Freitag, März 31, 2017

Die 1000 und zweite Nacht: Die Märchen von al-Andalus

Pressburg gibt zu bedenken, dass es keine zeitnahen Quellen zur islamischen Legende von al-Andalus gebe, der erste Text stamme aus dem 14. Jahrhundert (Seite 179). Der ägyptische Geschichtsschreiber Ibn bd Al-Hakam (803-870) schrieb von christlichen Arabern und Berbern, den Ibaditen, die nach Spanien kamen. Der Kalif Abd er-Rahman, der Dritte, etablierte 929 nach Christus al-Andalus. Hakam der Zweite (915-976) war gebildet und besass eine Bibliothek mit 400'000 Büchern. Der kriegerische Wesir Abi Amir (938-1003) dagegen zerstörte diese Bibliothek. 1031 endete die Omayaden-Herrschaft. Die muslimischen Almoraviden aus der Sahara unterwarfen al-Andalus 1090-1094 mittels Dschihad. 1095 fand der erste Kreuzzug statt, erst später erfolgte die Reconquista, die christliche Rückeroberung. 1147 herrschten Almohaden in Nordafrika und 1161 dann auch in Spanien. 1212 erfolgte die erste islamische Niederlage bei der Schlacht in Las Navas de Tolosa. 1236 wurde Cordoba durch den spanischen Herrscher Ferdinand eingenommen; 1246 ging Granada an Ibn Nasr. 1492 wurde auch Granada von den spanischen Königen Ferdinand und Isabel beherrscht. Nach Oleg Grabar waren Rom und Persien Vorbilder für die maurische Architektur, nicht Arabien. Zentrum der Wissenschaften und der Toleranz war al-Andalus nie, es brachte nur wenige Gelehrte hervor, nämlich Ibn Massarra, Ibn Ruschd, Ibn Maymun, letzterer mehr bekannt unter Maimonides. 1066 fand sogar ein islamisches Progrom an Juden in Granada statt; 1391 waren zwei Drittel der Judengemeinden ausgelöscht, und 1492 wurden dann alle (von den Katholiken) vertrieben.

Labels: , , , , , , , , , , , , , ,

Donnerstag, Mai 06, 2010

Aktueller Fundamentalismus




Der ungarische Rabbi Chaim Elieser Schapira (1872-1937) aus Munkaes war ein orthodoxer Chassidim und Antizionist, der den Gehorsam gegenüber der Tora forderte. Mit dem Studium der Tora und dem Halten der Gebote werde die innere Leere wieder gefüllt. Dagegen stellte der Rav Abraham Isaak Kook die unteilbare Dreiheit von Land, Volk und Tora heraus. Wenn man eines aufgebe, dann stürze man alle ins Verderben. Diese Haltung gipfelte in der gewaltsamen Besetzung Hebrons. Der „Gusch Emunim“ ist gemäss den Kook-Anhänger und –Nachfolger unter Rabbi Levinger eine aggressive Gegenbewegung zur säkularen Kultur, die 1974-77 ihren (vorläufigen?) Höhepunkt erreichte. Dabei sind die „garin“, die Siedlungen und „awoda“, die man als Anbetung durch politische Aktionen bezeichnen könnte, elementar.

Der Pakistani Abu l-A’la al Maududi, 1903-79, war Journalist und Politiker, proklamierte die Gottesherrschaft, also einen totalitären islamischen Staat. Aus einer Notlage heraus, dem Hintertreffen gegenüber dem Westen, befürwortete er einen universellen „Dschihad“, den heiligen Krieg.
Sein geistiger Nachfolger war der Aegypter Sayyid Qutb, 1906-66, führendes Mitglied und Vordenker in der Muslimbruderschaft. Er landete im Gefängnis und wurde 1966 hingerichtet, als die Regierung die Muslimbruderschaft nach Aufständen verfolgte. Er prangerte die „dschahiliyya“, die prinzipielle Auflehnung gegen Gott an, die heute schlimmer sei als früher, da sie wissentlich geschehe. Er wies auf die vier Stadien Muhammads hin: „dschama’a“ Vereinigung der Gläubigen, Absonderung und Auszug, Konsolidierung und Kampf gegen die Ungläubigen. In der Zeitung der Muslimbruderschaft „ad-Da’wa“, der Aufruf, wurde folgende als Feinde des Islam bezeichnet:
· Westliches Christentum „as-Salibiyya“ mit Kreuzzügen und seinem Imperialismus
· Kommunismus
· Säkularismus
· Zionismus (durch Protokolle der Weisen von Zion und das Camp-David-Abkommen)

Der islamistische Studentenverband „dschama’at al-islamiyya“ wurde von Sadat noch bis 1977 unterstützt, obwohl Sadat eher westlich gesinnt war. Der Studentenverband sah den Islam als einziges Gegenmittel zum westlichen Einfluss. 1979 gab es studentische Gewalt in der Universitätsstadt Mittelägyptens al-Minya, was zum Verbot dieses Studentenverbands führte. Jusuf al-Qaradawi war damals der berühmteste Muslimbruder und sagte folgendes zu Sadat: „Aegypten ist muslimisch, nicht pharaonisch... Nicht die Pyramidenallee, die Theatervorstellungen und Filme, sondern die jungen Menschen der dschama’at al-islamiyya sind die wahren Vertreter Aegyptens... Aegypten, das sind nicht nackte Frauen, sondern verschleierte Frauen, die sich an die Gebote des göttlichen Gesetzes halten. Aegypten, das sind junge Männer, die sich den Bart wachsen lassen... Aegypten ist das Land von al-Azhar.“

Im Iran ist ein Wohnhaus grundsätzlich in drei Bereiche eingeteilt: „biruni“ ist der äussere, „darni“ der innere und „batini“ der verborgene. Ayatollah Khomeiny erlangte im Protest und Kampf gegen den westlich orientierten Schah eine überragende Stellung wie Moses gegen den Pharao. Ob er wohl der lang ersehnte und erwartete verborgene Imam sei? 1960 hielt er Vorlesungen über islamische Ethik in Qom, dem Zentrum der Schia im Iran. 1963 protestierte er gegen den Schah und landete im Gefängnis. Immer mehr wurde seine Lehre zu einer „Theologie des Zorns“. Denn bei der Schia geht es hauptsächlich um soziale Gerechtigkeit und Unsichtbares oder die verborgene Welt „batin“ 1964 wurde er des Landes verwiesen und ging zuerst in den Irak und dann nach Frankreich.

Generell meint Armstrong sagen zu können, dass fundamentalistische protestantische Christen mehr zur Orthodoxie im Sinn der rechten Lehre neigen; Juden und Muslime tendieren stärker zur Orthopraxie, zur Ausübung und Anwendung des richtigen Glaubens.
(Und ich würde ergänzen, dass der Islam von allen drei das grösste und stärkste Gewaltpotential besitzt, weil Koran, Sunna und Scharia Gewaltanwendung legitimiert, fordert und anwendet.)
In Israel nehmen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Muslims zusätzliche Dimensionen an: Die Existenz Israels wird zur religiös-ethischen Auseinandersetzung von Muslimen kontra Juden. Aber eine neue Kluft vergrössert sich zwischen säkularen und religiösen Juden; denn hier geht es um Aufklärung, Geistfreiheit und Selbstbestimmung im Gegensatz zu Tradition, Offenbarung und Gehorsam gegenüber Gott. Ueber diese Kampflinie schreibt Armstrong am Schluss des Buchs auf Seite 514 und 515: „Dieser Kampf für Gott war ein Versuch, die Leere im Herzen einer auf wissenschaftlichen Rationalismus gegründeten Gesellschaft zu füllen. Statt die Fundamentalisten zu schmähen, hätte das säkularistische Establishment gelegentlich durchaus profitieren können, wenn es sich manche Gegenkulturen einmal länger und genauer angesehen hätte...
Wenn die Fundamentalisten zu einer stärker von Mitgefühl geprägten Einschätzung ihrer Feinde gelangen müssen, so müssen sich die Säkularisten ihrerseits mehr um das Wohlwollen, die Toleranz und den Respekt vor dem Menschen bemühen, die charakteristisch für die moderne Kultur in ihrer besten Erscheinungsform sind, und sich mit mehr Empathie den Aengsten, Sorgen und Bedürfnissen zuwenden, die so viele ihrer fundamentalistischen Mitmenschen empfinden und die zu missachten sich keine Gesellschaft mehr leisten kann.“

