Montag, Februar 07, 2011

Sein vor Gott


Nichts mehr müssen und nichts mehr wollen

einfach mal nichts von mir geben müssen

einfach sein und auch nichts brauchen

dasein vor Dir und so Liebe empfangen

getränkt werden von dir und überfliessen

das ist schön und dann auch wieder wollen

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Freitag, Februar 02, 2007

Charles de Foucauld

Charles de Foucauld wurde 1858 geboren und hatte ein bewegtes Leben. Er wuchs als Waisenkind auf, erlebte also viele seelische Entbehrungen. Schon als jung kam er zur französischen Armee und machte dort Karriere und war ein Lebemann. Irgendwann kehrte er um zu Gott, fand in ihm die Erfüllung seiner Sehnsüchte und trat dann in einen katholischen Orden ein, der ihn auf Umwegen in ein kleines, abgelegenes Kloster im Süden Algeriens führte. Dort lebte und wirkte er bis zu seinem Lebensende: 1916 wurde er und seine Mitbrüder von islamischen Kriegern ermordet.
Eines seiner bekanntesten und eindrücklichsten Gebete lautet so:

"Mein Vater, ich überlasse mich Dir, mach mit mir, was dir gefällt.
Was Du auch mit mir tun magst, ich danke Dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur Dein Wille sich an mir erfüllt und an allen Deinen Geschöpfen, so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele.
Ich gebe sie Dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich Dich liebe, und weil diese Liebe mich treibt, mich Dir hinzugeben, mich in deine Hände zu legen ohne Mass, mit einem grenzenlosen Vertrauen; denn du bist mein Vater."

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Dienstag, Oktober 10, 2006

Innere Achtsamkeit

Die Hinführung zur inneren Achtsamkeit, zum inneren Beobachter und zur Gnade des inneren Abstands (ab Seite 412) scheint Schulz ein zentrales Anliegen zu sein. Er greift nochmals Erich Fromm mit seiner „seinshaften Präsenz“ anstelle der Habsucht auf. Anselm Grün nennt das gleiche Geschehen „Einübung in die Nichtidentifikation“. Viel Raum nimmt dann die Auseinandersetzung mit (dem jüngeren) Christoph Blumhardt ein, da sich Schulz mit ihm seit über dreissig Jahren befasst hat und er ihn für einflussreich auf die Entwicklung der deutschsprachigen Theologie hält. Es geht hier spezifisch um die spirituelle Lebensgestaltung. „Merks“ heissen bei Blumhardt die Sensibilisierungen für den Willen Gottes durch beten, hören und tun, das „innerliche Reden Gottes“ wahrnehmen oder anders gesagt „aufmerksam sein auf die innere Stimme“. Denn der Geist Christi kann Eindrücke geben, auf die man sorgsam achten muss. Durch Folgsamkeit und Gehorsam wird das innerliche Reden Gottes immer vernehmlicher. Wir bekommen durch „nach innen gerichtetes Hören“ ein „Takt-, Fein- oder Zartgefühl“, ein geistliches Unterscheidungsvermögen, das durch Einübung zunimmt.
Im selben Unterkapitel (Seite 419) verweist Schulz auf das Buch von Richard Rohr: Von der Freiheit loszulassen. Es enthält u. a. eine Uebung von Thomas Keating, die eine didaktische und homiletische Einführung in die Kontemplation darstellt. Zusammenfassend definiert er Kontemplation so: „Kontemplation ist ein langer liebevoller Blick auf das, was wirklich ist. Dort wo wir nicht mehr urteilen und nicht mehr angreifen, sondern dort, wo wir einfach empfangen“.
Gesunder innerer Abstand stellt sich da ein, nach Francis Acharya, wo „Identifikationen nicht mehr die eine wesentliche und entscheidende Identifikation verdecken: die mit unserer Gottes-Kindschaft; ja, mit Gott und seiner Freiheit. Sie muss alles überstrahlen, ihr müssen sich alle anderen Identifikationen unterordnen“.
Jörg Zink hat es 1985 in seinem viel verbreiteten Buch „Wie wir beten können“ so formuliert: „Herr, mein Wort ist nicht genug. Ich will schweigen, damit ich lerne, dein und mein Wort zu unterscheiden. Denn ich möchte dein und nicht mein eigener Mund sein. Gib du mir dein Wort“.

