Donnerstag, März 09, 2017

Das Buch, in dem Olivenöl ist: Der Koran der Wissenschaften

Früharabisch kennt 15 Schriftzeichen, aber davon sind nur sieben eindeutig festgelegt, sechs sind zweideutig, eines ist drei- und eines ist sogar fünfdeutig. Das hat auch mit dem Konsonantengerüst rasm zu tun. Es gibt viele frühe Koranfragmente, aber keinen Urkoran; der Urkanon ist eine islamische Fiktion, die der wissenschaftlichen Forschung nicht standhält. Es gibt (bislang) keine Quellenforschung, da diese von vielen islamischen Gelehrten und Führern nicht erwünscht ist.

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Mittwoch, April 09, 2014

Nimm und iss... Die Bibel als Lebensmittel

Von Eugene H. Peterson habe ich schon lange und immer wieder viel Gutes gehört, doch noch nie ein Buch von ihm gelesen. Nun hat der Neufeld-Verlag im süddeutschen Schwarzenfeld - den ich sehr schätze - dieses Jahr ein Buch unter der ISB-Nummer 978-3-86256-045-5 von Peterson aufgelegt. Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel: „Eat this book – A Conversation in the Art of Spiritual Reading“ bereits im Jahr 2006. Die vorzügliche Uebersetzung besorgte Evelyn Sternad. . . . . . . Zum Autor: Eugen H. Peterson wurde 1932 geboren. Er gründete 1962 eine presbyterianische Gemeinde in Maryland USA und leitete sie 29 Jahre. 1993 bis 1998 war er Professor für spirituelle Theologie am Regent College in Vancouver, Kanada. 2002 erschien seine Bibelübersetzung „The Message“, an der er zehn Jahre gearbeitet hatte. Mit dieser Uebersetzung, mit seinen Bücher und Predigten will er die Bibel wieder und neu in die Herzen der Menschen pflanzen. Er hat über dreissig Bücher geschrieben und mehrere Ehrendoktortitel erhalten. Seine Frau und er haben drei Kinder und sechs Enkel, sie leben heute in Montana, wo er auch aufgewachsen war. Zum Buch: Der Titel bezieht sich auf die Bibelstelle in Offenbarung 10,9, wo der Engel Johannes gebeten hat, das kleine Buch zu nehmen und zu essen. Das ist eine der zentralen Aussagen über das Wort Gottes, die sich über die ganze Bibel hinweg ziehen. Denn es geht darum, die Bibel, das aufgeschriebene Wort Gottes, geistlich zu lesen und wie ein Lebensmittel aufzunehmen und nicht nur als Informationsquelle, Wissensspeicher oder gar als Rechtsmittel zu verwenden. Auch im ersten Psalm ist davon die Rede, über die Weisung Gottes nachzusinnen (Vers zwei); aber es ist eine unzureichende Uebersetzung des hebräischen Verbs „hagah“. Denn es geht viel mehr um ein wohliges knurren, ein andauerndes kauen und ein sich verlieren in der Torah. Auch Bonventura hat gesagt: „Viel zu wissen und nichts zu schmecken – wozu soll das gut sein?“ „Christen zehren also von der Bibel. Die Heilige Schrift ernährt die heilige Gemeinschaft genauso, wie Nahrung unseren Körper ernährt. Christen erlernen, studieren oder verwenden die Bibel nicht nur. Wir verleiben sie uns ein, wir nehmen sie mit in unser Leben hinein. Sie wird verarbeitet zu Liebestaten, Bechern voll kühlen Wassers, Aussendungen in die Welt, Heilung, Evangelisation und Gerechtigkeit im Namen Jesu.