Donnerstag, März 09, 2017

Das Buch, in dem Olivenöl ist: Der Koran der Wissenschaften

Früharabisch kennt 15 Schriftzeichen, aber davon sind nur sieben eindeutig festgelegt, sechs sind zweideutig, eines ist drei- und eines ist sogar fünfdeutig. Das hat auch mit dem Konsonantengerüst rasm zu tun. Es gibt viele frühe Koranfragmente, aber keinen Urkoran; der Urkanon ist eine islamische Fiktion, die der wissenschaftlichen Forschung nicht standhält. Es gibt (bislang) keine Quellenforschung, da diese von vielen islamischen Gelehrten und Führern nicht erwünscht ist.

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Dienstag, August 18, 2015

Frank Crüsemann: Das Alte Testament als Wahrheitsraum des Neuen

Ein Freund hat mir dieses Buch empfohlen, das den Untertitel trägt: Die neue Sicht der christlichen Bibel. Es ist im Gütersloher Verlagshaus 2011 unter der ISBN 978-3-579-08122-9 erschienenen. Frank Crüsemann wurde 1938 geboren, studierte 1958-1964 evangelische Theologie in Hamburg, Heidelberg, Mainz und Erlangen. 1968 promovierte er in Mainz. 1980-2004 war er Professor für Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule in Bethel, Bielefeld. Er gilt als einer der profiliertesten evangelischen Alttestamentler der Gegenwart. . . . Zum Buch: Schon der Titel drückt etwas vom Anliegen des Autors aus, dass das Alte Testament die Basis, eben der Wahrheitsraum, des Neuen ist. Crüsemann, ein Schüler von Gerhard von Rad und Hans Walter Wolff, legt darin dar, dass er mit diesem Werk eine Grenzüberschreitung als Alttestamentler vornehmen werde. Aber mit Paulus und seinem Zitat: „Nicht über das hinaus, was geschrieben steht“ (1. Korintherbrief 4,6), und heute zunehmend mit weiteren Theologen vertritt er die Auffassung, dass die Schrift, wie sie vom Neuen Testament selbst bezeichnet wird, eigentlich vorerst nur das Alte Testament meine. Dieses muss für Christen, die christliche Theologie und den christlichen Glauben denselben theologischen Rang haben, den es im Neuen Testament für Jesus und die Verfasser der neutestamentlichen Schriften hatte. Zu Beginn weist er auch darauf hin, dass die Begebenheit, als Jesus bei den Lehrern im Tempel war, häufig ungenau gelesen und dann falsch interpretiert werde. Es heisst dort nämlich zu Beginn: Jesus sitzt dort mitten zwischen den Lehrenden und hört ihnen zu und befragt sie... (Lk 2,41-51). . . . 2. Teil: Bisherige Modelle und Aporien. 1. Kapitel: Typen der Zuordnung von Neuem und Altem Testament (Seiten 31-64). Crüsemann stellt folgende Modelle vor, die im Umgang mit dem Alten Testament wesentlich waren: · Ablehnung des Alten Testaments durch Marcion und die „deutschen Christen“ der Nazizeit. · Altes Testament als Christuszeugnis war bei Martin Luther und Wilhelm Vischer vorherrschend. · Relativierung und Selektion des Alten Testaments: Gotthold Ephraim Lessing, Julius Wellhausen, Gerhard von Rad, Hartmut Gese und Peter Stuhlmacher vertreten diese Sicht. Crüsemann stellt fest, dass sich eigentlich alle Richtungen seit dem 2. Jahrhundert nach Christus einig sind, dass · das Neue Testament das Alte übertrifft · das Neue Testament eigenständig ist · das Alte Testament ein Buch der Kirche geworden ist; Juden werden weder gefragt noch einbezogen. . . . 2. Kapitel: Biblische Theologie? – oder: Wie viel Systematik erlaubt die Schrift? (Seiten 65-78). Vor allem Dietrich Bonhoeffer, Gerhard von Rad und der Schotte James Barr (1924-2006) haben einen neuen Zugang zum Alten Testament eröffnet für die christliche Theologie. Barr hat 1999 in Minneapolis ein bahnbrechendes Werk herausgegeben, das diese alttestamentliche Sicht betont: Concept of Biblical Theology. An old Testament Perspective. . . . 3. Kapitel: Die Anerkennung Israels durch die christlichen Kirchen & die Notwendigkeit eines neuen Ansatzes. (Seiten 79-90) Ein dramatischer und beispielloser Wandel hat nach dem Holocaust in den christlich-jüdischen Beziehungen stattgefunden. Erstmals in der christlichen Geschichte wurde das Judentum theologisch anerkannt, und eine doppelte Hermeneutik wurde eingeführt und zunehmend akzeptiert. David Flusser von jüdischer Seite, Peter von der Osten-Sacken, Ekkehardt und Wolfgang Stegemann, Luise Schottroff, Gerd Theissen und Klaus Wengst waren führende Figuren im deutschsprachigen Raum. Und Erich Zenger (1939-2010) hatte 1991 begonnen, das Alte als Erstes Testament zu bezeichnen. Die christliche Identität begann sich zu verändern, so dass sie sich nicht mehr über die Ablehnung oder Entwertung des Judentums zu definieren brauchte. . . . 4. Kapitel: Was bedeutet das Alte für das Neue Testament? (Seiten 93-151). Im Neuen Testament gibt es viele Bezeichnungen für das Alte Testament, die meisten kommen auch oft vor: · Die Schrift · Die Schriften · Es steht geschrieben · Wie geschrieben steht · Gesetz/Tora, Propheten und Schriften (oder Psalmen) · Tora und Propheten. Das Neue Testament ist durchgängig, von Anfang bis zum Ende, auf das Alte bezogen. Besonders stark sind die Bezüge bei Matthäus, in den Passionsgeschichten mit Psalmzitaten, bei Paulus im Römerbrief, im Hebräerbrief und in der Apokalypse. Während Hieronymus sich aufs hebräische Alte Testament bezog und somit näher beim Judentum blieb, wollte Augustinus nur die Septuaginta, die griechisch-hellenistische Bibelversion, anerkennen und verstärkte damit Entfernung zur hebräischen Denk- und Glaubenswelt. Gerhard von Rad sprach von Abschattungen und Vorausdarstellungen und Hans W. Wolff von Analogien im Alten Testament; Crüsemann dagegen vertritt eine andere Position, er schreibt auf Seite 137: „Es gibt im Neuen Testament kein Substrat, keinen Kern, keine christliche Wahrheit, die nicht alttestamentlich gewonnen wäre.“ . . . 5. Kapitel: Was ist das Neue im Neuen Testament? (Seiten 152-191). Generell gilt die Meinung, dass das Neue dem Alten Testament überlegen sei, es gar ablöse. Doch für Crüsemann stellt sich die Frage, inwiefern dass es eine Bewusstheit der Neuheit gegeben habe. Ein grosser Teil der neutestamentlichen Aussagen über das Neue stammen nämlich aus dem Alten Testament, insbesondere aus dem Jesajabuch, Kapitel 42-65, und aus dem Jeremiabuch, Kapitel 31-38. Tertullian (150-230) war der Erste, der den Begriff des Neuen Testaments gebraucht hat, Vorläufer in diese Richtung waren aber Irenäus (135-202) und Klemens von Alexandria (150-215). Der Alte Bund bestand aus verschiedenen Bundesschlüssen (Noah, Sinai, etc.), die immer noch in Kraft sind, weil sie unkündbar sind. Der Neue Bund, wie er im Hebräerbrief bezeichnet wird, kann auch als innerjüdisches Gespräch über Christus angesehen werden. Das Alte Testament wird von Crüsemann als „Schrift der Schrift“ bezeichnet, wie sollte dann das Neue passend benannt werden? Darauf gibt es keine befriedigende Antwort! . . . 6. Kapitel: Der Gott Israels, die Völker und die Kirche (Seiten 192-223). Crüsemann hält fest: Wir sind nicht Abraham und Israel und dürfen uns nicht an ihren Platz stellen; wo dies geschah, wurde Kirchen- zur Fluchgeschichte. Israel ist als Ethnie das Volk Gottes. Das erwählte Volk ist Instrument Gottes zur Gewinnung der Nichterwählten, Israel ist auch Priestervolk für die Menschheit. Die Kirche dagegen ist „Ekklesia“, Versammlung, und Leib Christi, der Körper des Messias; sie ersetzt Israel als Volk Gottes nicht! Das ist erst nachbiblisch geschehen, dass Israel durch die Kirche ersetzt wurde. Die Tora wird im Neuen Testament als Gabe Gottes an Israel vorausgesetzt, sie wurde durch Jesus neu und effektiv in Kraft gesetzt (Seite 213). Das Matthäusevangelium kann als Portal zum Neuen Testament gesehen werden, besonders in 5,17-20 und 23,2 kommt diese Sichtweise am besten zur Geltung.

