Montag, Mai 01, 2017

Miroslav Volf: Umsonst

Miroslav Volf wurde 1956 in Osijek, im damaligen Jugoslawien und heutigen Kroatien, geboren. Er hat in Kroatien, im deutschen Tübingen und am Fuller Theologican Seminary im kalifornischen Pasadena Theologie studiert. Er ist heute einer der einflussreichsten anglikanischen Theologen, die zudem dem Evangelikalismus nahe stehen. Aufgrund seiner Erfahrungen im Jugoslawienkrieg und der Unabhängigkeit Kroatiens vertritt er bewusst eine Theologie der Befreiung, der Versöhnung und der Gewaltlosigkeit, ohne aber naiv zu sein. Gegenwärtig ist er Professor an der Yale University in New Haven, Connecticut, USA. . . . . . . . . . . . . . Zum Buch: Der Originaltitel heisst Free of Charge und ist 2005 bei Zondervan in Grand Rapids erschienen. 2012 ist das Werk mit dem Titel Umsonst - Geben und Vergeben in einer gnadenlosen Kultur, im Brunnen Verlag Giessen unter der ISB-Nummer 978-3-7655-1185-1 erschienen. Das äusserlich eher unscheinbare Buch ist ein theologisch durchdachtes Buch, wie man es von Volf gewohnt ist! Es beginnt mit dem Präludium „Die Rose“, worin Volf viel Persönliches preisgibt, indem er beispielsweise über die bewegende Adoption seiner zwei Söhne schreibt. Er benutzt hier bewusst eine Sprache des Herzens, denn die Augen seien gemäss dem kleinen Prinzen von Saint Exupéry blind, man müsse mit dem Herzen suchen. Damit gibt er auch eine passende Haltung vor, mit der dieses Buch mit Gewinn gelesen und verstanden werden könne. . . Volf weist schon im ersten Kapitel darauf hin, dass unser Gottesbild nicht mit der Gottesrealität identisch sei. Gott sei weder ein Kuhhandelgott noch ein Weihnachtsmann, sondern ein rein Schenkender. Er brauche zwar nichts von uns, und doch verlange er mehr von uns, als wir ihm geben könnten. Alles, was wir ihm schenken können, hat er uns schon längst gegeben. Luther habe den Unterschied von Gottes und des Menschen Liebe betont: aus dem Nichts und durch Reflektion. Glauben heisse daher, Gottes Gaben bereitwillig empfangen; sich dem Geber gegenüber angemessen verhalten und Gott die leeren Hände hinhalten, dass er sie fülle (Seite 52). Von Gott im Glauben empfangen ist die höchste Würde des Menschen. Glaube ist ein Wohnen Gottes in uns und zum Wohl der Schöpfung wirken. Wer Gott dankt, sagt dem göttlichen Geber, dass er das, was er von ihm bekommen hat, wertschätzt; er gibt Gott die Ehre dafür.

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Sonntag, April 16, 2017

5. Weisheit, das neue Denken

Im fünften Kapitel, auf den Seiten 199 bis 232 schreibt Schleske über die Weisheit Gottes, ein erneuertes und verändertes Denken. Er behauptet beispielsweise, dass die Schechina, das Wohnen Gottes, dem Heiligen Geist entspreche. Ein liebender Glaube gleiche mehr einem aufgeschlagenen Zelt als einem unumstösslichen Tempel (Seite 215). Es tue der Wahrheit Gottes keinen Abbruch, wenn unser Glaube sie färbe. Gottes Anwesenheit sei in unsere Hände gelegt, wir können sie annehmen oder ihr ausweichen. Schleske interessiert jeweils nicht, was jemand von Gott weiss, sondern wie er Gott liebt, ihn erkennt und tut (Seite 222). Jesus im Purpurkleid stehe als geschändete Schechina da. Schon in der Bergpredigt warb Jesus in neun Schichten für die Nähe Gottes, um eine Zunahme der Gottespräsenz in jedem Menschen (Seite 225-228). Wenn das Leben an Stimmigkeit und Gottespräsenz gewinne, so werde es weiter, verbindlicher, inniger und auch wirksamer.
Zelt und "Heiligtum" in der Wüste Marokkos

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4. Seelenführung, die Berufung des Geistes