Labels: , , , , , , , , , , , , , ,

Donnerstag, Februar 11, 2010

Iran: Persische Hochkultur und irrationale Macht

Hans-Peter Raddatz, der Autor dieses Buchs, geht davon aus, dass der heutige Iran nur verstanden werden kann, wenn man seine Geschichte und ursprüngliche Religion etwas kennt. Iran selber heisst Land der Arier und hat viel mit Zarathustra zu tun, der etwa 599-522 vor Christus lebte. Mit 40 Jahren hatte er Offenbarungen.
Karl Jaspers nannte diese Zeit „Achsenzeit“, als um 600 vor Christus an unterschiedlichen Weltgegenden neue Religionen und Philosophien auftraten, so auch Zarathustra, Konfuzius, Buddha, die grossen griechischen Philosophen und jüdische Propheten. Im iranischen Herrscher Kyros wurde der Befreier der Juden gesehen, so wurde er zum Gottessohn und Messias hochstilisiert. Religion war im Iran häufig manipulatives Instrument der Eliten und des Klerus. Die arische Dreiheit, Erde, Luft und Himmel, wurde zum Grundstoff der Gnosis und der Mysterienreligionen Aegyptens, Kleinasiens und Griechenlands (Amun-Re war der ägyptische Sonnengott, die Pharaonen die Söhne Gottes). Das Christentum hatte im Iran Erfolg, weil es Verbindungen mit dem iranischen Verständnis der Erlösung, den gnostischen Mysterien (Kinderzeugen ist Sünde) und der platonischen Philosophie einging.
Der Islam breitete sich im 7. Jahrhundert fast explosionsartig aus. Mohammed und seine Nachfolger verstanden es, ihre Gemeinschaft machtvoll zu formen, zu nutzen und zu vergrössern. Basis war der Koran, der mit seinen gewaltästhetischen medinesischen Suren, folgendes vorsah und ermöglichte:
· Allahs freie Wahl und somit Einschränkung des Individuums
· Nutzen für die „Umma“, Schaden für den Ungläubigen und Unterdrückung der Völker
· Diesseitige Beute und jenseitiges Heil
· Buchstabengläubigkeit und Gesetzesreligion
· Gewalt wird legitimiert und Auftragsmord wird institutionalisiert


Die Dynastie der Umayyaden, die kulturell syrisch geprägt waren, begann 660 mit Kalif Mu’awiwa und endete 750. Das ist auch das Ende der ersten Expansion in Asien (Indus und Taschkent). Unter ihrer Herrschaft wurde 691 der Felsendom in Jerusalem errichtet als Demonstration gegen Juden und Christen. 750 bis 1258 folgten die persischen Abbasiden.
661 tötete ein Kharidijite, Vertreter einer muslimischen Abspaltung, aus Rache den vierten Kalifen Ali in Kufa mit dem Schwert. Sein Grab liegt in Nadjaf, das zu einem grossen Wallfahrtsort wurde, und um seine Person begannen sich viele Legenden zu ranken. Auch beide Söhne wurden getötet: Hasan 669 und der heldenhafte Husayn im Kampf 680. Er wurde zum Vorbild der Gläubigen, er war den verborgenen Imam vorweg und überwand mit seinem Tod den Tyrannen. Sein Grab liegt in Kerbala. Das ist zugleich auch der Beginn der Schia, sie zeichnet sich aus durch:
· Dem verborgenen Imam steht das rechtmässige Kalifat Alis zu; das ist der „Mahdi“ (diese Idee geht auf den mythischen Erlöser Sayoshant zurück, der aus einer Mischung aus Zoroastrismus und Platonismus entstanden ist)
· Transzendente Lebensbilanz
· Ethische Prinzipien der ewigen Wahrheit und Gerechtigkeit: es gibt gut und böse, Unterdrückte und Unterdrücker
· Passion: Aschura ist Bussritual, das am Todestag Husayns durchgeführt wird. Es entwickelte sich von der Totenklage (963) zum Passionsspiel oder Leidensdrama (1650)
· Selbsterlösung (sich Gott ähnlich machen), Erleuchtung und Lichtmystik
· Autonomie des Verstands, des Lichts der Menschen (erst etwa um 1700 wurde dies eingeschränkt durch die Ulama, die Elitenherrschaft wollte und durchsetzte)
· Zeitehe „mot’e“ erlaubt gegen eine Gabe (was praktisch der Prostitution entspricht)
· Spaltungen: Siebner-Schia = Ismaeliten = Isma’iliya (Ismail sei entrückter Imam; gnostisch) und Zwölfer-Schia = Imamiten (Verborgener 12. Imam wird als Mahdi wiederkehren und die islamische Spaltung beenden und paradiesisches Reich der Gerechtigkeit aufrichten)


Die Aleviten, die heute hauptsächlich in der Türkei leben, sind eher eine schiitische Richtung. Sie sind beeinflusst von vorislamischen turkmenischen Bräuchen, vorchristlichen Mysterien und den Sufis. Wegen Verfolgung durch Sunniten haben sie sich angepasst durch Täuschung und Geheimhaltung. Sie besitzen daher keine schriftliche Theologie und brauchen auch keine Moschee für ihre Zeremonien. (In Wikipedia steht, dass „das Alevitentum auf dem Glauben der Zoroastrier basiere. Ursprünglich bestanden keinerlei Verbindungen mit dem Islam, dem Vierten Kalifen Ali und den Zwölf Imamen. Der Umstand, dass heute die Aleviten für die Zwölf Imame beten und bitten, hängt damit zusammen, dass diese Rituale ihnen auferlegt wurden. Seit der Machtergreifung der Jungtürken wurden hauptsächlich zwei Gruppen assimiliert: Einerseits wurden Teile der Kurden türkisiert, andererseits die Aleviten islamisiert. Dies war die Folge einer fast ein Jahrhundert andauernden Politik.“)

Die Baha’i oder Babisten gehen auf Ali Muhammad zurück, der 1850 gestorben ist. Er war in ihren Augen der auferstandene Imam, der Mahdi oder eben der Bab, der das islamische Gesetz abgeschafft hatte. Sie wurden deswegen von Sunniten und Schiiten grausam verfolgt.

Um 1900 wehrte sich die wirtschaftliche und religiöse Elite Irans gegen die englischen Rohstoff- und Handelsgesellschaften, die sich weltweit ausbreiteten. Bazaris (=Bazarbesitzer) und Mollahs bildeten eine Koalition, um gegen „Verwestlichung“ kämpfen zu können. 1921 marschierte Reza Khan, ein Kosakengeneral in Teheran ein, vier Jahre später rief er sich zum Schah „Reza Pahlevi“ aus. Seine Regierungszeit bis 1941 war von Modernisierung und Säkularisierung geprägt. 1941-79 kam sein Sohn Muhammad Reza an die Macht. Anfänglich hatte dieser Lebemann keine Ambitionen, so dass seine Minister regierten. Mit der Zeit wurde er aber zum selbstherrlichen, überheblichen Despoten. 1951 wurde Mosaddeq Premierminister, er verstaatlichte die nationale Oelcompany, die den Briten gehörte. Weitere Reformen kamen nicht durch, weil das Land zu stark durch Klan- und Mafiasystem beherrscht war.
Khomeiny war selber ein Sohn eines bekannten, ermordeten Mullahs und war zeitweilig unter dem Schah im Gefängnis, emigrierte danach in den Irak und nach Frankreich. Die Arbeit an der diesseitigen Ordnung soll den erwarteten Mahdi aus jenseitiger Ferne herbeiführen. Gebet und Politik seien der Lebenssaft seines Islam, die Tötung der Feinde diene der Säuberung der Gemeinschaft.
Am 11.12.1978, dem Ashuratag (Todestag Husayns) , verkündete er von Paris aus den Dschihad gegen den Schah. Die anbahnende Revolution liess am 16. Januar 1979 den Schah nach Aegypten, später nach Marokko und in die USA fliehen. Am 1. Februar 1979 kam Khomeiny aus seinem französischen Exil zurück und übernahm die Revolution. Er führte mit seinen Getreuen zunehmend eine islamische Kulturrevolution durch: Alles Westliche muss ausgerottet werden, auch die weltlichen Revolutionsgruppen wurden durch Pasdaran, Basidj, Ansar-e-Hizbollah (Helfer der Partei Allahs) und seinen Schlächter Sadeq Khalkali eingeschüchtert und dezimiert.
Die Revolution wurde anfänglich totalitär umgesetzt. Kapitalflucht, Staatsterror, der koranisch legitimiert ist, Korruption durch Anhänger Khomeinys, Schwarzmarkt und Drogenmissbrauch nahmen in der Folge zu. 1980-88 führte Iran gar Krieg gegen den säkular geführten Irak. Beides trieb den revolutionären Staat fast in den wirtschaftlichen Ruin. Erst nach etwa zwanzig Jahren wurde die Umsetzung pragmatischer und auch die Oeleinnahmen nahmen wieder zu, so dass die hohen Staatsschulden reduziert werden konnten.
Ein Problem des Gottesstaats ist, dass die islamische Wirtschaft keine wirkliche Theorie kennt und somit alle Formen annehmen kann. Wird beispielsweise ein Kündigungsschutz eingeführt, dann werden Arbeitgeber auf Zeitarbeit ausweichen. Zinsen sind verboten, stattdessen werden Geldgeber zum Schein mitbeteiligt und dann Dividenden ausbezahlt. Es gibt drei Eigentumsformen: private, gemeinschaftliche und staatliche, die eigentlich keinen Selbstzweck verfolgen sollten.
Handlungen werden generell in fünf Kategorien eingeteilt:
· Gebotene: fördern das Heil, bei Zuwiderhandlung straft Allah (durch die Mullahs)
· Empfohlene: fördern auch das Heil, aber bei Zuwiderhandlung gibt es keine Strafe Allahs
· Erlaubte: neutrales Tun, die weder Strafe noch Belohnung zur Folge haben
· Missbilligte: sind dem Heil hinderlich; wer sie unterlässt, den belohnt Allah
· Verbotene: Unterlassung ist Pflicht; wer sie tut, der wird von Allah bestraft

