Dienstag, Oktober 10, 2006

Innere Achtsamkeit

Die Hinführung zur inneren Achtsamkeit, zum inneren Beobachter und zur Gnade des inneren Abstands (ab Seite 412) scheint Schulz ein zentrales Anliegen zu sein. Er greift nochmals Erich Fromm mit seiner „seinshaften Präsenz“ anstelle der Habsucht auf. Anselm Grün nennt das gleiche Geschehen „Einübung in die Nichtidentifikation“. Viel Raum nimmt dann die Auseinandersetzung mit (dem jüngeren) Christoph Blumhardt ein, da sich Schulz mit ihm seit über dreissig Jahren befasst hat und er ihn für einflussreich auf die Entwicklung der deutschsprachigen Theologie hält. Es geht hier spezifisch um die spirituelle Lebensgestaltung. „Merks“ heissen bei Blumhardt die Sensibilisierungen für den Willen Gottes durch beten, hören und tun, das „innerliche Reden Gottes“ wahrnehmen oder anders gesagt „aufmerksam sein auf die innere Stimme“. Denn der Geist Christi kann Eindrücke geben, auf die man sorgsam achten muss. Durch Folgsamkeit und Gehorsam wird das innerliche Reden Gottes immer vernehmlicher. Wir bekommen durch „nach innen gerichtetes Hören“ ein „Takt-, Fein- oder Zartgefühl“, ein geistliches Unterscheidungsvermögen, das durch Einübung zunimmt.
Im selben Unterkapitel (Seite 419) verweist Schulz auf das Buch von Richard Rohr: Von der Freiheit loszulassen. Es enthält u. a. eine Uebung von Thomas Keating, die eine didaktische und homiletische Einführung in die Kontemplation darstellt. Zusammenfassend definiert er Kontemplation so: „Kontemplation ist ein langer liebevoller Blick auf das, was wirklich ist. Dort wo wir nicht mehr urteilen und nicht mehr angreifen, sondern dort, wo wir einfach empfangen“.
Gesunder innerer Abstand stellt sich da ein, nach Francis Acharya, wo „Identifikationen nicht mehr die eine wesentliche und entscheidende Identifikation verdecken: die mit unserer Gottes-Kindschaft; ja, mit Gott und seiner Freiheit. Sie muss alles überstrahlen, ihr müssen sich alle anderen Identifikationen unterordnen“.
Jörg Zink hat es 1985 in seinem viel verbreiteten Buch „Wie wir beten können“ so formuliert: „Herr, mein Wort ist nicht genug. Ich will schweigen, damit ich lerne, dein und mein Wort zu unterscheiden. Denn ich möchte dein und nicht mein eigener Mund sein. Gib du mir dein Wort“.

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