Sonntag, Juni 24, 2018

David Platt: Keine Kompromisse - Radical

Zum Autor: David Platt studierte Journalismus, Theologie und Philosophie. Das New Orleans Baptist Theological Seminary verlieh ihm einen Doktortitel in Philosophie. Er war baptistischer Pastor in Brook Hills, einer grossen Gemeinde in Birmingham in Alabama. Er ist als Bibelausleger weltweit tätig. Seit 2014 ist er Präsident der Southern Baptist International Mission Board (IMB). Er ist verheiratet mit Heather, sie haben vier Kinder und wohnen in Richmond, Virginia. Zum Buch: Es ist unscheinbar grün mit weissen Buchstaben gestaltet und heisst Keine Kompromisse. Jesus nachfolgen – um jeden Preis, einen für mich etwas unglücklich gewählten deutschen Titel. In Englisch heisst es passender Radical und war sogar auf der Bestsellerliste der New York Times. Nach dem Lesen des Buches würde ich es positiv Jesus nachfolgen um einen lohnenden Preis nennen. Denn David Platt versteht es, Wesentliches der Jesusnachfolge aufzuzeigen und dies in Kontrast zum heutigen westlichen Lebensstil und Kontext zu stellen. Darin zeigt er geistliche Leidenschaft, Klarheit, Unterscheidungsvermögen und Unbeirrbarkeit. Einige Lebensgewohnheiten der amerikanischen Evangelikalen stellt er radikal in Frage, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass auch viele europäische Christen sich genauso von Jesus, seinem Ruf und seinen Massstäben entfernt haben, ohne es wahrhaben zu wollen. So schreibt er auf Seite 41: Jesus ist nicht mehr der, der angenommen oder eingeladen werden soll, sondern der, der unseren sofortigen und völligen Unterwerfung unendlich würdig ist. Platt beschreibt und karikiert auch, wie eine „erfolgreiche“ westliche Gemeinde aussieht und was sie ausmacht auf Seite 50: Als Erstes brauchen wir eine gute Show. In unterhaltungsgesteuerten Kulturen brauchen wir jemand, der die Massen fesseln kann. Ohne einen charismatischen Redner sind wir dem Untergang geweiht… Wenn dann schliesslich die Massen kommen, brauchen wir etwas, damit sie wiederkommen. Also müssen wir Programme starten – erstklassige, spitzenmässige Programme – für Kinder, für Jugendliche, für Familien, für jedes Alter und jeden Stand. Um diese Programme zu realisieren, brauchen wir Profis, die sie durchführen. Dadurch können zum Beispiel Eltern ihre Kinder einfach an der Tür abgeben, und die Profis übernehmen den Dienst für sie. Wir möchten nicht, dass Eltern das zu Hause selber versuchen… Aber was komischerweise in diesem Bild der Präsentationen, Persönlichkeiten, Programme und Profis fehlt, ist unsere äusserste Sehnsucht nach der Kraft Gottes. Platt versucht ein möglichst biblisches Bild von Gott und den Menschen zu zeichnen, daher schreibt er auf Seite 66-75: Gott hat uns geschaffen, um eine enge Beziehung mit ihm zu geniessen, seinen Segen und seine Gnade; um sein Ebenbild zu sein, und es zu vervielfachen, und so seine Ehre zu verbreiten. Er macht uns aufmerksam, dass Gottes Gnade und Ehre nicht getrennt werden dürfen, sonst werde der Egoismus gefördert. Gott rettet uns mit einem Ziel. Jeder gerettete Mensch diesseits des Himmels schuldet das Evangelium jedem verlorenen Menschen diesseits der Hölle. Platt zeigt auch deutlich auf, dass das Neue Testament und im besonderen Jesus keinen Erfolg, keinen Wohlstand, kein Ansehen und auch keine sichtbare Kirche predigen, sondern das noch unsichtbare oder unscheinbare Reich Gottes. Auf Seite 115 schreibt er dazu: In der Morgendämmerung dieser neuen Phase der Heilsgeschichte verspricht keiner der Lehrer (einschliesslich Jesus) im Neuen Testament je materiellen Besitz als Belohnung für Gehorsam. Als wäre das nicht schon bestürzend genug für die Juden des ersten Jahrhunderts (und die Christen des 21. Jahrhunderts), sehen wir auch keinen Vers im Neuen Testament, in dem Gottes Volk je wieder aufgefordert würde, einen majestätischen Ort der Anbetung zu bauen. Stattdessen wird den Leuten Gottes gesagt, dass sie selbst der Tempel sein sollen – der Ort der Anbetung. Und ihre Besitztümer sollen nicht dafür eingesetzt werden, einen Ort zu bauen, an den Menschen kommen können, um Gottes Herrlichkeit zu sehen, sondern ein Volk zu bauen, das die Ehre Gottes in die Welt hinausträgt. Für Platt ist Jesus Christus die eine Stimme, die uns in allen Entscheidungen unseres Lebens leiten will, die uns viel Neues geben, aber auch das bisherige Gefühl von gewohnter Sicherheit und illusionärer Stabilität nehmen muss (S. 119-120). Ab Seite 139, gegen Ende des Buches, stellt Platt nochmals die sieben wichtigsten Wahrheiten des Römerbriefs dar, wie sie bereits der amerikanische presbyterianische Theologe R. C. Sproul in seinem 1982 erschienenen Buch: Reason to Believe – A Response to Common Objections to Christianity, vorgezeichnet hatte. 1. Alle Menschen wissen von Gott 2. Alle Menschen lehnen Gott ab (und betreiben somit Götzendienst) 3. Alle Menschen sind vor Gott schuldig (und es gibt keine Unschuldigen) 4. Alle Menschen sind verurteilt, weil sie Gott ablehnen 5. Gott hat einen Weg der Rettung für die Verlorenen geschaffen 6. Alle Menschen können im Glauben an Christus zu Gott kommen 7. Gott befiehlt seiner Gemeinde, das Evangelium allen Menschen zu verkündigen Wie in vielen christlichen Auslegungen fehlt auch hier eine angemessene Aussage zur Stellung und Aufgabe Israels, wie sie im Römerbrief in Kapitel 9 bis 11 von Paulus so eindrücklich beschrieben worden ist. Das ist die einzige wirkliche Schwäche an diesem Buch. Auf Seite 182 empfiehlt Platt als Umsetzung dieser Wahrheiten: 1. für die gesamte Welt zu beten 2. die ganze Bibel in einem Jahr durchzulesen 3. Geld für einen bestimmten Zweck zu opfern 4. Zeit ausserhalb des gewohnten Umfelds zu investieren 5. aktives Mitglied einer sich vervielfältigenden Gemeinschaft zu sein

