Ethik ist immer von einem „telos“ her bestimmt und auf dieses Ziel hin orientiert.

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Freitag, September 30, 2016

Die moderne Welt: Lernen, die richtigen Fragen zu stellen

Einsichtig und fast amüsant stellen Hauerwas und Willimon im Kapitel eins dar, dass wir seit 1963 in einer veränderten Welt leben. 1963 ging der Jugendliche William Willimon in Greenville (South Carolina) eines Sonntags durch die Haupttüre in die Kirche hinein und gleich durch die Hintertüre wieder hinaus, um im Kino einen Film mit John Wayne zu sehen. Das Kino gewann ihn und die Jugend von damals gegen die Kirche. 313 nach Christus wurde das konstantinische Staatschristentum eingeführt, ungefähr 1650 Jahre haben wir Abschied davon genommen. Die Welt hat sich verändert, doch die protestantischen Traditionskirchen in Amerika (und Europa) taten, was sie immer tun: Sie machten einfach weiter, als ob nichts geschehen wäre (Seite 52).

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Stanley Hauerwas und William H. Willimon: Christen sind Fremdbürger

Dieses Buch erschien bereits 1989 in den USA unter dem Titel Resident Aliens. Es wurden über 100.000 Exemplare davon verkauft, was für ein theologisches Werk sehr viel ist. 2016 erschien es im fontis – Brunnenverlag in Basel unter der ISB-Nummer 978-3-03848-075-4. Der Untertitel heisst: Wie wir wieder werden, was wir sind: Abenteurer der Nachfolge in einer nachchristlichen Gesellschaft Zu den Autoren: Stanley Hauerwas ist in Europa kaum bekannt, obwohl er 30 Jahre Professor für theologische Ethik an der Duke Universität in Durham (North Carolina) war. Er wurde 1940 im texanischen Dallas geboren, wuchs in einer methodistischen Arbeiterfamilie auf, wo er zum christlichen Glauben fand, studierte Theologie in Yale, lehrte an lutherischen, katholischen, methodistischen und reformierten Hochschulen und gehört heute zu einer episkopalen Kirche. William H. Willimon war Bischof einer Methodistenkirche in Alabama und ist Professor für praktische Theologie an der Duke Universität in Durham. Zum Buchinhalt: Das unscheinbare Buch mit seinen 252 Seiten hat es in sich. Wie im Titel bereits angetönt, betonen die Autoren, dass die christliche Kirche heute eine Kolonie, eine Insel des Glaubens inmitten einer Kultur des Unglaubens sei (Seite 12) und begründen diese Sicht mit guten Beispielen, tiefgründig und intelligent. Dieses Buch will hoffnungsvoll und nützlich sein zum Dienst in und an der „Kolonie“. Es ist weder liberal noch konservativ, sondern will wie die Autoren christuszentriert sein.
Rezension und Zusammenfassung: Dieses unauffällige Buch mit dem einfachen Titel „Christen sind Fremdbürger“ war eine Entdeckung für mich. In den USA ist es bereits vor 27 Jahren unter dem Titel „Resident Aliens“ erschienen und hat eine grössere Verbreitung gefunden und Wellen geworfen. Die Autoren, Stanley Hauerwas und sein Kollege William Willimon, sind Methodisten und Theologieprofessoren an der Duke Universität in Durham in North Carolina im Osten der USA. Während Hauerwas Ethiker ist, war Willimon Bischof in Alabama. Beide sind kirchlich eingebunden, was auch im Buch deutlich zum Ausdruck kommt. Sie verstehen die christliche Kirche aber hauptsächlich als eine Kolonie, die inmitten einer Kultur des Unglaubens existiere. Dieses Bild – zunächst eine Behauptung - wird anschaulich beschrieben und mit guten Beispielen illustriert. Seit ungefähr fünfzig Jahren befinden wir uns im Westen in der nachchristlichen Ära, der Glaube ist sehr individuell und zur Privatsache geworden. Die lange Epoche des „konstantinischen Christentums“ ist zu Ende gegangen. Es war eine Zeit in der Staat, Kultur und christlicher Glaube eng verwoben und zugleich dominierend waren. Viele Kirchen machen aber gleich weiter, als ob nichts geschehen sei. Sie drehen sich wie moderne Firmen um Kundenbedürfnisse, statt Menschen in den Leib Christi einzufügen. Der Nationalstaat in den USA und bei uns der Wohlfahrtsstaat haben sich praktisch an die Stelle Gottes gesetzt. Die meisten unserer sozialen Programme beruhen auf der Annahme, dass wir keinen Gott brauchen, um eine friedliche und gerechte Welt zu erschaffen. Der Unglaube zeigt sich in Selbstsucht, Selbsterhaltung und Selbsterfüllung, die durch die Konsumgesellschaft gut genährt werden. Schon Stanley Jones, der von den Autoren zitiert wird, hat prophetisch gesagt: Wir haben die Welt mit einer abgeschwächten Form von Christentum infiziert, damit sie über kurz oder lang immun wird gegen alle Formen echten Christentums. Der christliche Glaube dagegen ist abhängig von Gott, von seiner Geschichte mit uns Menschen. Er schickt uns auf eine atemberaubende Reise, die Nachfolge heisst, und hat ein Ziel, das uneingeschränkte Freundschaft mit Gott bedeutet. Diese Reise kann nur in Gemeinschaft gelingen, alleine ist sie kaum umsetzbar. Die Autoren erachten unseren Individualismus daher als Sackgasse und machen Mut Kirche als echte Gemeinschaft zu verstehen und zu leben. Das hat auch Auswirkungen für Pfarrer, deren Aufgaben und Ausbildung. Diese sei zu sehr darauf bedacht, dem einzelnen Menschen zu helfen, mit seinem Leben besser zurechtzukommen. Die Kirche sei ein Ort der Verehrung Gottes und nicht ein Therapiezentrum für die Stillung von undisziplinierten und unhinterfragten Bedürfnissen (Seite 177). Ein klug geschriebenes Buch, das wichtige Fragen stellt, prägnante Aussagen macht und mutige Orientierung bietet in unserer diffusen Gegenwart.

