Samstag, April 15, 2017

3. Inspiration, das hörende Herz

Im dritten Kapitel, auf den Seiten 81-184, beschreibt Schleske die vier Wege der Erkenntnis: Ratio, Empirie, Intuition und Inspiration. . . . Alle diese vier Wege haben ihre Berechtigung, denn es ist mehr die Frage, welche Liebe wir haben als welchen Weg wir gehen. Ratio kann denkende und fragende Liebe sein; Empirie forschende und handelnde Liebe, die immer wieder aufsteht und nicht aufgibt. Intuition sei erfahrende und spürende Liebe; Inspiration dagegen prophetische und empfangende Liebe und ein Wunder der Gottesgemeinschaft. . . . Nichts sei praktischer als eine gute Theorie, habe Tódor Kámán gesagt. Gute Wissenschaft ist für Schleske stets ein Lobpreis der Weisheit Gottes (Seite 86). Wesentliches bleibt Schleske im Geigenbau bei Messungen jedoch verborgen. Es sei wichtiger, etwas Gutes zu schaffen, als unentwegt mit sich zufrieden zu sein; denn man kann seine Seele nicht durch Zufriedenheit, sondern (nur) durch Dankbarkeit schützen (Seite 93). Intuitives Erkennen und Kreativität können durch Ängste und Sorgen zerstört werden. Nichtwissen kann sowohl zu Vertrauen als auch zu Verzweiflung führen (Seite 101). Ein vertrauendes Herz sei ein Resonanzkörper für Gott; und Gott erlaubt, dass wir ihn durch die Resonanzen unseres Glaubens färben dürfen (Seite 104). Gott offenbare sich dem Suchenden, er spreche zum Hörenden, und er bezeuge sich durch den Liebenden (Seite 105). Manchmal hätten wir gar eine Betäubung durch Wissen, dann bräuchten wir die hörende Leere, eine in den Himmel hineinhorchende Stille (Seite 112). Es gehe oft weniger darum, was theologisch richtig ist, als was in Gottes Augen aufrichtig sei (Seite 146). Nach Teresa von Avila sei der Weg zur Heiligkeit keine von mystischem Himmelslicht überstrahlte Strasse, sondern der alltägliche Trampelpfad unserer Ängste und Frustationen. Er wolle mit ganzer Seele beten lernen, nicht nur mit den guten und frommen oder unterwürfigen, sondern auch mit den queren, sorgenvollen, bitteren, schmerzlichen und ängstlichen Gedanken und Gefühlen. Unser Glaube sei oft so mutlos, weil wir uns Gott nicht zumuten. Weil wir uns nicht zumuten, wie wir sind, hören wir die ermutigende Stimme Gottes nicht; denn wir hören, wem wir gehören (Seite 162-164).

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Sonntag, Oktober 04, 2015

Joseph-Marie Verlinde: Die verbotene Erfahrung - Vom Ashram ins Kloster

Dieses unauffällige Buch ist im Unio-Verlag im deutschen Fremdingen 1998 erschienen unter der ISBN-Nummer: 3-935189-12-5. Jospeh-Marie Verlinde wurde 1947 in eine belgische katholische Familie hineingeboren. Er studierte analytische Chemie an der Universität Gand/Gent, wo er 1971 in diesem Fach dissertierte. Bereits 1969 lernte er die Transzendentale Meditation TM kennen, die von Guru Maharishi Mahesh Yogi begründet wurde und in der vedantischen Tradition des Hinduismus steht. Neben seinem Beruf als Chemiker praktizierte er mediale Naturheilkunde und besuchte seinen Guru dann auch in Indien. 1974 stieg er nach fünf Jahren aus und kehrte nach Europa zurück. 1976-1978 besuchte er ein katholisches Seminar in Avignon, und 1978-1982 absolvierte er die Gregoriana in Rom. 1983 liess er sich in Mont-Rouge, dem Ort des heiligen Josefs, zum Priester für die Diözese Montpellier weihen. 1985-1987 studierte er weiter an der Universität in Lourain, und 1991 wurde er Mönch. Verlinde beschreibt verständlich, nachvollziehbar und lehrreich in diesem persönlich gefärbten Buch seinen Lebensweg. Dazu gehören sein Einstieg in die Transzendentale Meditation, seine Erfahrungen, insbesondere mit Yoga, und seinen Ausstieg aus dieser Bewegung. Prägnant und sehr schön sind auch seine Formulierungen zur Gottesbeziehung und christlichen Spiritualität. Auf Seite 44 nennt er das Hauptziel von Yoga, nämlich „Das spirituelle Sein von den Elementen der materiellen Natur befreien und reinigen.“ Verlinde legt auf Seite 66 dar, dass es mehr als nur eine Mystik gebe. Ausgangspunkt sei der Durst nach dem Absoluten, der bei aller Mystik gleich sei, aber dann gehen die Wege und Erfahrungen bald auseinander. Er unterscheidet die (übernatürliche) Transzendenzmystik und die Immananzmystik, die Seinsmystik, die von Mircea Eliade „Enstase“ genannt wurde, womit „ein ganz in sich versunken sein“ gemeint sei. Im innersten dieses Wegs, der mit rigorosem Yoga erreicht wird, sei kein Platz für Gnade und Gott. Der französische Pater Jules Monchanin sagte, dass nur wenn der Hinduist seine Gleichung atman gleich brahman verwerfe, könne Christus bei ihm Eingang finden. Auch buddhistische und christliche Nächstenliebe seien nicht deckungsgleich, weil Buddhisten kein Ich wirklich kennen, achten und lieben können, da es Illusion sei. Liebe sei in östlichen Religionen Hilfsmittel zum Leben, während es im christlichen Westen Lebensziel war, was Gottesverständnis und Menschenbild stark beeinflusst hatte. Die Übernahme östlicher Praktiken und Techniken durch den Westen verstärke nur dessen aktuelle Identitätskrise. Transzendentale Meditation machte Verlindes Wahrnehmung zwar intensiver, aber sie füllte seine innere Leere auch nicht aus (Seite 94). Nach ihm gibt es kein christliches Yoga, wie es ja auch kein hinduistisches Gebet gebe. Denn Körper- und Atemübungen allein seien noch nicht Yoga (Seite 124). Nach seiner Rückkehr zum christlichen Glauben beschreibt er Gott so: „Er ist zarter Tau und verzehrende Flamme, rücksichtsvolle Mutter und fordender Vater, zärtlicher Geist und zweischneidiges Schwert“ (Seite 103). Gnade bedeute, dass Gott sich in Freiheit uns zuwende. Daher heisse Glauben den Liebesbund eingehen, den Gott uns ungeschuldet anbietet, an seinem Herz zu ruhen, und alles zu tun, um dort zu bleiben. Gebet dagegen sei Schluchzen des Herzens, das von Glut der göttlichen Liebe in Brand gesetzt ist. Therese von Lisieux sagte es so: „Gebet ist ein Dialog der Liebe mit Gott; ein freundschaftlicher Umgang mit dem, vom dem man sich geliebt weiss.“ Echtes christliches Gebet sei die Begegnung zweier Freiheiten, der unendlichen Gottes und der begrenzten des Menschen. Echte christliche Mystik sei ein Geschenk Gottes, das ich unwürdig mich fühlend empfange, jedoch keine Technik und schon gar kein Automatismus. Herychasmus, die einsame Sammlung, die unter dem Titel Philokalie publiziert wurde, die im 14. Jahrhundert im Bergkloster Athos (weiter)entwickelt wurde, sei keine Technik, sondern nur Methode des Jesusgebets. Die katholische Tradition sei schon immer der Ansicht gewesen, dass „Saatkörner des Worts“ sich in allen grossen religiösen Strömungen finden; diese warten alle auf die Offenbarung, sie bereiten sie vor und rufen nach ihr und werden in ihr ihre Erfüllung finden. Jede christliche Meditation ist grundsätzlich christologisch ausgerichtet. Für den Glaubenden ist Jesus das wahre Antlitz Gottes. In ihm ist uns die Liebe des Vaters offenbart, die uns zu Söhnen (und Töchtern) im Geist macht. Gotteserfahrung sei kein biblisches Thema, jedoch Gottes Suche nach dem Menschen, um ihm Liebe und Freundschaft zu schenken. Daher ist Glaube ein Gottesgeschenk, das ich erwidere. Geistlichkeit misst sich nicht an intensiven mystischen Erfahrungen, die habe oder nicht, sondern an Glaubensreife, Treue, Gehorsam, Bruder- und Nächstenliebe. Verlinde geht auch vertieft auf den Buddhismus ein, nicht zuletzt weil er im Westen so populär geworden ist. Für Buddha waren Menschen nichtige Wesen der Begierde, deren Verlangen ausgeschaltet werden müssen. Der tibetanische Buddhismus, die kleinste und jüngste Richtung (aus dem 7. Jahrhundert nach Christus), mit etwa vier Millionen Anhängern, hat im Westen am meisten Zulauf gewonnen. Er ist eine Mischung aus Bon-Religion und Tantrismus, die magische Praktiken und okkulte Energien einschliessen. Theravada-Buddhismus ist eigentlich keine Religion, weil sie mit Gott, Kult und Gebet nichts zu tun hat; sie ist vielmehr Disziplin und Weisheit. Mahayana-Buddhismus dagegen ist jünger als Theravada und ist mit hinduistischen Kultelementen angereichert. Mitleid bewirkt hier Verdienste. Zen ist Meditation, Weckung und Bewusstwerdung transzendentaler Weisheit in uns, die aus Mahayana-Buddhismus und Tao-Weisheit entstanden ist, zuerst im 7. Jahrhundert nach Christus in China und im 12. Jhd. in Japan. Verlinde sieht die Menschen wie die Kirchenväter, sie seien Wesen voll gewaltigen und unendlichen Verlangens und Dursts, der nur in Gott ihre Erfüllung finden kann. Das Verlangen der ganzen Schöpfung ist auf Dich gerichtet, sagte bereits Gregor von Nazianz. Verlinde befürwortet gerade deshalb auch eine gesunde Stillung der körperlichen Bedürfnisse. Er schreibt auf Seite 173: Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung sind genussvolle Akte und Mittel der körperlichen Natur, denen wir in Dankbarkeit begegnen sollen und die Gott freuen. Nur Masslosigkeit machen sie zu Götzen. Körperlicher Genuss ist legitim, wenn er der psychischen Entfaltung und geistigem Glück förderlich ist. Die (westliche) Vaterkrise zeige sich im Zulauf zu Illusionen und zur Verschmelzungsmystik und in Abnahme von Freiheit und Verantwortung. Das Kreuz Christi sei nicht nur Todeszeichen, sondern auch Lebenssymbol durch die Auferstehung und die Geistausgiessung auf alles Fleisch. Das evolutionistische Paradigma und die unbewegliche Religion der Reinkarnation, dem „samsara“, dem endlosen Strom von Geburt und Tod, sei erst ab dem 6. Jahrhundert vor Christus in den Upanishaden, jedoch nicht in den Veden überliefert. Origenes befürwortete zwar die Präexistenz der Seelen, war aber gegen Reinkarnation eingestellt. Im Christentum wurde beim Edikt des Justian 543 nChr die Seelenwanderung, die Metempsychose, endgültig verworfen. Der Mensch wird im christlichen Glauben eingeladen, die heiligmachende Gnade in einem Akt freier Zustimmung zum Heilsangebot Jesu Christi anzunehmen. Der personale Charakter sei dabei keine Illusion, sondern Krönungswerk der Schöpfung als Abbild Gottes. Der Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, der Gott, der uns seinen Namen und sein Gesicht in Jesus Christus enthüllt, lädt uns im Heiligen Geist zu einem Liebesbund ein. Biblische Anthropologie unterscheidet verschiedene Dimensionen und Ebenen des Menschen, aber scheidet sie nie und sie sind auch nicht austauschbar; der ganze Mensch ist zur Herrlichkeit bestimmt. Der Zeitpfeil verweist auf das singuläre Ereignis der Auferstehung, worin Heilsgeschichte des einzelnen und aller Menschen Erfüllung findet. Verlinde schliesst auf Seite 214 diesen Teil mit den Worten : Mit jedem Atemzug und Herzschlag bringe ich meine Sehnsucht und Dankbarkeit vor Dich, Herr, und dieser Lobpreis möge mir die Kraft schenken, demütig dein Wort zu bewahren und Dir so meine Liebe zu beweisen, damit Du in mir bleibst und ich in Dir bleibe. Christliches Yoga? (Seite 261-163) Aufschlussreich finde ich, was Verlinde dazu schreibt, nämlich einige positive und negative Aspekte; bei negativen Erfahrungen mit Yoga empfiehlt er sofortigen Abbruch: + Ablösung aus hinduistischem Rahmen ist möglich + körperliche Askese und Beherrschung der Sinne, Vorstellung und Erinnerung kann gelernt werden + Mystik wird erlebt, die Sammlung, Furchtlosigkeit und Leere einschliesst - entzieht alle körperlichen und geistigen Kräfte - nur die Erfahrung zählt, nicht jedoch Wahrheit, Kritik und Probleme - Unerschütterlichkeit, Unabhängigkeit & Willenskraft zählen anstelle von Gnade und Gott - Suggestion, Autosuggestion und Wunderkraft wirken - Yoga hat eine tantrische und atheistische Prägung