Labels: , , , , , , , , , , , , , ,

Mittwoch, Februar 21, 2018

Abendmahl – Zeichen des Zerbruchs und der Heilung

Über das Abendmahl ist schon viel geschrieben worden, ist es doch zentrales Geschehen im christlichen Glauben, weil Christus unter den Gläubigen gegenwärtig sein will. Dieser Text ist inspiriert von der kanadischen Mennonitin Ann Voskamp. Jesus wurde gebrochen, damit unsere Bruchstücke wieder zusammengefügt werden können. Wir essen Zerbrochenes und sind doch selbst zerbrochen. Wo etwas zerbrochen ist, sind wir dem gebrochenen Jesus am nächsten. Und nur aus Zerbruch kann Fülle und Überfluss werden; nur wer loslässt, der kann gewinnen; nur aus zerriebenen Weizen wird Brot. Ohne zu sterben bleiben wir einsam, nur unsere Hingabe des Lebens bringt Frucht. Wir werden gebrochen, und unser Leib und unsere Seele werden durch ihn gesättigt. Sünde wuchert in meinem Innern wie Rost oder Schimmel. Um mein Herz habe ich Mauern hochgezogen, die mich bedecken und mich von andern fernhalten. Aber eigentlich bin ich unansehnlich, nackt, bloss und beschämt. Christus legt seine Gnade wie eine Decke über mich und versichert mir so seine Liebe. Er kann alles Zerbrochene zusammenfügen, mich wieder ganz machen und eins mit ihm. Ich darf eine neue Einheit und Ganzheit erahnen. Im Essen und Trinken kommt sein Leben in mich hinein. Ich kaue und schlucke Brot und trinke Wein, in ihm sind meine Sünden verschlungen; und er ist mein "Lamm". Bäckerei und Brot im ländlichen afrikanischen Guinea