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Freitag, Juni 10, 2016

Larry Siedentop: Geburtswehen der modernen Freiheit

21. Volksbegehren und Ordensbrüder. Mönche hatten oft Ansehen bei den einfachen Leuten, da diese meist von unmoralischen Priestern betreut wurden. Franziskus belebte und förderte zu seiner Zeit und unter den Mönchen Armut, Demut und Nächstenliebe. 22. Verteidigung der egalitären Moralvorstellungen. Im 12. Jahrhundert wurde Aristoteles und seine Physik, Metaphysik und Ethik durch Bonaventura, Albert Magnus und Thomas von Aquin wiederentdeckt. Während sich die Dominikaner für Vernunft und Lehre einsetzten, hatten die Franziskaner Bedenken gegen Aristoteles. Augustinus hatte durch Paulus die heidnischen Grenzen seiner Bildung überwunden. Thomas von Aquin dagegen entdeckte als Christ Aristoteles und erweiterte seine Theologie mit Spekulationen wie, dass ewige Ideen im Geist Gottes seien. Der schottische Theologe und Philosoph Duns Scotus (1266-1308) stellte nüchtern fest, dass Freiheit die Voraussetzung für moralisches Verhalten sei. Im 13. Jahrhundert etablierten sich neue Fakultäten und Universitäten: Recht in Bologna, Theologie in Paris, Philosophie in Oxford und Medizin in Montpellier. 23. Gottes Freiheit und des Menschen Freiheit vereint: Ockham. Der Franziskaner Wilhelm von Ockham (1288-1347) lehrte einen Nominalismus, die „via moderna“, dass Gott als Schöpfer frei gewesen sei in seinen Entscheidungen. Er sei nicht gebunden gewesen an „ewige Ideen“ und rationale Notwendigkeiten. Der Mensch handle aus dem Ich, der Seele. Ockhams Rasiermesser, dass die sparsamste Erklärung die beste sei, richtete sich gegen die natürliche Theologie und rationalistische Philosophie. Der Nominalismus war die Basis für die empirische Wissenschaft und den liberalen Säkularismus. Die Fähigkeit zu rationalem Handeln ist Freiheit, wie sie bereits Paulus verkündet hatte. 1315 wurde die Leibeigenschaft in Frankreich abgeschafft. 24. Kampf um eine repräsentative Regierung in der Kirche. 1378-1417 kam es in der römisch-katholischen Kirche zu einem Schisma mit zwei Päpsten. Die Konziliarbewegung wollte den Konzilien mehr Befugnisse zumessen als dem Papst. Das liberale Denken entwickelte sich, als sich moralische christliche Vorstellungen gegen die autoritäre Kirche zu richten begann. 25. Abschied von der Renaissance. Liberalismus war eine Folge von Konfessionskriegen, bei denen versucht wurde, den richtigen Glauben gewaltsam durchzusetzen. Trennung zwischen Kirche und Staat bewirkte, dass Religion zunehmend zur Privatsache in der Privatsphäre wurde. Hugo Grotius (1583-1645), Thomas Hobbes (1588-1679), John Locke (1632-1704)und Charles de Secondat Baron de Montesquieu (1689-1755)waren die Hauptexponenten dieser Entwicklung. Die Renaissance wurde überbewertet, denn sie hat nicht die Neuzeit eingeläutet. Der Basler Historiker Jakob Burckhardt (1818-1897) hat begonnen, diese falsche Sicht zu portieren. Der Liberalismus beruht auf moralischen Voraussetzungen, die er vom Christentum übernommen hat. Er bewahrt die christliche Ontologie ohne die Metaphysik der Erlösung. Es fand ein Prozess von moralischen Forderungen zu sozialem Status statt. Bereits im 14. und im 15. Jahrhundert hatten die Kanonisten und Philosophen Voraussetzungen geschaffen, um eine Trennung geistlicher und weltlicher Sphäre vorzunehmen. Sie legten eine Basis für eine rechtlich abgesicherte Privatsphäre, in der sich Freiheit und Gewissen verbreiten und entfalten konnte. Diese Hinwendung zur Innerlichkeit haben Meister Eckhart, John Wycliffe und Jan Hus schon früh vorgelebt. Eine persönliche Beziehung zu Gott war ihre Grunderfahrung und Quelle der Moral und menschlicher Beziehungen. Sie kannten die Disziplin der Bibellektüre und verbreiteten sie und förderten dadurch die allgemeine Bildung. In Paris, Oxford, Heidelberg, Prag und Krakau setzte sich der Nominalismus durch. Monarchien in Frankreich, England und Spanien entstanden im 15. Jahrhundert. Epilog: Christentum und Säkularismus. Bei der Idee der Gleichheit spielte das Christentum eine entscheidende Rolle. Liberalismus und Säkularismus haben religiöse Wurzeln. Das Christentum hat menschliche Identität verändert, indem es den jüdischen Monotheismus mit seinem abstrakten Universalismus mit der spätgriechischen Philosophie verband. Das Christentum hat sich nicht durch Gewalt ausgebreitet, sondern durch Überzeugung. In Nordamerika, wo es keine dominierende Kirche gab, breitete sich eine christlicher Säkularismus aus, der bürgerliche Freiheit und Nächstenliebe ermöglichte. Er ist durch verschiedene Fundamentalisten und Radikale in Gefahr.