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Freitag, Februar 13, 2015

Schalom Ben-Chorin: Bruder Jesus

Dies ist gar kein neues Werk, sondern ein Buch, das erstmals 1967 bei List in München erschienenen ist mit dem Untertitel: Der Nazarener in jüdischer Sicht. Eine spätere Auflage kam 1977 beim Taschenbuch Verlag in München unter der ISBN-Nummer: 3-423-01253-6 heraus. Zum Autor: Schalom Ben-Chorin wurde 1913 in München geboren und studierte Literaturgeschichte bei Artur Kutscher und vergleichende Religionswissenschaft bei Joseph Schnitzer. Nach mehrfacher Verhaftung durch die Gestapo emigrierte er 1935 nach Jerusalem. Er gilt als Vorkämper für ein besseres Verhältnis zwischen Juden und Christen, im speziellen zwischen Israelis und Deutschen. Für sein Wirken erhielt er viele Auszeichnungen, so den Leo-Beack-Preis 1959 des Zentralrats der Juden in Deutschland, das Bundesverdienstkreuz 1969 und die Buber-Rosenzweig-Medaille 1982. Zum Buch: Wie der Titel sagt, sieht Ben-Chorin Jesus als Bruder und nicht als Messias. Doch seine Darstellung ist nicht abwehrend und gar abwertend, sondern wohlwollend, argumentierend und begründend von seiner Herkunft, dem Judentum, her. Er sieht Jesus in der eher sanftmütigen Tradition von Hillel, während er Johannes den Täufer der schroffen Schule von Schammai zuordnet. Die Synagoge war und ist „Beth-Haknesseth“, das Haus der Versammlung für den Wortgottesdienst, wo im Geist und in der Wahrheit angebetet wird. Nach Samson Raphael Hirsch ist das Gebet der innere Gottesdienst, der eine Vorbereitung zum tätigen ist und seinen Zweck nur in ihm findet. Im Judentum zur Zeit Jesu stehe das Liebesgebot klar über dem Kultgebot. Jesus begann seine öffentliche Tätigkeit als „Schedim“, als Arzt; damals waren Heilender und Heiliger noch ungetrennt; Daneben gab es auch „Rabbis“ und „Zaddiks“. Die Bergpredigt bezeichnet er als jüdisches Lehrgut in der Tradition des Rabbiners Jesus. „Maschal“ sind Gleichnisse, die damals eine übliche Erzählform waren. Die Gleichnisse des verlorenen Schafs, des verlorenen Groschens und des verlorenen Sohns im Lukasevangelium 15 waren sogenannte „Teschuba“-Gleichnisse, in denen Gnade vor Recht herrscht. Vollkommenheit lasse sich auf Heiligkeit zurückführen. Wohltätigkeit sei ein Akt der „Zedeka“, der Gerechtigkeit. „Bejn adam le-chavero“ waren Gebote zwischen den Menschen, „bejn adam la-makom“ Gebote zwischen Gott und Mensch. Gott sei der Ort der Welt, nicht die Welt sei der Ort Gottes. Das Unser Vater-Gebet stehe der jüdischen Art zu beten nahe: „Dein Name werde geheiligt“ komme auch im Kaddisch-Gebet vor, „Dein Reich komme“ drücke die jüdische Naherwartung von Gottes Herrschaft aus und „Unser tägliches Brot gib uns heute“ war ein wichtiges Anliegen der damaligen Zeit, in der viele in bitterer Armut leben mussten. Ben Chorin macht darauf aufmerksam, dass es für den Begriff „Menschensohn“ zwei hebräische Wörter gibt: „Bar Enosch“, der in Daniel 7,13+14 messianisch gebraucht wird, und „Ben Adam“, der bei Hesekiel für einen Propheten vorkommt. Jesus sei vor allem ein Wanderprediger im provinziellen Galil gewesen, er habe Jünger gehabt, habe Gleichnisse erzählt, gepredigt und Kranke und Dämonisierte geheilt. Das Wallfahren nach Jerusalem zum Heiligtum geschah zu Passah, Schawuoth (Wochenfest) und Sukkoth (Laubhüttenfest). Die Palmzweige, die Jesus willkommen geheissen haben, könnten aufs Laubhüttenfest hinweisen. Der Gang Jesu nach Jerusalem zum Tempel fand ein- oder dreimal statt, worüber die synoptischen Evangelien und das Johannesevangelium unterschiedlich berichten. Analog dazu gibt es auch die Lesung der Tora auf zwei Arten, einmal pro Jahr im Rahmen des Babylonischen Talmuds, dreimal im palästinensischen Talmud. Die Juden haben in Beziehung zu den römischen Machthabern drei ganz verschiedene Strategien gewählt, die auch in anderen Bereichen festzustellen sind: ·Assimilation, Anpassung durch die Sadduzäer; ·Gegnerschaft, Kampf durch die Zeloten; ·Ignoranz, Aussteigertum durch die Pharisäer und Essener. Das Abendmahl fand während dem jüdischen Sedermahl statt, unter dem griechischen Einfluss kamen dabei auch Elemente wie die Polster des Symposions dazu. Das Passah mit Lamm, Mazzen und Bitterkraut bestand aus fünf Schritten: ·„wehozejti“: Überschreitung, Becher der Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft; ·„wehizalti“: Mazzoth, Fest der ungesäuerten Borte mit Becher der Rettung; ·„wegaalti“: Chag-Haaviv, Frühlingsfest der Erlösung; ·„welakachti“: Seman Cheruthenu, Zeit der Annahme unserer Befreiung; ·Essig mit Ysop war der 5. Becher, von dem Jesus wünschte, dass er an ihm vorübergehe. Der Prozess gegen Jesus war ein kurzer politischer Prozess gegen einen jüdischen Patrioten, jedoch mit langen Folgen. Die Voruntersuchung geschah durch Hannas, der nächtliche Vorprozess war unter Kaiphas und endete mit einer Vollsitzung des Syhedrions. Der rote Mantel, der Jesus umgelegt wurde, weckt zwei Assoziationen, ein jüdische und eine römische: ·Der Hohepriester zog spezielle Kleider an am Versöhnungstag; ·Römische Offiziere und der Cäsar trugen rote Mäntel. Die Bezeichnung am Kreuz „INRI“ weist nicht nur auf den König der Juden hin, sondern kann auch als Anspielung auf den Gottesnamen „JHWH“ verstanden werden: „Jeschu(a) Hanozri Wumelech Hajehudim“.

