Mittwoch, März 25, 2015

Wege zu einer vertieften Spiritualität (Seiten 172-186)

Wir brauchen Hilfsmittel, sogenannte Seile, um unser Vertrauen und unsere Hingabe an Gott zu bekräftigen. Denn er möchte uns seinen Rhythmus schenken. Tagzeitengebete sind eine gute Übung, weil sie mein Tun unterbrechen, begrenzen und mich auf Gott ausrichten. Ich bin nicht immer verfügbar, und das Leben auf der Erde ist eine unvollendete Symphonie (Seite 182). In den Klöster gelten in der Regel folgende Zeiten: Vigil 03.45h – Laudes 6.00 – Prim (mit Messe) 6.25h – Sext 12.15h – Non 14.00h – Vesper 17.40h – Komplet 19.40h. Auch das Jesusgebet hilft gegen Abschweifungen; Schweigen unterbricht mein Reden und Schriftlesung, besonders die Psalmen, beeinflusst mein Denken und Fühlen und kann es in gesunde Bahnen lenken. Feiertagsruhe wurde von Gott geschaffen und zeichnete Israel gegenüber den umliegenden Völkern aus. Auch wir brauchen Entspannung und Freitzeitbeschäftigung, die uns zwecklos einfach nur erfreuen dürfen. Geniessen der Gaben Gottes mit allen Sinnen und in Gemeinschaft ist uns sogar aufgetragen und ist also kein unnötiger Luxus! Gotteslob und Gott „schauen“ in Gottesdienst und Stille seien ein Vorgeschmack aufs himmlische Fest.

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Samstag, Dezember 20, 2008

Das universale Lob. Psalm 100


Es geht auf Seiten 373 bis 379 um die „toda“, das Dankopfer, in der Form lobpreisenden Sprechens, das sichtbare Opfergaben begleitet. Eine Liturgie, die für die wesentliche Ausgerichtetheit des Lebens steht, totalitär, einzigartig und selbstverständlich ist. Allein der Name (JHWH) ruft diesen Lobpreis wach, und er ist Hinweis auf Auesserstes an Lebensfülle. Lobpreis umfasst:

. Bekennen

. anerkennen

. ehren

. Schuld bekennen

. sich unter das Gericht beugen

. Friedensopfer (bringen)

. öffentliche Danksagung des Einzelnen (ev. Dankopfer)

. Lobpreis der Gemeinde, liturgische Doxologie


Lobpreis will sich Rechenschaft geben von JHWHs Tugenden (Ex 34,6; Num 14,18; Ps 86,15; 103,8; 145,8)

Miskotte schreibt dazu noch: „JHWH ist unser Bundesgenosse. Er hat mit uns einen Bund geschlossen, um uns zu beschirmen gegen uns selbst, die wir in unseren Gedanken immer wieder mit dem amor fati spielen, die wir die Tragik und die Wehmut der irdischen Existenz beinahe – suchen. Er muss uns, gegen unsere Neigung, daran verhindern, Bundesgenossen des süss- oder bitter-schweigenden Schicksals zu werden, damit wir, genau umgekehrt, Ihn bekennen, d.h. loben als unseren Bundesgenossen gegen das Schicksal, von dem wir für unser Empfinden gänzlich umfangen sind.

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Mittwoch, Dezember 17, 2008

Der Baum des Lebens


Immer wieder tauchen in Miskottes Text, der nicht nur einfach gehalten ist, Kernsätze auf, die es lohnt einzuprägen und zu bedenken: „Das Schweigen Gottes im Alten Testament ist eher ein Nicht-Handeln als ein Nicht-Sprechen... Die Weisheit bringt das Leben, nicht das Leben macht weise

Ab Seite 353 spielt der Baum des Lebens eine wesentliche Rolle, der Gegenwart und Güte JHWHs verkörpert, so dass die Erde Paradies für die Menschen wurde. Der Lebensbaum breite seine Zweige über alle Völker aus, sagt der Talmud.
1. Die „Entmythologisierung“ des Lebensbaums bezeugt und verbürgt, dass kein Lebenselixier im Kosmos vorhanden sei, dass das Leben einzig im Nahesein JHWHs liege, der das Paradies zum Paradies mache und der den erschaffe, von dem es heisst: „Der Lebende, nur der Lebende, der lobt dich“ (Jes 38,19)
2. Das Siegel... der Mensch darf sterben. Die Präsenz Gottes dient nicht zur Stillung des Lebenshungers und Ueberwindung der Todesangst. Der Lebensbaum muss zum Todesbaum werden. In der Bestimmung der Endlichkeit findet der Glaube immer an den Grenzen, das göttliche Leben
3. Der Baum des Lebens figuriert... als Bild der "Chokma" (=Weisheit). Weisheit ist praktisch, sie bedeutet leben nach der Weisung der Thora
4. Diese Ernüchterung... bedeutet, dass alles Lebensgefühl in den Umgang mit dem WORt einbezogen wird. Das praktische Leben wird ein heimlich begeistertes Leben. (Gegebenes Leben wird so zu gewähltem und geistlichem Leben, was Glaube bedeutet)
5. Ablehnung der Thora heisst Lebensgefahr und geistlicher Tod
6. Mensch, Zeit oder Generation darf nie aufgegeben oder abgeschrieben werden, „emäth“ bedeutet Treue in der Kommunikation mit dem abtrünnigen Menschen
7. Teilnahme an dem göttlichen Leben... in der Unmittelbarkeit, in letztgültiger Erfüllung, bei dem „Baum des Lebens“

Im Alten Testament finde sich auch kein unmittelbares Lob auf das Leben... Desto lauter erklingt das Lob Gottes... Der Grund dieses Lobes ist kein anderer als dieser: ER ist gut. Und die Welt ist gut. Sie ist gut für den Zweck, gut nach ihrer Bestimmung: die Güte Gottes zu offenbaren... Daraus erwächst Freude, disparat, hier und da, als Vorzeichen der Freude... Denn JHWH ist gut, und in Ihm ist kein Unrecht. Auch als der Verkannte bleibt Er treu... Die Güte der Welt ist versiegelt unter dem Geheimnis des Kommenden, des zukünftigen Tages...
Im Geist des Alten Testaments muss man sagen, dass alle Freude nur Vorfreude ist und alle Schönheit ein Hinweis auf das letzte Heilsgeheimnis: „Siehe, ich schaffe neue Himmel und eine neue Erde“. Die Schönheit ist ein Abglanz und ein Unterpfand de Hoffnung; und das Kunstwerk spiegelt ein futurum... Dank im Alten Testament ist wesentlich der Dank dafür, dass es etwas zu hoffen gibt (Seiten 366 & 367).

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