Freitag, April 14, 2017

2. Musik, die Stimme der Seele

Im zweiten Kapitel, auf Seiten 37 bis 80, entfaltet Schleske seinen Geigenbauerberuf. Musiker sein heisse für ihn, dass er zum Instrument werde, mit Resonanzen kommuniziere und mit Klangfarben spiele (Seite 39). Nach ihm kann man die wesentlichen Dinge in unserer Welt nur durch Lieben und Leiden lernen (Seite 44). Die Kunst bestehe darin, sich empfänglich zu machen. Der Zugang zum Heiligen sei nur durch die Befreiung vom Zweckdienlichen möglich, Musik sei dafür das erste Zeugnis (Seite 50). Ohne Bereitschaft zur konzentrierten Selbstbegrenzung gebe es kein wirkliches Lernen. So haben ihn die kleinen Dinge in der Summe das Wesentliche gelehrt (Seite 54). Ein Geigenbauer müsse frei von falschem Ehrgeiz (Übertreibung) und falscher Ängstlichkeit (Untertreibung) sein, damit stimmige Verhältnisse und harmonische Instrumente entstehen können. Und Hören sei Liebe, eine radikale Abkehr vom Eigenen (Seite 76).

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Freitag, August 14, 2015

Die Schallmauer II

Wie deine persönliche Schallmauer, wie dein Weg mit Gott durch Krisen und Grenzen hindurch in ein neues, noch unbekanntes Land sein wird, kann ich nicht sagen. Oft wählen wir diesen schweren Weg nicht, sondern es geschieht einfach mit uns! Auch wissen wir kaum den Kairos, den Zeitpunkt Gottes, an dem er diesen Prozess auslösen wird, wie lange er dauern wird und wie intensiv er sein wird. Wie viel wird er uns zumuten? Was ich aber sagen kann, ist, dass Gott ein riesiges Interesse an uns und an unserer Verwandlung ins Bild von Jesus hat. Aber diese Verwandlung löst uns aus dem Vertrauten und aus dem Verhafteten, sie schafft vorerst Erschütterung, Unsicherheit und oft Schmerzen. Ich muss etwas loslassen, was mir vertraut oder gar lieb geworden ist, das ich nicht ohne weiteres hergeben würde. Es ist eine Entäusserung, wie sie im grössten Mass Jesus annehmen und durchleben musste bis zum entwürdigenden und beschämenden Tod am Kreuz. Im Philipperbrief 2,5-8 ist es so beschrieben: Seid unter euch so gesinnt wie in der Gemeinschaft mit Jesus Christus; der, in (der) Gestalt Gottes seiend, das Gleichsein (mit) Gott nicht für einen Raub gehalten hat, sondern sich entäussert hat, (die) Gestalt eines Knechts angenommen hat, in Gleichheit (der) Menschen geworden (ist)! Und an (der) äusseren Erscheinung erfunden (wurde) wie ein Mensch; er hat sich selbst erniedrigt, (ist) gehorsam geworden bis zum Tod, und (zwar) zum Tod am Kreuz. Der Tod Jesu war für seine Jünger eine unerwartete Katastrophe. Ihr Meister und Vorbild, auf den sie so viel gesetzt hatten, war nun tot. Maria war in tiefster Trauer, Thomas in starkem Zweifel und Simon Petrus tief beschämt über seinem Versagen. Mit diesen geknickten Drei hatte der auferweckte Jesus einzigartige, exemplarische Begegnungen. In ihrer Not und Enttäuschung begegnete er ihnen, konfrontierte sie ganz unterschiedlich und führte sie ihrer Situation und ihrer Art gemäss über die eigenen Grenzen hinaus. So konnte Neues, Unbekanntes und ein befreites und verwandeltes Leben beginnen. Eine dieser drei Personen kann auch dir zum Vorbild werden, wie Gott dich durch deine „Schallmauer“ leiten will und kann. Beachte und meditiere, was Jesus sagt und was sie tun: ·Johannes 20,16-18: Jesus sagt zu ihr: Maria! Sie hat sich umgewandt und sagt zu ihm auf hebräisch: Rabbuni, was heisst: Meister! Jesus sagt zu ihr: Fasse mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater; gehe aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und meinem Gott und eurem Gott! Maria, die Magdalenerin geht (und) verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und dies habe er ihr gesagt! ·Johannes 20, 27-29: Dann sagte er (=Jesus) zu Thomas: Gib deinen Finger hierher und sieh meine Hände; und gib deine Hand her und lege (sie) in meine Seite; und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagt zu ihm: Weil du mich gesehen hast, bist du gläubig geworden; selig (sind), die nicht gesehen haben und (doch) zum Glauben kommen! ·Johannes 21,15-19: Als sie nun gefrühstückt hatten, sagt(e) Jesus zu Simon Petrus: Simon, (Sohn des) Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er sagt(e) zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe! Er sagt(e) zu ihm: Weide meine Lämmer! Er sagt(e) zu ihm wiederum zum zweiten Mal: Simon, (Sohn des) Johannes, liebst du mich? Er sagt(e) zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe! Er sagt(e) zu ihm: Hüte meine Schafe! Er sagt(e) zu ihm das dritte Mal: Simon, (Sohn des) Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zu ihm gesagt hatte das dritte Mal: Hast du mich lieb? Und er sagte zu ihm: Herr, alles weißt du, du weißt (auch), dass ich dich lieb habe! Jesus sagt(e) zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jung warst, gürtetest du dich selbst und gingst umher, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst! Dies aber sagte er, (um) anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott verherrlichen werde; und dies gesagt habend, sagt er zu ihm: Folge mir!