“ So drückt sich Peterson auf Seite 33 aus. Die Erzählform sei das hauptsächliche sprachliche Mittel, womit Gott uns sein Wort nahe bringt, denn sie ist uns gut zugänglich. „Für uns Juden ist es wichtiger, die Bibel zu studieren, als ihr zu gehorchen, denn wenn du sie nicht richtig verstehst, dann gehorchst du ihr nicht richtig, und dein Gehorsam wird zum Ungehorsam“ (Seite 98). Die Bibel sei vor allem mündlich zu verstehen, das hat bereits der schottische Theologe James Barr festgestellt. Denn die aufgeschriebenen Worte wurden ihrem ursprünglichen Zusammenhang entrissen: Klang, Tonfall, Rhythmus, Stimmen, Töne und Düfte sind nicht mehr enthalten; sie sind der natürlichen Umgebung entzogen (Seite 114). . . . . . . . . . . Zentrales Anliegen von Peterson ist die „lectio divina“, das geistliche Lesen der Bibel. Sie umfasst die vier Elemente lectio, meditatio, oratio und contemplatio, die aber nicht nur linear zu verstehen und anzuwenden seien. Denn „Bibelverse sind keine Glückskekse, die man beliebig aufbricht... Meditation ist der beste Weg, um uns vor der Zerstückelung unseres Bibellesens in isolierte Orakel zu schützen... Beten (oratio) heisst in den Satzbau und die Grammatik des Wortes Gottes zu treten. Wir verlassen die enge Welt des Ichs und treten ein in die weite Welt Gottes. Kontemplation bedeutet nicht nur leben, sondern auch geschehen lassen, kontemplative Menschen seien insofern gescheiterte Schriftbetrachter" (Seiten 133-142). Peterson warnt vor der Gefahr, die Bibel zu haben, zu verteidigen und zu feiern, anstatt sie zu empfangen, sich ihr zu unterwerfen und sie zu beten. Es gebe eine Entweihung der Bibel nach unten und nach oben! Nach oben bedeute, dass man die ursprüngliche, meist einfache Sprache der Bibel ignoriere, die oft eine Sprache der Unterschicht gewesen sei. Gerade das Koine-Griechisch, in der die Evangelien und grosse Teile des Neuen Testaments aufgeschrieben wurden, war eine Sprache der Kinder, Arbeiter, Armen, Entrechteten und Ausgebeuteten. Das haben erst Moulton James Hope und Adolf Deissmann richtig entdeckt, weil im ägyptischen Oxyrhynchus 1896 in einem Müllhaufen erstmals Texte in Koine-Griechisch gefunden wurden. Zusammen mit Dale C. Alison hält Peterson die vierte Bitte des Unser Vater-Gebets für den Knackpunkt dieses Gebets von Jesus. "Unser tägliches Brot" sei die umstrittenste und schwierigste Bitte. Mit Hans Dieter Betz ist er überzeugt, dass es kaum einen Zweifel daran gebe, dass Jesus sich auf echtes, nicht nur geistliches Brot bezogen habe (wie Origenes und seine Nachfolger fälschlicherweise meinten und lehrten; Seiten 187-191). . . . . . . . . . Peterson zieht folgendes Fazit: „Jesus verkörpert das Herabsteigen Gottes in unser Leben, so wie es ist und in das Umfeld, in dem wir leben. Er verkörpert nicht den Aufstieg unseres Lebens zu Gott, von dem wir hoffen, dass er uns wohlgesonnen ist, sobald er sieht, wie sehr wir uns bemühen und wie höflich wir beten“ (Seite 193). Auch in Israel war Gott im Alltag gegenwärtig und handelte unter ihnen, oft aber unscheinbar. Gottes Zurückgezogenheit und sein Schweigen wurden auch respektiert und nicht mystifiziert wie bei den Nachbarvölkern Ugarit und Kanaan. Sie machten ihre Götter durch magische Manipulationen und religiöse Technologien dienstbar (Seiten 196-199). Am Schluss macht Peterson nochmals darauf aufmerksam, dass buchstabengetreue Bibelübersetzungen unzureichend seien, weil sie nonverbale Ebenen ausschliessen, und vorhandene Redewendungen, Bilder und Satzstrukturen in der Zielsprache nicht finden können. Daher seien Uebersetzungen ausnahmslos Interpretationen! Fazit: Das Buch von Peterson ist sehr informativ, gut zu lesen und gibt neue Impulse für einen gesunden Umgang mit der Bibel. Es eignet sich auch für Personen, die schon lange mit der Heiligen Schrift unterwegs sind.