Das korrekte Tun ist also im Islam sehr wichtig, nicht so sehr Ziel, Motivation, Analyse oder konkret Arbeitsqualität. Deshalb wird auch wenig nach fachlicher Eignung gefragt und die Entwicklung einer Inlandproduktion war wenig interessant. Die islamische Ethik verhinderte sachbezogene Analyse und zivilgesetzliche Willensbildung. Die Folgen der repressiven Revolution Khomeinys waren deshalb zunehmend Vertrauensschwund, Säkularisierung und Armut eines Grossteils der Bevölkerung.
Der geringe nachhaltige Erfolg der islamischen Revolution im Landesinnern wurde durch Ausrichtung nach aussen kompensiert und gestärkt:
1982 wurde die Hizbollah, die Partei Gottes, im Libanon gegründet und die „islamische Republik Libanon“, die den schiitischen Teil umfasste. Wichtigste Ziele waren Fürsorge für die „Umma“ und Terror gegen Israel. Die Vorgängerorganisation war die Amalmiliz von Musa Sadr, der 1978 von Ghadhafi wegen Beleidigung während eines Besuchs umgebracht wurde. Seit 1982 ist Hasan Nasrallah Generalsekretär.
Der Westen soll generell durch Geduld, Gespräch und Gewalt überwunden werden. Dies entspricht dem dreifachen islamischen Kampf mit Herz, Zunge und Hand. Aber der Westen löst sich bereits selbst von seinen Wurzeln durch Dekadenz, Kindermangel, Einwanderung und rechtlichen Anpassungen. Geschichte und unliebsame Fakten sollen gelöscht werden, vieles ist erlaubt, wenn es dem islamischen Sieg dient. Dieses Vorgehen demonstriert der Präsident, Ahmad-e-Nadjad, ehemaliger Basidj-Führer, der seit 2005 im Amt ist, bestens. Er sagte beispielsweise: „Der Islam muss töten, um sich selbst am Leben zu erhalten.“

(Hans-Peter Raddatz: Iran. Persische Hochkultur und irrationale Macht. Verlag: Herbig GmbH München, Jahr 2006; ISBN-Nummer: 978-3-7766-2488-5)

Labels: , , , , , , , , , , , , , , ,

Sonntag, Januar 24, 2010

Eigenschaften der Dhimmitude (Seiten 251-273)

Der Dschihad ist ein einzigartiger Krieg, weil er ein mit einer Religion verbundener, permanenter, unbegrenzter und universeller Angriffskrieg ist. Das Dhimmi-System leitet sich aus Dschihad und Scharia ab und hat einen allgemeinen Charakter. Es ist unabhängig von Ethnie und Sozietät, geografisch grenzenlos und überdauerte Jahrhunderte. Der Tribut der besiegten Schriftbesitzer diente nur der Umma und dem islamischen Staatsschatz.
Im „goldenen Zeitalter“, unter islamischen Herrschaft, förderten Dhimmi-Beamte ihre Gemeinschaften, deren geistige Beweglichkeit und auch Intellektuelle, die besonders in Philosophie, Exegese und Jura tätig waren. Es gab eine starke jüdische Bevölkerung in Aegypten, Palästina, Syrien, Irak (unter den Abbasiden) und in der Türkei. Wurde die Unterdrückung zu stark, wanderten die Juden weiter, im 10. Jahrhundert nach Quirawan in Tunesien, das von den Fatimiden beherrscht wurde. Von dort aus gingen sie nach Aegypten und Spanien (Cordoba und Granada). Von Spanien wichen sie nach Sizilien, in den Maghreb und nach Aegypten (Fustat) aus.
Die Umaiyadenzeit war die engste Symbiose zwischen Islam und Christentum, trotz Zerstörung von jüdisch-christlicher Kultur in Seleukia, Jerusalem, Caesarea, Alexandria und Karthago. 750-814 fand der Niedergang des koptischen Christentums statt. Melkitische, jakobitische und nestorianische Klöster waren die Zentren der Bildung. Hier und durch Juden und Zoroastrier wurden Traktate über Astronomie, Medizin, Alchemie, Philosophie und Belletristik ins Arabische übersetzt. Die erste Uebersetzung aus dem Syrischen ins Arabische wurde 683 durch den jüdischen Arzt Masardschawaih in Basra ausgeführt. Die meisten Uebersetzungen geschahen dann zwischen 750-850.
830 liess der Kalif al-Ma’mun ein Haus der Weisheit bauen. In dieser Bibliothek wurden Werke aus Sanskrit, Persisch, Aramäisch und Griechisch ins Arabische übersetzt durch jüdische Konvertiten, Jakobiten und Zoroastrier. Christliche Gefangene arbeiteten als Architekten und Bauhandwerker und errichteten prachtvolle Moscheen, christliche Frauen bevölkerten die Harems der Herrscher. Diese machten ihren Herrschern Wissen, Kenntnisse und Kultur zugänglich. So baute der Islam seine Grösse auf den Fundamenten der Schutzbefohlenen auf und pflegte asymmetrische Beziehungen zu ihnen. Dies zeigte sich bei der erniedrigenden Entrichtung des Schutzgeldes und der eingeschränkten Rechte. Das Leben musste immer wieder erkauft werden. Die ursprünglichen Sprachen der Dhimmis wurden auf die Liturgie zurückgedrängt, ihre Geschichte wurde verheimlicht und ihre Zeugnisse waren vor Gericht nicht zugelassen!
Mit der Bekehrung der Mongolen zum Islam unter Ghazan 1295-1304 und der Zerstörung der christlichen Zentren durch den äusserst brutalen Herrscher Timur 1400-05 endete das „goldene Zeitalter“ auch im Osten des islamischen Reichs abrupt.
Generell lässt sich sagen, dass die Elitebevölkerung (meist Juden, Christen und zoroastrische Perser) das kulturelle Gepäck von Vorderasien über Spanien, Südfrankreich und Italien nach Europa gebracht haben. Die Antike kam also auch vom Griechischen über das Syrische und Arabische ins Lateinische und von da in alle modernen Sprachen Europas und der Welt!

Labels: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Montag, Dezember 14, 2009

Die Zeit der Eroberungen

Der vorislamische Orient (S. 29-40)
Die Dynastie der Sassaniden (224-651) hatte religiösen Pluralismus praktiziert. Vorherrschend waren Juden und zwei grosse christliche Gruppen, die Nestorianer und die Monophysiten/Jakobiten. Dogmatische Unterschiede und Konflikte schwächten das Christentum. Als Umgangssprache, aber auch in Liturgie und Literatur, wurde Aramäisch bzw. Syrisch verwendet, das eine hochentwickelte Kultur und Religion zuliess.

Die Zeit der Eroberungen (S. 41-70)
Der Islam umfasste arabische Bräuche und biblische Ethik. Kriegerische Nomaden brachten Verwüstung ländlicher Gebiete, Raub und Vertreibung ein, was im „Dschihad“ seine religiöse Anwendung fand. Beute war zuerst Kollektivbesitz der „Umma“, der islamischen Glaubensgemeinschaft. Die Heiden hatten die Wahl zwischen Bekehrung oder Tod, die Schriftbesitzer zwischen Bekehrung oder Tribut. „Dhimmi“ ist ein Tributpflichtiger, „Dhimma“ der Vertrag dazu. Ziel war die Unterwerfung der Völker der Erde, so dass alles zum „Dar al-Islam“ (Haus des Islam) gehört. Wo dieses Haus noch nicht ist, ist „Dar al-Harb“ (Haus des Kriegs). Deshalb ist dort Krieg immer erlaubt, aber auch Bekehrung, Propaganda und Bestechung. Bat Ye’or beschreibt diesen Sachverhalt auf Seite 52-58 so: „Allein die Masslosigkeit, die Regelmässigkeit und der systematische Charakter der von den islamischen Theologen zur Norm erhobenen Verwüstungen unterscheiden den Dschihad von anderen Eroberungskriegen oder Beutezügen... Nomadismus, Dschihad und Islamisierung bilden Schwerpunkte der eroberten Gebiete... Das arabische Vordringen mit all seinen Zerstörungen wurde als grosses Unglück empfunden... Dschihad setzten die Menschen damals mit den ihrer Meinung nach typischen Beutezügen der Beduinen gleich... Im allgemeinen bewahrten die einheimischen Zoroastrier, Christen und Juden ihre religiösen und verwaltungsmässige Unabhängigkeit durch Entrichtung eines Tributs... Der (christliche) Patriarch war für den kollektiven Tribut verantwortlich, ernannte die Bischöfe und verwaltete die Finanzen der Gemeinde.“
Das ergab eine enge Zusammenarbeit und Symbiose zwischen arabischem Militär und christlicher Verwaltung. Die (fortschreitende) Arabisierung hatte nachteilige Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung, denn Missbrauch und Raub begleiteten die Beschlagnahme von Ländereien, Dörfern und Häuser durch die Eroberer. Konsequenzen waren:
·Fläche der eroberten Gebiet ging in den Besitz eines einzigen mekkanischen Stammes über, der mit Hilfe arabischen Beduinenstämme militärische Kontrolle ausübte
·Einwanderung von Araber in Länder, in denen sie bisher nur winzige Minoritäten an der Peripherie der Wüste gewesen waren. Dies führte zu andauernder Anarchie, Konflikten und Blut(zoll)
·Während dieser Arabisierung des Nahen Ostens verbot Kalif Abd al-Malik b. Marwan (685-705) die einheimischen Sprachen in der Verwaltung und ersetzte sie durch das Arabische
·Die Einwanderung der Beduinen mit ihren räuberischen und kriegerischen Sitten in Kulturland schuf Unsicherheit und führte zu Ausplünderung und Versteppung dieser Gebiete