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Sonntag, September 10, 2006

Jesus und das Geld

S. 473: Es gibt drei "misslungene" Taten Jesu: Mk 6,4-6: keine Wunder unter skeptischen Landsleuten; Mk 10: Berufung des reichen jungen Mannes und die Katastrophe der Berufung des Judas Iskariot.
S. 474: So exklusiv wie Gott als Einziger angebetet werden will und Gehorsam verlangt, ja auch auf Mehrung aus ist, wie im Gleichnis von den anvertrauten Talenten, so exklusiv verfügt sonst nur noch die Liebe oder eben das Geld über Menschen. ...
Baal steht für Fruchtbarkeit und Reichtum ... Wer dem irdischen Kreislauf von Geben und Nehmen folgt, der hat kein Guthaben im Himmel. Denn Jesus sieht die Chance zur Veränderung der Welt zweifellos darin, dass der Kreislauf von Arbeit und Lohn durchbrochen wird. Wer sich für alles bezahlen lässt, der denkt rein diesseitig und kann kein Jünger Jesu sein.
S. 475: Der christliche Weg zum Glücklichwerden lässt sich am besten mit einer Umleitung im Strassenverkehr vergleichen ... Verschenkte Zeit, also solche, die wir anderen widmen, ist in Jesu Sinn doppelt und dreifach gewonnene Zeit.
S. 477: Geistlicher Tausch
Bürgerliche Normalität und Besitz gibt man weg. Freiheit und geistlichen Spielraum gewinnt man dafür.
S. 478: Spiritualität gibt es nicht zum Nulltarif. Sie muss jeden Tag erkauft werden durch Verzicht auf normale Lebensvollzüge und Annehmlichkeiten des "bürgerlichen" Daseins.
S. 483: In den drei ersten Evangelien, besonders im Werk des Lukas (Evangelium und Apostelgeschichte) tritt die Reichtumskritik Jesu deutlich hervor. Auffälligerweise fehlt sie im Johannesevangelium ebenso wie bei Paulus und im Rest der kanonischen Schriften, sieht man von wenigen Stellen in der Offenbarung des Johannes ab.
S. 484: Es ist aber interessant, dass Jesus auf das Verkaufen der Habe grösseren Wert legt als darauf, dass der Erlös dann den Armen zukommt. Denn für Jesus ist nur eines wirklich wichtig: Die Freiheit zu haben, den Willen Gottes tun zu können. Das meint Jesus mit "Suchen der Gerechtigkeit Gottes", zu dem alles andere hinzugegeben wird. Diese "alles andere" ist daher Zugabe, nicht Hauptziel. Die Aenderung der sozialen Verhältnisse ist daher sicher auf Dauer ein Ziel der Herrschaft Gottes.
S. 488 "Seid klug, kauft euch mit dem Geld aus der ungerechten Welt Freunde, die euch dann in die ewigen Häuser im Himmel aufnehmen, wenn hier alles vorbei ist." (Lk 16,9).
Es geht um nichts Anstössigeres als darum, sich mit Geld Freunde zu schaffen.
S. 489 Das Geld, das ihr habt, kommt immer aus Unrecht, das an ihm kleben. Irgendwo hat immer einer jemanden ausgebeutet, Zinsen genommen, Lohn geraubt oder zuviel verdient.
Kirche besteht nicht darin, dass einige für sich etwas Frommes denken. Vielmehr kann sie nur Wirklichkeit werden und die für sie geltende Verheissung nur dann lebendig werden, wenn Christen ganz real etwas Kostbares miteinander teilen. Zum Beispiel Zeit, Freude, Bewegug, Geld, Speise, Hobbys und Freunde. Je konkreter das ist, was ihr teilt, umso kompakter die Gemeinschaft. Jesus geht es immer um das übermorgen.

