Sonntag, März 26, 2017

Die „Goldenen Zeiten“ des Islam: Verklärte Blicke in eine nicht existente Vergangenheit

Als „Goldene Zeiten“ des Islam gelten der Prophet und seine Nachfolger, die „rechtgeleiteten“ Kalifen und die Eroberungen bis China und Spanien. Auch beduinische Raubzüge wurden als islamische Glaubenseroberungen annektiert und so dargestellt. Noch heute weigert sich die „Salafiyya“ die real gewesenen Entwicklungen zu akzeptieren und konserviert und glorifiziert die „Goldenen Zeiten“. Auch nichtislamische Gelehrte und Forscher werden als Muslime dargestellt, obwohl sie es nicht waren oder es zumindest umstritten ist, weil sie unfrei unter islamischer Herrschaft waren: • Jakub ibn Ishak al-Kindi (800 in Kufa-873 in Bagdad), arabischer Philosoph & Mathematiker • Hunain ibn Ishak (808 in al-Hira-873 in Bagdad), christlich-arabischer Arzt und Übersetzer • Thabit ibn Kurra (834 in Harran-901 in Bagdad), heidnischer Sabier, Arzt und Astronom • Muhammad ibn Zakarija ar-Razi (865 in Teheran-925 in Teheran), persischer Arzt & Optiker • Al-Farabi (870 in Otri-950 bei Damaskus), kasachischer Gelehrter und Philosoph • Ibn al Haitham (965 in Basra-1040 in Kairo), arabischer Mathematiker, Optiker & Astronom • Abu Ali ibn-Sina “Avicenna“ (979 in Buchara-1037 in Hamadan), persischer Arzt • Al-Biruni (976 in Kath-1048 in Ghazna), usbekischer Astronom, Physiker, Geograph und Philosoph. . . . . . . Wirklich muslimische Gelehrte waren: • Ibn Ruschd „Averroës“ (1126 in Cordoba-1198 in Marrakesch) , andalusischer Arzt, Philosoph und Physiker; kein orthodoxer Muslim • Al-Ghazali (1058 in Tuz-1111), persischer Theologe, Philosoph und Mystiker; mit ihm begann die „versiegelte Zeit“ nach Dan Diner • Omar Ghayyam (1048-1123 in Nischapur), persischer Philosoph, Mathematiker und Dichter. . . . . . . Pressburg sieht es auf Seite 178 so: Goldene Zeiten“ gab es in der arabischen Wissenschaft, die aber mit dem Aufkommen des Islam abrupt eine Ende fand.

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Dienstag, März 14, 2017

200 Jahre Abwesenheit: Der historische Muhammad

Mwawiya war Amir al-Muminin, der erste Kalif der Omayaden-Dynastie, Statthalter Byzanzs und arabisch-christlicher Herrscher Syriens, Iraks und Irans. 622 besiegte Byzanz unter Kaiser Herakleios Persien, das damals als Antichrist galt. 682 wurde Abd al-Malik aus dem turkmenischen Marw Herrscher. Auch er war ein arabischer, syrischer und nestorianischer Christ und vollendete den Felsendom 694. „Muhammad“ war damals noch kein Name, sondern hiess einfach Gepriesener; sowie „Abd AllahKnecht Gottes und „Isa bi MaryamJesus, Sohn der Maria bedeutete. Muhammad ist historisch kaum fassbar; eine früheste Erwähnung stammt aus dem Jahr 780, die meisten Erwähnungen tauchen erst 830-930 nach Christus auf. Ab 660 gab es persische Münzen mit „Muhammad“. Es gibt keine ausserislamische Quellen zur Person Muhammads; aber arabische Christen hatten Sehnsucht und Bedürfnis nach einem eigenen Prophet und Buch, gerade auch weil sie von Byzanz unterdrückt und marginalisiert wurden. Weitere Beinamen, Titel und Attribute für Muhammad waren „Ahmad“ Gepriesener, „Kahtim“ Siegel, „Haschir“ der Erwecker, „Akib“ letzter Prophet und „Machiy“ Sündentilger.