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Mittwoch, April 09, 2014

Nimm und iss... Die Bibel als Lebensmittel

Von Eugene H. Peterson habe ich schon lange und immer wieder viel Gutes gehört, doch noch nie ein Buch von ihm gelesen. Nun hat der Neufeld-Verlag im süddeutschen Schwarzenfeld - den ich sehr schätze - dieses Jahr ein Buch unter der ISB-Nummer 978-3-86256-045-5 von Peterson aufgelegt. Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel: „Eat this book – A Conversation in the Art of Spiritual Reading“ bereits im Jahr 2006. Die vorzügliche Uebersetzung besorgte Evelyn Sternad. . . . . . . Zum Autor: Eugen H. Peterson wurde 1932 geboren. Er gründete 1962 eine presbyterianische Gemeinde in Maryland USA und leitete sie 29 Jahre. 1993 bis 1998 war er Professor für spirituelle Theologie am Regent College in Vancouver, Kanada. 2002 erschien seine Bibelübersetzung „The Message“, an der er zehn Jahre gearbeitet hatte. Mit dieser Uebersetzung, mit seinen Bücher und Predigten will er die Bibel wieder und neu in die Herzen der Menschen pflanzen. Er hat über dreissig Bücher geschrieben und mehrere Ehrendoktortitel erhalten. Seine Frau und er haben drei Kinder und sechs Enkel, sie leben heute in Montana, wo er auch aufgewachsen war. Zum Buch: Der Titel bezieht sich auf die Bibelstelle in Offenbarung 10,9, wo der Engel Johannes gebeten hat, das kleine Buch zu nehmen und zu essen. Das ist eine der zentralen Aussagen über das Wort Gottes, die sich über die ganze Bibel hinweg ziehen. Denn es geht darum, die Bibel, das aufgeschriebene Wort Gottes, geistlich zu lesen und wie ein Lebensmittel aufzunehmen und nicht nur als Informationsquelle, Wissensspeicher oder gar als Rechtsmittel zu verwenden. Auch im ersten Psalm ist davon die Rede, über die Weisung Gottes nachzusinnen (Vers zwei); aber es ist eine unzureichende Uebersetzung des hebräischen Verbs „hagah“. Denn es geht viel mehr um ein wohliges knurren, ein andauerndes kauen und ein sich verlieren in der Torah. Auch Bonventura hat gesagt: „Viel zu wissen und nichts zu schmecken – wozu soll das gut sein?“ „Christen zehren also von der Bibel. Die Heilige Schrift ernährt die heilige Gemeinschaft genauso, wie Nahrung unseren Körper ernährt. Christen erlernen, studieren oder verwenden die Bibel nicht nur. Wir verleiben sie uns ein, wir nehmen sie mit in unser Leben hinein. Sie wird verarbeitet zu Liebestaten, Bechern voll kühlen Wassers, Aussendungen in die Welt, Heilung, Evangelisation und Gerechtigkeit im Namen Jesu.“ So drückt sich Peterson auf Seite 33 aus. Die Erzählform sei das hauptsächliche sprachliche Mittel, womit Gott uns sein Wort nahe bringt, denn sie ist uns gut zugänglich. „Für uns Juden ist es wichtiger, die Bibel zu studieren, als ihr zu gehorchen, denn wenn du sie nicht richtig verstehst, dann gehorchst du ihr nicht richtig, und dein Gehorsam wird zum Ungehorsam“ (Seite 98). Die Bibel sei vor allem mündlich zu verstehen, das hat bereits der schottische Theologe James Barr festgestellt. Denn die aufgeschriebenen Worte wurden ihrem ursprünglichen Zusammenhang entrissen: Klang, Tonfall, Rhythmus, Stimmen, Töne und Düfte sind nicht mehr enthalten; sie sind der natürlichen Umgebung entzogen (Seite 114). . . . . . . . . . . Zentrales Anliegen von Peterson ist die „lectio divina“, das geistliche Lesen der Bibel. Sie umfasst die vier Elemente lectio, meditatio, oratio und contemplatio, die aber nicht nur linear zu verstehen und anzuwenden seien. Denn „Bibelverse sind keine Glückskekse, die man beliebig aufbricht... Meditation ist der beste Weg, um uns vor der Zerstückelung unseres Bibellesens in isolierte Orakel zu schützen... Beten (oratio) heisst in den Satzbau und die Grammatik des Wortes Gottes zu treten. Wir verlassen die enge Welt des Ichs und treten ein in die weite Welt Gottes. Kontemplation bedeutet nicht nur leben, sondern auch geschehen lassen, kontemplative Menschen seien insofern gescheiterte Schriftbetrachter" (Seiten 133-142). Peterson warnt vor der Gefahr, die Bibel zu haben, zu verteidigen und zu feiern, anstatt sie zu empfangen, sich ihr zu unterwerfen und sie zu beten. Es gebe eine Entweihung der Bibel nach unten und nach oben! Nach oben bedeute, dass man die ursprüngliche, meist einfache Sprache der Bibel ignoriere, die oft eine Sprache der Unterschicht gewesen sei. Gerade das Koine-Griechisch, in der die Evangelien und grosse Teile des Neuen Testaments aufgeschrieben wurden, war eine Sprache der Kinder, Arbeiter, Armen, Entrechteten und Ausgebeuteten. Das haben erst Moulton James Hope und Adolf Deissmann richtig entdeckt, weil im ägyptischen Oxyrhynchus 1896 in einem Müllhaufen erstmals Texte in Koine-Griechisch gefunden wurden. Zusammen mit Dale C. Alison hält Peterson die vierte Bitte des Unser Vater-Gebets für den Knackpunkt dieses Gebets von Jesus. "Unser tägliches Brot" sei die umstrittenste und schwierigste Bitte. Mit Hans Dieter Betz ist er überzeugt, dass es kaum einen Zweifel daran gebe, dass Jesus sich auf echtes, nicht nur geistliches Brot bezogen habe (wie Origenes und seine Nachfolger fälschlicherweise meinten und lehrten; Seiten 187-191). . . . . . . . . . Peterson zieht folgendes Fazit: „Jesus verkörpert das Herabsteigen Gottes in unser Leben, so wie es ist und in das Umfeld, in dem wir leben. Er verkörpert nicht den Aufstieg unseres Lebens zu Gott, von dem wir hoffen, dass er uns wohlgesonnen ist, sobald er sieht, wie sehr wir uns bemühen und wie höflich wir beten“ (Seite 193). Auch in Israel war Gott im Alltag gegenwärtig und handelte unter ihnen, oft aber unscheinbar. Gottes Zurückgezogenheit und sein Schweigen wurden auch respektiert und nicht mystifiziert wie bei den Nachbarvölkern Ugarit und Kanaan. Sie machten ihre Götter durch magische Manipulationen und religiöse Technologien dienstbar (Seiten 196-199). Am Schluss macht Peterson nochmals darauf aufmerksam, dass buchstabengetreue Bibelübersetzungen unzureichend seien, weil sie nonverbale Ebenen ausschliessen, und vorhandene Redewendungen, Bilder und Satzstrukturen in der Zielsprache nicht finden können. Daher seien Uebersetzungen ausnahmslos Interpretationen! Fazit: Das Buch von Peterson ist sehr informativ, gut zu lesen und gibt neue Impulse für einen gesunden Umgang mit der Bibel. Es eignet sich auch für Personen, die schon lange mit der Heiligen Schrift unterwegs sind.