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Donnerstag, Juni 09, 2016

Larry Siedentop: Ein neues Regierungsmodell

17. Zentralisierung und das neue Gerechtigkeitsgefühl: Das Papsttum entwickelte sich von 1050 bis 1300 von einer passiven Autorität zu einer aktiven Macht mit funktionierender Bürokratie. Es wurde zur ersten und letzten Instanz in Rechtsfragen. 1132 bis 1312 fanden sieben ökumenische Konzile statt. Kirchenrecht regte das philosophische Denken an und trug zur Abspaltung von der Theologie bei. 18. Die Demokratisierung der Vernunft: Der Amerikaner Harold J. Berman habe am besten beschrieben, wie sich das Papsttum im Mittelalter verändert hatte. Der moralische Status wurde zur sozialen Rolle; Gleichheit wurde zu natürlichem Recht für das dialektische Denken. Abaelard (1079-1142) hat mit seinem Werk „Sic et Non“ den theoretischen Analyserahmen festgelegt. Petrus Lombardus (1095-1160) hat mit „Sentenzen» eine systematische Theologie vorgelegt. Individuelles Handeln wurde zur Basis des Naturrechts. 19. Auf dem Weg zum Nationalstaat: Alle Menschen haben von Natur aus Rechte, Gleichheit und Gerechtigkeit sind universell. Das entspricht dem kanonistischen Denken, das sich aus griechischer Philosophie und christlichen Moralvorstellungen gespiesen hat. In der gregorianischen Reform wurde die Kurie in gesetzgebende, gerichtliche und administrative Bereiche aufgeteilt. 20. Aufruhr der Städte: Das Stadtleben erwachte erneut im 11. und 12. Jahrhundert, besonders in Italien, Südfrankreich und Katalanien. Vorher war es unsicher und zu ungeregelt gewesen. Es entstanden Marktplätze mit Handwerkern und Kaufleuten, Zünfte und Hansen wurden gegründet. In den Städten gab es Aufstände gegen die Feudalherren, und die Städte wurden zunehmend zu autonomen Rechtsgebilden, ein Bürgertum mit politischem Willen entstand.

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Mittwoch, April 13, 2016

Larry Siedentop: Die Erfindung des Individuums

Der amerikanische Politwissenschaftler, Historiker und Philosoph Larry Siedentop hat 2014 ein Buch geschrieben, das auch im deutschen Sprachraum in vielen Medien Beachtung gefunden hat. Es heisst im Original: Inventing the Individual: The Origins of Western Liberalism. Allen Lane 2014, ISBN 0-713-99644. 2015 ist es auch in Deutsch herausgekommen unter dem Titel: Die Erfindung des Individuums. Der Liberalismus und die westliche Welt. Es ist im Verlag Klett-Cotta in Stuttgart unter der ISBN 978-3-608-94886-8 erschienen. Der 80jährige Siedentop lehrte Ideengeschichte an der englischen Universität von Sussex und politische Philosophie am Keble College in Oxford. Eine Summe seiner Erkenntnisse legt er in seinem neusten, 476-seitigen Werk vor. Er beschreibt und begründet, wie der westliche Liberalismus und Säkularismus aus christlichen Glaubensinhalten wie Gleichheit und Freiheit entstanden ist. Zu Beginn skizziert Siedentop die antike Familie mit dem „pater familias“ im Zentrum. Seine wichtigste Aufgabe war das Hüten des heiligen Feuers am Herd des Hauses. Diese Aufgabe übertrug er bei seinem Ableben dem ältesten Sohn. Der Vater hatte einen gottähnlichen Status, und die ganze Familie war ihm uneingeschränkt zugeneigt und ergeben. Raum für individuelle Entscheidungen war nicht vorgesehen, das galt später auch für die „res publica“, das antike Gemeinwesen, dem nur die Männer ganz zu dienen und etwas zu sagen hatten. Siedentop folgt dem Werk „Der antike Staat“ des französischen Historikers Fustel de Coulanges von 1864, das er noch heute für unübertroffen hält. Bereits der jüdische Glaube an einen Gott war im „Imperium Romanum“ interessant geworden, um aus der antiken Welt der Ungleichheit auszusteigen. Vor allem durch überzeugende Nächstenliebe hatte sich dann der christliche Glaube im spätrömischen Reich ausgebreitet. Kirchen und Klöster förderten nebst Bildung auch Gleichheit und Individualität der Personen und brachen die antiken Familien- und Gesellschaftsstrukturen mit ihrer religiös motivierten Ungleichheit auf. Bereits im Mittelalter wurden Werte wie Gleichheit und Freiheit zunehmend akzeptiert und schufen die Basis für eine freiheitliche Gesellschaftsordnung mit steigender Chancengleichheit. Siedentop kommt aber zum Schluss, dass heute diese Errungenschaften durch fundamentalistische Haltungen und autoritäre Regimes in Frage gestellt oder sogar zerstört würden.