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Mittwoch, März 08, 2017

Der traditionelle Koran: Die fehlerlose Kopie aus dem Himmel

Ein zentrales Dogma des Islam ist, dass der Koran unerschaffen sei. Muhammad habe den Text von Gott durch die Vermittlung des Erzengels Gabriel in 23 Jahren mündlich erhalten und so an seine Nachwelt überliefert. Jedes Wort sei darum korrekt, authentisch, unverrückbar, heilig und ewig gültig. Und es gäbe nichts auf der Welt, was nicht im Koran enthalten wäre. Der Koran in der Fassung des Kalifen Othman sei der einzig authentische, und die Fassung von Kairo 1924 entspreche diesem und sei somit die identische Kopie des im Paradies aufbewahrten Original (Seite 15). Fakt ist, dass der Koran aus 114 Suren à 4 bis 286 Versen besteht; die längste ist am Anfang, die kürzeste am Schluss angeordnet. Er ist arabisch verfasst, aber auch da schwer verständlich; er enthält zudem viele Fremdwörter aus dem Aramäischen, Persischen, Griechischen und Hebräischen, was aber von den meisten Koranlehrern nicht anerkannt wird. Frühere Verse können durch spätere aufgehoben werden; so werden mekkanische Suren durch medinische überholt und aufgehoben.

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Donnerstag, Februar 11, 2010

Iran: Persische Hochkultur und irrationale Macht

Hans-Peter Raddatz, der Autor dieses Buchs, geht davon aus, dass der heutige Iran nur verstanden werden kann, wenn man seine Geschichte und ursprüngliche Religion etwas kennt. Iran selber heisst Land der Arier und hat viel mit Zarathustra zu tun, der etwa 599-522 vor Christus lebte. Mit 40 Jahren hatte er Offenbarungen.
Karl Jaspers nannte diese Zeit „Achsenzeit“, als um 600 vor Christus an unterschiedlichen Weltgegenden neue Religionen und Philosophien auftraten, so auch Zarathustra, Konfuzius, Buddha, die grossen griechischen Philosophen und jüdische Propheten. Im iranischen Herrscher Kyros wurde der Befreier der Juden gesehen, so wurde er zum Gottessohn und Messias hochstilisiert. Religion war im Iran häufig manipulatives Instrument der Eliten und des Klerus. Die arische Dreiheit, Erde, Luft und Himmel, wurde zum Grundstoff der Gnosis und der Mysterienreligionen Aegyptens, Kleinasiens und Griechenlands (Amun-Re war der ägyptische Sonnengott, die Pharaonen die Söhne Gottes). Das Christentum hatte im Iran Erfolg, weil es Verbindungen mit dem iranischen Verständnis der Erlösung, den gnostischen Mysterien (Kinderzeugen ist Sünde) und der platonischen Philosophie einging.
Der Islam breitete sich im 7. Jahrhundert fast explosionsartig aus. Mohammed und seine Nachfolger verstanden es, ihre Gemeinschaft machtvoll zu formen, zu nutzen und zu vergrössern. Basis war der Koran, der mit seinen gewaltästhetischen medinesischen Suren, folgendes vorsah und ermöglichte:
· Allahs freie Wahl und somit Einschränkung des Individuums
· Nutzen für die „Umma“, Schaden für den Ungläubigen und Unterdrückung der Völker
· Diesseitige Beute und jenseitiges Heil
· Buchstabengläubigkeit und Gesetzesreligion
· Gewalt wird legitimiert und Auftragsmord wird institutionalisiert