Diese schnellen grossen Eroberungen brachten Widersprüche zwischen den langfristigen Interessen der Kalifen, die islamischen Staat leiteten, und der Raubgier und Begehrlichkeit der Beduinen. Letztere waren vor allem an Beute, die Leute und Besitz umfasste, interessiert. Teil des Dschihad waren „Dschizya“ Kopfsteuer für Nichtmuslime und „Charadsch“ Grundsteuer für die Nichtmuslime, denn das Land war jetzt nur geliehen.
Muslimische Rechtsgelehrte des Mittelalters idealisierten diese Zeit der Eroberungen, die Realität sah anders aus: anarchische Verhältnisse, Kolonisierung, Umsiedelungen, Arabisierung Syriens und (im 11. Jahrhundert) Islamisierung Anatoliens durch die Türken.

Angst und Unsicherheit führte zur Flucht und zum Niedergang der Schriftbesitzer, sie wurden Schutzbefohlene, die häufig in die Stadtviertel zurückgedrängt wurden, so in Aegypten. Besonders griechische Christen, die zum Islam übergetreten waren im 14. Jahrhundert, leisteten dann den wichtigsten Beitrag zu Organisation, Ausdehnung und Konsolidierung des osmanischen Staats. Dem Islam unterworfene Bevölkerungsgruppen beherrschten kulturelle Techniken wie Ackerbau, Handel, Handwerk, Architektur und Verwaltung. Diese Aufgaben wurden ihnen überlassen, sie waren produktiv, aber deren Erträge wurden kontrolliert und eingezogen. Ausbeutung, Hetze und Erpressung waren möglich und üblich. Der islamische Staat stützte sich auf die arabische Armee, auf Arbeitssklaven und auf die entstehende richterliche Gewalt. Das eroberte Land ging als Beute in Staatsbesitz über, gehörte also zum „Dar al-Islam“ mit islamischem Recht.

Labels: , , , , , , , , , , , , , ,

Sonntag, Dezember 13, 2009

Bat Ye’or: Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam.

Der Untertitel dieses informativen Buches lautet: 7.-20. Jahrhundert. Zwischen Dschihad und Dhimmitude. Es ist im Verlag Dr. Ingo Resch GmbH, Maria-Eich-Strasse 77, in D-82166 Gräfeling; im Jahr 2002 erschienen (ISBN: 3-935197-19-5).

Bat Ye’or ist ein Pseudonym für Gisèle Littman-Orebi. Sie wurde 1933 in Aegypten geboren, ist seit 1959 britische Staatsbürgerin und lebt heute in der Schweiz. Ihre Aufsätze und Bücher in französischer Sprache handeln von den nichtislamischen Minderheiten im Islam. Das erste Werk schrieb sie unter dem Namen Yahudiya Masriya über „Die Juden in Aegypten“ (1971). Es folgte 1980 das Buch über die „Dhimmis“ und 1991 erschien das hier besprochene Werk unter dem Titel „Les chretientès d’orient entre jihad et d’himmitude“ in Paris. 1996 erfolgte die englische Uebersetzung, was ihr Anerkennung als Denkerin, Forscherin und Autorin einbrachte.

Das 483 Seiten umfassende Werk befasst sich gründlich mit dem Christentum unter dem Islam. Und es ist ein regelrechtes Trauerspiel, weil diese Geschichte geprägt ist von Benachteiligung, Unterdrückung, Gewalt, Verfolgung und Exil. Die 140 Seiten am Schluss - fast ein Drittel des Buchs - sind Quellentexte, die aufzeigen, dass es sich hier um geschichtlich belegbare Ereignisse und nicht nur um Mutmassungen, Behauptungen und Vorwürfe handelt. Das scheint ihr äusserst wichtig zu sein in diesem delikaten Bereich von Religion und Macht, wo so viel Spekulation herrscht.

Die Quellentexte sind denn auch nach Kapitel und Unterkapitel strukturiert:
1. Dschihad
Die Zeit der Eroberungen (7.-11. Jahrhundert)
Es fängt an mit Aegypten, Palästina, Tripolitanien (640-46); Iraq; Armenien, 642; und tönt beispielsweise auf Seite 303 beim ersten Quellentext so: „Theodosios, der Befehlshaber, hörte vom Kommen der Ismaeliten und zog von Ort zu Ort, damit er sähe, was es von diesen Feinden gäbe. Diese Ismaeliten kamen und töteten den Obersten des Heeres und alle, die mit ihm waren, ohne Mitleid. Sogleich sie die Stadt „al-bahnasa“ und jeden, der zu ihnen hinausging, töteten sie und schonten niemanden, weder Greis noch Kind noch Weib.“


2. Das Schicksal der Bauern
Erlebte Realität: Entvölkerung, Verbannung, Folter, Exodus.
Die Meinung der Rechtsgelehrten

3. Aufstände, Nomadentum und Dhimmitude

4. Das Zeitalter der Emanzipation
Hier geht es vorwiegend um die Zeit von 1850-1919 im osmanischen Reich und um den Genozid an christlichen Armeniern durch Türken, der eigentlich präzise dokumentiert ist.

Zurück zum Buch und dessen Inhalt: Es beginnt mit allgemeinen Aussagen zum Entstehen des Islam und dessen Eroberungen. Bat Ye’or zitiert dabei auch anerkannte Fachleute, und es sind folgende markante Aussagen zu finden ab Seite 17: „In Mekka war Muhammad Warner und Mahner, von seinen Feinden bedrängt und am Leben bedroht. In Medina wurde er zum Oberhaupt des islamischen Staates und entschied als Empfänger von Offenbarungen über Krieg und Frieden.“ Herbert Busse.
Nach Muhammads Tod 632 haben die Araber in atemberaubender Geschwindigkeit ein Gebiet erobert, das von Spanien bis nach Indien reichte. Die zweite Eroberungswelle setzte durch die Türken im elften Jahrhundert ein und führte die Seldschuken nach Anatolien. Die Osmanen unterwarfen den Balkan und eroberten 1453 Konstantinopel, 1517 Syrien, Aegypten, grosse Teile Nordafrikas und belagerten 1529 und 1689 Wien. „Der Islam besitzt sowohl ein aggressionsfördendes als auch ein friedensstiftendes Potential.“ Monika Tworuschka in „Allah ist gross“.
Bat Ye’or schreibt zum Inhalt und Ziel dieses Werks auf Seite 25: „Dies ist kein Buch über den Islam... Sein Gegenstand ist die Untersuchung der zahlreichen Völker, die der Islam unterworfen hat und... die Bestimmung der komplexen Prozesse... die ihr fortschreitendes Erlöschen hervorgerufen haben.“

Labels: , , , , , , , , , , , , , ,

Dienstag, Dezember 08, 2009

Minarette in der Schweiz

Eigentlich ist schon fast alles gesagt zur kürzlichen Abstimmung über das Minarettverbot in der Schweiz. Aus meiner Sicht sind die Probleme mit dem Islam weitgehend hausgemacht: die eigene Werterelativierung, die allgemeine Orientierungslosigkeit, der tiefsitzende Materialismus und unsere geistige Schwäche verhindern eine aktive Auseinandersetzung mit dieser expansiven Religion.
Erst an zweiter Stelle kommt der Islam selbst, der in seiner Substanz wirklich absolut und agressiv ist, weil der Koran als das diktierte und unfehlbare Wort Gottes angeschaut wird. Der frühe Teil davon, die mekkanischen Suren, sind eher religiös-friedlich, jedoch der spätere Teil, die medinesischen Suren, sind machtpolitisch und rufen zur gewaltsamen Durchsetzung des Islam auf! Und die neuere Offenbarung ist aus islamischer Sicht die massgebendere. Der Koran darf niemals relativiert und in Frage gestellt werden, deshalb ist religiöse Gewalt legitim und Reformen im Islam sind kaum denk- und umsetzbar. Auch sind meines Wissens alle islamischen Rechtsschulen rigide und die "Scharia", das islamische Recht, muss zwingend durchgesetzt werden. Aus diesem Recht heraus sind Polygamie, Zwangsheirat und Minderwertigkeit und Unterdrückung der Frauen erklärbar und zulässig. Zudem steht die Scharia grundsätzlich und in einigen konkreten Punkten im Gegensatz zu den Menschenrechten. Islamische Staaten anerkennen und setzen sie daher auch nicht um.