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Mittwoch, März 25, 2015

Wege zu einer vertieften Spiritualität (Seiten 172-186)

Wir brauchen Hilfsmittel, sogenannte Seile, um unser Vertrauen und unsere Hingabe an Gott zu bekräftigen. Denn er möchte uns seinen Rhythmus schenken. Tagzeitengebete sind eine gute Übung, weil sie mein Tun unterbrechen, begrenzen und mich auf Gott ausrichten. Ich bin nicht immer verfügbar, und das Leben auf der Erde ist eine unvollendete Symphonie (Seite 182). In den Klöster gelten in der Regel folgende Zeiten: Vigil 03.45h – Laudes 6.00 – Prim (mit Messe) 6.25h – Sext 12.15h – Non 14.00h – Vesper 17.40h – Komplet 19.40h. Auch das Jesusgebet hilft gegen Abschweifungen; Schweigen unterbricht mein Reden und Schriftlesung, besonders die Psalmen, beeinflusst mein Denken und Fühlen und kann es in gesunde Bahnen lenken. Feiertagsruhe wurde von Gott geschaffen und zeichnete Israel gegenüber den umliegenden Völkern aus. Auch wir brauchen Entspannung und Freitzeitbeschäftigung, die uns zwecklos einfach nur erfreuen dürfen. Geniessen der Gaben Gottes mit allen Sinnen und in Gemeinschaft ist uns sogar aufgetragen und ist also kein unnötiger Luxus! Gotteslob und Gott „schauen“ in Gottesdienst und Stille seien ein Vorgeschmack aufs himmlische Fest.

