Freitag, Juli 06, 2012

Pixcel-Ich

Die gegenwärtige Befindlichkeit der westlichen Menschen schätzt Bobert so ein: Im sogenannten „Pixcel-Ich“ zeigen sich ein übersättigtes Selbst, andauernde Identitätssuche und zu viele Umbrüche. Man spricht auch von „MPS“, dem multiplen Persönlichkeitssyndrom, das auf acht bis neun Teilpersönlichkeiten kommt. Eine grosse Zerbrechlichkeit zeichnet die Menschen heute im Westen aus, die zugleich oft auch Narzissmus ist. Sie kann sich auch in Wut äussern (nach Heinz Kohut). Narzisstische Personen sind auch verunsichert und häufig tragisch, sie pflegen verschmelzende, idealisierende und überlegene Beziehungen. Teddys, die sie haben, sind Uebergangsobjekte und Realsymbole für die Mutter. Sie haben daher auch viel eher ein mütterliches Gottesbild, das Ausdruck der Suche an Ansehen und Geborgenheit ist. Das Muttergesicht ist in der menschlichen Urerfahrung der primäre Ort der Gnade: „Wenn ich schaue, werde ich gesehen, also existiere ich.“ Diese nicht endende Spiegelung, das Bewahren des Muttergesichts, kann zur Fixierung, zum „Kokon“, zum Schauen in einen toten Spiegel werden. Tote Spiegel werden dann zu Drogen, Fetischen, dämonischen Symbolen, Selbstverletzungen, Götzen, falschen und selbstkonstruierten Gottesbilder. Gesund dagegen sind schöpferische Arbeit, Einfühlungskraft, Begrenztheit, Humor und Weisheit. Gott sprenge letztlich alle Bilder; und wir beten, weil wir (noch) nicht sehen und erkennen, Gottesschau erfolge durchs Auge der Kontemplation (Hugo von St. Viktor). Auch die Wissenschaft kenne seit der Entdeckung der Quantenmechanik 1927 keine Objektivität mehr, sie kann nicht mehr genau sagen, wie die Welt wirklich beschaffen ist. Das Universum wird eher und vermehrt als grosses Gewebe, als Einheit und Verbundenheit betrachtet. Rationalität allein genügt nicht mehr, auch Intuition hat wieder ihren Platz (frei nach Urich Schnabel: Die Vermessung des Glaubens. München 2008). Bobert verweist auch auf den englischen Landartkünstler Andy Goldsworthy, der eine Welt hinter Worten zeigt. Er sieht etwas, das immer schon da war, aber für das er bisher blind war. Die Kraft in der Materie sei Leben, sie mache sie zu Lebewesen. Mystische Erfahrung sei Einheit, Reinigung, Gegenwart, Zweckfreiheit und Unsagbarkeit. Zu Boberts Glaubenseintrittsverständnis: Für sie ist die Taufe das Bad der Wiedergeburt, eine Metamorphose, eine Erleuchtung durch den heiligen Geist. Das ist Christusgeburt in der Seele, „jeder Christ muss so zur Mutter Christi werden, zugleich ist Christus unser Wagenlenker“. Gott können wir nur durch geistliche Verwandlung erkennen, in Begegnungen mit Christus erhalten wir ein pneumatisches Gewand. So wie Kleider den Körper bedecken, bedecke der Körper bereits die Seele. Geisttrunken werden wir von der Eucharistie, von Christus im Wort und von der Eingiessung des Heiligen Geistes.

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