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Samstag, März 02, 2013

Amsterdamer Schule

Mit dem Begriff „Amsterdamer Schule“ werden auch bestimmte, vorwiegend reformierte Theologen der Niederlande im 20. Jahrhundert bezeichnet, die bewusst auch jüdische Sichtweisen zugelassen und Lernen von der Hebräischen Bibel gefördert haben. Dies hat im Speziellen für das Bibelverständnis und die Bibelwissenschaft gegolten. Denn Amsterdam war das sogenannte „Mokum“, in Hebräisch „Maqom Alef“, was den „ersten Ort“ bezeichnete. Diese holländische Stadt war für viele Juden nach der Vertreibung aus Spanien 1492 und etwas später aus Portugal zur neuen, sicheren Heimat, zum „Jerusalem des Westens“ geworden. Diese Heimat wurde erst 1942, als die Nazis die Juden aus den Niederlanden deportiert und vernichtet hatten, jäh unterbrochen und zerstört. Zum Bibelverständnis: Es geht um die Dialektik Lesen und Hören: · Literarisches Auge für den Text · Theologisches Ohr für das Wort · Hörend lesen, lesend hören und lernen · Text zum Klingen bringen, so dass er sich vernehmen lässt und zur Ansprache wird (=hören) Weiter sind folgende Prämissen und Punkte zu beachten: · Die Vielfalt der Bibel weist viele innere Beziehungen auf · Die biblischen Texte sind aus verschiedenen Elementen zusammengewachsen, trotzdem sind sich als organische Einheit zu begreifen (nach Martin Buber) · Wir werden immer im Defizit gegenüber dem Bibeltext bleiben · Die Schrift wird in jeder Situation neu zu Menschen sprechen · Gott spricht verstehbar durch biblische Texte · Wir können die Schrift nur deuten, wenn auch die Schrift uns selbst deutet · Der Text darf es sagen, er ist in seiner Endgestalt zu respektieren, er ist ein sinnvolles Ganzes, eine Einheit, auch wenn er zusammengefügt sein sollte. Er ist die Instanz, die unser Leben kritisiert. Durch ihn kommt Gottes Wort und Handeln zur Sprache. · Die Bibel legt sich selbst aus und kritisiert sich selbst · Der biblische Text in seiner Einheit ist wichtiger als jede Methode, das gilt auch für die historisch-kritische Methode. Denn es gibt keine wertfreie Interpretation! · Jeder der Schulung durch die Schrift sucht, kann zugleich lernen und lehren · Das Fächerübergreifende ist wichtig, das Gespräch zwischen den verschiedenen Richtungen Herangehensweise: · Vorläufige Uebersetzung · Kontext und Parallelstellen · Stilistische Erscheinungen hervorheben · Subjekte (Wer?) und Gliederung · Inhaltliche Fragen: Themen und Bedeutung · Thesen · Assoziationen und Anspielungen erkennen · Was geschieht mit mir beim Schreiben, Lesen und Hören? · Kommentare möglichst spät beiziehen, wenn überhaupt! Vertreter oder Nahestehende waren und sind: · Frans H. Breukelman, 1916-1993, Pfarrer und Theologieprofessor in Amsterdam · Karel A. Deurloo, geboren 1936, Theologieprofessor (und Nachfolger von Breukelman) in Amsterdam · Friedrich Wilhelm Marquardt, 1928-2002, Theologe, Pfarrer, Studentenpfarrer und Theologieprofessor in Berlin · Kornelis Heiko Miskotte, 1894-1976, Pfarrer und Theologieprofessor in Leiden · Huub Osterhuis, geboren 1933, Philosoph und Theologe, ehemaliger Jesuit und Priester, lebt in Amsterdam · Nico Ter Linden, geboren 1936, Pfarrer an der „Westerkerk“ in Amsterdam · Ton Veerkamp, geboren 1933, ehemaliger Jesuit und Priester, Studentenpfarrer in Berlin, Publizist, lebt heute in Norddeutschland · u.a.m. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quellen: · Artikel von Uwe Bauer (2006) „Amsterdamer Schule“ im wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex) der deutschen Bibelgesellschaft: http://www.bibelwissenschaft.de/nc/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/a/referenz/10000/cache/65c4105abd290cea700ee2c87477a3d8/ · Infoseite der reformierten Kirche Potsdam: http://www.reformiert-potsdam.de/FrP-Arbeit%20mit%20der%20Bibel-Amsterdamer%20Schule.htm · Texte & Kontexte, exegetische Zeitschrift, Nr. 61, 64 (1994) und 90 (2001): www.texteundkontexte.de · Die theologische Zeitschrift „in de waagschaal“: http://www.karlbarth.nl/homepagina · Wikipedia in Niederländisch: http://nl.wikipedia.org/wiki/Amsterdamse_school_%28theologie%29