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Dienstag, März 24, 2015

Die Seele weiten lassen (Seiten 152-171)

Scazzero ist in gewisser Hinsicht radikal, er sagt: Geistliches Leben ist real oder es ist gar keines! In unserer heutigen westlichen Kultur wird Schmerzhaftes häufig betäubt, verdrängt, weggeschoben, wegerklärt oder umgangen. Diese Reaktionen führen zu Abstumpfung, Depression oder Sucht. Als ungesunde Verluststrategien nennt er: ·Verleugnung oder selektives Vergessen ·Herunterspielen und Entschuldigen ·Schuld zuschieben, Projektionen ·Falsche Schuldgefühle und Gewissensbisse ·Erklärungen und Rechtfertigungen ·Analysen und Vergleiche ·Ablenkungen ·Kurze Konfrontationen

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Dienstag, März 03, 2015

Kokonisierung und Wachstum

Kokonisierung stammt eigentlich aus dem Tierreich und meint den Prozess des Einspinnens eines ungeschlüpften Insekts. Am besten ist es uns bei den Schmetterlingen bekannt. Aber ich möchte über menschliche Kokonisierung sprechen, über den Hang und den Zwang besonders Kinder und junge Menschen einzuwickeln und vor allen möglichen Gefahren zu schützen und vor schwierigen Erfahrungen zu bewahren. Sicher brauchen Menschen Schutz, aber schon aus der Pädagogik weiss man, dass Kinder auch schwere, anspruchsvolle Bewegungen ausführen sollten, um ihre Motorik auszubilden und zu trainieren. Ähnliches gilt für das Meistern von Aufgaben: Wer nie an seine Grenzen stösst, weiss gar nicht wo sie sind und wie sie zu weiten wären. Wer nie verliert, gibt vermutlich schneller auf. Gerade langandauernde Beziehungen und schwierige Umstände, denen wir nicht leicht ausweichen können, bieten Chancen zu persönlichem Wachstum und Lebensreife. Dies zu erkennen und zu realisieren ist nicht nur leicht, neigen wir doch alle dazu, Schwierigkeiten und Schmerzen zu vermeiden. Wir sind - die einen mehr und die andern weniger - so richtige Lebenskünstler in Vermeidung. Wachstum ist oft nur mit Wachstumsschmerzen zu haben, und Reife wird mit einer starken Verwurzelung und richtigem Tiefgang erreicht.
Kletternder Affe in Hua Hin (Thailand)

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Dienstag, April 01, 2014

Täuschung und Wahrheit (Seiten 310-366)

Regierungen, die ihre Wahrheit vor den Bürgern verheimlichen, sind zugleich Regierungen, die nicht zulassen, dass ihre Bürger irgendwo Geheimnisse haben (nach Lewis Smedes). Dagegen leben und wachsen Juden unter dem Zeichen der Erinnerung (Elie Wiesel). Im Gedenken an den leidenden Christus wird die Erinnerung an allen Schmerz, der zugefügt oder erlitten wurde, geheiligt (Johann Baptist Metz). Unterdrückung braucht Heimlichkeit und Täuschung als Requisit (Seite 315). Hass zerstört Erinnerung, Geschichte ist ein Sonderfall des sozialen Gedächtnisses. Geschichtliche Rekonstruktionen sind immer durch bestimmte Identitäten und Interessen beeinflusst, daher sind sie auch subjektiv und fehlbar. Moderne Historiker meinten, objektiv, methodisch korrekt und wahr zu sein, dabei waren sie „nur“ rational geprägt und überschätzten sich. Heute wissen wir, dass Menschen nur bruchstückhaft wissen und unzureichend reden können. Ueber Gott können wir nur so viel wissen, wie er uns offenbart. Es gibt keinen neutralen Standpunkt, weil wir kulturell und sozial eingebettet sind. Der Wille zur Wahrheit muss mit dem Willen zur Gemeinschaft verbunden werden. J. Th. F. Torrance hat gesagt: „Wahrheit ist Gott, der sich selbst treu bleibt, seiner Treue und Beständigkeit. Gottes Wahrheit bedeutet also, dass er seinem Volk die Treue und den Glauben hält, und von ihm erwartet, dass es ihm Treue und Glauben hält.“ Wahrheit erhält das Vertrauen, jedoch Täuschung zerstört sie.

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Sonntag, Juli 07, 2013

Kenosis

Durch die Beschäftigung mit der "Theodizee" bin ich auf die "Kenosis" gestossen. Dabei wird Gott nicht als starker und triumphierender Gott dargestellt, sondern als Schwacher und Leidender wahrgenommen. Nach meinem Verständnis erzählt die Bibel eigentlich nie von einem allmächtigen Gott, sondern präziser von einem mächtigen (El Schaddai) und einem herrschenden Gott (Jahwe Zebaot). Der Allmächtige ist erst eine Interpretation dieser Namen, die auf griechische Einflüsse zurückzuführen sind, die aber noch heute wirksam sind. Der Franzose Emile Chartier 1868-1951, alias Alain und geistlicher Lehrer von Simone Weil sagte es prägnant so: „Wenn man mir noch immer von einem allmächtigen Gott erzählt, erwidere ich: Das ist ein heidnischer, ein überholter Gott. Der neue Gott ist schwach, gekreuzigt, erniedrigt; das ist sein Zustand; das ist sein Wesen. Denkt an das Bild und tüftelt nicht daran herum. Sagt nicht, der Geist wird triumphieren, sagt nicht, dass die Macht und der Sieg, Wächter und Gefängnisse und die goldene Krone am Ende doch sein sind. Nein. Die Bilder sprechen zu laut; man kann sie nicht widerlegen. Die Dornenkrone ist sein.

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