Labels: , , , , , , , , ,

Montag, Mai 01, 2017

Miroslav Volf: Umsonst

Miroslav Volf wurde 1956 in Osijek, im damaligen Jugoslawien und heutigen Kroatien, geboren. Er hat in Kroatien, im deutschen Tübingen und am Fuller Theologican Seminary im kalifornischen Pasadena Theologie studiert. Er ist heute einer der einflussreichsten anglikanischen Theologen, die zudem dem Evangelikalismus nahe stehen. Aufgrund seiner Erfahrungen im Jugoslawienkrieg und der Unabhängigkeit Kroatiens vertritt er bewusst eine Theologie der Befreiung, der Versöhnung und der Gewaltlosigkeit, ohne aber naiv zu sein. Gegenwärtig ist er Professor an der Yale University in New Haven, Connecticut, USA. . . . . . . . . . . . . . Zum Buch: Der Originaltitel heisst Free of Charge und ist 2005 bei Zondervan in Grand Rapids erschienen. 2012 ist das Werk mit dem Titel Umsonst - Geben und Vergeben in einer gnadenlosen Kultur, im Brunnen Verlag Giessen unter der ISB-Nummer 978-3-7655-1185-1 erschienen. Das äusserlich eher unscheinbare Buch ist ein theologisch durchdachtes Buch, wie man es von Volf gewohnt ist! Es beginnt mit dem Präludium „Die Rose“, worin Volf viel Persönliches preisgibt, indem er beispielsweise über die bewegende Adoption seiner zwei Söhne schreibt. Er benutzt hier bewusst eine Sprache des Herzens, denn die Augen seien gemäss dem kleinen Prinzen von Saint Exupéry blind, man müsse mit dem Herzen suchen. Damit gibt er auch eine passende Haltung vor, mit der dieses Buch mit Gewinn gelesen und verstanden werden könne. . . Volf weist schon im ersten Kapitel darauf hin, dass unser Gottesbild nicht mit der Gottesrealität identisch sei. Gott sei weder ein Kuhhandelgott noch ein Weihnachtsmann, sondern ein rein Schenkender. Er brauche zwar nichts von uns, und doch verlange er mehr von uns, als wir ihm geben könnten. Alles, was wir ihm schenken können, hat er uns schon längst gegeben. Luther habe den Unterschied von Gottes und des Menschen Liebe betont: aus dem Nichts und durch Reflektion. Glauben heisse daher, Gottes Gaben bereitwillig empfangen; sich dem Geber gegenüber angemessen verhalten und Gott die leeren Hände hinhalten, dass er sie fülle (Seite 52). Von Gott im Glauben empfangen ist die höchste Würde des Menschen. Glaube ist ein Wohnen Gottes in uns und zum Wohl der Schöpfung wirken. Wer Gott dankt, sagt dem göttlichen Geber, dass er das, was er von ihm bekommen hat, wertschätzt; er gibt Gott die Ehre dafür.

Labels: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Sonntag, April 09, 2017

Klaus Berger: Die Bibelfälscher

Klaus Berger hat mit Die Bibelfälscher - Wie wir um die Wahrheit betrogen werden; ein weiteres Werk verfasst, das im Münchner Pattloch-Verlag 2013 unter der ISBN 978-3-629-02-185-4 erschienen ist. Er ist ein katholischer Christ, der viele Jahre Neues Testament an der evangelischen Fakultät der Universität Heidelberg gelehrt hat. Er ist eine prägnante Persönlichkeit, die sich auch heute nicht scheut, Glaubensaussagen zu machen, die gegen die Mehrheitsmeinung im deutschsprachigen Raum stehen. So ist es nicht erstaunlich, dass auch dieses Buch Die Bibelfälscher Widerspruch erfährt, teilweise zu Recht, da auch mir nicht alle seine Argumente eingeleuchtet haben. Aber etliche Passagen sind so gut formuliert und daher bedenkenswert, dass ich sie hier bringen will: Klaus Berger bezeichnet seine eigenen Positionen mit Sed contra, also mit Gegenpositionen. Seine Hauptaussage ist, dass die liberale Bibelexegese, die sogenannte Bibelkritik, Bibeltexte umdeute, verliere dabei Historie und werde so zum geschichtsfreien Glauben. Er behauptet zudem etwas vollmundig, dass in den letzten vierzig Jahren die deutsche Exegese nichts Relevantes hervorgebracht habe. Rudolf Bultmann habe Theologie betrieben, indem er den (philosophischen) Filter von Martin Heidegger gehabt habe. Berger dagegen stellt folgende Prämissen für die Bibelexegese auf: 1. Aus der Geschichte für die Geschichte. 2. Historizität spiele eine unterschiedliche Rolle, je nach Textform und –gattung. 3. Im Zweifelsfall für den Text; deshalb ihn so stehen lassen, wie er überliefert wurde. 4. Mystische Fakten seien nicht zu begründen (und können nicht immer erklärt werden). 5. Göttliche Macht übersteige menschlichen Mangel; deshalb gebe es „Siegeslieder“ 6. Charismatische Erfahrung hebe Grenzen auf, auch die zeitlichen. . . . . . . Zur Bergpredigt schreibt Berger ab Seite 116: • Gott sei der Geduldige, Friedensstiftende, Barmherzige und Treue • Der Mensch solle Gott ähnlich werden durch den Ruf Jesu in die Nähe und Nachfolge • Ziel sei Gott schauen; Nachfolge sei Jesus anschauen; daher sei selig sein wichtig Berger findet es zu anmassend, Worte Jesu in echte und unechte einzuteilen, da wir nicht Augenzeugen waren (Seite 143). Wesentlich sei, was Wort und Tat über Gott sagt (Seite 150). Die Religion Jesu und der Urchristen war mystisch und apokalyptisch (Seite 155). Das jüdische Gesetz sei (mit dem Neuen Testament) nicht aufgehoben worden, aber in seiner kultisch-rituellen Seite durch Jesus Christus erfüllt. Die Gleichnisse Jesu seien keine Mahnreden, sondern haben eine Pointe und zielen aufs Zukünftige. Die Bibel soll vom Regal auf den Tisch, damit sie entstaubt und mit neuer Lust gelesen werde (Seite 299)! Zentral sagt mir die Bibel etwas über Jesus (Seite 300): • Bibel sagt es in vier Evangelien und offenbart damit Mut zur Vielfalt • Bibel sagt es in Apostelbriefen, die Jesus auslegen für Fragen und Sorgen der Menschen • Bibel sagt uns, dass Gott drei Gesichter hat: Vater, Sohn und Heiliger Geist • Bibel erzählt uns von Menschen, die bis zum Tod mutig ihren Glauben bezeugten. Die Bibel erzähle davon, dass Gott die Übermütigen in alle Winde zerstreut, dass er die Mächtigen vom Thron stürze und die Elenden aufrichte. Die Bibel sagt mir, dass und warum die Liebe das Grösste sei. Die Bibel lehre uns vor allem beten (Seite 301)! Vieles aber sage die Bibel nicht, und sie frage auch nicht danach (Seite 304). Berger definiert gegen Schluss eine gute Bibelauslegung, sie sei dann gut: • Wenn wir daraus ein Gebet formen können. • Wenn wir Gott und die ganze Wirklichkeit sehen. • Wenn der Bibeltext zu reden beginne und nicht erdrückt werde durch Lehre, Regeln, Systeme und Theorien. • Wenn Gottes Gegenwart kräftig werde. • Wenn um Worte und Sätze gerungen werde. • Wenn vorhandene Spannungsfelder aufrecht erhalten bleiben: Gott – Mensch, Israel – Heiden, Allmacht – Böses, Liebe - Gericht.