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Montag, Juli 23, 2012

Wie Körper und Geist zusammenwirken

Interessant sind auch Boberts Ausführungen zu Körper und Geist, zuerst im speziellen zum Placeboeffekt: Das Wort „placebo“ werde in Psalm 116,9 verwendet, wo es „Gefallen“ bedeutet. Daraus sind Totenandacht, danach Scheinheiliges und heuchlerische Ersatzhandlung geworden. Zum medizinischen Begriff wurde es erst um 1900; der Placeboeffekt beschrieb Henry Beecher 1955, der Erfahrungen als Anästhesist im 2. Weltkrieg machte bei Schmerzmittelmangel und Placebos an verletzte Soldaten verteilte und Linderung feststellte. Herbert Benson schrieb 1997 in München zu „Heilung durch Glauben“. In der Materie wohne eine „schöpferische Potenz“, der Geist. Dieser Geist vermag den Körper umzugestalten durch biochemische Prozesse. Innere Bilder, Träume, Meditation und mantrisches Gebet lenken unsere Aufmerksamkeit, wirken positiv oder negativ durch das Gehirn auf den Körper ein. Das Bewusstsein steuert den Körper. Achtsamkeit ist das grundlegende Werkzeug zur Formung des Menschen. Leben in der Gegenwart, wirklich ganz da zu sein, gewahr zu sein, beeinflusst den Stoffwechsel positiv. Man spricht da von „Mindfulness-Based Cognitive Therapy MBCT“. In diesem Sinn bedeutet meditieren nicht leer werden, sondern Bewusstseinstraining und Gehirnbildung „brainbuilding“. Gehirne sind lebenslang modellier- und veränderbar, deshalb auch in einem gewissen Sinn frei und nicht vorherbestimmt. Alle wissenschaftlichen Ergebnisse sind und bleiben interpretationsbedürftig. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wesentliche Beschreibungen und grundlegende Entwicklungsschritte im Verhältnis von Mensch und Gott, Körper und Geist sind von folgenden Personen erzielt oder festgehalten worden: · Gregor von Nyssa, 330-395, wendete Bilderverbot auf das Gebet an, denn der unsichtbare Bräutigam sei da · Evagrius Ponticus, 345-399, ein Schüler von Gregor von Nazianz und gebildeter Mönch in der nitrischen Wüste Aegyptens, beobachtete seine eigenen Gedanken und lernte so „die Unterscheidung der Geister“. Er sah den Geist des Menschen auf Gottes- und Selbsterfahrung hin angelegt. Er empfahl zudem, nicht das Aussergewöhnliche und Spektakuläre zu suchen, weil dort die Dämonen der Ruhmsucht und des Stolzes seien. Generell haben die Wüstenmönche betont, dass man Jesus nur durch Anstrengung, Demut und unaufhörliches Gebet „besitzen“ könne · Cassian, 360-435, hinterliess in seinen „Collationes“ einen mantrischen, bildlosen Weg des Gebets · Bernhard von Clairvaux, 1090-1153, betete: „O jähe, heftige, brennende, ungestüme Liebe, die du keinen nicht auf dich bezogenen Gedanken duldest, ... alles ausser dir verschmähst (du) und mit dir allein zufrieden bist. Du lehnst alle Ordnung ab, kehrst dich an keine Schicklichkeit, kennst kein Mass. Ueber alles, was gute Zeit, Vernunft, Sitte, Rat und Ueberlegung zu sein scheint, setzest du dich siegreich hinweg. Alles, was die Braut denkt und spricht, tönt nach dir, duftet von dir und von nichts sonst. So sehr hast du Herz und Zunge in Beschlag gelegt.“ Deshalb sei jeder Mensch zur Liebe, ja zur Liebesvereinigung mit Gott bestimmt. Er sprach von fünf Liebesstufen: 1. Fleischliche Liebe: Der Mensch liebt sich selbst 2. Soziale Liebe: Der Mensch liebt Gott als Sklave 3. Funktionale Liebe: Der Mensch liebt Gott als Arbeiter 4. Faszinierende Liebe: Der Mensch liebt Gott als Kind 5. Bindende, innige, masslose, selbstlose, trunkene, verwandelnde Liebe: Mensch liebt Gott als Braut · Martin Luther, 1483-1546, definierte Glauben an Gott als von Gott geführtes Zusammensein von Gott und Mensch, das in lectio, oratio, meditatio und tentatio geübt werde · Ignatius von Loyola, 1491-1556, Gründer des Jesuitenordens, schrieb ein Exerzitienbuch. Darin macht er auf Gefahren der Egozentrik und Projektion beim Beten aufmerksam. In der Betrachtung Gottes, um Liebe zu erlangen, geht es um Verzicht auf äussere und mentale Aktivitäten (EB 234): „Nehmt, Herr, und empfangt meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen, all mein Haben und mein Besitzen. Ihr habt es mir gegeben; Euch gebe ich es zurück. Alles ist Euer, verfügt nach Eurem ganzen Willen. Gebt mir Eure Liebe und Gnade, denn diese genügt mir.“ Er unterschied drei Stufen auf dem Weg zu Gott: 1. Reinigungsweg: Ruhig werden, Wahrnehmen und Unterscheiden von gedanklichen und gefühlten Prozessen: heilsamer Trost bewirkt Ruhe, Freude, Friede und Liebe in Gott; zerstörerische Trostlosigkeit führt zu Verzweiflung, Unruhe und Hass 2. Erleuchtungsweg: auf äussere Sinne verzichten, langsam beten und zunehmendes Verweilen in heilsamen Gedanken und Gefühlen: Indifferenz „Hesychia“ 3. Vereinigungsweg: blosses Schauen der göttlichen Personen ohne jegliche Aktivität mittels Jesus-Gebet, das an Atem gebunden ist; dauerhaftes Verweilen in heilsamen Gedanken und Gefühlen · Teresa von Avila, 1515-1582, unterschied vier Gebetsformen: 1. äusserliches, vorgesprochenes und nachahmendes Beten für Kinder 2. fragendes und reflektierendes Beten für Jugendliche 3. affektives und vertrauendes Beten wie zu einem Freund 4. kontemplatives, konzentrierendes und stilles Beten (das haben besonders Emmanuel Jungclaussen, Franz Jalics und Peter Dyckhoff in der Gegnewart aufgegriffen) . Johannes Maria Vianney (in Ars), 1786-1859, hat gesagt: „Ich schaue den guten Gott an, und der gute Gott schaut mich an“ · William James, 1842-1910, hat als einer der ersten 1890 über Neuroplastizität und Introspektion geschrieben · C. G. Jung, 1875-1961, forschte über das kollektive Unbewusste und das wahre Selbst des Menschen · Viktor Frankl, 1905-1997, machte auch überbewusste Erfahrungen · Abraham Maslow, 1908-1970, beschrieb überbewusste Erfahrungen in seiner Psychologie des Seins · John Main, 1926-1982 erneuerte die benediktinische Spiritualität mit Mantren, wie sie bereits Cassian in seinen Collationes als bildlosen Gebetsweg gelehrt hatte · Paul Virilio, geboren 1932, machte u.a. auf die Zeitrevolutionen aufmerksam: Transportwesen im 19. Jahrhundert, Uebertragungsmedien im 20. Jahrhundert und Entmaterialisierung und Körpervirtualität im 21. Jahrhundert · Mihaly Csikszentmihalyi, geboren 1934, schrieb ein Buch über „Flow“, worin er Zustände jenseits von Angst und Langeweile beschrieb, überwache Zustände mit hoher Konzentration. · Matthieu Ricard, geboren 1946, französischer Wissenschaftler und Buddhist, hat ein Buch über Glück geschrieben (München 2009). Er weist darauf hin, dass das Gehirn nicht äusseres und inneres Erleben unterscheide. Wir seien unseren eingeschliffenen Charaktermuster nicht schicksalhaft ausgeliefert. Die Lenkung der Aufmerksamkeit auf heilsame Bilder baue gesunde Charakterstrukturen auf.