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Samstag, März 09, 2013

Kornelis Heiko Miskotte

Der Holländer Kornelis Heiko Miskotte wurde 1894 geboren, studierte 1914-20 Theologie in Leiden und war dann Pfarrer in Kortgene, Meppel, Haarlem und Amsterdam. Er wurde 1945-59 Theologieprofessor in Leiden, wo er dann auch 1976 starb. Er war verheiratet und hatte Kinder, wobei er seine erste Frau und eine Tochter kurz nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine tragische Lebensmittelvergiftung verlor. Er war ein Zeitgenosse von Karl Barth, von dem und dessen "Römerbrief" er seit 1923 beeinflusst und mit dem er auch 1924-1968 befreundet war, was sich in einem langen Briefwechsel ausdrückte. Dieser wies ihm den Weg „zum schriftgemässen Denken“. Miskotte postulierte, dass sich das Neue Testament in den Vorstellungen, Worten, Sehnsüchten und Sicherheiten der Sprache des Alten Testaments bewege. Zudem billigte er dem Ersten Testament eine Eigenständigkeit, eine Art „Ueberschuss“ zu, die sich nicht einfach im Neuen Testament auflösen lasse. Denn die Thora sei die eigentliche Basis, sie enthalte das Zeugnis des unmittelbar eingreifenden Gottes. Die Propheten rufen danach zum Bund zurück, und die Schriften beschreiben, wie die Gemeinde auf Gottes Eingreifen und Zeugnis reagiere. Die Bibel sei zudem ein Wort zum Vorlesen, ja sogar zum Ausrufen und zum Zuhören, jedoch nicht eine Schrift zum stillen Lesen! Bereits 1933 nahm er in seiner Promotion „Das Wesen der jüdischen Religion“ als einer der ersten die wichtigen sprachlichen Erkenntnisse von Franz Rosenzweig und Martin Buber auf und machte sie dem niederländischen Publikum zugänglich und vertraut. Die Bibel, beginnend mit der Thora, sei zudem ein antiheidnisches Zeugnis, die sich auch gegen die natürliche Gotteserkenntnis und Volksreligion gerichtet habe. Diese Erkenntnis wurde in der Auseinandersetzung und Widerstand gegen Nazismus nochmals vertieft und bestärkt, was er 1939 in „Edda und Thora, ein Vergleich von germanischer und israelitischer Religion“ zum Ausdruck brachte. Die Kirche gehöre zu Israel, an die Seite der Synagoge. Und nicht der Mensch frage nach Gott, sondern „Gott fragt nach dem Menschen, und dieser hat ihm zu antworten, sei es auch so, dass sich die Antwort vorläufig in fragenden Worten verhüllt“. Zwei seiner gehaltvollen, tiefsinnigen Werke wurden auch ins Deutsche übersetzt: Wenn die Götter schweigen. Vom Sinn des AT. H. Stoevesandt München 1963. Biblisches ABC: wider das unbiblische Bibellesen. Neukirchen 1976. Eigentlich nur schade, dass Miskotte und sein Werk so wenig bekannt ist im deutschsprachigen Raum! . . . . . . . . . . Quellen: Infoseite der Evangelisch-Reformierten in Deutschland: www.reformiert-info.de/165-0-37-5.html

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Samstag, April 14, 2012

Die vier grossen Rabbiner des Mittelalters: Raschi, Ramban, Rambam und Ramak

Zu den einzelnen dieser vier grossen, berühmten Rabbinern schrieb Krochmalnik folgendes, das ich zusammenfassend wiedergebe:

"Raschi"
ist die Abkürzung für Rabbi Schlomo ben Izchak, der von 1040-1105 vorwiegend in Troyes (Nordfrankreich) gelebt hatte. Der Vorkämpfer des Wortsinns hatte in Worms und Mainz studiert. Diese Städte waren wichtig fürs westliche Judentum und trugen wesentlich für einen Aufschwung in Bildung und Wirtschaft der damaligen Zeit bei. Raschi stand vermutlich auch im Austausch mit christlichen Gelehrten, den Scholastikern. Es war aber auch die Zeit des ersten Kreuzzuges, bei dem viele Juden durch brutale Gewalt der Kreuzfahrer und des Mobs getötet wurden, weil sie die Sündenböcke waren und zu „Blitzableitern“ wurden. Diese einschneidenden Ereignisse schlugen sich auch in seinem Psalmenkommentar nieder, beispielsweise zu Psalm 47.
Das Exil verstand er als Strafe (Gottes) und Sühne. Jesaja Kapitel 53 war bei ihm Typus für Israel, das jüdische Volk, (und nicht für den Messias!). "Besser als Jude Unrecht leiden, denn als Christ Unrecht tun." Dieser Satz von Jakob Katz könnte auch von Raschi stammen. Der Begriff „Holocaust“, der erst viel später, um 1955 durch Elie Wiesel eingebürgert wurde, geht auch auf ihn zurück, denn genau übersetzt heisst er „ganz verbrannt“. Das bezog sich ursprünglich auf das tägliche Abend- und Morgenopfer, das Brandopfer „olat tamid“, und Raschi verwendete es neu als Selbstbezeichnung für Massenmorde an und Suizide der Juden während dem ersten Kreuzzug. Nach seinem Verständnis büssen die jüdischen Nachkommen für die Vorfahren und opfern sich für die Nachfahren, sie werden so zum Sühnegeld und Schuldopfer (Gottes).