Labels: , , , , , , , , , , , , , ,

Mittwoch, November 30, 2016

Kapitel 6: Gemeindearbeit als Abenteuer: Lernen, gerne die Wahrheit zu sagen

Die neue Pfarrergeneration ist dafür ausgebildet, den einzelnen Menschen zu helfen, mit ihrem Leben besser zurechtzukommen. Die arme alte Kirche möchte hingegen einen Pfarrer, der ihr helfen kann, Kirche zu bleiben (Seite 168). Schliesslich sind die meisten Christen heutzutage – Liberale und Fundamentalisten – in den meisten Lebensbereichen praktische Atheisten. Service und Gemeinschaftsgefühl seien problematisch, wenn sie zum Selbstzweck werden. Und Sentimentalität ist die gefährliche Droge, sie ist Theismus mit Verfalldatum. Die Kirche sei ein Ort der Verehrung Gottes und nicht ein Therapiezentrum für die Stillung von undisziplinierten und unhinterfragten Bedürfnissen (Seite 177). Wir dürfen, ja wir müssen einander in der Wahrhaftigkeit gegenseitig unterstützen. Denn die Kirche ist eine disziplinierte Gemeinschaft der Wahrhaftigkeit. Hauptaufgabe und –berufung von Leitern und Pastoren ist es, die Menschen hin auf Gott und seine Gegenwart zu weisen und ihnen zur Anbetung Gottes zu verhelfen. Das kann Schuldkonfrontation und grosse Furcht, wie im fünften Kapitel der Apostelgeschichte beschrieben, bedeuten. Denn es gehe in der Kirche nicht darum, was der Besucher will und was die Tradition sagt, sondern was das Evangelium verlangt. Damit werden auch die Prioritäten für Pfarrpersonen richtig festgelegt, die und deren Dilemmas die Autoren sehr treffend beschreiben. . . . . . . . . . Kapitel 7: Macht und Wahrheit: Tugenden, die den Dienst an der Gemeinde möglich machen. Es geht im christlichen Glauben nicht um die Frage, ob jemand liberal oder konservativ ist, sondern um Wahrheit oder Lüge. Oft wollen beide, Fundamentalisten und historisch-kritische Theologen, jeden Menschen religiös machen. Die Bibel dagegen will alle zur christlichen Gemeinschaft rufen und anstiften. Vollmacht kommt zusammen mit Wahrhaftigkeit, der lebendigen Wahrheit, die Jesus Christus in Person ist. Geistliche sind Personen, die mit der ungeheuren Macht von Wort und Sakrament recht umgehen können; sie haben Macht Sünde zu vergeben und zu behalten.

Labels: , , , , , , , , , , ,

Sonntag, November 27, 2016

Kapitel 4: Leben in der Kolonie: Die Kirche als Fundament christlicher Ethik

Christliche Ethik ist kirchenabhängig und auch Sozialethik (Seite 107 und 120). Was die Kirche von den Menschen verlangt, ist zu schwierig für den Menschen als Einzelnen. Bei christlicher Gemeinschaft geht es vielmehr darum, den Weg Jesu gemeinsam mit all jenen zu gehen, die er zu sich ruft. Die Bergpredigt geht davon aus, dass uns als isolierten Individuen die ethischen und theologischen Ressourcen mangeln, die ein glaubenstreues Leben ermöglichen. Die (eigentliche) Frage ist vielmehr: Was für eine Art Gemeinschaft braucht es, um eine Ethik der Gewaltlosigkeit, der ehelichen Treue, der Vergebung und Hoffnung zu stützen? Die Bergpredigt ist eschatologisch – also endzeitlich – qualifiziert; in Christus hat Gott ja bereits dafür gesorgt, dass die Weltgeschichte ein gutes Ende nimmt. Und sie zitieren E. Stanley Jones: Wir haben die Welt mit einer abgeschwächten Form von Christentum infiziert, damit sie über kurz oder lang immun wird gegen alle Formen echten Christentums. . . . . . . . . . . . . . Kapitel 5: Ganz normale Menschen. Christliche Ethik. Für Hauerwas und Willimon die entscheidende Frage nicht: Existiert Gott?, sondern: Was für ein Gott existiert? (Seite 140) Ethik ist also die Frage des rechten Sehens und dann des rechten Handelns. Glauben und Glaubensstärkung geschieht vor allem durch Vorbilder und Nachahmung, die Beispiele sind in der Kirche zu finden.