Die Dynastie der Umayyaden, die kulturell syrisch geprägt waren, begann 660 mit Kalif Mu’awiwa und endete 750. Das ist auch das Ende der ersten Expansion in Asien (Indus und Taschkent). Unter ihrer Herrschaft wurde 691 der Felsendom in Jerusalem errichtet als Demonstration gegen Juden und Christen. 750 bis 1258 folgten die persischen Abbasiden.
661 tötete ein Kharidijite, Vertreter einer muslimischen Abspaltung, aus Rache den vierten Kalifen Ali in Kufa mit dem Schwert. Sein Grab liegt in Nadjaf, das zu einem grossen Wallfahrtsort wurde, und um seine Person begannen sich viele Legenden zu ranken. Auch beide Söhne wurden getötet: Hasan 669 und der heldenhafte Husayn im Kampf 680. Er wurde zum Vorbild der Gläubigen, er war den verborgenen Imam vorweg und überwand mit seinem Tod den Tyrannen. Sein Grab liegt in Kerbala. Das ist zugleich auch der Beginn der Schia, sie zeichnet sich aus durch:
· Dem verborgenen Imam steht das rechtmässige Kalifat Alis zu; das ist der „Mahdi“ (diese Idee geht auf den mythischen Erlöser Sayoshant zurück, der aus einer Mischung aus Zoroastrismus und Platonismus entstanden ist)
· Transzendente Lebensbilanz
· Ethische Prinzipien der ewigen Wahrheit und Gerechtigkeit: es gibt gut und böse, Unterdrückte und Unterdrücker
· Passion: Aschura ist Bussritual, das am Todestag Husayns durchgeführt wird. Es entwickelte sich von der Totenklage (963) zum Passionsspiel oder Leidensdrama (1650)
· Selbsterlösung (sich Gott ähnlich machen), Erleuchtung und Lichtmystik
· Autonomie des Verstands, des Lichts der Menschen (erst etwa um 1700 wurde dies eingeschränkt durch die Ulama, die Elitenherrschaft wollte und durchsetzte)
· Zeitehe „mot’e“ erlaubt gegen eine Gabe (was praktisch der Prostitution entspricht)
· Spaltungen: Siebner-Schia = Ismaeliten = Isma’iliya (Ismail sei entrückter Imam; gnostisch) und Zwölfer-Schia = Imamiten (Verborgener 12. Imam wird als Mahdi wiederkehren und die islamische Spaltung beenden und paradiesisches Reich der Gerechtigkeit aufrichten)


Die Aleviten, die heute hauptsächlich in der Türkei leben, sind eher eine schiitische Richtung. Sie sind beeinflusst von vorislamischen turkmenischen Bräuchen, vorchristlichen Mysterien und den Sufis. Wegen Verfolgung durch Sunniten haben sie sich angepasst durch Täuschung und Geheimhaltung. Sie besitzen daher keine schriftliche Theologie und brauchen auch keine Moschee für ihre Zeremonien. (In Wikipedia steht, dass „das Alevitentum auf dem Glauben der Zoroastrier basiere. Ursprünglich bestanden keinerlei Verbindungen mit dem Islam, dem Vierten Kalifen Ali und den Zwölf Imamen. Der Umstand, dass heute die Aleviten für die Zwölf Imame beten und bitten, hängt damit zusammen, dass diese Rituale ihnen auferlegt wurden. Seit der Machtergreifung der Jungtürken wurden hauptsächlich zwei Gruppen assimiliert: Einerseits wurden Teile der Kurden türkisiert, andererseits die Aleviten islamisiert. Dies war die Folge einer fast ein Jahrhundert andauernden Politik.“)

Die Baha’i oder Babisten gehen auf Ali Muhammad zurück, der 1850 gestorben ist. Er war in ihren Augen der auferstandene Imam, der Mahdi oder eben der Bab, der das islamische Gesetz abgeschafft hatte. Sie wurden deswegen von Sunniten und Schiiten grausam verfolgt.