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Freitag, Juli 06, 2012

Pixcel-Ich

Die gegenwärtige Befindlichkeit der westlichen Menschen schätzt Bobert so ein: Im sogenannten „Pixcel-Ich“ zeigen sich ein übersättigtes Selbst, andauernde Identitätssuche und zu viele Umbrüche. Man spricht auch von „MPS“, dem multiplen Persönlichkeitssyndrom, das auf acht bis neun Teilpersönlichkeiten kommt. Eine grosse Zerbrechlichkeit zeichnet die Menschen heute im Westen aus, die zugleich oft auch Narzissmus ist. Sie kann sich auch in Wut äussern (nach Heinz Kohut). Narzisstische Personen sind auch verunsichert und häufig tragisch, sie pflegen verschmelzende, idealisierende und überlegene Beziehungen. Teddys, die sie haben, sind Uebergangsobjekte und Realsymbole für die Mutter. Sie haben daher auch viel eher ein mütterliches Gottesbild, das Ausdruck der Suche an Ansehen und Geborgenheit ist. Das Muttergesicht ist in der menschlichen Urerfahrung der primäre Ort der Gnade: „Wenn ich schaue, werde ich gesehen, also existiere ich.“ Diese nicht endende Spiegelung, das Bewahren des Muttergesichts, kann zur Fixierung, zum „Kokon“, zum Schauen in einen toten Spiegel werden. Tote Spiegel werden dann zu Drogen, Fetischen, dämonischen Symbolen, Selbstverletzungen, Götzen, falschen und selbstkonstruierten Gottesbilder. Gesund dagegen sind schöpferische Arbeit, Einfühlungskraft, Begrenztheit, Humor und Weisheit. Gott sprenge letztlich alle Bilder; und wir beten, weil wir (noch) nicht sehen und erkennen, Gottesschau erfolge durchs Auge der Kontemplation (Hugo von St. Viktor). Auch die Wissenschaft kenne seit der Entdeckung der Quantenmechanik 1927 keine Objektivität mehr, sie kann nicht mehr genau sagen, wie die Welt wirklich beschaffen ist. Das Universum wird eher und vermehrt als grosses Gewebe, als Einheit und Verbundenheit betrachtet. Rationalität allein genügt nicht mehr, auch Intuition hat wieder ihren Platz (frei nach Urich Schnabel: Die Vermessung des Glaubens. München 2008). Bobert verweist auch auf den englischen Landartkünstler Andy Goldsworthy, der eine Welt hinter Worten zeigt. Er sieht etwas, das immer schon da war, aber für das er bisher blind war. Die Kraft in der Materie sei Leben, sie mache sie zu Lebewesen. Mystische Erfahrung sei Einheit, Reinigung, Gegenwart, Zweckfreiheit und Unsagbarkeit. Zu Boberts Glaubenseintrittsverständnis: Für sie ist die Taufe das Bad der Wiedergeburt, eine Metamorphose, eine Erleuchtung durch den heiligen Geist. Das ist Christusgeburt in der Seele, „jeder Christ muss so zur Mutter Christi werden, zugleich ist Christus unser Wagenlenker“. Gott können wir nur durch geistliche Verwandlung erkennen, in Begegnungen mit Christus erhalten wir ein pneumatisches Gewand. So wie Kleider den Körper bedecken, bedecke der Körper bereits die Seele. Geisttrunken werden wir von der Eucharistie, von Christus im Wort und von der Eingiessung des Heiligen Geistes.

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Samstag, Juni 30, 2012

Boberts Geschichte der christlichen Mystik

Ihre eigentlichen Ausführungen zur Mystik beginnt Bobert dann erstaunlicherweise mit Platon und seinem Stufenweg (Seite 44). Er unterschied zwischen 1. Reinigungsstufe (in Symposion 199-201) 2. Einweihung in die Ueberlieferung (201-209) 3. Schau (209-211) . . . . . Etwas gewagt und theologisch einseitig finde ich Boberts These, dass Paulus platonisch beeinflusst gewesen sei. Er verarbeitete Mysterientheologie in der Kultpraxis, seine Tauflehre werde im Römerbrief 6-8, Gal 3,26 und 1Ko 1,13-17 entsprechend beschrieben. Das hauptsächliche Mysterium sei Christus, der den Menschen in der Auferstehung verwandelte. Danach verweist sie auch stark auf Clemens von Alexandrien, der 150-215 gelebt hatte. Er christianisierte Platon, forderte Arkandisziplin von Christen, die sich analog zu Platon zeigte in 1. Reinigung 2. Unterweisung (kleine Mysterien) und 3. Schau (grosse Mysterien) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weiter nimmt dann Bernhard von Clairvaux (1090-1153) viel Raum ein. Er lebte zur Zeit, als die Scholastik entstand, die besonders gut von Abelard (1079-1142) und Petrus Lombardus (1095-1160) verkörpert und vertreten wurde. Bernhard dagegen betonte Beziehung und Liebe zu Gott, besonders in seinen Hoheliedpredigten. Er plädierte für Gottes- und Selbsterkenntnis und Gottessuche in der Kontemplation. In (seinen) Klöstern wurde auch vieles aus Gottes unsichtbarer Welt abgebildet wie der quadratische Garten, der Kreuzgang, etc. So wurde Gott und seine Welt besser sichtbar, hörbar und fühlbar gemacht. Gruppenlernen und Dynamik der Klostergemeinschaften trugen noch Wesentliches zur Erfahrung von Transzendenz bei. Mönch Guigo II, der 1193 starb, lehrte folgende Methodenschritte fürs geistliche Leben: 1. Lectio (Bibel lesen) 2. Meditatio (meditieren) 3. Oratio (beten) 4. Contemplatio (schauen) . . . . . Auch Martin Luther lehrte einen ähnlichen geistlichen Weg und war von den Sakramenten und ihren Wirkungen überzeugt. Er legte vor allem die Erfahrungs- und Lebensfremdheit der Scholastik bloss. Der Benediktiner Odo Casel, der 1886 in Koblenz geboren wurde, und als Priester in Maria Laach tätig war bis er 1948 starb, wollte die Mysterientheologie erneuern. Das eigene Miterleben in der Eucharistiefeier wurde wichtiger, so kann „communio“ zur „unio“ werden. Er beachtete die Theologie der Kirchenväter stärker und verfasste religionsgeschichtliche Studien zu antiken Mysterienkulten. Bobert plädiert mit Manfred Josuttis (geboren 1936, ev. Theologe in Göttingen) hier gegen rationalistische Tendenzen und für pneumatische Prozesse. Die (westliche) Theologie greife heute oft zu kurz, denn das Wesen des Theologen sei die Glaubensschau, die von Christus ausgeht (Seite 74). Die Teilnahme am (Mess)Kult fördert das Verstehen. Bild Gottes zu sein sei das Wesen des Menschen, aber zugleich auch seine Aufgabe. Sünde störe Wahrnehmung(sfähigkeit) und Erkenntnis der Wahrheit. Je mehr das Ego zerstört werde, desto mehr entfalte sich Christus. Wandlung (in der Eucharistie) sei nicht religiöser Materialismus, sondern ein Sieg des Geistes; die Materie müsse Gott dienen. Wirksame Rituale hätten Gnadencharakter. Das Heilige sei eine Wirklichkeit, die immer präsent, aber nicht immer zugänglich sei, die man nicht auflösen darf. Durch rituelle Methoden werde ein atmosphärische Machtfeld realisiert, wo das Göttliche Menschen ergreife und Resonanz auslöse. Mystagogie sei die Kunst der Initiation, der Hineinführung in das Geheimnis der eigenen Existenz, anderer Menschen, des Kosmos und Gottes. Religiöse Phänomene seien möglichst wörtlich und wirklich zu nehmen. Christliche Mystik sei ein Erfahrungsweg, der auf ein gegenwärtiges Leben mit Gott ziele und echte Gotteserkenntnis bewirke. Sie sei personale Begegnung mit Jesus und dem dreieinigen Gott, die sogar erotische Komponenten umfassen könne, den Menschen reinige und verwandle zum Bild Gottes. Sie mache mit Jesus Christus heilsame Erfahrungen und lege anspruchsvolle Wege zurück. Die orthodoxe Theologie sei viel stärker Mysterientheologie geblieben, die mit kultischen Spiegelungen und Kommunikation und Kraftworten arbeite und mit Kraftteilhabe rechne. Ihre Spiritualität will den Geist materialisieren und die Materie spiritualisieren. Im Osten und Westen wurde durch die mystische Praxis die kulturelle Elite geformt und spezifisches „Kapital“ gebildet in Klöster, Kirchen und Schulen. Einige Definitionen von Sabine Bobert, da die Begriffe häufig noch unbekannt und zudem unscharf sind: 1. Christliche Mystagogik ist christliche Lehre vom mystischen Weg mit Jesus Christus; denn er ist das Urbild des Menschen 2. Praktische Mystagogik ist ästhetisch-kultische und individuell-übende Spiritualität 3. Mystagogische Theorie reflektiert mystische Tradition mit der Wissenschaft 4. Das (mystische) Menschenbild geht davon aus, dass der Mensch vor allem ein geistiges Wesen ist, das zur persönlichen Vereinigung mit Gott bestimmt ist 5. Gesellschaftlicher Kontext: Postmoderne, Interreligiosität und Esoterik 6. Theo-Aesthetik bedeutet zentrierte Aufmerksamkeit und Gegenwart Gottes in allem sehen . . . . . Bobert sieht die westlichen Menschen als heilungsbedürftig und leidend unter metaphysischem Heimatverlust (Peter L. Berger). Die Folgen seien eine Risikogesellschaft (Ulrich Beck) und Ich-AG. Ausgelöst wurde dies durch die Reformation, die ein Autoritäts- und Freiheitsproblem bewirkt hatte. Alles musste danach im Glauben angeeignet werden, sogar die Taufe. Der Einzelne erhielt dadurch viel Verantwortung, mit der nicht immer zurecht komme. Es habe eher zum Laientum aller Priester als zum Priestertum aller Laien geführt. Dagegen betone Mystik im Rahmen von Dietrich Bonhoeffer und von Teilhard de Chardin: · Teilhabe am Vater bedeute Sein, Schaffen und Einheit · Teilhabe am Sohn bedeute Werden, Existieren und Lieben · Teilhabe am Geist bedeute Bewusstwerdung, Integration, Denken und Licht (orthodox) . . . . . Der russische Universalgelehrte und Priester Pavel Florenskij (1882-1937) bezeichnete den Menschen (tiefsinnig) als Maske, Gesicht und Antlitz Gottes. Durch die Erlösung kann die maskenhafte Abspaltung und die dämonische Fremdherrschaft überwunden, das wahre menschliche Gesicht wiederhergestellt und das Ziel als Ebenbild Gottes nach dem Urbild von Jesus erreicht werden.