Labels: , , , , , , , ,

Freitag, November 25, 2016

Kapitel 3: Das Abenteuer der Nachfolge

Die Kirche existiere heute als Gemeinschaft von Fremdbürgern in der Welt, als eine Kolonie von Gläubigen in einer Gesellschaft des Unglaubens, die von Selbsterhaltung und Selbsterfüllung geprägt sei. Durch die Aufklärung hätten wir nicht wirklich die Freiheit des Selbsts bekommen, sondern vielmehr Selbstsucht, Einsamkeit, Oberflächlichkeit und Konsumorientierung. Jünger Jesu dagegen seien ein bewegliches Volk, das atemlos versuche, mit Jesus Schritt zu halten. Glaube beginne nicht im Entdecken, sondern in der Erinnerung an die Geschichte Gottes ohne uns. Die frühen Christen begannen nicht mit metaphysischen Spekulationen über die Inkarnation, mit einer Christologie in Abstraktion von den Erzählungen der Evangelien; sie begannen vielmehr mit den Geschichten über Jesus und das Leben derer, die in Jesu Leben verwickelt wurden. Wir können Jesus nicht kennen, ohne ihm nachzufolgen; und wir kennen Jesus, bevor wir uns selbst kennen (Seite 86). Eine Gemeinde lässt sich am besten von der Heiligen Schrift leiten, wenn sie ihre eigene Geschichte erzählt. Dies tat auch der Verfasser des Hebräerbriefs, er erzählte vom Glauben in Form von Glaubensgeschichten. Errettet sein heisst unterwegs sein (Seite 91). Die Gemeinschaft der Christen eröffnet uns eine Palette von neuen Möglichkeiten, Gottes Liebe in ihrer ganzen Tief zu erfahren, und gibt unserem Leben eine Richtung, die wir sonst nicht einschlagen könnten. Sich auf eine Reise zu begeben, heisst, sich auf ein Ziel hin zu bewegen. Nun wissen wir auf der Reise des Glaubens zwar nicht, wie das Ende aussehen wird, ausser dass es in irgendeiner Form auf die Vervollkommnung unserer Freundschaft mit Gott hinauslaufen wird. Ethik, die Jesus verkündigte, war durch und durch endzeitlich ausgerichtet. Ethik ist immer von einem „telos“ her bestimmt und auf dieses Ziel hin orientiert.

Labels: , , , , , , , , , , ,

Freitag, Mai 20, 2016

Larry Siedentop: Die Idee des Fundamentalgesetzes

9. Neue Einstellungen und Gewohnheiten. Als Kaiser Justinian die philosophischen Schulen Athens geschlossen hatte, ging das rationale Denken nicht zu Ende und wich dem christlichen Glauben, sondern es war bereits in die Lehren der Kirche eingegangen. Die Frauen erhielten eine zunehmend bessere soziale Stellung und auch Bildung, zuerst die reichen, dann auch alle andern. Was Paulus nur andeutungsweise gesagt hatte, betonte Gregor von Nyssa (335-394) unmissverständlich und klar: Sklavenhaltung ist gegen das Recht Gottes wegen der Gottesebenbildlichkeit der Menschen. Diese neuen Erkenntnisse und Einstellungen flossen auch in den Codex Theodosianus (438 unter Theodosius 2) und in den Corpus Iuris Civilis (529-533 unter Justinian). In der Folge konnten nicht nur römische Bürger Bischöfe werden, sondern jeder, der von der Gemeinde gewählt wurde! 10. Geistliche und weltliche Macht. 476 ging das weströmische Reich zu Ende und äusserer und innerer Zerfall setzte ein. Klerus und Bischöfe übernahmen nun auch politische Aufgaben wie Verwaltung, Verteidigung und Diplomatie. Klöster wurden zu Zufluchtsorten der Gemeinschaft, des Gebets, der Bildung und des Wissens. 11. Barbarische Gesetze, römisches Recht und christliche Anschauungen. Eine Verlagerung der moralischen Autorität von der Familie zum Klerus fand statt. Das Abendmahl wurde zum Messopfer, das nur Priester darbringen konnten. Karl der Grosse kam in eine Zwischenzeit hinein, nach dem Rom der Antike und vor dem Europa der Moderne. 12. Der karolingische Kompromiss. Karl der Grosse wollte ein christliches Reich schaffen. Er verpflichtete einzelne Menschen, nicht mehr Familien, für sich, sein Reich und den christlichen Glauben. Sein Berater und Bildungsreformer war der Mönch Alkuin von York. Je jenseitiger das Christentum wurde, desto bessere Voraussetzungen lieferte es paradoxerweise für soziale Reformen.

