Dienstag, Mai 01, 2012

Zusammenbruch nicht Kampf der Kulturen

Am Schluss des Buches im Kapitel „Die Rivalen“ zieht Ferguson Bilanz. Er erwähnt zuerst den Griechen Polybios, der schon in den Historien 6 den zyklischen und phasenhaften Aufstieg und Fall von Kulturen beschrieben hatte. Die Stufen waren griechisch präzise und harmonisch geordnet in Urmonarchie, Königtum, Tyrannei, Aristokratie, Oligarchie, Demokratie und Ochlokratie (Pöbelherrschaft). Ferguson dagegen sieht Zivilisationen und Kulturen als komplexere und interagierende Systeme zwischen Ordnung und Chaos. Er vergleicht sie eher mit fraktaler Geometrie und asymmetrischen Organisationen wie bei Termiten und überoptimierten Elektrizitätsnetzen. Bei Fehlfunktionen sind Katastrophen wie Finanzkrisen und Kriege die Folge. Für seine Theorie hat er natürlich etliche Beispiele, viele Reiche erlebten nach einen langsamen Niedergang ein schnelles Ende: · römisches Reich 400 nChr (Verwüstung durch die Hunnen) · Inkareich 1535 (schnelle Eroberung durch Spanier) · China 1520-1650 (Ende der Ming-Dynastie; 1968 waren die USA 33-70 mal reicher als China) · Französisches Königreich 1789-93 (französische Revolution) · Osmanisches Reich 1875-1922 · Japan 1942-45 · Grossbritannien 1945-56 (als Weltreich mit vielen Kolonien) · Sowjetunion 1985-91 (Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur) . . . . . . . . . . . . . . . Auch Huntingtons „Kampf der Kulturen“ stimmt er nur teilweise zu, weil ethnische Konflikte und lokale Kriege stärker zugenommen haben als religiöse. Ferguson sieht eher einen „Zusammenbruch der Kulturen“ als Folge dieser Auseinandersetzungen. Noch einmal macht er auf den Aufstieg und die Strategie Chinas aufmerksam, die ihren Handelsbilanzüberschuss vermindern wollen wie folgt: · Mehr konsumieren · Mehr importieren · Mehr im Ausland investieren (z.B. Rohstoffabbau und Handelswege in Asien und Afrika) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Als Grundlagenschriften für die westliche Kultur empfiehlt der schottische Historiker folgende Werke: · King-James Bibel · Isaac Newton: Principia · John Locke: Zwei Abhandlungen über die Regierung · Adam Smith: Theorie der ethischen Gefühle und Der Wohlstand der Nationen · Edmund Burke: Betrachtungen über die französische Revolution · Charles Darwin: Ueber die Entstehung der Arten · William Shakespeares Schriften · Abraham Lincolns Reden · Winston Churchills Reden . . . . . . . . . . . . . . . Hier zeigen sich gewisse Unterschiede zu deutscher, französischer, italienischer und anderssprachiger Weltliteratur und auch im kulturellen Empfinden und Selbstverständnis. Trotzdem finde ich diese Werke bedenkens- und beachtenswert, weil sie Meilensteine in der gesellschaftlichen Entwicklung darstellen.

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