Auf den Seiten 185-198 schreibt Schleske von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen mit der Seelenführung. Er behauptet: Wer nicht unsicher sein könne, könne Gott nicht lieben. Unser Stolz und unsere Ängste verhinderten Gottes Inspiration; Empfänglichkeit und Vertrauen förderten sie. Gott möge weder unsere Religion, unser Judentum, unser Christentum, sondern unser geisterfülltes Menschentum! Sowohl junge, erwachsene und reife Liebe soll in uns wachsen und leben; so wie der junge Salomo das Hohelied, der mittlere die Sprüche und der alte den Kohelet geschrieben habe (Seite 187). Picasso sagte: Als ich dreizehn Jahre alt war, konnte ich malen wie die grossen Meister, aber ich habe ein Leben lang gebraucht, um zu malen wie ein Kind (Seite 189). Wir sollen nicht nach Gott, sondern mit Gott suchen. Wir bräuchten eine sogenannte zweite Naivität, die Dennoch-Liebe, die Reife und Verletzlichkeit beinhalte (Seite 192). Für ein erfülltes Dasein brauche der Körper Wohlbefinden, die Seele Freude und der Geist Sinn (Seite 198). Während unser Intellekt vor allem denke, könne aber unser Geist empfangen.

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Freitag, April 14, 2017

2. Musik, die Stimme der Seele

Im zweiten Kapitel, auf Seiten 37 bis 80, entfaltet Schleske seinen Geigenbauerberuf. Musiker sein heisse für ihn, dass er zum Instrument werde, mit Resonanzen kommuniziere und mit Klangfarben spiele (Seite 39). Nach ihm kann man die wesentlichen Dinge in unserer Welt nur durch Lieben und Leiden lernen (Seite 44). Die Kunst bestehe darin, sich empfänglich zu machen. Der Zugang zum Heiligen sei nur durch die Befreiung vom Zweckdienlichen möglich, Musik sei dafür das erste Zeugnis (Seite 50). Ohne Bereitschaft zur konzentrierten Selbstbegrenzung gebe es kein wirkliches Lernen. So haben ihn die kleinen Dinge in der Summe das Wesentliche gelehrt (Seite 54). Ein Geigenbauer müsse frei von falschem Ehrgeiz (Übertreibung) und falscher Ängstlichkeit (Untertreibung) sein, damit stimmige Verhältnisse und harmonische Instrumente entstehen können. Und Hören sei Liebe, eine radikale Abkehr vom Eigenen (Seite 76).

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Freitag, April 24, 2015

Emotional erwachsen werden (Seiten 187-206)

Viele Christen wissen viel über die Bibel, aber sie haben Mühe mit negativen Emotionen konstruktiv umzugehen und nicht daran hängen zu bleiben. Das hat viel mit mangelnder emotionaler Reife zu tun. Scazzero unterscheidet vier Stufen der Reife: · Emotionaler Säugling: Erwartet alles von andern und braucht sofortige Bedürfnisbefriedigung durch andere · Emotionales Kind: ist zufrieden, wenn es bekommt, was es will, sonst reagiert es mit Betteln, Jammern oder Trotz; lässt sich leicht aus der Fassung bringen, ist leicht verletzbar · Emotional Heranwachsender: ist bedroht, verletzlich, verteidigend, kritisierend, verurteilend, eher konfliktscheu, schuldzuweisend und wenig anteilnehmend · Emotional Erwachsener: Wünsche und Bedürfnisse werden ehrlich und direkt geäussert; hat Selbstwert; erkennt und übernimmt Verantwortung für eigene Gedanken, Gefühle, Worte und Taten; kann eigene Werte vertreten; respektiert andere bedingungslos und gibt Wertschätzung; ist konfliktfähig, lösungsorientiert und fehlertolerant; kennt eigene Grenzen, Stärken und Schwächen Echte Spiritualität zeigt sich besonders in der Liebesfähigkeit; denn nur Liebe enthüllt Schönheit und Wert des andern (nach Jean Vanier) und schenkt ihm Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Sünde ist das Gegenteil von Liebe, nämlich in sich selbst verkrümmt sein (nach Augustinus). Respekt zeigt sich besonders darin, dass ich dem andern eine eigene Meinung und seine eigene Lebenswelt einräume. Gedanken neigen zur Verselbständigung, daher sind sie im Dialog zu äussern, zu prüfen und zu korrigieren. Erwartungen sind auszusprechen. Kirche kann ein Ort der Liebe, des Wachstums und der Reife sein, wenn wir zulassen, dass Gott da mit seiner Wahrheit herrschen darf!