Labels: , , , , , , , , , , , ,

Mittwoch, April 13, 2016

Larry Siedentop: Die Erfindung des Individuums

Der amerikanische Politwissenschaftler, Historiker und Philosoph Larry Siedentop hat 2014 ein Buch geschrieben, das auch im deutschen Sprachraum in vielen Medien Beachtung gefunden hat. Es heisst im Original: Inventing the Individual: The Origins of Western Liberalism. Allen Lane 2014, ISBN 0-713-99644. 2015 ist es auch in Deutsch herausgekommen unter dem Titel: Die Erfindung des Individuums. Der Liberalismus und die westliche Welt. Es ist im Verlag Klett-Cotta in Stuttgart unter der ISBN 978-3-608-94886-8 erschienen. Der 80jährige Siedentop lehrte Ideengeschichte an der englischen Universität von Sussex und politische Philosophie am Keble College in Oxford. Eine Summe seiner Erkenntnisse legt er in seinem neusten, 476-seitigen Werk vor. Er beschreibt und begründet, wie der westliche Liberalismus und Säkularismus aus christlichen Glaubensinhalten wie Gleichheit und Freiheit entstanden ist. Zu Beginn skizziert Siedentop die antike Familie mit dem „pater familias“ im Zentrum. Seine wichtigste Aufgabe war das Hüten des heiligen Feuers am Herd des Hauses. Diese Aufgabe übertrug er bei seinem Ableben dem ältesten Sohn. Der Vater hatte einen gottähnlichen Status, und die ganze Familie war ihm uneingeschränkt zugeneigt und ergeben. Raum für individuelle Entscheidungen war nicht vorgesehen, das galt später auch für die „res publica“, das antike Gemeinwesen, dem nur die Männer ganz zu dienen und etwas zu sagen hatten. Siedentop folgt dem Werk „Der antike Staat“ des französischen Historikers Fustel de Coulanges von 1864, das er noch heute für unübertroffen hält. Bereits der jüdische Glaube an einen Gott war im „Imperium Romanum“ interessant geworden, um aus der antiken Welt der Ungleichheit auszusteigen. Vor allem durch überzeugende Nächstenliebe hatte sich dann der christliche Glaube im spätrömischen Reich ausgebreitet. Kirchen und Klöster förderten nebst Bildung auch Gleichheit und Individualität der Personen und brachen die antiken Familien- und Gesellschaftsstrukturen mit ihrer religiös motivierten Ungleichheit auf. Bereits im Mittelalter wurden Werte wie Gleichheit und Freiheit zunehmend akzeptiert und schufen die Basis für eine freiheitliche Gesellschaftsordnung mit steigender Chancengleichheit. Siedentop kommt aber zum Schluss, dass heute diese Errungenschaften durch fundamentalistische Haltungen und autoritäre Regimes in Frage gestellt oder sogar zerstört würden.