Hier sollten wir im Westen ansetzen: Keine Toleranz für die Scharia und deren Auswirkungen! Jeder, der bei uns arbeiten und leben will, muss zwingend eine Landessprache lernen innert Jahresfrist. Bis er dies nachgewiesen hat, erhält diese Person nur eine provisorische Aufenthaltsbewilligung. Erfüllt er/sie das eindeutig nicht, ist dieser Person der Aufenthalt zu verweigern, respektiv ist sie auszuweisen. Denn Sprache ist die Basis zum Kennenlernen und Verstehen anderer Werte, Pflichten und Rechte. Gleichberechtigung, Pluralität und Toleranz können nur sinnvoll gelebt werden, wenn sie auch als kulturelle Errungenschaften verstanden und verteidigt werden. Deshalb sind Mitarbeitende in Amtsstellen und Gerichten so bedeutungsvoll. Ich wünschte mir, dass sie bewusster und konsequenter eigenes Recht anwenden und menschenverachtende Praktiken wie Polygamie, Zwangsheirat, Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen und Kinder unterbinden und wo möglich sanktionieren würden. Hier sind auch Eltern, Lehrpersonen und Pädagogen gefragt, die ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag konsequent wahrnehmen und durchsetzen wollen. Sie brauchen aber auch wohlwollende Unterstützung von Schulleitungen, Kommmissionen, Bildungsämtern und Politikern. Nur wenn alle Beteiligte engagiert und kraftvoll am gleichen Strick und in die gleiche Richtung ziehen, kann echte Integration gelingen. Das wird dann deutlich mehr bringen als ein Verbot von Minaretten! Das Positive dieser Abstimmung war, dass dadurch dieser Handlungsbedarf erkannt und formuliert wurde!

Labels: , , , , , , , , , ,

Montag, Juni 16, 2008

Die arabischen Eroberungen und die Stellung der nichtmuslimischen Untertanen (Seiten 298-331)

Es gibt einen Mythos der Gleichheit, indem man
1. islamische Zerstörungen und Massaker während arabischer Eroberungen ignoriert
2. sich auf das Schicksal von Juden und Christen konzentriert und Götzenanbeter, Zarathustrier, Hinduisten und Buddhisten ausser acht lässt
3. sich auf muslimische Quellen verlässt
4. empörende Haltung des Profeten gegen Juden ignoriert oder rechtfertigt
5. intolerante, feindselige, antijüdische, antichristliche und antiheidnische Verlautbarungen des Qur’ans übersieht

Muhammad wurde im Laufe seines Lebens immer mehr vom Bekehrer zum Gesetzgeber und Krieger, der Gehorsam diktierte. Die medinenisischen Suren 2, 4, 5, 8, 9, 22 und 47 sind aggressiv, dogmatisch und intolerant. Ausdruck davon ist „djihad“, der heilige Krieg zur Eroberung der Welt für den wahren Glauben, der Kampf für die Verbreitung des Islams. Seine Gebiete sind „dar-ul-Islam“. „dar-ul-harb“ ist Land des Kriegs, dort wo der Islam noch nicht ist, „harbi“ sind Nichtmuslime im Sinne von Bekriegten und Kriegsgefangenen.
Muslime machten Verträge „dhimma“ mit Juden und Christen, den sogenannten „dhimmis“. Sie mussten muslimische Oberhoheit anerkennen und Tribut zahlen für muslimische Protektion. Araber waren eine kriegerische Rasse, zusammen mit dem Islam wurden sie zur Kriegsmaschine (nach Josef Schumpeter): 634 wurde Syrien erobert, dann Aegypten, 642 Armenien, ab 712 Sind (Indien). Immer waren die Eroberungen begleitet von Verheerung, Vernichtung und Versklavung, die der Qur’an sanktionierte.
Bat Ye’or hat sehr viel Beweismaterial für die Massaker der frühen Eroberungen gesammelt und dargelegt:
· Demütigungen der „dhimmis“
· Bedrückendes Finanzsystem
· Plündern von Häusern, Kirchen und Synagogen
· Zwangskonversionen, z. B. unter al Mu’min (1165), Abu Ja’qub (1184) und al-Mansur (1199). Oft hat es Juden betroffen, so 1165, 1198,1770-86 in Jemen, 1333, 1344 und 1828 in Bagdad und 1291,1318, 1653-66, 1839 in Persien
· Massaker an Juden, so 1010 in Cordoba, 1033 in Fez, 1066 in Granada, 1232 in Marrakesch, 1790 in Tetuan, 1834 in Safed, 1840 in Damaskus, 1867 in Barfurush

Hier zitierte Warraq den berühmten Bernard Lewis, der diese Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten im Sinne von einseitiger Toleranz und Duldung so charakterisierte: „Die drei grundlegenden Ungleichheiten von Herrn und Sklaven, Mann und Frau, Gläubigen und Ungläubigen waren nicht nur zugelassen, sie waren durch heiliges Gesetz verfügt und geordnet. Toleranz bedeutet, dass eine dominante Gruppe... Rechte und Freiheiten zugesteht...“

Die unterschiedliche Besteuerung hatte folgende Bestandteile:
· „Kharadj“: Grundsteuer auf Boden, Bauer war nur noch Pächter statt Eigentümer
· „Djizya“: Kopfsteuer, die in einer öffentlichen, demütigenden Zeremonie erhoben wurde. Manchmal wurden anstelle von Geld Kinder gefordert
· „Devshirme“: Djanissaren waren entführte Kinder, die zu Soldaten gemacht wurden

Religiöse Angelegenheiten gipfelten oft in
· Kirchenzerstörungen, so 722 und 744 in Aegypten, 884 Kloster Bagdad, 924 Marienkirche Damaskus, Feuertempel Irans und 1321 in Kairo
· Zwangsbekehrungen, 705 und 855 in Armenien, 8. Jh. in Sind, 9. Jh. in Spanien, 11. Jh. in Indien durch Mahmud, 12. Jh. in Nordafrika, 13. Jh. in Damaskus durch Sultan Baibar, 15. Jh. in Georgien und Indien (Nestorianer und Jakobiten) durch Tamerlan in Form mongolischer Barbarei und muslimischer Fanatismus.

Nach Richard Fletcher war islamische Toleranz in Spanien weitgehend ein Mythos. Sarakhsi, hanafitischer Jurist, gestorben 1090, sagte: „Das Wort eines unehrlichen Muslims gilt mehr als das eines ehrlichen Dhimmi.“ Durch die tendenzielle weltweite Machtabnahme des Islams in der Neuzeit verstärkte sich der Druck auf die „Dhimmis“ nochmals. Im 20 Jh. kam bösartige antijüdische Literatur dazu, die teilweise ihren Ursprung aber in Europa hatte und übersetzt wurde. Systematisch waren die türkischen Massaker an den Armeniern: 1894-96 gab es 250'000 Tote in verschiedenen Städten, 1904 und 09 waren nochmals 30'000 Tote zu beklagen bei Adana und dann 1915 verloren etwa 1 Million Armenier das Leben!

Labels: , , , , , , , , , , ,

Sonntag, Juni 15, 2008

Arabischer Imperialismus, islamischer Kolonialismus (Seiten 277-297)

Araber fühlten sich Nichtaraber überlegen, Schwarze wurden gar verachtet und wurden zu Sklaven gemacht bis heute. Araber waren aber auch unter sich verhasst: Qaysiten (Nordaraber) gegen Jemeniten. Araber kennen kaum Selbstkritik. Die „Shu’ubiyya“ lehnten sich im 9. Jh. gegen arabische Arroganz auf, die „Khurrami“ machten gar einen antiislamischen Aufstand.
Hellenistische und christliche Lebensart wurden um 1060-70 durch türkische Invasoren in Vorderasien vernichtet.
Sheikh Rifa al-Tahtawi, ein ägyptischer Dichter, Gelehrter und Historiker, schrieb eine ägyptische Geschichte, die vor dem Islam beginnt und die Pharaonen rühmt.
Europäischer Imperialismus wird im Westen sehr negativ beurteilt, Indien aber verdankt Grossbritannien parlamentarische Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Araber konnten Berber in Nordafrika nur allmählich erobern und zum Islam bekehren, denn sie hatten schon seit 200 vor Christus eine eigene Sprache und Kultur. Viele heutige Berber lehnen deshalb den arabischen Imperialismus entschieden ab. Kateb Yacine (1929-89), ein algerischer Schriftsteller, verteidigte Berbersprache „Tamazight“ gegen arabisch-islamische Erdrückung, Gewalt, Hass und Verachtung.