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Sonntag, Dezember 20, 2015

Vishal Mangalwadi: Die biblische Wertschätzung der Arbeit und ihre Folgen

Mangalwadi hält fest: Alle Religionen ausser das Judentum und das Christentum verachten körperliche Arbeit und deswegen auch weitgehend die damit einhergehende Technik. Viele lebten zur Ehre des Herrschers und nicht zur Ehre Gottes. Deshalb kritisierten bereits Thomas von Aquin, Bernhard von Clairvaux, John Salisbury und Jakob von Vitay das Ritterwesen, weil es keine biblische Grundlage habe. Der Engländer John Wyclif (1330-1384), Pfarrer in Lutterworth und Professor in Oxford, proklamierte als einer der ersten, dass alles unter der Autorität der Schrift – gemeint ist die Bibel – stehe. William Tyndale (1492-1536) übersetzte verbotenerweise die Bibel ins Englische, wofür er sogar zum Märtyrer wurde. Seine Anmerkungen fanden Platz in der englischen Geneva-Bibel von 1560, die egalitärer übersetzt war als die spätere King-James-Bibel von 1611, die autorisiert wurde. Die Bibel hatte massgeblichen Einfluss auf die englische Literatur, sie wurde zur Quelle der kulturellen Autorität, eine Ablehnung mündete jeweils in moralische Anarchie und intellektuellen Rückstand. . . . . . . . . Obwohl bereits die Griechen Beobachtungen anstellten, machten sie keine Modelle und Verifizierungen. So geht die Wissenschaft weitgehend auf die mittelalterliche biblische Theologie zurück, weil sich die Bibel mit realen Problemen in einer fassbaren Welt beschäftigt. Wilhelm von Okham (1285-1349) gilt als Begründer der Naturgesetze, Francis Bacon (1561-1626) und Galileo Galilei (1564-1642) entwickelten wissenschaftliche Methoden, bei denen Empirie wichtiger waren als Logik. Und Isaac Newton (1642-1727) formulierte das Gesetz der Schwerkraft. 50 von 52 Pionieren der wissenschaftlichen Revolution waren Christen, weil sie die Bibel als Grundlagenbuch betrachteten und zur Ehre Gottes wirken wollten (nach Elaine Howard Ecklund). Der Darwinismus war einst eine plausible und brillante Theorie, entwickelte sich jedoch zu einer arroganten Doktrin, in der Makroevolution als Tatsache dargestellt wird (laut Rodney Stark). Der Islam verfolgte wiederum einen etwas andern Weg und kam durch die Ostkirche – im speziellen durch die Nestorianer - zu griechischem Wissen und wurde dadurch auch pantheistisch, zyklisch, animistisch und magisch beeinflusst. Avicenna (980-1037) und Ibn Rushd (mit westlichem Namen Averroës) galten als Jünger von Aristoteles. . . . . . . . . Im spätmittelalterlichen Indien herrschten die Mogule, sie beuteten das Volk aus. Das führte 1631 zu einer schweren Hungersnot. 1757-1770 wurde Bengalen durch die Briten kolonisiert, was Chaos und Korruption anschwellen liess. Die zeitgleiche Hungernot ist jedoch eher dem Mangel an Monsunregen zuzuschreiben. Anfangs der Kolonialzeit war christliche Mission in Indien verboten. Etwas später schufen die britischen Bibelübersetzer (und Pastoren) Henry Martyn (1781-1812) die neue Sprache Urdu; John Borthwick Gilchrist (1759-1841) Hindustani und S. H. Kellog Hindi. Der Inder Radscha Ram Mohan Roy (1772-1833) forderte dagegen, Englisch als Nationalsprache einzusetzen. Sie und weitere britische Pastoren, Missionare, Beamte und Unternehmer halfen mit, Indien eine neue nationale Identität zu geben. . . . . . . . . Der Brite John Wesley (1703-1791) erlebte 1738 in einem Gottesdienst der Herrnhuter Brüdergemeine eine Umkehr, ein Jahr danach begann er zu predigen, weil George Whitefield ihn dazu ermutigte. Trotz Anfeindungen predigte er etwa 45'000 Mal bis zu seinem Tod, er setzte sich auch gegen Sklaverei, für bessere Arbeitsbedingungen und für mehr Bildung ein. Dadurch bewirkte er und seine methodistischen Nachfolger enorme soziale Verbesserungen in England und weltweit (gemäss Ian Bradley und Donald Drew). Auch Monogamie war ein typischer christlicher Gedanke, der Werte wie Würde, Vertrauen und Freiheit verbindet; er fand im 19. Jahrhundert durch westliche Missionare weltweite Verbreitung. Bis in die 1980er Jahre waren die USA eine von wenigen Nationen der Welt, deren öffentliches Gewissen stark von biblischen Masstäben geprägt war. Dadurch waren Politiker gezwungen, bei publik gewordener Untreue und Betrug zurückzutreten. . . . . . . . . Nachvollziehbar und sehr lehrreich beschreibt Mangalwadi im Kapitel Gesunde Wege zu Reichtum anhand bestimmter Beispiele aus der Geschichte. Der Franziskanermönch Fra Luca Bartolomeo de Pacioli (1446-1517) erfand die doppelte Buchführung, und er legte damit einen wesentlich Grundstein zu wirtschaftlicher Planung, Wachstum und Gewinnfeststellung. Viel später, 1851 an der Weltausstellung im Kristallpalast in London, waren die USA dort mit unscheinbaren, aber effizienten Mähmaschinen mit Pferdebespannung von Cyrus McCormick und Obed Hussey vertreten, die bis zu 40 Morgen Mähleistung pro Tag schafften. Beruf und Arbeit waren für den Presbyterianer und Quäker Gebot Gottes. Zudem galt es die beschwerliche Handarbeit durch Maschinen zu erleichtern. Sie führten ehrliche Werbung ein, indem sie Kunden berichten liessen, und faire Zahlungsfristen, die das Einbringen der Ernte berücksichtigten. Die Bibel inspirierte und befähigte diese Erfinder und viele weitere Menschen, sich Sparen und Investieren zur Gewohnheit zu machen durch gute Haushalterschaft (englisch: Steward). Auf Seite 452 schreibt Mangalwadi: „Wenn ein Schuhmacher beschliesst, seine Schuhe zur Ehre Gottes herzustellen, dann verwendet er kein schlechtes Material, und er schlampt auch nicht bei der Verarbeitung, sondern er strebt hohe Qualität an. Integrität ist nicht etwas, was Menschen von Natur aus oder durch Verdienst haben. Eine Wirtschaft und Gesellschaft bricht zusammen, wenn die geistlichen Ressourcen fehlen, die Grundlage dieses Vertrauens waren.“