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Samstag, Juni 30, 2012

Boberts Geschichte der christlichen Mystik

Ihre eigentlichen Ausführungen zur Mystik beginnt Bobert dann erstaunlicherweise mit Platon und seinem Stufenweg (Seite 44). Er unterschied zwischen 1. Reinigungsstufe (in Symposion 199-201) 2. Einweihung in die Ueberlieferung (201-209) 3. Schau (209-211) . . . . . Etwas gewagt und theologisch einseitig finde ich Boberts These, dass Paulus platonisch beeinflusst gewesen sei. Er verarbeitete Mysterientheologie in der Kultpraxis, seine Tauflehre werde im Römerbrief 6-8, Gal 3,26 und 1Ko 1,13-17 entsprechend beschrieben. Das hauptsächliche Mysterium sei Christus, der den Menschen in der Auferstehung verwandelte. Danach verweist sie auch stark auf Clemens von Alexandrien, der 150-215 gelebt hatte. Er christianisierte Platon, forderte Arkandisziplin von Christen, die sich analog zu Platon zeigte in 1. Reinigung 2. Unterweisung (kleine Mysterien) und 3. Schau (grosse Mysterien) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weiter nimmt dann Bernhard von Clairvaux (1090-1153) viel Raum ein. Er lebte zur Zeit, als die Scholastik entstand, die besonders gut von Abelard (1079-1142) und Petrus Lombardus (1095-1160) verkörpert und vertreten wurde. Bernhard dagegen betonte Beziehung und Liebe zu Gott, besonders in seinen Hoheliedpredigten. Er plädierte für Gottes- und Selbsterkenntnis und Gottessuche in der Kontemplation. In (seinen) Klöstern wurde auch vieles aus Gottes unsichtbarer Welt abgebildet wie der quadratische Garten, der Kreuzgang, etc. So wurde Gott und seine Welt besser sichtbar, hörbar und fühlbar gemacht. Gruppenlernen und Dynamik der Klostergemeinschaften trugen noch Wesentliches zur Erfahrung von Transzendenz bei. Mönch Guigo II, der 1193 starb, lehrte folgende Methodenschritte fürs geistliche Leben: 1. Lectio (Bibel lesen) 2. Meditatio (meditieren) 3. Oratio (beten) 4. Contemplatio (schauen) . . . . . Auch Martin Luther lehrte einen ähnlichen geistlichen Weg und war von den Sakramenten und ihren Wirkungen überzeugt. Er legte vor allem die Erfahrungs- und Lebensfremdheit der Scholastik bloss. Der Benediktiner Odo Casel, der 1886 in Koblenz geboren wurde, und als Priester in Maria Laach tätig war bis er 1948 starb, wollte die Mysterientheologie erneuern. Das eigene Miterleben in der Eucharistiefeier wurde wichtiger, so kann „communio“ zur „unio“ werden. Er beachtete die Theologie der Kirchenväter stärker und verfasste religionsgeschichtliche Studien zu antiken Mysterienkulten. Bobert plädiert mit Manfred Josuttis (geboren 1936, ev. Theologe in Göttingen) hier gegen rationalistische Tendenzen und für pneumatische Prozesse. Die (westliche) Theologie greife heute oft zu kurz, denn das Wesen des Theologen sei die Glaubensschau, die von Christus ausgeht (Seite 74). Die Teilnahme am (Mess)Kult fördert das Verstehen. Bild Gottes zu sein sei das Wesen des Menschen, aber zugleich auch seine Aufgabe. Sünde störe Wahrnehmung(sfähigkeit) und Erkenntnis der Wahrheit. Je mehr das Ego zerstört werde, desto mehr entfalte sich Christus. Wandlung (in der Eucharistie) sei nicht religiöser Materialismus, sondern ein Sieg des Geistes; die Materie müsse Gott dienen. Wirksame Rituale hätten Gnadencharakter. Das Heilige sei eine Wirklichkeit, die immer präsent, aber nicht immer zugänglich sei, die man nicht auflösen darf. Durch rituelle Methoden werde ein atmosphärische Machtfeld realisiert, wo das Göttliche