Labels: , , , , , , , , , , ,

Mittwoch, Juni 11, 2008

Ist der Islam mit Demokratie und Menschenrechten vereinbar? (Seiten 241-276)

„Der Islam hat noch nie demokratische Tendenzen befürwortet“ meint Hurgronje.
Folgende Punkte sind nicht mit der allgemeinen Menschenrechtserklärung vereinbar:
1. Frauen haben eine untergeordnete Stellung, besonders im Zeugnis vor Gericht, Bewegungsfreiheit und Heirat
2. Nichtmuslime haben in islamischen Ländern eine untergeordnete Stellung, das gilt am stärksten in Saudi-Arabien
3. Atheisten haben kein Recht auf Leben, sie sind zu töten
4. Sklavenhaltung ist erlaubt
5. Es gibt kein Recht auf Religionsänderung, Abfall vom Islam wird mit dem Tod bestraft. Uebertritte vom Islam zu Christentum sind deshalb schwer bezifferbar. Uebergetretene Muslime sind ständig in Gefahr, dass sie ihre Papiere verlieren, ihre Ehe annulliert wird, ihre Kinder weggenommen werden, ihr Erbe verlieren und dass sie von Familienmitgliedern straffrei ermordet werden
6. Freiheitsrechte werden verletzt, besonders krass im Iran, Pakistan und Saudi-Arabien. Es trifft Christen, Schiiten und die Ahmadiyya-Bewegung, denn Mohammed gilt als das Siegel, d. h. der letzte der Profeten
7. Lästerung Gottes und des Profeten wird mit dem Tod bestraft. Dazu gibt es in islamischen Staaten die Blasphemiegesetze
8. Arbeit: Muslime dürfen nicht Andersgläubigen unterstellt sein und Frauen dürfen nicht alle Berufe ergreifen und ausüben

Autoritarismus, Demokratie und Islam
Warum der Islam mit Demokratie und Menschenrechten unvereinbar ist.
In der liberalen Demokratie gibt es keinen göttlichen, umfassenden ethischen Kodex, eine allumfassende und alles beinhaltende Werteskala.
In islamischen Staaten sind Juden und Christen Bürger zweiter Klasse, Ungläubigen werden alle Rechte verweigert. Sie haben folgende Möglichkeiten: bekehrt werden zum Islam, unterjocht oder getötet werden. Ethik im Islam heisst Befehlsgehorsam und Ergebung in den göttlichen Willen. Alle Muslime nehmen den Koran wörtlich, deshalb gibt es keinen Unterschied zwischen Islam und islamischen Fundamentalismus. Ziel aller ist es, nach islamischem Recht zu herrschen (nach Lewis).

Menschenrechte
Im Islam hat der Mensch nur Pflichten gegen Gott, Gott allein hat alle Rechte. Der Westen sah dies anders und bildete beständige Einrichtungen wie Konzile. Das waren repräsentative Versammlungen, die zu Körperschaften und juristischen Personen führten. Das ist im Islam unbekannt. Da gibt es eigentlich nur Theokratie (Gott regiert, indem er dem Herrscher Macht verleiht und dieser das göttliche Gesetz durchführt) und Autokratie (z. B. im selbsternannten Kalifat, Gottes Stellvertretung und Schatten auf Erden). Für den Untertanen ist Gehorsam daher eine religiöse Pflicht. Die Verehrung von Koran und Sunna behindert Menschenrechte und Wissenschaft, so wurde die Bibliothek von Alexandria 641 durch Kalif Umar verbrannt.
Wissenschaftlich betrachtet ist aber keine Zivilisation rein, denn es fand immer ein Austausch von Gütern und Ideen statt. So wurde die arabische Schrift von christlichen Missionaren erfunden, die auf Aramäisch, Nabatäisch und Phönizisch zurückgriffen.
Warraq plädiert hier für den Säkularismus, seine Werte wie Rationalismus, kritischer Geist, wissenschaftliche Strenge und intellektuelle Unabhängigkeit haben universelle Gültigkeit.

Labels: , , , , , , , ,

Samstag, Juni 07, 2008

Der totalitäre Charakter des Islams (Seiten 230-240)

Bereits Bertrand Russell hat den totalitären Charakter des Islams erkannt und schrieb: „Bolschewismus verbindet die Eigenschaften der französischen Revolution mit denen des Aufstiegs des Islams.“
Das islamische Recht hat eine allumfassende Natur und hat deshalb Kontrolle über das religiöse, soziale und politische Leben der Menschheit in all seinen Aspekten angestrebt. Es unterscheidet nicht Ritual, Recht, Ethik und Sitte (wie das Christentum). Es ist die Lehre von (äusserlichen) Pflichten, die der Kontrolle einer durch Gott eingesetzten menschlichen Instanz unterliegen.

Keine Trennung von Kirche und Staat
Im Arabisch gibt es auch sprachlich keinen Unterschied zwischen kirchlich und weltlich oder sakral und profan. Und Muhammad war Profet und Staatsmann, Gemeindegründer und Staatsbegründer, Kriegsmann und Gesetzgeber.

Islamisches Recht beruht auf:
1. Qur’an (hier wird aber nur wenig Rechtliches behandelt)
2. Sunna des Profeten (Pfad, Weg oder Lebensart, sie wurde aufgezeichnet in den Hadith, die jedoch grösstenteils Fälschungen waren)
3. „ijma“: Konsens der orthodoxen, autoritären Gelehrten während der frühen Abbassidenzeit. Ab dem 10. Jh. wurde dadurch islamisches Recht fixiert und damit starr und unbeugsam
4. „qiyas“: Methode des Analogieschlusses

Interpretationen erfolgten durch Rechtsspezialisten, die sich in vier gültigen Schulen aufgeteilt hatten:
1. Malik ibn Abbas (gestorben 795) in Medina, seine Lehre ist im Werk „Muwatta“ enthalten. Annahme in Afrika.
2. Abu Hanifa (795) im Iraq, gab mehr Raum der Logik und Vernunft. Annahme in Indien und Türkei
3. Al-Shafi’i (820) in Iraq und Aegypten, hatte gemässigte Standpunkte. Annahme in Indonesien, Malaysia und Jemen
4. Ahmad ibn Hanbal (855) in Bagdad, vertrat den unerschaffenen Qur’an. Annahme durch Wahhabiten in Arabien

Der Charakter des islamischen Rechts
Alle menschlichen Handlungen und Beziehungen werden nach den Begriffen des Verbindlichen, Empfohlenen, Indifferenten, Tadelnswerten und Verbotenen beurteilt. Es geht um eine buchstabengetreue und nicht sinnentsprechende Befolgung. Das führte zu Winkelzügen und juristischer Fiktion. Die rationale Methode der Interpretation führte dabei bis zur Pedanterie und Haarspalterei. Das Strafrecht verhängt Massnahmen auf den Schuldigen „aus der Sicht Gottes“. Schadenersatz bedeutet Anspruch oder Haftbarkeit in Form von Blutgeld oder Entschädigung.
„Shari’a“ bedeutet nun die vollständige Sammlung der theoretischen Gesetze, die in einer dem Willen Gottes gänzlich ergebenen muslimischen Gemeinschaft anwendbar sind.
„Fiqn“ ist die Shari’a-Wissenschaft, die unfehlbare und endgültige Auslegung der heiligen Texte durch autorisierte Rechtsgelehrte.

Kritik am islamischen Recht
Islamisches Recht gilt für viele als „Gipfel, Kern und Knotenpunkt des islamischen Denkens“. Die Rechtsgelehrten „ulama“ wurden so zu einer Art Priesterkaste, obwohl der Islam keine Priester kennt. Sie beanspruchten absolute Zuständigkeit in Rechtssprechung und Glaubensdoktrin und verhinderten dadurch kritisches Denken, Fortschritt, Einführung der Menschenrechte, Freiheit, Individualismus und Demokratie. Sie setzten sich für die Islamisierung ein, die heute besonders im Iran, Sudan und Pakistan fortgeschritten ist.

Labels: , , , , , , , , , ,

Mittwoch, Juni 04, 2008

Muhammad und seine Botschaft (Seiten 132-154)

Als erster stellte Gustav Weil 1843 die These vom Epileptiker Mohammad auf in seinem Werk „Mohammad der Prophet, sein Leben und seine Lehre“.
William Muir unterschied zwischen mekkanischer und medinensischer Periode Mohammeds. Erstere war von religiöser Wahrheitssuche geprägt, letztere von weltlichem Ehrgeiz und korruptem Machthunger: „Ruchloser Fanatismus, auf den die Lehre des Profeten zu trieb... Das Schwert des Mahomet und der Coran sind die hartnäckigsten Feind von Zivilisation, Freiheit und Wahrheit, welche die Welt bisher kannte.“
Und der Däne Franz Buhl schrieb: „In medinenisischer Phase kehrt Mohammed die unattraktive Seite seines Charakters hervor: Grausamkeit, Schläue, Unehrlichkeit, Unzuverlässigkeit...
er ist ein Despot, der absoluten Gehorsam forderte und angeschwollene Sinnlichkeit (lebt)... Spuren seines Idealismus sind noch da.“

In Medina lebten zur Zeit Muhammads drei jüdische Stämme:
· Banu Qaynuqa: sie wurden von Mohammed verbannt und gingen nach Syrien
· Banu Nadir: sie zogen in die nahegelegene Oase Khaybar und wurden dort nach zwei Jahren von Mohammed und seinen Kriegern überlistet und massakriert
· Banu Qurayza: ihr Stadtteil wurde erobert, die Männer wurden getötet, Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft

Muhammad war der Ansicht, dass Krieg auch in Täuschung bestünde. Nach Warraq müssen bei einer Gesamtbeurteilung des moralischen Charakters Muhammads Attentate, Morde, Grausamkeiten und Folter mitberücksichtigt werden.