"Ramban"
steht für Rabbi Mosche ben Nachman, der 1195 im spanischen Gerona geboren wurde und ein sephardischer Jude war. Der Meister des Bildsinns orientierte sich aber nach Nordfrankreich und war auch mit der christlichen Typologie vertraut und davon beeinflusst, im speziellen mit Verheissung und Erfüllung, Schatten und Wirklichkeit, wie sie im Hebräerbrief 10,1 beschrieben wurde. Die Väter seien ein Zeichen für die Kinder. Bekannt wurde er auch für seine Interpretationen zu Genesis 26 und 32, zu Isaak und Jakob. Isaaks Erfolg, Aufstieg, Wohlstand, Verfolgung und Vertreibung sah er auch als Typus für die Juden im Exil und in der Diaspora. Jakobs Sicherheitsstrategie mit den zwei Lagern war auch die Ueberlebensstrategie des jüdischen Volks in der Zerstreuung, damit ein Rest gerettet werde. Als „Doppellager“ sah er auch Juda und Israel, den palästinensischen und den babylonischen Talmud, woraus die beiden Gruppierungen der „Aschkenasim“ und der „Sephardim“ entstanden sind.
Zu Genesis 14,8 sagte er: „Der Nabel ist die Mitte des Menschen, Israel ist die Mitte der Welt, Jerusalem die Mitte Israels, das Heiligtum die Mitte Jerusalems, der Tempel die Mitte des Heiligtums, die Bundeslade (mit den Gesetzestafeln) die Mitte des Tempels. Vom Grundstein vor dieser Lade ging die Gründung der ganzen Welt aus. Der Verlust des Tempels heisst der Verlust der Mitte, der „Schechina“, der Einwohnung und Gegenwart Gottes, es ist Gottverlassenheit. Die Tora ersetzt den Tempel nie ganz, sie verweist auch auf das himmlische Heiligtum und Jerusalem. Das Besiedeln des Landes Israels wiegt alle Gebote in der Tora auf.“
Nach einem Disput mit der mächtigen katholischen Elite in Barcelona wurde er 1267 ausgewiesen. Er kehrte nach Jerusalem zurück, wo er 1270 starb.

"Rambam"
ist Rabbi Moses ben Maimon, der 1138 in Cordova geboren wurde, zehn Jahre später mit seiner Familie flüchten musste durch Südeuropa und Nordafrika und 1204 in Kairo starb. Er war Arzt, Philosoph und auch ein „Possek“, ein Mufti oder Rechtsgelehrter, ein Führer der Verwirrten und Meister des Begriffsinns. „Jahwe“ verstand er als „Ich bin das Seiende, das existiert“, „dabbar“ als äusseres und inneres Reden (Gottes). Sprüche 25,11 war ihm deshalb wichtig: „Ein Wort zu seiner Zeit geredet, ist wie goldene Aepfel auf silbernen Schalen.“ Der Wortlaut der Worte Gottes sei nur „Silber“ oder wertlos, der Sinn dagegen das Gold oder der wahre Edelstein. Deshalb bekämpfte er auch den Anthropomorphismus: „Die Verdinglichung Gottes rächt sich in der Selbstentfremdung des Menschen. Wir können nicht sagen, was Gott ist, wohl aber, was er nicht ist. (Gottes) Einheit ist verneinte Vielfalt, (seine) Allmacht verneinte Ohnmacht. Durch die Verführung, wie sie in Genesis drei beschrieben ist, verlieren die Menschen die Gottesebenbildlichkeit. Gott und Mensch gleichen sich nicht in der Gestalt, sondern in der Gewalt.“
(Dem steht heute Abraham J. Heschel gegenüber mit folgenden Sätzen: „Behandle dich selbst als Symbol Gottes. Je menschlicher der Mensch handelt, desto göttlicher ist er. Wer nach dem Bild Gottes gemacht ist, der handelt danach: imago Dei – imitatio Dei“)

"Ramak"
steht für Rabbi Mosche Kordovero, der 1522 geboren wurde und 1570 in Safed starb. Als Meister des Geheimsinns gilt er als eigentlicher Schöpfer und Verfasser der „Pardes“. Zwar schrieb schon Ramban den ersten kabbalistischen Torakommentar, um damit Verborgenes zu offenbaren. Und Raschba, ein wichtiger Schüler Rambans, war der Erste, der den vierfachen Schriftsinn als Ganzes festhielt, und zwar als buchstäblichen, rabbinischen, philosophischen und kabbalistischen Schriftsinn. Ramak, der Meister des Geheimsinns, sah im letzten den wesentlichen, den „göttlichen“ Sinn. Die Philosophen sprachen hier von „Theogonie“, der Gottesentstehung; für die Juden waren dagegen die zehn „Sephirot“, die Attribute Gottes, zentral: keter – Krone, chochma – Weisheit, bina – Verstand, gedula/chessed – Güte, gewura – Macht, tiferet – Herrlichkeit, nezach – Triumph, hod – Majestät, jessod – Fundament und malchut - Reich. Diese sind verpackt und verschlüsselt in Zeichen und Zahlen, Zapfen und Zacken, Zinken und Zierden der Buchstaben. Durch andere Einteilung und Kombinatorik der Buchstaben können die kraftvollen Gottesnamen entziffert werden. Dabei hilft auch die „Gematria“ der Buchstabenzahlenvergleich, „Notarikon“, die Initialwortentwicklung, und die „Temura“, die Buchstabenversetzung.
Die Anfangsbuchstaben dieser vier Verfahren ergeben „GiNaT“, was übersetzt auch Garten bedeutet.
Ein Bespiel für Gematria: J (jod) hat den Zahlenwert 10, JH (jod he) 15, JHW (jod he waw) 21, JHWH 26, das Total beträgt 72; dies ist also der Zahlenwert des grossen, unbeschreiblichen Gottesnamen, der unheimliche Kräfte und unwiderstehlicher Liebeszauber beinhaltet; aber auch Exodus 14,19-21 umfasst je 72 Buchstaben.