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Donnerstag, Juni 28, 2012

Sabine Bobert: Jesus-Gebet und neue Mystik

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich vermehrt mit christlicher Mystik. Das hat vermutlich mit meiner Lebensmitte und der Ausschöpfung des diskursiven und kognitiven Zugangs zu Gott zu tun. Auf diesem Weg ist mir das äusserst informative und lesenswerte Buch von Sabine Bobert aufgefallen: Jesus-Gebet und neue Mystik. Grundlagen einer christlichen Mystagogik. (Verlag: Kiel Buchwerft Jahr 2010, 470 Seiten; www.buchwerft-verlag.de; ISBN-Nummer: 978-3-940900-22-7) . . . . . Etwas zur Autorin: Sabine Bobert wurde 1964 in Ostberlin geboren. Sie studierte Theologie an einem baptistischen Seminar, danach konvertierte sie zur evangelischen Kirche. Ab 1991 war sie zuerst Vikarin und dann Pfarrerin in Berlin. Sie promovierte mit einer Arbeit über Dietrich Bonhoeffer. Im Jahr 2000 war sie stellvertretende Theologieprofessorin in Marburg, ein Jahr später in Kiel. Sie ist Professorin für praktische Theologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Seelsorge, alter christlicher spiritueller Traditionen und postmoderner Spiritualität. Sie setzt sich dafür ein, dass die deutsche evangelische Messe wieder vollständig umgesetzt wird mit all ihren rituellen Handlungen. . . . . . . . . . . . . . . . Zum Inhalt: Sabine Bobert zeigt für mich zu Beginn ihrer Ausführungen eindrücklich auf, dass die akademische protestantische Theologie spirituelle Uebungswege, generell den Wert einer erfahrbaren Spiritualität heute neu kennen und vermehrt schätzen lernen muss und will. Bisher hat sie zunehmend auf säkulare Methoden der Sozialwissenschaften gesetzt, neu kommen religiöse Methoden, Symbole und Riten wieder stärker ins Blickfeld. Wenn wir weit genug zurückschauen, dann ist diese Entwicklung nicht neu, denn bis zur Scholastik war die Mystagogik, der Gottesdienstkult, die vorherrschende christliche Theologie. Im Westen haben jedoch die Scholastik, die Reformation, die Aufklärung und der Rationalismus die christliche Mystik und die geistlichen Uebungswege weitreichend marginalisiert. Im orthodoxen Osten war dies nicht geschehen, was Bobert als geistlichen Vorteil und Gewinn erachtet. . . . . Karl Rahner, der bedeutende deutsche katholische Theologe des 20. Jahrhunderts war ein Profet als er sagte: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein...“. Auch der Wissenssoziologe Peter L. Berger machte mit seinen Büchern „Wiederentdeckung des Uebernatürlichen in der modernen Gesellschaft“ (1970 und „Der Zwang zur Häresie“ (1980) auf dieses neue westliche Phänomen aufmerksam. Sabine Bobert unterscheidet drei Hauptarten von religiösem (christlichem) Wissen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . · Autoritäres Wissen, das sich aus der Tradition ableiten lässt. Bekanntester Vertreter dafür im 20. Jahrhundert war Karl Barth . . . . . . . . · Negierendes Wissen, das aus Anpassung an den damaligen Zeitgeist des Materialismus und der Entmythologisierung entwickelt wurde. Rudolf Bultmann steht für diese Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . · Erfahrendes Wissen, heute vorherrschend, das induktiv und individuell angeeignet wird. Die wichtigsten Personen dafür sind Friedrich Schleiermacher, Karl Rahner und Ulrich Beck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusätzlich gab bereits um 1900 und auch schon vorher alternative Religionsparadigmen in Europa. Zu erwähnen sind Emanuel Swedenborg 1688-1772, Franz Anton Mesmer 1734-1815 und Rudolf Steiner 1861-1925. Sie setzten viel stärker auf religiöse Empirie. Im 20. Jahrhundert waren in dieser Richtung, C. G. Jung, Thorwald Dethlefsen und Elisabeth Kübler-Ross tätig. Sie portierten Reinkarnationsvorstellungen infolge persönlicher Erfahrungen; letztere glaubte nur, was sie erfahren konnte. Tod gab es für Kübler-Ross nicht, sondern Unsterblichkeit, die jedoch pseudowissenschaftlich begründet wurde. Der Körper wird als Haus, Tempel oder Kokon angesehen. Aehnlich argumentierte auch Max Planck, als er sagte: „Es gibt keine Materie an sich. Sie entsteht und besteht nur durch eigene Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und zusammenhält. Wir müssen hinter dieser Kraft einen bewussten und intelligenten Geist annehmen, der das Wahre ist.

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Freitag, Dezember 23, 2011

Waldes und Weihnachten

Anfang Dezember hatte ich die Gelegenheit, Torre Pellice südwestlich von Turin zu besuchen. Es ist heute das Zentrum der italienischen Waldenser, die zu den ersten Protestanten Europas gehörten. Sie gehen zurück auf (Petrus) Valdes, der 1140 in Lyon geboren wurde. Er war ein reicher Kaufmann, ähnlich wie Franziskus, der aufgrund von Worten der Bibel umkehrte und den Weg der Armut wählte. Er war nicht sonderlich gebildet, jedenfalls verstand er kaum Latein, und liess deshalb Bibelteile ins Romanische, eine südfranzösische Sprache, übersetzen. Es war die erste Bibelübersetzung in eine Volkssprache in Europa. Zudem predigte er Umkehr auf Lyons Strassen und Plätzen ab 1170 und scharte so Anhänger um sich, die sogenannten "Armen von Lyon". Er wollte "nackt dem nackten Christus nachfolgen". Der Bischof verbot ihm das Predigen, denn es war den gebildeten und geweihten Priestern in der Kirche vorbehalten. Valdes hielt sich nicht daran und kritisierte auch Kirche und Klerus, so dass er 1182 exkommuniziert und ausgewiesen wurde. Er wurde zum Wanderprediger mit Anhängern in Frankreich und Italien. Zusammen mit den lombardischen und böhmischen Brüdern verbreitete sich so die Botschaft dieses einfachen Evangeliums subversiv über ganz Mitteleuropa bis nach Polen. Das wurde zusammen mit anderen abtrünnigen Gruppierungen für die katholische Kirche zum ernsthaften Machtproblem. Mit der Einführung der Inquisition (und der Kreuzzüge) versuchten die Kirchenoberen, wieder Herr der Lage zu werden, was letztlich später die Reformation auslöste. Valdes starb etwa um 1206, er hat keine eigenen Schriften hinterlassen, aber trotzdem viel bewegt und bewirkt.