Labels: , , , , , , , , , , , ,

Donnerstag, Mai 31, 2007

Heinz Gstrein: Einführung in den Islam

Gestern hatte ich das Privileg durch Dr. Heinz Gstrein eine zweistündige, konzentrierte Einführung in den Islam zu erhalten. Gerne gebe ich meine Zusammenfassung dieses Vortrags weiter:
Mohammed und sein Umfeld.
Mohammed wurde 570 in Mekka geboren. In Arabien war damals das Heidentum vorherrschend mit seinem Polytheismus (Vielgötterei). Die oberste Göttin war die Mondgöttin Uzza mit dem Symbol des Halbmonds, das vom Islam dann übernommen wurde. Es herrschte sittlich-moralischer Tiefstand, jeder tat, was ihn gut dünkte.
Neben dem Heidentum gab es ein beachtliches Judentum auf der arabischen Habinsel. Es gab jüdische Stämme im Norden und jüdische Theokartien im Süden, so König Dhu Nuwas im Jemen, der Christen verfolgte.
Es gab auch arabische Christen: einerseits die monophysitischen Ghassaniden, die nur die göttliche Natur an Jesus akzeptierten und die Nestorianer, die an eine eigenwillige Dreifaltigkeit glaubten: Vater, Mutter und Sohn Gottes. Beide waren verhängnisvoll für Mohammeds Gottes- und Christusbild. Mohammed lernte auch christliche Mönche kennen, die seine Frömmigkeit beeinflussten. So geht das Ramadanfasten auf die Mönche zurück, indem man zeitweise auf die guten Gaben Gottes verzichtet, sie aber nicht ganz zurückweist, ebenso die fünf Gebetszeiten.

Mohammed war Analphabet, Gottsucher, Grübler und Epileptiker. Epilepsie galt als heilige Krankheit. Er wurde dabei vom Erzengel Gabriel aufgesucht, was auch wiederum eine Remiszenz an die Bibel ist.
Der Koran sei ihm in Arabisch diktiert worden. (Das ist die islamische Sicht. Historisch gesehen war die erste Koranversion in Hebräisch aufgeschrieben worden.) Er ist vollkommen und anders als die Bibel, die „nur“ von Gott inspiriert ist und von Menschen verfasst ist. Der Islam ist eine absolute Buchreligion und der Koran umfasst Versen und Strophen, die zur Busse aufrufen und vor der Endzeit warnen. Abraham wird als „Hanif“, als edler Heide dargestellt. Der erste Teil, der in Mekka entstanden ist, ist gewaltlos.
Mohammed musste nach Medina emigrieren. Damit begann auch die islamische Zeitrechnung und die „Hidschra“, eine neue Aera und ein neues Konzept: Der Islam als Reich von dieser Welt: Ein Gott, ein Volk und ein Reich. Brüderlichkeit gilt nur unter diesen Bedingungen. Mohammed wollte das Judentum und Christentum unter sich vereinen und erneuern, indem er das jüdische Gesetz reformieren wollte. Er anerkannte Teile der Bibel, so die fünf Bücher Mose, die Psalmen und ein Evangelium, hielt sie aber für verfälscht. Die Kirche sollte das allgemeine Priestertum einführen, der Gottesdienst müsse vor allem Gebet und Predigt umfassen. Fasten wäre wichtig und Bilder würden verboten. Jesus ist im Islam Profet, Heiler, Messias und Weltenrichter, aber nicht Gottessohn und Erlöser, der für die Menschen am Kreuz gestorben ist. Der Islam kennt daher kein „Heil“ und keine Heilsgewissheit. (Ausnahme: Märtyrer für die Ausbreitung des Islams, heute die Selbstmordattentäter, dürfen sich des Paradieses sicher sein.) Doch nicht alle Juden und Christen liessen sich überzeugen und einbinden und wiesen Mohammed zurück. So wurde er ihr Feind und begann sie zu unterdrücken und zu verfolgen. Als Besitzer von heiligen Schriften behielten sie aber gewisse Rechte wie die Kultfreiheit. Dabei von „Toleranz“ zu sprechen ist jedoch übertrieben, denn Muslime dürfen Christinnen heiraten, aber nicht umgekehrt. Und die Kinder dieser Ehen sind immer Muslime. Zudem mussten die Nichtmuslime die ganze Steuerlast tragen und konnten in islamischen Staaten keine Karriere machen.
Mohammed war in Medina vor allem Heerführer und Machthaber. Er liess Männer umbringen, machte Sklaven und nahm sich mehrere Frauen. Es gelang ihm auch, Mekka zurückzuerobern. Der Islam wurde politisch, eine „politische Ideologie gewaltsamer Weltherrschaft“, ein Reich von dieser Welt! Deshalb wurde mit Feuer und Schwert das islamische Reich ausgebreitet, was nicht gleichbedeutend mit dem islamischen Glauben ist!
(Die christlichen Kreuzzüge können damit nicht direkt verglichen werden, weil es dabei „nur“ um Sicherung der Pilgerwege nach Jerusalem ging, die von türkischen Horden gefährdet wurden und nicht um territoriale Ausbreitung des Christentums.)

Mohammeds Nachfolger
Mohammeds Nachfolger sind die Kalifen, die zuerst gewählt wurden. Nach einiger Zeit gab es deswegen eine Spaltung: die „Schia“, die Abspaltung, bestand darauf, dass der Kalif eine Nachkomme Mohammeds sein muss. Die „Sunna“, was richtige Ueberlieferung bedeutet, wollte den Besten zum Kalifen machen. (Eine dritte Richtung sind die „Chawaridsch“, die Abtrünnigen.)
Im Mittelalter war über eine lange Zeit das osmanisch-islamische Reich vorherrschend. Da waren Juden und Christen eindeutig Bürger zweiter Klasse. Seit 1923 sind wir in der „kalifenlosen“ Zeit. Nun wurde von verschiedenen Seiten versucht, den Islam zu modernisieren. Doch dieser Versuch muss als gescheitert betrachtet werden, vor allem wegen dem Korandiktat. Der Koran darf nicht relativiert und in Frage gestellt werden.
Heute ist eine „Sondergruppe“ führend im Islam, nämlich die sogenannten Wahhabiten oder Salafiten, die im 18. Jahrhundert in Arabien entstanden waren. Sie wollen zurück zum ursprünglichen Islam. Da der „Hadsch“, die einmalige Pilgerfahrt nach Mekka führt, kommen viele Muslime mit dem Wahhabismus in Kontakt. Die Petrodollars der wahhabitischen Saudis fördern die Unterwanderung in Europa und den Moscheebau in der ganzen Welt. Weitere Mittel zur Expansion sind der „Dschihad“, der heilige Krieg, und die Scharia, das islamische Recht. (Der Heilige Krieg wurde früher von Marokko bis Indien durchgeführt, heute ist vor allem der südliche Sudan betroffen. Ostasien wurde vor allem durch Händler islamisiert.)

Labels: , , , , , , , , , , , , , , ,

Samstag, Mai 26, 2007

Hans-Peter Raddatz: Von Gott zu Allah?

Der Untertitel dieses Werks lautet: Christentum und Islam in der liberalen Fortschrittsgesellschaft. Es ist im Herbig-Verlag München 2001, umfasst 528 Seiten und kostet "nur" CHF 26.80. ISBN: 3-7766-3010-8.
Zuerst etwas zum Autor dieses Buchs: Hans-Peter Raddatz wurde 1941 in Deutschland geboren. Er studierte Orientalistik, Volkswirtschaftslehre und Ethnologie. Er promovierte über das frühislamische Erbrecht 1967. Danach arbeitete für verschiedene Firmen in Nahen Osten und in den USA. Heute ist er Publizist, der den Islam kritisch betrachtet. Er vertritt und unterstützt die jüdisch-christlichen Werte Europas und das Existenzrecht Israels. Er tritt ein für die Trennung von Kirche und Staat und das staatliche Gewaltmonopol, das im Islam nicht vorgesehen und gewährleistet wird. Ein Anliegen ist ihm auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Er kritisiert den naiven Dialog des Westens, auch der christlichen Kirchen, mit den Moslems, und bekämpft die Anerkennung der Scharia, des islamischen Rechts, in Europa. Dadurch erhielt er 2005 Drohungen im Internetportal „Muslim-Markt“.