Um 1900 wehrte sich die wirtschaftliche und religiöse Elite Irans gegen die englischen Rohstoff- und Handelsgesellschaften, die sich weltweit ausbreiteten. Bazaris (=Bazarbesitzer) und Mollahs bildeten eine Koalition, um gegen „Verwestlichung“ kämpfen zu können. 1921 marschierte Reza Khan, ein Kosakengeneral in Teheran ein, vier Jahre später rief er sich zum Schah „Reza Pahlevi“ aus. Seine Regierungszeit bis 1941 war von Modernisierung und Säkularisierung geprägt. 1941-79 kam sein Sohn Muhammad Reza an die Macht. Anfänglich hatte dieser Lebemann keine Ambitionen, so dass seine Minister regierten. Mit der Zeit wurde er aber zum selbstherrlichen, überheblichen Despoten. 1951 wurde Mosaddeq Premierminister, er verstaatlichte die nationale Oelcompany, die den Briten gehörte. Weitere Reformen kamen nicht durch, weil das Land zu stark durch Klan- und Mafiasystem beherrscht war.
Khomeiny war selber ein Sohn eines bekannten, ermordeten Mullahs und war zeitweilig unter dem Schah im Gefängnis, emigrierte danach in den Irak und nach Frankreich. Die Arbeit an der diesseitigen Ordnung soll den erwarteten Mahdi aus jenseitiger Ferne herbeiführen. Gebet und Politik seien der Lebenssaft seines Islam, die Tötung der Feinde diene der Säuberung der Gemeinschaft.
Am 11.12.1978, dem Ashuratag (Todestag Husayns) , verkündete er von Paris aus den Dschihad gegen den Schah. Die anbahnende Revolution liess am 16. Januar 1979 den Schah nach Aegypten, später nach Marokko und in die USA fliehen. Am 1. Februar 1979 kam Khomeiny aus seinem französischen Exil zurück und übernahm die Revolution. Er führte mit seinen Getreuen zunehmend eine islamische Kulturrevolution durch: Alles Westliche muss ausgerottet werden, auch die weltlichen Revolutionsgruppen wurden durch Pasdaran, Basidj, Ansar-e-Hizbollah (Helfer der Partei Allahs) und seinen Schlächter Sadeq Khalkali eingeschüchtert und dezimiert.
Die Revolution wurde anfänglich totalitär umgesetzt. Kapitalflucht, Staatsterror, der koranisch legitimiert ist, Korruption durch Anhänger Khomeinys, Schwarzmarkt und Drogenmissbrauch nahmen in der Folge zu. 1980-88 führte Iran gar Krieg gegen den säkular geführten Irak. Beides trieb den revolutionären Staat fast in den wirtschaftlichen Ruin. Erst nach etwa zwanzig Jahren wurde die Umsetzung pragmatischer und auch die Oeleinnahmen nahmen wieder zu, so dass die hohen Staatsschulden reduziert werden konnten.
Ein Problem des Gottesstaats ist, dass die islamische Wirtschaft keine wirkliche Theorie kennt und somit alle Formen annehmen kann. Wird beispielsweise ein Kündigungsschutz eingeführt, dann werden Arbeitgeber auf Zeitarbeit ausweichen. Zinsen sind verboten, stattdessen werden Geldgeber zum Schein mitbeteiligt und dann Dividenden ausbezahlt. Es gibt drei Eigentumsformen: private, gemeinschaftliche und staatliche, die eigentlich keinen Selbstzweck verfolgen sollten.
Handlungen werden generell in fünf Kategorien eingeteilt:
· Gebotene: fördern das Heil, bei Zuwiderhandlung straft Allah (durch die Mullahs)
· Empfohlene: fördern auch das Heil, aber bei Zuwiderhandlung gibt es keine Strafe Allahs
· Erlaubte: neutrales Tun, die weder Strafe noch Belohnung zur Folge haben
· Missbilligte: sind dem Heil hinderlich; wer sie unterlässt, den belohnt Allah
· Verbotene: Unterlassung ist Pflicht; wer sie tut, der wird von Allah bestraft

Das korrekte Tun ist also im Islam sehr wichtig, nicht so sehr Ziel, Motivation, Analyse oder konkret Arbeitsqualität. Deshalb wird auch wenig nach fachlicher Eignung gefragt und die Entwicklung einer Inlandproduktion war wenig interessant. Die islamische Ethik verhinderte sachbezogene Analyse und zivilgesetzliche Willensbildung. Die Folgen der repressiven Revolution Khomeinys waren deshalb zunehmend Vertrauensschwund, Säkularisierung und Armut eines Grossteils der Bevölkerung.
Der geringe nachhaltige Erfolg der islamischen Revolution im Landesinnern wurde durch Ausrichtung nach aussen kompensiert und gestärkt:
1982 wurde die Hizbollah, die Partei Gottes, im Libanon gegründet und die „islamische Republik Libanon“, die den schiitischen Teil umfasste. Wichtigste Ziele waren Fürsorge für die „Umma“ und Terror gegen Israel. Die Vorgängerorganisation war die Amalmiliz von Musa Sadr, der 1978 von Ghadhafi wegen Beleidigung während eines Besuchs umgebracht wurde. Seit 1982 ist Hasan Nasrallah Generalsekretär.
Der Westen soll generell durch Geduld, Gespräch und Gewalt überwunden werden. Dies entspricht dem dreifachen islamischen Kampf mit Herz, Zunge und Hand. Aber der Westen löst sich bereits selbst von seinen Wurzeln durch Dekadenz, Kindermangel, Einwanderung und rechtlichen Anpassungen. Geschichte und unliebsame Fakten sollen gelöscht werden, vieles ist erlaubt, wenn es dem islamischen Sieg dient. Dieses Vorgehen demonstriert der Präsident, Ahmad-e-Nadjad, ehemaliger Basidj-Führer, der seit 2005 im Amt ist, bestens. Er sagte beispielsweise: „Der Islam muss töten, um sich selbst am Leben zu erhalten.“