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Samstag, Dezember 19, 2015

Vishal Mangalwadi: Das Buch der Mitte

Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur. Das ist der Untertitel dieses lehrreichen Buchs von Vishal Mangalwadi, das 2014 im Fontis-Verlag Basel 2014 unter der ISB-Nummer 978-3-03848-004-4 erschienen ist. Der Originaltitel von 2011 lautete: The Book that Made Your World: How the Bible Created the Soul of Western Civilization. Zuerst etwas zum Autor: Der Inder Vishal Mangalwadi wurde 1949 im ländlichen Nordindien geboren und studierte 1967-1969 an der Universität von Allahabad Philosophie. 1971-1973 studierte er in Indore weiter, wo er 1973 seinen Master in Philosophie erwarb. Danach besuchte er hinduistische Aschrams und L’Abri Fellowship von Francis Schaeffer in der Schweiz. 1976 zogen seine Frau und er in die Farm seines Vaters im Dorf Gatheora im Bezirk Chhatarpur. Sie gründeten eine gemeinnützige Organisation zur ganzheitlichen Unterstützung und Befreiung der Armen auf dem Land. Weil dies der Kastenzugehörigkeit und der feudalen Gesellschaftsordnung entgegenstand, stiess ihre Arbeit auf heftigen Widerstand. So kam er 1980 kurz ins Gefängnis von Tikamgarh, 1984 wurde auch ihre Organisationszentrale niedergebrannt. Im gleichen Jahr wurde er zum Chef der Bauernkommission der Janata Party ernannt. 1987 initierte er eine nationale Bewegung gegen die Wiederbelebung der Witwenverbrennung. 1988-1994 arbeitete er als Assistent von Kanshi Ram, dem Gründer der Bahujan Samaj Party. Seit 1996 hält er weltweit Vorlesungen. 1999-2000 verbrachte er mit seiner Frau in der Bibliothek der Universität Cambridge, um die Rolle der Bibel beim Aufstieg der westlichen Kultur zu erforschen. 2003 erhielt er von der juristischen Fakultät der William Carey International Universität in Pasadena, Kalifornien, einen Doktortitel. 2009 veröffentlichte er in der US-amerikanischen Ausgabe von Truth and Transformation (deutsch: Wahrheit und Veränderung), dass die lokalen Kirchen in der ganzen Welt als Zentren des Lernens dienen und gebührenfreie, internetunterstützte Ausbildungen anbieten sollten. 2010 begann ein Pilotprojekt in Indonesien. Seit 2013 arbeitet er als Honorarprofessor für angewandte Theologie an der theologischen Fakultät des Sam Higginbottom Institut für Agrikultur, Technologie und Wissenschaft in Allahabad. . . . . . . . . . . . Zum Buch: Es beginnt mit der kurzen, tragischen Geschichte von Kurt Cobain, dem Leadsänger und Gitarrist der Rockband Nirvana, der 1994 Suizid verübte, vermutlich weil er vom Nihilismus geprägt war und sein Leben als sinnlos empfunden hat. Bereits Friedrich Nietzsche (1844-1900) hatte den Tod Gottes propagiert, der in seiner Konsequenz auch den Tod der menschlichen Seele beinhaltete, was wir hundert Jahre später im Westen nun teilweise erleben. Die Sichtweise auf das Leben war nicht immer so gewesen: Augustinus (354-430) hatte aufgrund seines christlichen Glaubens den Menschen als Körper, Seele und Geist definiert und beschrieben und war dadurch auch zum Wegbereiter für ein neues Musikverständnis geworden. Martin Luther hat dieses Musikverständnis vom Kloster unter das Volk gebracht. Der begabte und gebildete Johann Sebastian Bach (1685-1750) komponierte auf dieser Grundlage geniale Werke trotz Grausamkeit und Leid in seinem Leben. Das sind Beispiele, die den Einfluss der Bibel auf die westliche Kultur andeuten. Auch andere Arbeits- und Lebensbereiche wurden schon früh im Westen bearbeitet und vertieft, dabei spielten christliche Mönche in den Klöstern eine herausragende Rolle: ·Gregor von Tours (538-594) erfand die Wassermühle ·Johannes von Damaskus (676-749) betonte, dass die Vernunft die Quelle der Erkenntnis sei ·Der Philosoph Pico della Mirandola (1463-1494) schrieb 1486 ein Buch über die Würde des Menschen ·Bernhard von Clairvaux (1090-1153) schrieb nicht nur Geistliches, sondern interessierte sich wie seine Zeitgenossen auch für Technik und Handwerk ·Wilhelm von Auvergne (1228-1249) war Bischof von Paris und erfand die mechanische Uhr, um gemeinsame Gebetszeiten besser regeln zu können ·Brillengläser wurden 1280 in Pisa oder Lucca erfunden, damit Mönche besser Bibel lesen konnten