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Dienstag, April 10, 2012

Der vierfache Schriftsinn aus jüdischer Sicht


Das Buch "Im Garten der Schrift. Wie Juden die Bibel lesen."
ist im Verlag St. Ulrich Augsburg 2006 unter der ISBN-Nummer: 978-3-936484-67-0 erschienen.

Der Autor Daniel Krochmalnik wurde 1956 in München geboren. Heute ist er Professor für Philosophie, Geistesgeschichte und Religionspädagogik an der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg. Zudem ist er Privatdozent für Philosophie an der Universität Heidelberg. Er ist Autor und moderiert die Radiosendung „Schalom“ im Bayrischen Rundfunk, ebenso ist er erster Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Heidelberg.

Zum Inhalt:
Daniel Krochmalnik führt in diesem Buch ins jüdische Verständnis der hebräischen Bibel ein. Er ist davon überzeugt, dass die Geschichten der Bibel zukunftsträchtig sind, weil sie wiederholungsgängig und vergangenheitsgesättigt sind. Er macht plausibel, dass es dabei um eine Lehre geht, die sich laufend erneuert und die methodisch wiederbelebt wird. So werden die Erzählfäden zu einem Gewebe mit wiederkehrenden Mustern und verkörpern dadurch das kollektive Gedächtnis.
Für die Bibelauslegung empfiehlt er vier Schritte, die auch dem "vierfachen Schriftsinn" entsprechen:
1. Literarierisierung – Wortsinn
2. Konzeptualisierung/Typologisierung – geistiger, allegorischer oder Bildsinn
3. Idealisierung – moralischer oder Begriffssinn
4. Hypostasierung – anagogischer oder Geheim- oder Hoffnungssinn


Diese vier Schritte sind auch im hebräischen Wort „PaRDeS“ oder ganz deutsch vokalisiert „Paradies“ enthalten, das besonders in der Kabbala die Bedeutung von Lernort und Lustgarten hat, worin der Baum die Weisheit der Tora selbst ist:
1. P = „Pschat“ = einfacher Sinn = Mischna = Chronik = Information = imitatio rerum
2. R = „Remes“ = angedeuteter Sinn = Maschal = Weisheit = Konnotation = imitatio naturae
3. D = „Drasch“ = belehrender Sinn = Midrasch“ = Weisung = Instruktion = imitatio veterum
4. S = „Sod“ = geheimer Sinn = Kabbala = Profetie = Intention = imitatio dei

Ein Beispiel: In Genesis 2,11 werden vier Flüsse erwähnt: Pischon, Gichon, Chidekel und Frat. Da lassen sich bereits drei der vier Sinne gut zeigen: Die vier Flüsse sind zuerst wörtlich zu verstehen; dann werden die vier Flüsse auch als die vier Exile gedeutet: Babylon, Persien, Griechenland und Rom; und die vier Flüsse werden im profetischen Sinn zu vier Reichen: Himmelreich, Messiasreich, Friedensreich und Weltreich.

Vier grosse Rabbiner des Mittelalters stehen auch für die vier Schriftsinne, weil sie besonders auf je diese hingewiesen haben in ihren Auslegungen der hebräischen Bibel:
1. RASCHI: Rabbi Schlomo ben Izchak (1040-1105) steht für den Wortsinn
2. RAMBAM: Rabbi Mosche ben Maimon (1138-1204) steht für den Bildsinn
3. RAMBAN: Rabbi Mosche ben Nachman (1194-1270) steht für den Begriffssinn
4. RAMAK: Rabbi Mosche Kordovero (1522-1570) steht für den Geheimsinn

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Donnerstag, Juni 05, 2008

Der Qur’an (Seiten 155-229)

Der Qur’an - die korrekte Schreibweise für Koran - soll in angeblich reinstem Arabisch geschrieben worden sein. Der Originalttext sei im Himmel, denn er ist ewig, unerschaffen und unfehlbares Wort Gottes. Er ist in Suren und Verse, die „ayat“ heissen, eingeteilt: Er umfasst 114 Suren, 6'200 Verse und ungefähr 80'000 Worte. Jede Sure mit Ausnahme der ersten und neunten beginnt mit „Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen“. Der Qur'an wird praktisch vor allem in besonderen Situationen zur Beschwörung bei Festen und als Talisman bei Krankheiten und Katastrophen verwendet.
Bei kritischer Betrachtung fällt auf, dass nicht alles Wort Gottes sein kann, sondern Gebet an Gott. Zudem hat Arthur Jeffery festgestellt, dass er etwa 275 Fremdwörter enthält, die dem Aramäischen, Hebräischen, Altsyrischen, Aethiopischen, Persischen und Griechischen entnommen wurden.
Die arabische Schrift ist eine reine Konsonantenschrift. Uthmans Kodex sollte den konsonantischen Text standardisieren, trotzdem gab es bis ins 10. Jh. noch viel abweichende Ueberlieferungen. Erst unter Ibn Mudjahid (+935) gab es eine endgültige Kanonisierung eines Konsonantensystems und Vokalvariation. (Die Vokalisierungen ergaben nochmals unterschiedliche Lesarten.) Folgende Konsonantensysteme wurden anerkannt:
1. Nafi von Medina (gestorben 785), mit den Lesarten nach Wrsh und Qalun
2. Ibn Kathir von Mekka (737), nach al-Bazzi un d Qunbal
3. Ibn Amir von Damaskus (736), nach Hisham und Ibn Dhakwan
4. Abu Amir von Basra (770), nach al-Duri und al-Susi
5. Asim von Kufa (744), nach Hafs (Basis für ägyptischen Koran von 1924) und Abu Bakr
6. Hamza von Kufa (742), nach Khalaf und Khallad
7. Al Kisai von Kufa (804), nach al-Duri und Abu-l-Harith