(Hans-Peter Raddatz: Iran. Persische Hochkultur und irrationale Macht. Verlag: Herbig GmbH München, Jahr 2006; ISBN-Nummer: 978-3-7766-2488-5)

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Sonntag, Januar 24, 2010

Eigenschaften der Dhimmitude (Seiten 251-273)

Der Dschihad ist ein einzigartiger Krieg, weil er ein mit einer Religion verbundener, permanenter, unbegrenzter und universeller Angriffskrieg ist. Das Dhimmi-System leitet sich aus Dschihad und Scharia ab und hat einen allgemeinen Charakter. Es ist unabhängig von Ethnie und Sozietät, geografisch grenzenlos und überdauerte Jahrhunderte. Der Tribut der besiegten Schriftbesitzer diente nur der Umma und dem islamischen Staatsschatz.
Im „goldenen Zeitalter“, unter islamischen Herrschaft, förderten Dhimmi-Beamte ihre Gemeinschaften, deren geistige Beweglichkeit und auch Intellektuelle, die besonders in Philosophie, Exegese und Jura tätig waren. Es gab eine starke jüdische Bevölkerung in Aegypten, Palästina, Syrien, Irak (unter den Abbasiden) und in der Türkei. Wurde die Unterdrückung zu stark, wanderten die Juden weiter, im 10. Jahrhundert nach Quirawan in Tunesien, das von den Fatimiden beherrscht wurde. Von dort aus gingen sie nach Aegypten und Spanien (Cordoba und Granada). Von Spanien wichen sie nach Sizilien, in den Maghreb und nach Aegypten (Fustat) aus.
Die Umaiyadenzeit war die engste Symbiose zwischen Islam und Christentum, trotz Zerstörung von jüdisch-christlicher Kultur in Seleukia, Jerusalem, Caesarea, Alexandria und Karthago. 750-814 fand der Niedergang des koptischen Christentums statt. Melkitische, jakobitische und nestorianische Klöster waren die Zentren der Bildung. Hier und durch Juden und Zoroastrier wurden Traktate über Astronomie, Medizin, Alchemie, Philosophie und Belletristik ins Arabische übersetzt. Die erste Uebersetzung aus dem Syrischen ins Arabische wurde 683 durch den jüdischen Arzt Masardschawaih in Basra ausgeführt. Die meisten Uebersetzungen geschahen dann zwischen 750-850.
830 liess der Kalif al-Ma’mun ein Haus der Weisheit bauen. In dieser Bibliothek wurden Werke aus Sanskrit, Persisch, Aramäisch und Griechisch ins Arabische übersetzt durch jüdische Konvertiten, Jakobiten und Zoroastrier. Christliche Gefangene arbeiteten als Architekten und Bauhandwerker und errichteten prachtvolle Moscheen, christliche Frauen bevölkerten die Harems der Herrscher. Diese machten ihren Herrschern Wissen, Kenntnisse und Kultur zugänglich. So baute der Islam seine Grösse auf den Fundamenten der Schutzbefohlenen auf und pflegte asymmetrische Beziehungen zu ihnen. Dies zeigte sich bei der erniedrigenden Entrichtung des Schutzgeldes und der eingeschränkten Rechte. Das Leben musste immer wieder erkauft werden. Die ursprünglichen Sprachen der Dhimmis wurden auf die Liturgie zurückgedrängt, ihre Geschichte wurde verheimlicht und ihre Zeugnisse waren vor Gericht nicht zugelassen!
Mit der Bekehrung der Mongolen zum Islam unter Ghazan 1295-1304 und der Zerstörung der christlichen Zentren durch den äusserst brutalen Herrscher Timur 1400-05 endete das „goldene Zeitalter“ auch im Osten des islamischen Reichs abrupt.
Generell lässt sich sagen, dass die Elitebevölkerung (meist Juden, Christen und zoroastrische Perser) das kulturelle Gepäck von Vorderasien über Spanien, Südfrankreich und Italien nach Europa gebracht haben. Die Antike kam also auch vom Griechischen über das Syrische und Arabische ins Lateinische und von da in alle modernen Sprachen Europas und der Welt!