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Sonntag, Oktober 04, 2015

Joseph-Marie Verlinde: Die verbotene Erfahrung - Vom Ashram ins Kloster

Dieses unauffällige Buch ist im Unio-Verlag im deutschen Fremdingen 1998 erschienen unter der ISBN-Nummer: 3-935189-12-5. Jospeh-Marie Verlinde wurde 1947 in eine belgische katholische Familie hineingeboren. Er studierte analytische Chemie an der Universität Gand/Gent, wo er 1971 in diesem Fach dissertierte. Bereits 1969 lernte er die Transzendentale Meditation TM kennen, die von Guru Maharishi Mahesh Yogi begründet wurde und in der vedantischen Tradition des Hinduismus steht. Neben seinem Beruf als Chemiker praktizierte er mediale Naturheilkunde und besuchte seinen Guru dann auch in Indien. 1974 stieg er nach fünf Jahren aus und kehrte nach Europa zurück. 1976-1978 besuchte er ein katholisches Seminar in Avignon, und 1978-1982 absolvierte er die Gregoriana in Rom. 1983 liess er sich in Mont-Rouge, dem Ort des heiligen Josefs, zum Priester für die Diözese Montpellier weihen. 1985-1987 studierte er weiter an der Universität in Lourain, und 1991 wurde er Mönch. Verlinde beschreibt verständlich, nachvollziehbar und lehrreich in diesem persönlich gefärbten Buch seinen Lebensweg. Dazu gehören sein Einstieg in die Transzendentale Meditation, seine Erfahrungen, insbesondere mit Yoga, und seinen Ausstieg aus dieser Bewegung. Prägnant und sehr schön sind auch seine Formulierungen zur Gottesbeziehung und christlichen Spiritualität. Auf Seite 44 nennt er das Hauptziel von Yoga, nämlich „Das spirituelle Sein von den Elementen der materiellen Natur befreien und reinigen.“ Verlinde legt auf Seite 66 dar, dass es mehr als nur eine Mystik gebe. Ausgangspunkt sei der Durst nach dem Absoluten, der bei aller Mystik gleich sei, aber dann gehen die Wege und Erfahrungen bald auseinander. Er unterscheidet die (übernatürliche) Transzendenzmystik und die Immananzmystik, die Seinsmystik, die von Mircea Eliade „Enstase“ genannt wurde, womit „ein ganz in sich versunken sein“ gemeint sei. Im innersten dieses Wegs, der mit rigorosem Yoga erreicht wird, sei kein Platz für Gnade und Gott. Der französische Pater Jules Monchanin sagte, dass nur wenn der Hinduist seine Gleichung atman gleich brahman verwerfe, könne Christus bei ihm Eingang finden. Auch buddhistische und christliche Nächstenliebe seien nicht deckungsgleich, weil Buddhisten kein Ich wirklich kennen, achten und lieben können, da es Illusion sei. Liebe sei in östlichen Religionen Hilfsmittel zum Leben, während es im christlichen Westen Lebensziel war, was Gottesverständnis und Menschenbild stark beeinflusst hatte. Die Übernahme östlicher Praktiken und Techniken durch den Westen verstärke nur dessen aktuelle Identitätskrise. Transzendentale Meditation machte Verlindes Wahrnehmung zwar intensiver, aber sie füllte seine innere Leere auch nicht aus (Seite 94). Nach ihm gibt es kein christliches Yoga, wie es ja auch kein hinduistisches Gebet gebe. Denn Körper- und Atemübungen allein seien noch nicht Yoga (Seite 124). Nach seiner Rückkehr zum christlichen Glauben beschreibt er Gott so: „Er ist zarter Tau und verzehrende Flamme, rücksichtsvolle Mutter und fordender Vater, zärtlicher Geist und zweischneidiges Schwert“ (Seite 103). Gnade bedeute, dass Gott sich in Freiheit uns zuwende. Daher heisse Glauben den Liebesbund eingehen, den Gott uns ungeschuldet anbietet, an seinem Herz zu ruhen, und alles zu tun, um dort zu bleiben. Gebet dagegen sei Schluchzen des Herzens, das von Glut der göttlichen Liebe in Brand gesetzt ist. Therese von Lisieux sagte es so: „Gebet ist ein Dialog der Liebe mit Gott; ein freundschaftlicher Umgang mit dem, vom dem man sich geliebt weiss.“ Echtes christliches Gebet sei die Begegnung zweier Freiheiten, der unendlichen Gottes und der begrenzten des Menschen. Echte christliche Mystik sei ein Geschenk Gottes, das ich unwürdig mich fühlend empfange, jedoch keine Technik und schon gar kein Automatismus. Herychasmus, die einsame Sammlung, die unter dem Titel Philokalie publiziert wurde, die im 14. Jahrhundert im Bergkloster Athos (weiter)entwickelt wurde, sei keine Technik, sondern nur Methode des Jesusgebets. Die katholische Tradition sei schon immer der Ansicht gewesen, dass „Saatkörner des Worts“ sich in allen grossen religiösen Strömungen finden; diese warten alle auf die Offenbarung, sie bereiten sie vor und rufen nach ihr und werden in ihr ihre Erfüllung finden. Jede christliche Meditation ist grundsätzlich christologisch ausgerichtet. Für den Glaubenden ist Jesus das wahre Antlitz Gottes. In ihm ist uns die Liebe des Vaters offenbart, die uns zu Söhnen (und Töchtern) im Geist macht. Gotteserfahrung sei kein biblisches Thema, jedoch Gottes Suche nach dem Menschen, um ihm Liebe und Freundschaft zu schenken. Daher ist Glaube ein Gottesgeschenk, das ich erwidere. Geistlichkeit misst sich nicht an intensiven mystischen Erfahrungen, die habe oder nicht, sondern an Glaubensreife, Treue, Gehorsam, Bruder- und Nächstenliebe. Verlinde geht auch vertieft auf den Buddhismus ein, nicht zuletzt weil er im Westen so populär geworden ist. Für Buddha waren Menschen nichtige Wesen der Begierde, deren Verlangen ausgeschaltet werden müssen. Der tibetanische Buddhismus, die kleinste und jüngste Richtung (aus dem 7. Jahrhundert nach Christus), mit etwa vier Millionen Anhängern, hat im Westen am meisten Zulauf gewonnen. Er ist eine Mischung aus Bon-Religion und Tantrismus, die magische Praktiken und okkulte Energien einschliessen. Theravada-Buddhismus ist eigentlich keine Religion, weil sie mit Gott, Kult und Gebet nichts zu tun hat; sie ist vielmehr Disziplin und Weisheit. Mahayana-Buddhismus dagegen ist jünger als Theravada und ist mit hinduistischen Kultelementen angereichert. Mitleid bewirkt hier Verdienste. Zen ist Meditation, Weckung und Bewusstwerdung transzendentaler Weisheit in uns, die aus Mahayana-Buddhismus und Tao-Weisheit entstanden ist, zuerst im 7. Jahrhundert nach Christus in China und im 12. Jhd. in Japan. Verlinde sieht die Menschen wie die Kirchenväter, sie seien Wesen voll gewaltigen und unendlichen Verlangens und Dursts, der nur in Gott ihre Erfüllung finden kann. Das Verlangen der ganzen Schöpfung ist auf Dich gerichtet, sagte bereits Gregor von Nazianz. Verlinde befürwortet gerade deshalb auch eine gesunde Stillung der körperlichen Bedürfnisse. Er schreibt auf Seite 173: Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung sind genussvolle Akte und Mittel der körperlichen Natur, denen wir in Dankbarkeit begegnen sollen und die Gott freuen. Nur Masslosigkeit machen sie zu Götzen. Körperlicher Genuss ist legitim, wenn er der psychischen Entfaltung und geistigem Glück förderlich ist. Die (westliche) Vaterkrise zeige sich im Zulauf zu Illusionen und zur Verschmelzungsmystik und in Abnahme von Freiheit und Verantwortung. Das Kreuz Christi sei nicht nur Todeszeichen, sondern auch Lebenssymbol durch die Auferstehung und die Geistausgiessung auf alles Fleisch. Das evolutionistische Paradigma und die unbewegliche Religion der Reinkarnation, dem „samsara“, dem endlosen Strom von Geburt und Tod, sei erst ab dem 6. Jahrhundert vor Christus in den Upanishaden, jedoch nicht in den Veden überliefert. Origenes befürwortete zwar die Präexistenz der Seelen, war aber gegen Reinkarnation eingestellt. Im Christentum wurde beim Edikt des Justian 543 nChr die Seelenwanderung, die Metempsychose, endgültig verworfen. Der Mensch wird im christlichen Glauben eingeladen, die heiligmachende Gnade in einem Akt freier Zustimmung zum Heilsangebot Jesu Christi anzunehmen. Der personale Charakter sei dabei keine Illusion, sondern Krönungswerk der Schöpfung als Abbild Gottes. Der Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, der Gott, der uns seinen Namen und sein Gesicht in Jesus Christus enthüllt, lädt uns im Heiligen Geist zu einem Liebesbund ein. Biblische Anthropologie unterscheidet verschiedene Dimensionen und Ebenen des Menschen, aber scheidet sie nie und sie sind auch nicht austauschbar; der ganze Mensch ist zur Herrlichkeit bestimmt. Der Zeitpfeil verweist auf das singuläre Ereignis der Auferstehung, worin Heilsgeschichte des einzelnen und aller Menschen Erfüllung findet. Verlinde schliesst auf Seite 214 diesen Teil mit den Worten : Mit jedem Atemzug und Herzschlag bringe ich meine Sehnsucht und Dankbarkeit vor Dich, Herr, und dieser Lobpreis möge mir die Kraft schenken, demütig dein Wort zu bewahren und Dir so meine Liebe zu beweisen, damit Du in mir bleibst und ich in Dir bleibe. Christliches Yoga? (Seite 261-163) Aufschlussreich finde ich, was Verlinde dazu schreibt, nämlich einige positive und negative Aspekte; bei negativen Erfahrungen mit Yoga empfiehlt er sofortigen Abbruch: + Ablösung aus hinduistischem Rahmen ist möglich + körperliche Askese und Beherrschung der Sinne, Vorstellung und Erinnerung kann gelernt werden + Mystik wird erlebt, die Sammlung, Furchtlosigkeit und Leere einschliesst - entzieht alle körperlichen und geistigen Kräfte - nur die Erfahrung zählt, nicht jedoch Wahrheit, Kritik und Probleme - Unerschütterlichkeit, Unabhängigkeit & Willenskraft zählen anstelle von Gnade und Gott - Suggestion, Autosuggestion und Wunderkraft wirken - Yoga hat eine tantrische und atheistische Prägung