Bezüglich des Korans gilt die Widerrufungslehre, das heisst, dass frühere von späteren Worten abgelöst werden. Noch ein Wort zum Monotheismus: andere Gottheiten wurden getilgt oder zu Engeln und Geister abgewertet, er „beherbergt“ somit trotzdem einen Polytheismus. Warraq sagt es so: „Der muslimische Gott billigte und adelte auch solche grundlegenden Stammeseigenschaften wie kriegerische Tauglichkeit und Stammesstolz. Der muslimische Gott bot ihnen noch etwas anderes als ihre hauseigenen Götzen: er bot das Programm für eine arabische Staatsbildung und Eroberung; die Schaffung einer „umma“, das Anzetteln eines „djihad“. Muhammads Erfolg hatte offenbar damit zu tun, dass er sowohl Staatsbildung als auch Eroberung predigte: ohne Eroberungen... wäre die Vereinigung der Araber nicht erfolgt.

Das muslimische Gotteskonzept
Gott ist allmächtig, der Mensch dagegen hat keinen wirklichen Willen, das ist eine fatalistische Sichtweise. Macdonald sagte dazu: „Die widersprüchlichen Aussagen der Korans bezüglich des freien Willens und der Vorherbestimmung bedeuten, dass Mohammed ein opportunistischer Prediger und Politiker war, und kein systematischer Theologe.
Islamische Hölle wird mit verschiedenen Begriffen beschrieben:
· „Djahannam“ (30mal), die reinigende Hölle
· „An-har“, das Feuer
· „Lazza“, die lodernde Glut
· Al-Hutamah“, die Erdrückende
· „Sair“, die Flamme
· „Saqar“, das Höllenfeuer

Dazu meint Antony Flews: „Unangemessen ist eine unendliche Vergeltung auf eine endliche Verfehlung.“ Und Bousquet behauptete: „Es gibt keine Ethik im Islam. Dem Muslim ist lediglich der Gehorsam gegen den unbegreiflichen Willen Allahs befohlen.

Adam und Evolution, Schöpfung und moderne Kosmologie
Gott auf seiner Thron gilt als buchstäbliche Wahrheit. Die Schöpfungsberichte im Koran sind widersprüchlich, die Schöpfung wurde in zwei, sechs oder acht Tagen erschaffen. Die Erde sei vor der Sonne entstanden (Sure 41,8-11). Der Regen gilt als Vorbote der Barmherzigkeit Gottes (Sure 7,55). Der Mensch wurde aus Ton, Blut oder Sperma gemacht. Als grösstes Wunder ist aber der Qur’an anzusehen (Sure 29,46).

Jesus im Qur’an
Auch nach dem Qur’an wurde Jesus auf wuncerbare Weise von der Jungfrau Maria zur Welt gebracht. Dies steht so in Sure 3,40-43 und 19,16-22. Jungfrauengeburt war in griechisch-römischer Welt besonderen Männern vorbehalten, deshalb ist Jesus Sohn Gottes. Die Juden kannten diese Vorstellung jedoch nicht. Der Messias muss für sie nicht Sohn, sondern Diener, „ebed yahweh“ sein.
Quelle der koranischen Geschichte war der apokryphe Text: „Die Geschichte der Mariengeburt und die Kindheit des Heilands.“ Historiker ziehen jedoch Koran nicht für geschichtliche Belehrungen zu. Blinder Dogmatismus hat die muslimische Welt von intellektueller Herausforderung und den anregenden Impulsen der Forschung, Debatten und Diskussionen abgeschnitten.
Warraq stellt deshalb Historizität von Jesus auch in Frage in der Tradition von Bruno Bauer, David Strauss, Wilhelm Wrede, Albert Kalthoff und G.A. Wells. Aber im Gegensatz zur islamischen Welt werden diese Forscher im Westen nicht verfolgt. Es habe ähnliche Personen wie Jesus gegeben, so z.B. Apollonius von Tyana, ein neopythagoräischer Meister und asketischer Wanderer und Wundertäter. Der Mysterienkult des Mithras habe Aehnlichkeiten mit christlicher Taufe und Abendmahl. Frühe Christen hätten Jesus Worte und Sprüche zugeschrieben. Christentum könnte eine Verschmelzung von jüdischem mit griechisch-römischem Gedankengut sein. (Den Islam betrachtet er als Verschmelzung von talmudisch-jüdischen mit altsyrisch-christlichen Ideen.) Evangelien und Neues Testament waren nicht sofort festgelegt, auch der Koran sei im 9. Jahrhundert noch nicht fixiert gewesen.
Der Jüngste Tag hat der Islam dem altsyrischen Christentum entnommen, ebenso die Auferstehung des Körpers, die den Arabern eigentlich fremd war.