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Samstag, Dezember 26, 2009

Die Islamisierung der eroberten Gebiete (Seite 107-153)

Drei Faktoren begünstigten und beförderten die Islamisierung ab 638:
· Verschmelzung und Absorption der örtlichen Kulturen durch Invasoren
· Bekehrung der einheimischen Bevölkerung (teilweise unter Druck und Zwang!)
· Kriegs- und Konfliktfolgen wie Massaker, Sklaverei, Deportation und Flucht


Zuerst kam der militärische Kampf, der Dschihad, der der beduinischen Tradition entsprach. Dann erst kam die Herrschaft über die unterworfenen Völker mittels Vertrag, der „Dhimma“. Der Kalif versuchte Religion, Wirtschaft und Politik zu kontrollieren, rivalisierende arabische Stämme schwächten seine Macht. Opfer wurde die Dhimmi-Bevölkerung. Auf dem Land und in den Provinzen war ihr Leben nicht viel wert, es herrschte die nomadische Willkür der arabischen Eroberer, die unkontrollierbar waren und möglichst viel Beute machen wollten.
Bat Yeor bezeichnet dies als „grösste Plünderungsaktion der Geschichte“! Sie führte zum Niedergang der Landwirtschaft und Versteppung ehemaliger Kulturlandschaften. Unsicherheit, Hungersnöte, Versklavung und Verschleppung führten zur Entvölkerung in Syrien, Mesopotamien, Türkei, Aepypten, Nubien, Maghreb, Spanien, Georgien und Armenien. Dörfer mit Schutzbefohlenen wurden so isoliert und schrumpften. In den Städten, die nur teilweise zerstört wurden, bestand eher die Möglichkeit, bei den islamischen Machthabern Recht einzufordern oder zu erkaufen durch Bezahlung von Schutzgeldern. Die Grenze zwischen Schutz und Versklavung war fliessend, weil Recht und Gesetze oft willkürlich und unvollständig im Alltag angewendet wurden. Wer seine Kopfsteuer nicht bezahlen konnte, dem drohte die Sklaverei. Diese Praxis dauerte bis ins 19. Jahrhundert im Sudan und der Türkei (Armenier!).

Eine besondere Unterdrückungsform wurde durch den osmanischen Sultan Orchan (1326-59) eingeführt, die „Devschirme“, die Knabenlese. Die Osmanen lasen ein Fünftel der christlichen Kinder im Alter zwischen 14 bis 20 Jahren aus. Diese wurden umerzogen, zum Islam bekehrt, abgehärtet, damit sie beziehungs- und gefühllos wurden und dann in die „Janitscharenkorps“ eingegliedert. Das waren die Elitetruppen und Leibwachen der osmanischen Herrscher bis 1656 resp. bis 1750, die auch zur Niederschlagung Aufständischer und Eroberung christlicher Gebiete eingesetzt wurden. Der heilige Krieg war Eckstein des osmanischen Reichs und Quelle seiner Eroberungen, seiner Kraft und seines Reichtums. Erst die Habsburger begrenzten dieses Reich im Westen, die safawidischen Perser im Osten. Danach richteten die Osmanen ihre Aggression mehr wieder gegen innere Feinde, die eigene Bevölkerung!

Tribut gründet auf Sure 9,29 und wurde zur Quelle des Reichtums der Umma vom 7. bis ins 20. Jahrhundert. Es war Schutzgeld und garantierte Schutz, Sicherheit und Friede der Dhimmis. Ihr wirtschaftliches Potential wurde in Form von Geld, Naturalien oder Arbeit ausgenutzt. So bildeten die Christen am Anfang des islamischen Reichs Basis, Gerüst und Elite. Sie hatten viele Ressourcen und profunde Kenntnisse in Technik und Wissenschaft. Christen waren beispielsweise Fachleute im Bewässerungsbau, Obstbau und Mauerbau. Sie arbeiteten sowohl auf politischer, religiöser und militärischer Ebene häufig mit dem jungen islamischen Staat zusammen. Auch Ueberhöhung des Tributs war möglich, was die unterdrückten Gemeinschaften ausblutete und zerrüttete. Nur Konvertiten konnten Privilegien behalten. Die Erträge wurden dann wiederum in die Kriegsführung gesteckt, so wurde muslimische Herrschaft erneut verstärkt und ausgeweitet. Muslime nahmen auch zu, weil bei ihnen Polygamie mit entsprechendem Kindersegen erlaubt war.
Beute und Tribut sind also Fundamente des Systems Dschihad. Sie rechtfertigen Angriffe, Ueberfälle und Beutezüge. Der Kalif hingegen stand für Autorität, Stabilität und Ordnung, er schlichtete Streitigkeiten, sicherte Einhaltung Gesetze und begrenzte Beutegier der arabischen, kurdischen und türkischen Nomaden.