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Mittwoch, Oktober 27, 2010

Rob Bell zur Lehre von Jesus

Die Bibel muss ausgelegt werden. Wenn sie nicht ausgelegt wird, kann sie auch nicht in die Tat umgesetzt werden. Wenn es uns also ernst ist mit Gott, dann müssen wir die Bibel auslegen. Man kann nicht "einfach tun, was die Bibel sagt". Man muss erst einmal festlegen, was das für uns bedeutet....

Die alten Rabbis verstanden, dass die Bibel noch nicht abgeschlossen ist und interpretiert werden muss. Und sie verstanden, dass ihre Rolle in der Gemeinschaft darin bestand, zu forschen und zu meditieren, zu beten und zu diskutieren und dann eben ihre Entscheidungen zu treffen. Rabbis sind wie Dolmetscher, die den Menschen helfen zu verstehen, was Gott ihnen durch den Text sagt und was es bedeutet, den Text ins Leben umzusetzen....

Man beachte, was Jesus in einer seiner ersten Botschaften sagt: "Meint nur nicht, ich bin gekommen, das Gesetz ... aufzuheben. Im Gegenteil, ich werde es voll zur Geltung bringen und erfüllen." Damit meint er im Wesentlichen: "Ich bin nicht gekommen, das Wort Gottes abzuschaffen; ich bin gekommen, den Menschen zu zeigen, wie es aussieht, wenn das Gesetz vollkommen ausgelebt wird, bis ins kleinste i-Tüpfelchen. Ich bin hier, um den Worten Fleisch und Blut zu verleihen." ...

Ein Rabbi, der mit "shmikah" (hebräisches Wort für Vollmacht) lehrte, sagte beispielsweise: "Ihr habt es so gehört ... aber ich sage euch ..." (steht in Matthäus 5,21 & 22 & 27 & 28 & 31-34 & 38 & 39 & 43 & 44!). Damit will er sagen: "Ihr habt eine bestimmte Auslegung dieses Verses gehört, aber ich sage euch, was Gott eigentlich mit diesem Vers meint." Die Rabbis hatten einen Fachausdruck für diesen endlosen Prozess des Verbietens und Erlaubens und Interpretierens. Bei ihnen hiess das "binden und lösen". Etwas zu "binden" hiess, es zu verbieten. "Lösen" hiess, etwas zu erlauben (So auch Jesus zu Petrus in Matthäus 16,19 und allgemein in 18,18)...

Hier passiert etwas Bedeutsames. Er gibt Menschen, die sich an ihm orientieren, die Vollmacht, die Bibel neu zu interpretieren. Er gibt ihnen die Erlaubnis zu sagen: "Das haben wir an diesem Vers bisher nicht beachtet. Kürzlich erst sind wir zu dem Schluss gekommen, dass er eigentlich das und das bedeutet."

(Aus: Rob Bell in "Jesus unplugged" Brunnen Giessen 2006 (Ausschnitte von Seiten 41-45, minim abgeändert.)

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