Menschen ergreife und Resonanz auslöse. Mystagogie sei die Kunst der Initiation, der Hineinführung in das Geheimnis der eigenen Existenz, anderer Menschen, des Kosmos und Gottes. Religiöse Phänomene seien möglichst wörtlich und wirklich zu nehmen. Christliche Mystik sei ein Erfahrungsweg, der auf ein gegenwärtiges Leben mit Gott ziele und echte Gotteserkenntnis bewirke. Sie sei personale Begegnung mit Jesus und dem dreieinigen Gott, die sogar erotische Komponenten umfassen könne, den Menschen reinige und verwandle zum Bild Gottes. Sie mache mit Jesus Christus heilsame Erfahrungen und lege anspruchsvolle Wege zurück. Die orthodoxe Theologie sei viel stärker Mysterientheologie geblieben, die mit kultischen Spiegelungen und Kommunikation und Kraftworten arbeite und mit Kraftteilhabe rechne. Ihre Spiritualität will den Geist materialisieren und die Materie spiritualisieren. Im Osten und Westen wurde durch die mystische Praxis die kulturelle Elite geformt und spezifisches „Kapital“ gebildet in Klöster, Kirchen und Schulen. Einige Definitionen von Sabine Bobert, da die Begriffe häufig noch unbekannt und zudem unscharf sind: 1. Christliche Mystagogik ist christliche Lehre vom mystischen Weg mit Jesus Christus; denn er ist das Urbild des Menschen 2. Praktische Mystagogik ist ästhetisch-kultische und individuell-übende Spiritualität 3. Mystagogische Theorie reflektiert mystische Tradition mit der Wissenschaft 4. Das (mystische) Menschenbild geht davon aus, dass der Mensch vor allem ein geistiges Wesen ist, das zur persönlichen Vereinigung mit Gott bestimmt ist 5. Gesellschaftlicher Kontext: Postmoderne, Interreligiosität und Esoterik 6. Theo-Aesthetik bedeutet zentrierte Aufmerksamkeit und Gegenwart Gottes in allem sehen . . . . . Bobert sieht die westlichen Menschen als heilungsbedürftig und leidend unter metaphysischem Heimatverlust (Peter L. Berger). Die Folgen seien eine Risikogesellschaft (Ulrich Beck) und Ich-AG. Ausgelöst wurde dies durch die Reformation, die ein Autoritäts- und Freiheitsproblem bewirkt hatte. Alles musste danach im Glauben angeeignet werden, sogar die Taufe. Der Einzelne erhielt dadurch viel Verantwortung, mit der nicht immer zurecht komme. Es habe eher zum Laientum aller Priester als zum Priestertum aller Laien geführt. Dagegen betone Mystik im Rahmen von Dietrich Bonhoeffer und von Teilhard de Chardin: · Teilhabe am Vater bedeute Sein, Schaffen und Einheit · Teilhabe am Sohn bedeute Werden, Existieren und Lieben · Teilhabe am Geist bedeute Bewusstwerdung, Integration, Denken und Licht (orthodox) . . . . . Der russische Universalgelehrte und Priester Pavel Florenskij (1882-1937) bezeichnete den Menschen (tiefsinnig) als Maske, Gesicht und Antlitz Gottes. Durch die Erlösung kann die maskenhafte Abspaltung und die dämonische Fremdherrschaft überwunden, das wahre menschliche Gesicht wiederhergestellt und das Ziel als Ebenbild Gottes nach dem Urbild von Jesus erreicht werden.

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Sonntag, Februar 26, 2012

Tagesrückblick mit Henri Nouwen


Henri Nouwen bleibt einer meiner Lieblingstheologen und Vorbilder. Als Massstab für einen erfüllten und gelungenen Tag hat er folgendes, sehr treffend gesagt:
- Habe ich heute Frieden angeboten?
- Habe ich jemand zum Lächeln gebracht?
- Habe ich heilende Worte gebraucht?
- Habe ich meinen Aerger und Abneigung losgelassen?
- Habe ich vergeben und geliebt?

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