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Freitag, April 24, 2015

Emotional erwachsen werden (Seiten 187-206)

Viele Christen wissen viel über die Bibel, aber sie haben Mühe mit negativen Emotionen konstruktiv umzugehen und nicht daran hängen zu bleiben. Das hat viel mit mangelnder emotionaler Reife zu tun. Scazzero unterscheidet vier Stufen der Reife: · Emotionaler Säugling: Erwartet alles von andern und braucht sofortige Bedürfnisbefriedigung durch andere · Emotionales Kind: ist zufrieden, wenn es bekommt, was es will, sonst reagiert es mit Betteln, Jammern oder Trotz; lässt sich leicht aus der Fassung bringen, ist leicht verletzbar · Emotional Heranwachsender: ist bedroht, verletzlich, verteidigend, kritisierend, verurteilend, eher konfliktscheu, schuldzuweisend und wenig anteilnehmend · Emotional Erwachsener: Wünsche und Bedürfnisse werden ehrlich und direkt geäussert; hat Selbstwert; erkennt und übernimmt Verantwortung für eigene Gedanken, Gefühle, Worte und Taten; kann eigene Werte vertreten; respektiert andere bedingungslos und gibt Wertschätzung; ist konfliktfähig, lösungsorientiert und fehlertolerant; kennt eigene Grenzen, Stärken und Schwächen Echte Spiritualität zeigt sich besonders in der Liebesfähigkeit; denn nur Liebe enthüllt Schönheit und Wert des andern (nach Jean Vanier) und schenkt ihm Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Sünde ist das Gegenteil von Liebe, nämlich in sich selbst verkrümmt sein (nach Augustinus). Respekt zeigt sich besonders darin, dass ich dem andern eine eigene Meinung und seine eigene Lebenswelt einräume. Gedanken neigen zur Verselbständigung, daher sind sie im Dialog zu äussern, zu prüfen und zu korrigieren. Erwartungen sind auszusprechen. Kirche kann ein Ort der Liebe, des Wachstums und der Reife sein, wenn wir zulassen, dass Gott da mit seiner Wahrheit herrschen darf!