Höhlenkirche "Gheisa d'la Tana" im Agrognatal

Diese Geschichte und andere Eindrücke bewegten mich zu folgendem Gebet:

Gott,
du kommst von ganz unten zu uns.
Du kommst ganz klein zu uns,
und du kommst ganz arm zu uns.
In Jesus bist du uns ganz nah. Dafür danken wir dir.
Wir bitten dich um Vergebung, dass wir dich immer wieder
in Unscheinbarkeit, Kleinheit und Armut übersehen und verachten.
Erbarme dich über unseren Hochmut und unsere Blindheit.
Wir brauchen deine Liebe und dein Licht.
Danke, dass du uns trotzdem nah bleibst und dein Reich kommt!
Amen


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Dienstag, März 01, 2011

Gott der Liebe - Geist der Wahrheit

Im Moment lese ich gerade ein etwas unbekannteres Buch "Sturm und Sonne" von Henri Boulad, einem Franzosen, der in Aegypten lebt. Er ist erstaunt über die Verkopfung und den "Szientismus" der bei uns herrscht und hält uns Europäern einen Spiegel vor.
Gleich zu Beginn kommt ein Gebet vor, das er von einer alten Frau erhalten hatte, das ich mir leicht abgeändert aufgeschrieben habe:


Gott der Liebe – Geist der Wahrheit, du bist unfassbar, aber du bist!
Allwissend, allgegenwärtig und allmächtig nach deinen Plänen.
Du sprichst zu mir: Sei still; erkenne, dass ich Gott bin, dein Geist der Wahrheit in dir!
Geschenk Gott – unsere Antenne:
Alles, was wahrhaftig ist in mir, das bist du! Alles, was heil ist in mir, das bist du!
Durchblute und weite meine Gefässe und gib dem treuen Herzmuskel Kraft!
Ich danke dir für mein Leben und deinen Schutz, so wie es war, so sollte es sein.
Ich habe gesündigt in allen Bereichen und viel Notwendiges Gut-Tun unterlassen.
Wenn du kannst, so mache mich rein, schenke mir diese Gnade!
Gestalte das Verhältnis mit meinen Nächsten harmonisch,
gib ihnen und mir Erkenntnis und Liebeskraft;
Lass mich gerecht sein mit ihnen und mit mir selbst.
Verleihe mir wahre Gedanken mit Einsichten ohne Ausreden und sei es im Unterbewussten.
Denn sie nisten sich leicht ein aus Bequemlichkeit und aus Eigenliebe.
Geist der Wahrheit in mir, wirke in mir immerdar,
wirke mit mir in allen meinen Wünschen.
Vor allem schenke mir Liebeskraft, Güte und Geduld!

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Montag, Februar 07, 2011

Sein vor Gott


Nichts mehr müssen und nichts mehr wollen

einfach mal nichts von mir geben müssen

einfach sein und auch nichts brauchen

dasein vor Dir und so Liebe empfangen

getränkt werden von dir und überfliessen

das ist schön und dann auch wieder wollen

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Sonntag, Dezember 12, 2010

Ist Gott ein Held?

Gestern hat mir meine Frau ein Gebet vorgelesen,
heute habe ich es aufgeschrieben, weil es mich berührt hat:

Gott-Held
(von Susanne Niemeyer, leicht abgeändert)
Du haust die Dinge nicht kurz und klein.
Du flüsterst Mutparolen in mein Herz.
Du füllst Blei in meine Beine, wenn ich standhalten soll.
Den Angreifern gibst du keins auf die Mütze,
aber du stehst den Schwachen bei und machst sie stark.
Dein Halfter ist leer, du zeigst nicht, wo's lang geht, du bist der Weg.
Die Seelenmonster unter meinem Bett vertreibst du,
und in meinen Träumen machst du mich wieder ganz.
Du bist Nachtvertreiber und "Ich-bin-da"

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Sonntag, November 14, 2010

B wie Begegnung mit Gott


Letzte Woche habe ich in idea Schweiz einen kürzeren Artikel über attraktive Gottesdienste in der reformierten Landeskirche gelesen. Dabei sind mir die vier darin enthaltenen Elemente von Pfarrer Alfred Aeppli eingefahren, die vier "B", die er für grundlegend hält:

- (Hör)Bereit sein für Gott
- Berührt von seinem Wort, der Bibel
- Bewegt zur Antwort
- Begleitet von Gottes Segen


Diese vier "B" scheinen mir elementar für jede Begegnung mit Gott zu sein, sei es nun im Gottesdienst, in einer Andacht, einer Besinnungs- oder in der persönlichen "Stillen Zeit". Ich wünsche mir, darauf zu achten.

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Mittwoch, Mai 06, 2009

Gebete von Antje Sabine Naegeli-Schrade


Antje Sabine Naegeli-Schrade wurde 1948 geboren. Sie studierte zuerst evangelische Theologie und später Psychotherapie, im speziellen Logotherapie und Existenzanalyse. Sie war Spitalseelsorgerin in St. Gallen. Heute hat sie eine eigene psychotherapeutische Praxis. Sie schreibt Lyrik, spirituelle und psychologische Texte. Zudem hat sie einige einfühlsame und tiefgründige Gebete verfasst:

Die ausgetretenen Wortwege verlasse ich, um einzutreten in den Raum des Schweigens.
Warten will ich, bis die Stille das Laute überwächst, und ich ganz Ohr werde für deine Gegenwart.
(aus Christ in der Gegenwart)

Du bist ein Gott, der das Zerbrochene heilt.
Ich bitte dich, erfülle du mich mit dem Vertrauen,
dass du auch meiner Lebensgeschichte einen unverlierbaren Sinn verliehen hast.
Heile alles Enttäuschte, alles Erschreckte und Verwundete in den Tiefen meiner Seele.

Ein neuer Tag liegt vor mir.
Lass mich,
mein Gott,
die Möglichkeiten erkennen,
die mir heute geschenkt sind.
Nimm Besitz von meinen Gedanken,
von meinem Fühlen und Wollen,
dann wird dieser Tag fruchtbar sein.

Herr, mein Gott, es gibt Tage, an denen alles versandet ist:
die Freude, die Hoffnung, der Glaube, der Mut.
Es gibt Tage, an denen ich meine Lasten nicht mehr zu tragen vermag:
Meine Krankheit, meine Einsamkeit, meine ungelösten Fragen, mein Versagen.
Herr, mein Gott, lass mich an solchen Tagen erfahren,
dass ich nicht allein bin,
dass ich nicht durchhalten muss aus eigener Kraft,
dass du mitten in der Wüste einen Brunnen schenkst und meinen übergrossen Durst stillst.
Lass mich erfahren,
dass du alles hast und bist, dessen ich bedarf.
Lass mich glauben,
dass du meine Wüste in fruchtbares Land verwandeln kannst.

Manchmal träume ich, Herr, von einem neuen Herzen:
Ein Herz ersehne ich mir, das sich ganz an dich verliert.
Ein Herz, das für dich brennt und deinen Willen liebt.
Ein Herz voll Vertrauen.
Ein Herz, in dem Raum ist für die Leidenden.
Ein Herz, das sich nicht ängstlich einmauert,
sondern wagt,
seine Verwundbarkeit anzunehmen,
weil es aus deiner heilenden Liebe lebt.
Ein Herz, das mitten im Lärm deine Stimme erkennt,
in dem dein Lobpreis lebendig ist.
Lass mich nicht müde werden,
mein Gott,
ein solches Herz von dir zu erbitten.

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Montag, April 27, 2009

Gebete von Dag Hammarskjöld


Dag Hammarsköld war Schwede und Generalsekretär der Vereinigten Nationen. Er kam auf einer Mission bei einem Flugzeugabsturz in Afrika ums Leben. Seine Gebete zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit Gott und einer tiefgründig erlebten Spiritualität (Quellen: Christ in der Gegenwart, Buch "Vater unser" und unbekannt):

Du, der über uns ist,
du, der einer von uns ist.
Du, der ist – auch in uns:
Dass alle dich sehen – auch in mir,
dass ich den Weg bereite für dich,
dass ich danke für alles, was mir widerfuhr,
dass ich dabei nicht vergesse der anderen Not.
Behalte mich in deiner Liebe, so wie du willst,
dass andere bleiben in der meinen.
Möchte sich alles in meinem Wesen zu deiner Ehre wenden,
und möchte ich nie verzweifeln,
denn ich bin in deiner Hand,
und alle Kraft und Güte sind in dir!


Erbarme dich unser.
Erbarme dich unseres Strebens,
dass wir vor dir,
in Liebe und Glauben, Gerechtigkeit und Demut dir folgen mögen,
in Selbstzucht und Treue und Mut und in Stille dir begegnen.

Gib uns reinen Geist, damit wir dich sehen,
demütigen Geist, damit wir dich hören,
liebenden Geist, damit wir dir dienen,
gläubigen Geist, damit wir dich leben.
Du, den ich nicht kenne,
dem ich doch zugehöre.
Du, den ich nicht verstehe,
der dennoch mich weihte meinem Geschick.
Du!


Ich sitze hier vor dir, Herr,
aufrecht und entspannt, mit geradem Rückgrat.
Ich lasse mein Gewicht senkrecht durch meinen Körper hinuntersinken
auf den Boden, auf dem ich sitze.
Ich halte meinen Geist fest in meinem Körper.
Ich widerstehe dem Drang, aus dem Fenster zu entweichen,
an jedem anderen Ort zu sein als an diesem hier,
in der Zeit nach vorn und hinten auszuweichen,
um der Gegenwart zu entkommen.
Sanft und fest halte ich meinen Geist dort,
wo mein Körper ist: hier in diesem Raum.