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Samstag, September 09, 2006

Jesus in Aktion

Es geht weiter mit Klaus Berger. Er schreibt in "Jesus" auf Seite 385:
Der Exeget sollte die Sperrigkeit des sperrigen Textes verteidigen und dem "Hinbiegen" einen Riegel vorschieben.
S. 391: Jesus und die Gewalt – einige Thesen: Religion ist mehr als Moral; Moral ist eingebettet in sie und empfängt von ihr her Massstäbe. Dann können Zeichenhandlungen sinnvoll werden, die sonst "gemein" sind. Als Störung der Normalität weisen sie auf den hin, vor dem alle irdische Normalität nur zerbrechliches tönernes Gefäss in der Hand des Töpfers ist.
S. 393 Schalom heisst Frieden und bedeutet: es fehlt an nichts, keiner fällt unter den Tisch und er ist ganz und auf Dauer. ... Das höchste Gut ist Gerechtigkeit. Sie ist Bedingung des Friedens.
S. 398: Geduld ist nichts Passives, sondern behutsame, schonende, zärtliche Aktivität – kraftvolles Aushalten im vorschnell nicht Lösbaren. ...
Die Welt lebt von Menschen, die langmütig sind und langfristige Visionen verfolgen.
S. 406: Jesus allein, nicht alle Menschen sind Gottes Bild, so ist die Auskunft des Neuen Testaments.
S. 408: Stuhlbeinmodell: Viele Christen tun so, als genügte ein Stuhl mit einem Bein, nämlich dem Bein der Bibelzitate. Vier Beine heisst: Es gibt für jede Frage nach der christlichen Wahrheit vier Instanzen, die zu hören sind:
· 1. Bein: geborene Instanz, die Schrift; sie ist zu hören nach dem Prinzip der Loyalität, der freien Treue zum Text (vorurteilsfrei, nicht gesetzlich)
· 2. Bein: Verstehen und auslegen in der kirchlichen Tradition... Wir beginnen mit unserer Auslegung des Textes nicht beim Punkt Null. Wenn wir heute so gut sehen, dann darum, weil wir auf der Schulter von Riesen stehen
· 3. Bein: Sachkunde, Sachverstand
· 4. Bein: Plausibilität oder das, was daraus werden kann, also die mögliche Wirkung
S. 410: Im Neuen Testament geht es "monomanisch" nur um das Eine, um das Reich Gottes, um die Herrschaft Gottes und das heisst konkret: Um die Frage nach Gottes Willen, um Gerechtigkeit, um Gottes Gebot, um das, was Gott ganz konkret von uns will, nämlich Gehorsam und Gerechtigkeit. Und dieses steht einer selbstbezogenen, allgemeinen Entfaltung der Persönlichkeit direkt entgegen.
S. 414: Das Menschenbild der Bibel kennt freilich "Leibeigenschaft": Wir sind Besitz Gottes... Im Alten und im Neuen Testament wird das Verhältnis von Gott und Mensch gesehen im Sinne des Verhältnisses vom Herrn und Sklaven. Paulus sagt von sich, er sei "Sklave Jesu Christi".
S. 418: Die Wahrheit der Bibel ist von der Qualität von Wahrheit, wie sie in einer Liebesgeschichte aufscheint. In der Liebesgeschichte sagt man: Diese Frau oder keine. Und so geht es in der Bibel um diesen Gott oder keinen. Um diesen Jesus Christus oder keinen. Das Thema der Bibel ist Liebe und Geborgensein.
S. 421: Literalsinn ist der wörtliche Sinn und bewahrt gegen Verflüchtigung; Allegorischer Sinn weist auf Dogmatik hin; Moralischer Sinn auf Ethik; Anagogischer Sinn auf Hoffnung.
Nicht die (biblischen) Geschichten sollten wir kleiner machen, sondern uns selbst vor den Berichten, und das nennt man Demut.
S. 422: Bei der "Vergeistigung" der Wundergeschichten ... sind zwei Tendenzen bestimmend: eine traditionelle Geringschätzung des Leiblichen (ein neuplatonisches "nicht so wichtig") und die Feigheit, zum Aergernis zu stehen ("nicht zumutbar", "lehnen die Leute ab"). Beide Linien finden sich genauso ... bei der Eucharistie und bei der Auferstehung der Toten. Auch hier wird der Gehalt der Aussagen rein symbolisch gefasst. Die Folge ist eine nicht wieder gutzumachende Entfernung Gottes von der Welt, eine Art Neo-Deismus. Der Deismus suchte Gott bekanntlich dadurch zu retten, dass er ihn weit in den Himmel verbannte.
S. 424: Die Wundergeschichten sind eben nicht zu 100 Prozent umzusetzen oder zu aktualisieren. Sie bleiben stehen als erratische Blöcke und weisen nach vorne ins kommende Heil. Sie sind Zeichenhandlungen, die als Teil der Verkündigung Jesu immer Einblick in das ganze Vorhaben Gottes geben, aber eben nur als Teil.
S. 429: Die Nähe Gottes zu den Menschen äussert sich nach dem Neuen Testament zeitlich (Das Reich Gottes kommt bald), persönlich (Alle Menschen dürfen zu Gott Vater sagen), räumlich (Wo Jesus auftritt, ist das Heil) und eben auch biologisch (Heilungsgeschichten).
Keine dieser Dimensionen darf schamhaft verschwiegen werden. Auch in der Gegenwart ist das Christentum Heilungsreligion. Aber der Weg ist nicht direkt die Erlösung von der Krankheit, sondern die Versöhnung mit Gott und den Nächsten.
S. 430: Seelsorge ist immer Spiegelbild unseres Glaubens an Jesus. Wir haben uns daran gewöhnt, Seelsorge als Summe aus pastoraler Psychologie, Soziologie, Medizin und Organisationskunde zu betreiben … Nur der geheimnisvolle Rest verkommt unter dem Rätselwort „Spiritualität“. Dahinter verbergen sich zumeist die schlechten Gewissens zugegebenen Lücken persönlicher Frömmigkeit.
S. 431: Jesus ist fremd und gefährlich. Wer ihn vereinnahmt, nimmt der christlichen Religion ihre Strahlkraft und ihre notwendige Faszination. Christentum ist mehr als eine ganz vernünftige Sache, und Kirche ist zum allerwenigsten Teil dieser Gesellschaft.

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