Labels: , , , , , , , , , , , , , , ,

Sonntag, Dezember 20, 2015

Vishal Mangalwadi: Die biblische Wertschätzung der Arbeit und ihre Folgen

Mangalwadi hält fest: Alle Religionen ausser das Judentum und das Christentum verachten körperliche Arbeit und deswegen auch weitgehend die damit einhergehende Technik. Viele lebten zur Ehre des Herrschers und nicht zur Ehre Gottes. Deshalb kritisierten bereits Thomas von Aquin, Bernhard von Clairvaux, John Salisbury und Jakob von Vitay das Ritterwesen, weil es keine biblische Grundlage habe. Der Engländer John Wyclif (1330-1384), Pfarrer in Lutterworth und Professor in Oxford, proklamierte als einer der ersten, dass alles unter der Autorität der Schrift – gemeint ist die Bibel – stehe. William Tyndale (1492-1536) übersetzte verbotenerweise die Bibel ins Englische, wofür er sogar zum Märtyrer wurde. Seine Anmerkungen fanden Platz in der englischen Geneva-Bibel von 1560, die egalitärer übersetzt war als die spätere King-James-Bibel von 1611, die autorisiert wurde. Die Bibel hatte massgeblichen Einfluss auf die englische Literatur, sie wurde zur Quelle der kulturellen Autorität, eine Ablehnung mündete jeweils in moralische Anarchie und intellektuellen Rückstand. . . . . . . . . Obwohl bereits die Griechen Beobachtungen anstellten, machten sie keine Modelle und Verifizierungen. So geht die Wissenschaft weitgehend auf die mittelalterliche biblische Theologie zurück, weil sich die Bibel mit realen Problemen in einer fassbaren Welt beschäftigt. Wilhelm von Okham (1285-1349) gilt als Begründer der Naturgesetze, Francis Bacon (1561-1626) und Galileo Galilei (1564-1642) entwickelten wissenschaftliche Methoden, bei denen Empirie wichtiger waren als Logik. Und Isaac Newton (1642-1727) formulierte das Gesetz der Schwerkraft. 50 von 52 Pionieren der wissenschaftlichen Revolution waren Christen, weil sie die Bibel als Grundlagenbuch betrachteten und zur Ehre Gottes wirken wollten (nach Elaine Howard Ecklund). Der Darwinismus war einst eine plausible und brillante Theorie, entwickelte sich jedoch zu einer arroganten Doktrin, in der Makroevolution als Tatsache dargestellt wird (laut Rodney Stark). Der Islam verfolgte wiederum einen etwas andern Weg und kam durch die Ostkirche – im speziellen durch die Nestorianer - zu griechischem Wissen und wurde dadurch auch pantheistisch, zyklisch, animistisch und magisch beeinflusst. Avicenna (980-1037) und Ibn Rushd (mit westlichem Namen Averroës) galten als Jünger von Aristoteles. . . . . . . . . Im spätmittelalterlichen Indien herrschten die Mogule, sie beuteten das Volk aus. Das führte 1631 zu einer schweren Hungersnot. 1757-1770 wurde Bengalen durch die Briten kolonisiert, was Chaos und Korruption anschwellen liess. Die zeitgleiche Hungernot ist jedoch eher dem Mangel an Monsunregen zuzuschreiben. Anfangs der Kolonialzeit war christliche Mission in Indien verboten. Etwas später schufen die britischen Bibelübersetzer (und Pastoren) Henry Martyn (1781-1812) die neue Sprache Urdu; John Borthwick Gilchrist (1759-1841) Hindustani und S. H. Kellog Hindi. Der Inder Radscha Ram Mohan Roy (1772-1833) forderte dagegen, Englisch als Nationalsprache einzusetzen. Sie und weitere britische Pastoren, Missionare, Beamte und Unternehmer halfen mit, Indien eine neue nationale Identität zu geben. . . . . . . . . Der Brite John Wesley (1703-1791) erlebte 1738 in einem Gottesdienst der Herrnhuter Brüdergemeine eine Umkehr, ein Jahr danach begann er zu predigen, weil George Whitefield ihn dazu ermutigte. Trotz Anfeindungen predigte er etwa 45'000 Mal bis zu seinem Tod, er setzte sich auch gegen Sklaverei, für bessere Arbeitsbedingungen und für mehr Bildung ein. Dadurch bewirkte er und seine methodistischen Nachfolger enorme soziale Verbesserungen in England und weltweit (gemäss Ian Bradley und Donald Drew). Auch Monogamie war ein typischer christlicher Gedanke, der Werte wie Würde, Vertrauen und Freiheit verbindet; er fand im 19. Jahrhundert durch westliche Missionare weltweite Verbreitung. Bis in die 1980er Jahre waren die USA eine von wenigen Nationen der Welt, deren öffentliches Gewissen stark von biblischen Masstäben geprägt war. Dadurch waren Politiker gezwungen, bei publik gewordener Untreue und Betrug zurückzutreten. . . . . . . . . Nachvollziehbar und sehr lehrreich beschreibt Mangalwadi im Kapitel Gesunde Wege zu Reichtum anhand bestimmter Beispiele aus der Geschichte. Der Franziskanermönch Fra Luca Bartolomeo de Pacioli (1446-1517) erfand die doppelte Buchführung, und er legte damit einen wesentlich Grundstein zu wirtschaftlicher Planung, Wachstum und Gewinnfeststellung. Viel später, 1851 an der Weltausstellung im Kristallpalast in London, waren die USA dort mit unscheinbaren, aber effizienten Mähmaschinen mit Pferdebespannung von Cyrus McCormick und Obed Hussey vertreten, die bis zu 40 Morgen Mähleistung pro Tag schafften. Beruf und Arbeit waren für den Presbyterianer und Quäker Gebot Gottes. Zudem galt es die beschwerliche Handarbeit durch Maschinen zu erleichtern. Sie führten ehrliche Werbung ein, indem sie Kunden berichten liessen, und faire Zahlungsfristen, die das Einbringen der Ernte berücksichtigten. Die Bibel inspirierte und befähigte diese Erfinder und viele weitere Menschen, sich Sparen und Investieren zur Gewohnheit zu machen durch gute Haushalterschaft (englisch: Steward). Auf Seite 452 schreibt Mangalwadi: „Wenn ein Schuhmacher beschliesst, seine Schuhe zur Ehre Gottes herzustellen, dann verwendet er kein schlechtes Material, und er schlampt auch nicht bei der Verarbeitung, sondern er strebt hohe Qualität an. Integrität ist nicht etwas, was Menschen von Natur aus oder durch Verdienst haben. Eine Wirtschaft und Gesellschaft bricht zusammen, wenn die geistlichen Ressourcen fehlen, die Grundlage dieses Vertrauens waren.“