In diesem gegenwärtigen Augenblick
lasse ich alle meine Pläne, Sorgen und Aengste los.
Ich lege sie jetzt in deine Hände, Herr.
Ich lockere den Griff, mit dem ich sie halte, und lasse sie dir.
Für den Augenblick überlasse ich sie dir.
Ich warte auf dich – erwartungsvoll.
Du kommst auf mich zu, und ich lasse mich von dir tragen.
Ich beginne die Reise nach innen.
Ich reise in mich hinein, zum innersten Kern meines Seins,
wo du wohnst.
An diesem tiefsten Punkt meines Wesens
bist du immer schon vor mir da,
schaffst und belebst,
stärkst ohne Unterlass meine ganze Person.

Und nun öffne ich meine Augen,
um dich in der Welt der Dinge und Menschen zu schauen.
Ich nehme die Verantwortung für meine Zukunft wieder auf mich.
Ich nehme meine Pläne, meine Sorgen, meine Aengste wieder auf.
Ich ergreife aufs Neue den Pflug.
Aber nun weiss ich,
dass deine Hand über der meinen liegt
und sie mit der meinen ergreifst.
Mit neuer Kraft trete ich die Reise nach aussen wieder an,
nicht mehr allein,
sondern mit meinem Schöpfer zusammen.

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Sonntag, April 19, 2009

Gebete von Romano Guardini


Romano Guardini war katholischer Priester und Lehrer in Deutschland,
der bedeutende Werke zur menschlich-geistlichen Entwicklung und Reifung verfasst hat. Auch seine untenstehende Gebete zeugen davon:

Gott,
ich bitte dich, gib mir ein Auge,
das fähig ist, Jesus Christus zu sehen;
ein Ohr, das sein Wort versteht;
ein Herz, das von seinem Herzen berührt ist,
und lehre meine Hand,
sich vertrauend in die seine zu legen.

Herr und Gott,
du bist der Lebendige,
der alles durchwohnt und durchwaltet.
Ich will bei Dir eintreten und ausharren,
auch wenn ich meine, ich sei allein.
Lass mich erfahren,
dass ich bei Dir bin.
Die Offenbarung spricht von Deinem Angesicht,
das über uns leuchtet.
Zeige es mir, o Herr, dieses heilige Angesicht,
damit ich weiss, zu wem ich rede.
Ich glaube, dass Du mich liebst:
Lass mich Deines Herzens innewerden.

Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand.
Das ist meine Wahrheit und meine Freude.
Immerfort blickt mich dein Auge an,
und ich lebe aus deinem Blick,
du mein Schöpfer und mein Heil.
Lehre mich, in der Stille deiner Gegenwart
das Geheimnis zu verstehen, das ich bin.
Und dass ich durch dich und vor dir und für dich bin.

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Donnerstag, April 16, 2009

Gebete von Franz von Assisi


Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens.
Schenke mir rechten Glauben, feste Hoffnung und vollkommene Liebe.
Gib mir Herr, Gespür und Erkenntnis,
dass ich (erfassen und) erfüllen möge
deinen heiligen und wahrhaften Auftrag.

O Herr,
in deinen Armen bin ich sicher.
Wenn du mich hältst, habe ich nichts zu fürchten.
Ich weiss nichts von der Zukunft, aber ich vertraue dir.

O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens:
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich dein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.
Ach Herr, lass du mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste,
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer da stirbt,
der erwacht zum ewigen Leben. Amen.

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Sonntag, April 12, 2009

Gebete von Dietrich Bonhoeffer



Dietrich Bonhoeffer war einer der glaubwürdigsten und überzeugendsten Theologen Deutschlands des 20. Jahrhunderts. Durch seine Taten und Werke ist er weltbekannt geworden, etwas unbekannter sind folgende Gebete von ihm:

Barmherziger Gott.
Vergib mir alles, was ich an dir und an den Menschen gesündigt habe.
Ich traue deiner Gnade und gebe mein Leben ganz in deine Hand.
Mach du mit mir, wie es dir gefällt und wie es gut für mich ist.
Ob ich lebe oder sterbe, ich bin bei dir und du bist bei mir, mein Gott.
Herr, ich warte auf dein Heil und auf dein Reich.

Herr Gott,
grosses Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken.
Ich weiss nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst.
Lass die Furcht nicht über mich herrschen.
Ich traue deiner Gnade und gebe mein Leben ganz in deine Hand.

In mir ist es finster – aber bei dir ist das Licht.
Ich bin einsam – aber du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig – aber bei dir ist Hilfe.
Ich bin unruhig – aber bei dir ist Friede.
In mir ist Bitterkeit – aber bei dir ist Geduld.
Ich verstehe deine Führung nicht – aber du weißt den Weg für mich.

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Gebete von Augustinus



Augustinus, der 354-430 nach Christus gelebt hat, war ein grosser Gottsucher und Menschenkenner. Er hat heute einen eher zweifelhaften Ruf wegen seiner Nähe zu Platon und der damit verbundenen Körper- und Lustfeindlichkeit. Aber seine Gebete sind trotzdem etwas vom schönsten und tiefsten, das es gibt:

Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,
lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht!
Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde,
und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht!

Gross bist du, Herr...
Denn geschaffen hast du uns zu dir,
und ruhelos ist unser Herz,
bis dass es seine Ruhe hat in dir.

Du hast gerufen, geschrieen und meine Taubheit übertönt.
Du hast geleuchtet, gelodert und meine Blindheit überstrahlt.
Du hast deinen Duft verbreitet, ich habe einen tiefen Atemzug genommen,
und jetzt lechze ich nach dir.
Ich habe dich geschmeckt,
und jetzt habe ich Hunger und Durst.
Du hast mich berührt,
und jetzt brennt in mir das Verlangen nach deinem Frieden.

Herr, mein Gott,
du kennst meine Kraft, hilf meiner Schwachheit auf.
Bist du mir Stärke, so bin ich wahrhaft stark.
Verlasse ich mich auf eigene Kraft, so bin ich kraftlos.
Dich, o Herr, kann nur verlieren, wer dich verlässt.
Meine ganze Hoffnung ruht auf deinem Erbarmen.

Herr, mein Gott, Du, die eine Hoffnung, die ich habe,
erhöre mich, dass ich nicht müde werde, nach Dir zu fragen,
sondern allzeit brennend nach Deinem Antlitz suche.
Gib Du mir Kraft, nach Dir zu fragen,
denn Du liessest Dich finden und gabst mir Hoffnung,
Dich immer mehr zu finden.
Vor Dir ist meine Stärke, vor Dir ist meine Schwachheit.
Jene bewahre, dieser hilf auf.
Vor Dir ist mein Wissen, vor Dir ist mein Unwissen.
Wo Du mir auftust, nimm mich auf, wenn ich eintrete.
Wo Du verschlossen hältst, tu mir auf, wenn ich anklopfe.
Dich will ich im Sinn haben, Dich verstehen, Dich lieben.
Das alles mehre in mir, bis Du mich umgestaltest zur Vollendung.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke.
Treibe mich, Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue.
Locke mich, Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe.
Stärke mich, Heiliger Geist, dass ich das Heilige behüte.
Hüte mich, Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere.

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Samstag, Dezember 20, 2008

Das universale Lob. Psalm 100


Es geht auf Seiten 373 bis 379 um die „toda“, das Dankopfer, in der Form lobpreisenden Sprechens, das sichtbare Opfergaben begleitet. Eine Liturgie, die für die wesentliche Ausgerichtetheit des Lebens steht, totalitär, einzigartig und selbstverständlich ist. Allein der Name (JHWH) ruft diesen Lobpreis wach, und er ist Hinweis auf Auesserstes an Lebensfülle. Lobpreis umfasst:

. Bekennen

. anerkennen

. ehren

. Schuld bekennen

. sich unter das Gericht beugen

. Friedensopfer (bringen)

. öffentliche Danksagung des Einzelnen (ev. Dankopfer)

. Lobpreis der Gemeinde, liturgische Doxologie


Lobpreis will sich Rechenschaft geben von JHWHs Tugenden (Ex 34,6; Num 14,18; Ps 86,15; 103,8; 145,8)

Miskotte schreibt dazu noch: „JHWH ist unser Bundesgenosse. Er hat mit uns einen Bund geschlossen, um uns zu beschirmen gegen uns selbst, die wir in unseren Gedanken immer wieder mit dem amor fati spielen, die wir die Tragik und die Wehmut der irdischen Existenz beinahe – suchen. Er muss uns, gegen unsere Neigung, daran verhindern, Bundesgenossen des süss- oder bitter-schweigenden Schicksals zu werden, damit wir, genau umgekehrt, Ihn bekennen, d.h. loben als unseren Bundesgenossen gegen das Schicksal, von dem wir für unser Empfinden gänzlich umfangen sind.

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