Göttliche Strafe
Der Koran trägt die Fingerabdrücke Mohammeds. So wird einem erwischten Dieb die Hand amputiert. Wer Allah und seinen Gesandten bekämpft hat den Kreuzestod verdient. Ehebruch und Hurerei wird mit Einsperren der Frau geahndet, der Hurer erhält hundert Peitschenhiebe. All diese Strafen sind nicht mit der Menschenrechtserklärung kompatibel.
Noch heute werden Kriege und Gräuel im Namen des Islam gemacht, namentlich der Bürgerkrieg in Afghanistan 1994, der Völkermord im Sudan seit 1994 und das Massaker in Indonesien 1965. Deshalb plädiert der Idealist Warraq, die Welt durch Erziehung, politische und soziale Arbeit zu verbessern und nicht durch Religion und Glaube.

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Donnerstag, April 24, 2008

Christliche Literatur unter islamischer Herrschaft?

Hinweise auf eine neue Religion in der christlichen Literatur „unter islamischer Herrschaft“? schreibt Karl-Heinz Ohlig auf Seiten 223-325. Er beginnt mit grundlegenden Vorbemerkungen zu diesem Thema:
· islamische Grossreiche haben ausser dem Koran keine literarischen Zeugnisse hinterlassen von 620-820nChr, danach erst gab es Biografien und Historiografien
· es gibt keine religiösen Zeugnisse der Araber als Vasallen in Byzanz
· es gibt eine Fülle von christlich-missionarischer Literatur bis 800, aber keine Erwähnung islamischer Herrschaft; keine kritischen Editionen
· wenig Fakten (für Frühzeit) – viel Interpretation in Richtung Islam, mit zeitlich grosser Distanz

Dann folgen Erklärungen für „die Bezeichnungen Araber, Sarazenen, Ismaeliten und Hagarener vor dem 7. Jh.“ So bedeutet „’arab“ auf syrisch Nomade, „’arba“ Schaf respektiv Schafzüchter. „’arabi“ waren Steppenbewohner, wie es auch im Jesajabuch 13,20 überliefert worden ist. „arabah“ war die Steppe oder Wüste. Arabien kommt in einigen Stellen des Alten Testaments vor (Dt 1,1+2; 4,49; Jos 3,16; 2Ch 17,11; 21,16; Jer 3,2; Ez 27,21) und meint auch das Jordanufer, den Negev oder den Süden von Damaskus. Eigentlich war es „Arabia deserta“, das das südliche Arabien umfasste. Die Bewohner Arabiens sprachen arabisch, syro-aramäisch oder griechisch und das syrische Christentum war die vorherrschende Religion. Eine Volksgruppe waren die Ghassaniden, die monophysitische Jakobiten waren. Ab 750 bestand ein Heiligtum in Medina und erst ab 800 eines in Mekka.
Sarazenen „saraceni“ war die römische Bezeichnung aller Nomaden zwischen Euphrat und Sinai ab dem 2. Jh. Man geht davon aus, dass es ursprünglich Midianiter waren. 106nChr eroberten die Römer das Nabatäerreich. Die Herkunft des Namens Sarazenen ist nicht ganz gesichert: „sark“ heisst auf arabisch Westen, „sarik“ Plünderer oder Räuber, „s(a)r(i)k(a)t“ Konföderation und „serak“ auf aramäisch Leere, Oede, Wüste, leer machen, räumen, rauben oder stehlen. Ab dem 4. Jh. sind nomadische Gruppen als Plünderer und Räuber belegt. Sie galten zudem als Heiden, die Steine und den Morgenstern, die Venus, verehrten.

Die „christlichen Zeugnisse unter der Herrschaft der Ararber bis gegen Ende des 8. Jh.“ sind vielfältig. Auf diesen Tatbestand verweist Ohlig, obschon diese Literatur noch nicht wirklich vollständig erfasst und ausgewertet ist. Er listet dazu 29 verschiedene Textbeispiele auf und beschreibt sie kurz:
1. Weihnachtspredigt des Sophronius, des Patriarchen von Jerusalem 634-638. Er beschreibt, wie gottlose Sarazenen den Weg nach Bethlehem versperren
2. Doctrina Jacobi nuper baptizati (um 640): falscher Profet sei mit Sarzenen gekommen (Harald Suermann hält ihn für Muhammad) Ohlig sieht darin eher eine antijüdische Endzeiterwartung syrischer und arabischer Christen in der Tradition Daniels, zudem scheint Karthago als Ort fiktiv zu sein
3. Maximus Confessor, 580-662, verbannter Streiter gegen den Monoeletismus und Monoenergetismus, schrieb im Brief an Petros Illustrios vom barbarischen Volk der Wüste in antijüdischer Polemik und Stereotypen
4. Dialog zwischen Patriarch Johannes und einem Emir (syrisch, 876) enthält die Fragen: ein Evangelium, aber verschiedener Glaube? Ist Jesus Gott oder Gottes Sohn? Trinität? (Es gab damals grosse christliche Gegensätze zwischen Monophysiten: allmächtiger Gott ist am Kreuz gestorben und Ostsyrern: Messias Jesus ist am Kreuz gestorben) Gesetze der Christen einhalten oder arabische übernehmen?
5. Iso’yaw III, gestorben 659, bezeugt christliches Leben unter arabischer Herrschaft Mu’awiyas
6. Johannes Moschus (540/550-619/628 in Rom) schrieb von syrischer Kirche, der “midzgitha”
7. Pseudo-Sebeos schrieb die Geschichte des Heraklius, ein antijüdisches Programm
8. Anastasius Sinaita (610-701) war Mönchspriester im Sinai
9. Jakob von Edessa (633-708) schrieb über Exegese, Kirchenrecht und Philologie; übersetzte Aristoteles ins Syrische; sah die Araberherrschaft als Strafe für Sünde der christlichen Spaltungen (z.B. Monophysitismus kontra Chalkedonismus)