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Montag, Dezember 14, 2009

Die Zeit der Eroberungen

Der vorislamische Orient (S. 29-40)
Die Dynastie der Sassaniden (224-651) hatte religiösen Pluralismus praktiziert. Vorherrschend waren Juden und zwei grosse christliche Gruppen, die Nestorianer und die Monophysiten/Jakobiten. Dogmatische Unterschiede und Konflikte schwächten das Christentum. Als Umgangssprache, aber auch in Liturgie und Literatur, wurde Aramäisch bzw. Syrisch verwendet, das eine hochentwickelte Kultur und Religion zuliess.

Die Zeit der Eroberungen (S. 41-70)
Der Islam umfasste arabische Bräuche und biblische Ethik. Kriegerische Nomaden brachten Verwüstung ländlicher Gebiete, Raub und Vertreibung ein, was im „Dschihad“ seine religiöse Anwendung fand. Beute war zuerst Kollektivbesitz der „Umma“, der islamischen Glaubensgemeinschaft. Die Heiden hatten die Wahl zwischen Bekehrung oder Tod, die Schriftbesitzer zwischen Bekehrung oder Tribut. „Dhimmi“ ist ein Tributpflichtiger, „Dhimma“ der Vertrag dazu. Ziel war die Unterwerfung der Völker der Erde, so dass alles zum „Dar al-Islam“ (Haus des Islam) gehört. Wo dieses Haus noch nicht ist, ist „Dar al-Harb“ (Haus des Kriegs). Deshalb ist dort Krieg immer erlaubt, aber auch Bekehrung, Propaganda und Bestechung. Bat Ye’or beschreibt diesen Sachverhalt auf Seite 52-58 so: „Allein die Masslosigkeit, die Regelmässigkeit und der systematische Charakter der von den islamischen Theologen zur Norm erhobenen Verwüstungen unterscheiden den Dschihad von anderen Eroberungskriegen oder Beutezügen... Nomadismus, Dschihad und Islamisierung bilden Schwerpunkte der eroberten Gebiete... Das arabische Vordringen mit all seinen Zerstörungen wurde als grosses Unglück empfunden... Dschihad setzten die Menschen damals mit den ihrer Meinung nach typischen Beutezügen der Beduinen gleich... Im allgemeinen bewahrten die einheimischen Zoroastrier, Christen und Juden ihre religiösen und verwaltungsmässige Unabhängigkeit durch Entrichtung eines Tributs... Der (christliche) Patriarch war für den kollektiven Tribut verantwortlich, ernannte die Bischöfe und verwaltete die Finanzen der Gemeinde.
Das ergab eine enge Zusammenarbeit und Symbiose zwischen arabischem Militär und christlicher Verwaltung. Die (fortschreitende) Arabisierung hatte nachteilige Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung, denn Missbrauch und Raub begleiteten die Beschlagnahme von Ländereien, Dörfern und Häuser durch die Eroberer. Konsequenzen waren:
·Fläche der eroberten Gebiet ging in den Besitz eines einzigen mekkanischen Stammes über, der mit Hilfe arabischen Beduinenstämme militärische Kontrolle ausübte
·Einwanderung von Araber in Länder, in denen sie bisher nur winzige Minoritäten an der Peripherie der Wüste gewesen waren. Dies führte zu andauernder Anarchie, Konflikten und Blut(zoll)
·Während dieser Arabisierung des Nahen Ostens verbot Kalif Abd al-Malik b. Marwan (685-705) die einheimischen Sprachen in der Verwaltung und ersetzte sie durch das Arabische
·Die Einwanderung der Beduinen mit ihren räuberischen und kriegerischen Sitten in Kulturland schuf Unsicherheit und führte zu Ausplünderung und Versteppung dieser Gebiete