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Sonntag, Januar 04, 2015

11: A Glorious Sadness (Eine herrliche Traurigkeit)

Hart benennt den spirituellen Ethos der Antike als eine Art von herrlicher Traurigkeit. Es sei ein geschlossenes System, bei dem der Kosmos ein fortwährendes Opfer darstelle, worin Götter und Tote bestimmte Plätze einnehmen und Menschen davon abhängig blieben. Es sei eine Oekonomie mit Zyklen der Schöpfung und der Zerstörung, der Ordnung und des Chaos, der Stabilität und der Gewalt und religiöser Transaktionen mit dem Tod. Die Götter nähmen unsere Opfer entgegen und gäben uns von ihrer Macht. Kapitel 12: A Liberating Message (Eine befreiende Botschaft) Das frühe Christentum war gegenüber dem Heidentum visionär und attraktiv, weil es den Zugang und Einbezug von Sklaven und Frauen im Gottesdienst und Gemeinde ermöglicht hatte. Barmherzigkeit, die konkrete Unterstützung aller Bedürftigen und Armen galt als wichtigste geistliche Aufgabe, wodurch schnell ein Netz der Wohltätigkeit entstanden war. Kapitel 13: The Face of the Faceless (Das Gesicht der Gesichtslosen) Die genaue Übersetzung des lateinischen Wortes „persona“ ist Maske und zeigt etwas vom römischen Menschenbild und Personenverständnis der damaligen Zeit. Die Gleichstellung der Menschen in der frühen Kirche hatte dagegen eine enorme subversive Kraft in der heidnischen Gesellschaft und hat eine moralische Revolution bewirkt. Das Feiern der Auferstehung Christi an Ostern war jeweils Höhepunkt des Jahres und hatte auch eine emanzipatorische Wirkung; denn Gott war zum Gesicht der Gesichtslosen geworden.

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8: Intolerance and War (Intoleranz und Krieg)

Gemäss Hart gerät oft in den Hintergrund, weshalb die Kreuzzüge durchgeführt wurden; (der erste wurde 1095 durch Papst Urban II (1035-1099) ausgerufen.) Die Jerusalem-Pilger sollten vor den herrschenden Seldschuken, dem sunnitischen Turkvolk, geschützt werden, und dem bedrängten Byzanz unter Alexius I (1081-1118) sollte geholfen werden. Generell liefen die Religionskriege der Neuzeit in Europa darauf hinaus, Territorien und Macht zu festigen. Je absoluter die Staaten wurden, desto totaler wurden die Kriege. Der Höhepunkt wurde im 20. Jahrhundert erreicht. Gleichzeitig wurden auch von Christen unterschiedlicher Konfessionen die Fundamente für die Menschenrechte (mit)entwickelt. Es waren dies besonders der spanische Dominikaner Francisco de Vitoria (1483-1546) und der reformierte Theologe und niederländische Jurist Hugo Grotius (1583-1645). Kapitel 9: An Age of Darkness (Ein Zeitalter der Dunkelheit) Der „Empirismus“ sei nicht erst in der Aufklärung, sondern bereits im Spätmittelalter entwickelt worden (Seite 100). Hart macht darauf aufmerksam, dass wir nicht überheblich sein sollten und denken, dass unsere Zeit und Kultur aufgeklärter sei als eine andere oder frühere. Materialismus sei kein Faktum von Experimenten oder ein Fazit von Logik, sondern es sei ein metaphysisches (Vor)Urteil, nichts mehr und irrationaler als vieles anderes (Seite 103); denn Vernunft sei eine unbeständige Sache. Wenn es je ein dunkles Zeitalter gegeben habe, dann sei es unseres (Seite 106): Eine Welt des Unglaubens werde dominiert von leeren und selbstbeweihräucherten Narzissten, die in Banalität, Selbstzufriedenheit, Konformität, Zynismus und Selbstbewunderung versinken. Dies entspreche dem letzten Menschen, wie ihn Nietzsche beschrieben habe. In der Moderne sei die Freiheit auf die Macht über die Natur zu herrschen reduziert worden. Wenn der Mensch nicht mehr als ein Geschöpf Gottes angeschaut werde, dann werde es möglich, die menschliche Zukunft mit beliebigen Idealen zu füllen: französische Revolutionsideen, sozialistische Eugenik, Nationalsozialismus und Stalinismus. Kapitel 10: The Great Rebellion (Die grosse Rebellion) Hart beschreibt hier, wie die Taufe im frühen Christentum durchgeführt wurde. Es war eine Demonstration, die den Herrschaftswechsel deutlich zum Ausdruck brachte. Es sei ein Mythos, dass Heiden (Polytheisten) toleranter als Monotheisten gewesen wären. Beispielsweise hörten Gladiatoren- und Arenakämpfe erst mit dem aufkommenden und dann vorherrschenden Christentum auf.

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