Zum Vorwort ab Seite 11:
Raddatz macht teilweise sehr prägnante Aussagen, über die es sich lohnt nachzudenken. Er behauptet beispielsweise folgendes: „Im Islam ist virtuelle Gewalt angelegt... Der moderne Fortschritt hat zu sozialer Inkompetenz, islamischer Radikalisierung und westlicher Korruption geführt.“

Zur Einführung ab Seite 14:
Raddatz macht (zu Recht) auf den defizitären Informationsstand über die wichtigen Migrationsgruppen in Deutschland, Frankreich und England aufmerksam: Was wissen wir schon wirklich über die Türken, die Nordafrikaner und die Pakistaner? Das Wissen über den Islam steigt nicht wie die Expansion des Islams in Europa!
Der christliche Glaube war wesentlicher Impuls des europäischen Geistes. Wenn dieser Glaube verschwindet, wir auch dieser Geist verschwinden (Seite 24)!

Labels: , , , , , , , ,

Donnerstag, Mai 24, 2007

Was ist "Waqf"?

Ab Seite 149 beschreibt Ulfkotte in Teil 4 das Innenleben des Spinnennetzes. Hier geht es mehr um die gegenwärtige Organisation der Muslimbruderschaft. Seit 2004 ist Mohammed Mahdi Akef Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft in Kairo. Er folgte auf Maamon al-Hodeibi. 1927 wurde Akef in Aegypten geboren. 1954-74 war er im Gefängnis wgen Beteiligung an einem Komplott gegen Nasser. 1984-88 war er Leiter des islamischen Zentrums in München (IZM) und kennt also Deutschland.

Ab Seite 213 geht es in Teil 5 um den Kampf ums Geld. Aber noch wichtiger für Moslems ist Bodenbesitz: "Waqf“ ist ein wichtiger islamischer Begriff. Er bedeutet das unveräusserliche und ewige Landeigentum des Islams. Dort ist die Scharia das einzig gültige Recht. So hat Kalif Omar um 600 Israel erobert und es zum „Waqf“ erklärt. Daher gehört es allein Allah. Und dies kann nie mehr rückgängig gemacht werden. Alles, was einmal von Moslems erobert wurde, ist demnach „heiliger Besitz“. Das gilt auch für die Eroberungen in Europa bis vor Wien und Poitiers (Frankreich). Heute sind auch die Moscheen in Europa „Awqf“, das ist die Mehrzahl von Waqf und heisst genauer „Güter der toten Hand“.

Am Schluss ab Seite 291 gibt Ulfkotte viel Literatur an. Er scheint sich gut auszukennen, was die deutsche Literatur über den Islam anbelangt. Unter den vielen Autoren stechen meiner Meinung folgende heraus:
· Bernard Lewis, einer der besten Islamkenner der Gegenwart
· Hans-Peter Raddatz, ein deutscher Orientalist, der fünfzehn Jahre in der islamischen Welt gelebt und umfassende, tiefgründige und kritische Werke geschrieben hat, vor allem zur Geistesgeschichte Europas (und Zusammenhänge zwischen griechischer Philosophie, christlichem Glauben und liberaler Neuzeit aufgezeigt hat) und des Orients (dort zeigte er die im Islam innewohnenden unterdrückenden Kräfte auf, die alle freiheitsliebenden Menschen zurückgebunden oder umgebracht und dadurch viele Entwicklungen abgewürgt hat)
. Bassam Tibi, ein Intellektueller und gemässigter Moslem aus Syrien

Labels: , , , , , , ,

Samstag, Mai 19, 2007

Udo Ulfkotte: Heiliger Krieg in Europa

Seit letzten Herbst bin ich zunehmend sensiblisiert auf die Islamisierung Europas. Dazu geführt haben mich Klaus Berger, Heinz Gstrein und Udo Ulfkotte. Letzterer ist ein deutscher Journalist und Sicherheitsspezialist. Er ist auch Professor für Sicherheitsfragen und hat verschiedene Bücher verfasst. Eines der letzten heisst: Heiliger Krieg in Europa. Der Untertitel lautet: Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht. Es ist im Verlag Eichborn Frankfurt 2007 erschienen, umfasst 303 Seiten, kostet CHF 34.- und hat folgende ISB-Nummer: 978-3-8218-5577-6.

Ulfkotte zeigt im ersten Teil mit der Ueberschrift: Halbmond über Europa. „Eurabien“ – die Zukunft Europas?, dass „Europa islamisch wird“. Dabei zitiert er nur den besten Islamspezialisten der Gegenwart, den Franzosen Bernard Lewis.
Ulfkotte bringt dazu viele Beispiele, die aufzeigen, wie Europa schleichend islamisiert wird. Zuerst fordern Moslems unter Berufung auf unsere Religions- und Kultusfreiheit Rechte ein wie Dispensierung der Mädchen vom Turnunterricht. Sobald diese Rechte erreicht und stabilisiert worden sind, wollen sie weitere Spezial- und Sonderbehandlung wie eigene Krankenhäuser, Schulen und Taxis in England und Holland. Die Lesenden werden durch diese Aufzählungen, die über hundert Seiten beanspruchen und durch fast alle europäischen Länder gehen, jedoch etwas in ihrer Geduld strapaziert.

Labels: , , , , , ,

Donnerstag, Oktober 05, 2006

Der Westen, Papst Benedikt und der Islam

Seit dem 11. September 2001, den Karikaturen aus Dänemark und der Papstrede sind nun auch wir hier im Westen hellhöriger auf den radikalen Islam und seine Reaktionen geworden. Es hat etwas lange gedauert, bis wir entdeckt haben, welche Potenz im Islam steckt.
Papst Benedikt hat an der Universität Regensburg eine Vorlesung gehalten, die folgenden Titel trug: „Nicht vernunftgemäss handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider“. Das tönt eigentlich ganz gut, und Benedikts Rede, die inzwischen schriftlich vorliegt, verfolgt diesen Gedanken schön und folgerichtig. Es zeigt die Liebe und Zugewandtheit des Papstes zum christlichen Glauben und zur griechischen Philosophie auf. Das ist keine neue Erkenntnis und Ausrichtung, denn die Geschichte der katholischen Kirche ist geprägt von der frühchristlichen Synthese der biblischen Offenbarungen und der neo-platonischen Weisheit. Ein katholischer Theologe hat es plakativ so ausgedrückt: Alle Philosophien Europas sind Anmerkungen zu Platon.
Unter diesen Vorzeichen ist die Rede vom „vernünftigen“ Gott sehr gut verständlich, aber nicht die einzige christliche Antwort. Die starke griechische Prägung war und ist zugleich Folge der christlichen Entfernung von der jüdischen Herkunft, die schon bald nach dem Tod von Jesus eingesetzt hatte. Gott wird aber im jüdisch-christlichen Verständnis nicht primär durch Vernunft erkannt, sondern die einzige Chance ist die Offenbarung Gottes, die mit Abraham begonnen hatte und in Jesus Christus ihren Höhepunkt erreicht hat. Gottes Offenbarungen haben ein Hauptziel, die Menschen aufzusuchen und sie zu Gott zurückzurufen. Gott macht immer den ersten Schritt auf uns Menschen zu, weil wir trotz Vernunft nicht imstande sind, ihn richtig zu erkennen und zu würdigen.
Ob es da nicht angebracht wäre, wenn Christen auf diese Sichtweise aufmerksam machen würden?
Auch die Reaktion der Moslems ist vor allem in einem geschichtlichen Zusammenhang zu sehen: Der Islam war wahrscheinlich nie nur eine einzige Grösse, sondern immer geprägt von verschiedenen Strömungen und Richtungen. Ungefähr 1970 haben aber „fundamentalistische“ Gruppierungen, die vor allem in Arabien und Nordafrika beheimatet sind, den „reformistischen“ Moslems die Vorherrschaft abgenommen. Fundamentalistische Moslems, wie die Wahabiten, Salafiten und die Moslembruderschaft, wollen vor allem zurück zum ursprünglichen Islam, wollen leben wie ihre Vorfahren, die in Einfachheit geglaubt haben. Die Zerstörung der dekadenten westlichen Zivilisation und Kultur dient diesem Ziel und ist daher legitim. Zudem war im islamischen Selbstverständnis Glaube nie nur eine private Angelegenheit, sondern immer eine öffentliche, politische Sache. Es geht um Unterwerfung, territoriale Herrschaft und schlussendlich um Weltherrschaft. Das islamische Reich wurde von Anfang an durch Feuer und Schwert, den Heiligen Krieg „Jihad“ ausgebreitet. Es ist ein Reich von dieser Welt (nach dem Islamkenner Dr. Heinz Gstrein). Deshalb ist auch das Recht, die „Scharia“ viel wichtiger als die islamische Theologie, der Rechtskundige, der „Mufti“, bedeutender als der Vorbeter, der „Imam“.
Aus diesen Gründen scheint es mir wichtig, islamischen Reaktionen auf die Papstrede nicht nachzugeben. Freiheit des Glaubens und des Denkens sind ein zu wertvolles Gut im Westen, als das sie vorschnell aufgegeben werden sollten! Gleichzeitig müssen Bemühungen verstärkt werden, den Islam in seinen verschiedenen Ausprägungen besser kennen und einschätzen zu lernen.

Labels: , , , , , , , , , , , ,