Labels: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Samstag, Dezember 19, 2015

Vishal Mangalwadi: Das Buch der Mitte

Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur. Das ist der Untertitel dieses lehrreichen Buchs von Vishal Mangalwadi, das 2014 im Fontis-Verlag Basel 2014 unter der ISB-Nummer 978-3-03848-004-4 erschienen ist. Der Originaltitel von 2011 lautete: The Book that Made Your World: How the Bible Created the Soul of Western Civilization. Zuerst etwas zum Autor: Der Inder Vishal Mangalwadi wurde 1949 im ländlichen Nordindien geboren und studierte 1967-1969 an der Universität von Allahabad Philosophie. 1971-1973 studierte er in Indore weiter, wo er 1973 seinen Master in Philosophie erwarb. Danach besuchte er hinduistische Aschrams und L’Abri Fellowship von Francis Schaeffer in der Schweiz. 1976 zogen seine Frau und er in die Farm seines Vaters im Dorf Gatheora im Bezirk Chhatarpur. Sie gründeten eine gemeinnützige Organisation zur ganzheitlichen Unterstützung und Befreiung der Armen auf dem Land. Weil dies der Kastenzugehörigkeit und der feudalen Gesellschaftsordnung entgegenstand, stiess ihre Arbeit auf heftigen Widerstand. So kam er 1980 kurz ins Gefängnis von Tikamgarh, 1984 wurde auch ihre Organisationszentrale niedergebrannt. Im gleichen Jahr wurde er zum Chef der Bauernkommission der Janata Party ernannt. 1987 initierte er eine nationale Bewegung gegen die Wiederbelebung der Witwenverbrennung. 1988-1994 arbeitete er als Assistent von Kanshi Ram, dem Gründer der Bahujan Samaj Party. Seit 1996 hält er weltweit Vorlesungen. 1999-2000 verbrachte er mit seiner Frau in der Bibliothek der Universität Cambridge, um die Rolle der Bibel beim Aufstieg der westlichen Kultur zu erforschen. 2003 erhielt er von der juristischen Fakultät der William Carey International Universität in Pasadena, Kalifornien, einen Doktortitel. 2009 veröffentlichte er in der US-amerikanischen Ausgabe von Truth and Transformation (deutsch: Wahrheit und Veränderung), dass die lokalen Kirchen in der ganzen Welt als Zentren des Lernens dienen und gebührenfreie, internetunterstützte Ausbildungen anbieten sollten. 2010 begann ein Pilotprojekt in Indonesien. Seit 2013 arbeitet er als Honorarprofessor für angewandte Theologie an der theologischen Fakultät des Sam Higginbottom Institut für Agrikultur, Technologie und Wissenschaft in Allahabad. . . . . . . . . . . . Zum Buch: Es beginnt mit der kurzen, tragischen Geschichte von Kurt Cobain, dem Leadsänger und Gitarrist der Rockband Nirvana, der 1994 Suizid verübte, vermutlich weil er vom Nihilismus geprägt war und sein Leben als sinnlos empfunden hat. Bereits Friedrich Nietzsche (1844-1900) hatte den Tod Gottes propagiert, der in seiner Konsequenz auch den Tod der menschlichen Seele beinhaltete, was wir hundert Jahre später im Westen nun teilweise erleben. Die Sichtweise auf das Leben war nicht immer so gewesen: Augustinus (354-430) hatte aufgrund seines christlichen Glaubens den Menschen als Körper, Seele und Geist definiert und beschrieben und war dadurch auch zum Wegbereiter für ein neues Musikverständnis geworden. Martin Luther hat dieses Musikverständnis vom Kloster unter das Volk gebracht. Der begabte und gebildete Johann Sebastian Bach (1685-1750) komponierte auf dieser Grundlage geniale Werke trotz Grausamkeit und Leid in seinem Leben. Das sind Beispiele, die den Einfluss der Bibel auf die westliche Kultur andeuten. Auch andere Arbeits- und Lebensbereiche wurden schon früh im Westen bearbeitet und vertieft, dabei spielten christliche Mönche in den Klöstern eine herausragende Rolle: ·Gregor von Tours (538-594) erfand die Wassermühle ·Johannes von Damaskus (676-749) betonte, dass die Vernunft die Quelle der Erkenntnis sei ·Der Philosoph Pico della Mirandola (1463-1494) schrieb 1486 ein Buch über die Würde des Menschen ·Bernhard von Clairvaux (1090-1153) schrieb nicht nur Geistliches, sondern interessierte sich wie seine Zeitgenossen auch für Technik und Handwerk ·Wilhelm von Auvergne (1228-1249) war Bischof von Paris und erfand die mechanische Uhr, um gemeinsame Gebetszeiten besser regeln zu können ·Brillengläser wurden 1280 in Pisa oder Lucca erfunden, damit Mönche besser Bibel lesen konnten

Labels: , , , , , , , , , , , , , , , ,