Aehnlich geht es weiter, viele Schriften hatten apokalyptische Züge, die Hoffnung, Trost und Durchhalten in grosser Not vermitteln wollten. Denn der Frevel hatte sich vermehrt auf Erden, Geschrei war aufgestiegen zu Gott, der dann eingegriffen hatte. Modell dafür war Daniel, was auch zur syrischen Danielapokalypse um 500 geführt hatte. Ephräm der Syrer, gestorben 373, hatte im Sermo 5 vom „Räubervolk, das siegen wird“ geschrieben.
Pseudo-Methodius verfasste auch eine syrische Apokalypse um 680, die zehn Jahr später ins Griechische und 727 ins Lateinische übersetzt wurde (G.J. Reinink übersetzte sie 1993 ins Deutsche). Sie umfasst 14 Strophen, die eine verworrene Weltgeschichte darstellen von Adam bis zum Weltende. Kuschiter, Makedonier, Griechen, Römer und Söhne Ismaels, der Arm des Südens (aus Daniel 11,15), kommen vor, ebenso der Abfall der Christen und die Herrschaft der Byzantiner als christliches Endreich. Ziel war es, eine Hoffnungsperspektive für Christen unter arabischer Herrschaft aufzuzeigen. Weiter gibt es ein syrisches „Evangelium der zwölf Apostel zusammen mit den Apokalypsen eines jeden von ihnen“, das um 790 in Edessa verfasst wurde. Darin steht: „Ismael dienen alle Enden der Erde, viele Herrschaften sind ihm unterworfen“.
Des weiteren gibt es koptische Quellen und griechische Texte aus dem 8. Jh. Dazu gehören Germanus, der Patriarch von Konstantinopel (bis 730) und Bilderverehrer. Dann Johannes von Damaskus, geboren 650, byzantinischer Theologe und katholischer Lehrer. 750 verfasste er „Ueber die Häresien“, worin hundert Häresien behandelt wurden in einer Disputation zwischen einem Sarazenen und einem Christen. Der „Islam“ ist dort die 100. christliche Häresie, denn die frühen Suren haben eine syrische, vornizenische Theologie.

Zur Religion der Araber
Erst im 9. Jh. erfolgte christliche Auseinandersetzung mit dem Islam. In Ostsyrien herrschte ein vornizenisches, syrisch-aramäisches Christentum, das die Gottessohnschaft Jesu ablehnte (wird auch unitarischer Monotheismus oder Monarchianismus genannt). Auch (viele) Araber waren christianisiert, heidnische Bräuche blieben bestehen (gemäss Predigt von Isaak von Antiochien im 5. Jh., Hieronymus und Johannes Damacenus).
Ohlig vertritt die These, dass ein „basic monotheism“ die Gemeinsamkeit von Judentum, Christentum, Zoroastrismus und Randäismus war mit einer Orientierung an der Figur „Abrahams“. Nach 750 erschien sie dann als neue Religion der Araber, indem eine Abkehr von der Letztrelevanz und Einzigartigkeit Jesu erfolgte. Dies ist bezeugt in der apokalyptischen Literatur. Nach 850 wurde Jesus als Messias durch Mohammeds Verkündigung des Korans abgelöst.
(Ohlig verweist in diesem Zusammenhang auch auf sein Werk Fundamentalchristologie, München 1986, worin er unter anderem die unterschiedliche Bedeutung des Kreuzestodes Jesu darlegt. Für das lateinische (westliche) Christentum ist es der Angelpunkt. Er spricht von „Staurozentrischer Christologie“. Augustinus und Tertullian: „Das Kreuz ist die einzige Hoffnung der ganzen Welt“ waren die wichtigsten Begründer dieser Sicht. Für das griechische Christentum war das Kreuz ein Zeichen der Inkarnation, also Inkarnationschristologie. Für die syrischen Christen war es Gehorsam gegen Gott, also Bewährungschristologie. Die Kreuzesinschriften waren in griechisch, lateinisch und hebräisch gehalten, nicht aber in syrisch. Denn die Syrer hatten mit dem Tod Jesu nichts zu tun, daher war er ihnen auch nicht so wichtig.)
Wer war der arabische Profet? Klar ist, dass er Prediger, Händler, Krieger und namenlos war, denn „Mohammed“ war zuerst ein christologisches Prädikat. War er vielleicht ein christlicher Wanderprediger? Literarische Aeusserungen widersprechen traditionellen islamischen Berichten, die rückwirkend konstruiert wurden. Die Islamwissenschaft hat sich der Historie kaum gestellt.

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