Diese schnellen grossen Eroberungen brachten Widersprüche zwischen den langfristigen Interessen der Kalifen, die islamischen Staat leiteten, und der Raubgier und Begehrlichkeit der Beduinen. Letztere waren vor allem an Beute, die Leute und Besitz umfasste, interessiert. Teil des Dschihad waren „Dschizya“ Kopfsteuer für Nichtmuslime und „Charadsch“ Grundsteuer für die Nichtmuslime, denn das Land war jetzt nur geliehen.
Muslimische Rechtsgelehrte des Mittelalters idealisierten diese Zeit der Eroberungen, die Realität sah anders aus: anarchische Verhältnisse, Kolonisierung, Umsiedelungen, Arabisierung Syriens und (im 11. Jahrhundert) Islamisierung Anatoliens durch die Türken.

Angst und Unsicherheit führte zur Flucht und zum Niedergang der Schriftbesitzer, sie wurden Schutzbefohlene, die häufig in die Stadtviertel zurückgedrängt wurden, so in Aegypten. Besonders griechische Christen, die zum Islam übergetreten waren im 14. Jahrhundert, leisteten dann den wichtigsten Beitrag zu Organisation, Ausdehnung und Konsolidierung des osmanischen Staats. Dem Islam unterworfene Bevölkerungsgruppen beherrschten kulturelle Techniken wie Ackerbau, Handel, Handwerk, Architektur und Verwaltung. Diese Aufgaben wurden ihnen überlassen, sie waren produktiv, aber deren Erträge wurden kontrolliert und eingezogen. Ausbeutung, Hetze und Erpressung waren möglich und üblich. Der islamische Staat stützte sich auf die arabische Armee, auf Arbeitssklaven und auf die entstehende richterliche Gewalt. Das eroberte Land ging als Beute in Staatsbesitz über, gehörte also zum „Dar al-Islam“ mit islamischem Recht.

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Donnerstag, Mai 31, 2007

Heinz Gstrein: Einführung in den Islam

Gestern hatte ich das Privileg durch Dr. Heinz Gstrein eine zweistündige, konzentrierte Einführung in den Islam zu erhalten. Gerne gebe ich meine Zusammenfassung dieses Vortrags weiter:
Mohammed und sein Umfeld.
Mohammed wurde 570 in Mekka geboren. In Arabien war damals das Heidentum vorherrschend mit seinem Polytheismus (Vielgötterei). Die oberste Göttin war die Mondgöttin Uzza mit dem Symbol des Halbmonds, das vom Islam dann übernommen wurde. Es herrschte sittlich-moralischer Tiefstand, jeder tat, was ihn gut dünkte.
Neben dem Heidentum gab es ein beachtliches Judentum auf der arabischen Habinsel. Es gab jüdische Stämme im Norden und jüdische Theokartien im Süden, so König Dhu Nuwas im Jemen, der Christen verfolgte.
Es gab auch arabische Christen: einerseits die monophysitischen Ghassaniden, die nur die göttliche Natur an Jesus akzeptierten und die Nestorianer, die an eine eigenwillige Dreifaltigkeit glaubten: Vater, Mutter und Sohn Gottes. Beide waren verhängnisvoll für Mohammeds Gottes- und Christusbild. Mohammed lernte auch christliche Mönche kennen, die seine Frömmigkeit beeinflussten. So geht das Ramadanfasten auf die Mönche zurück, indem man zeitweise auf die guten Gaben Gottes verzichtet, sie aber nicht ganz zurückweist, ebenso die fünf Gebetszeiten.

Mohammed war Analphabet, Gottsucher, Grübler und Epileptiker. Epilepsie galt als heilige Krankheit. Er wurde dabei vom Erzengel Gabriel aufgesucht, was auch wiederum eine Remiszenz an die Bibel ist.
Der Koran sei ihm in Arabisch diktiert worden. (Das ist die islamische Sicht. Historisch gesehen war die erste Koranversion in Hebräisch aufgeschrieben worden.) Er ist vollkommen und anders als die Bibel, die „nur“ von Gott inspiriert ist und von Menschen verfasst ist. Der Islam ist eine absolute Buchreligion und der Koran umfasst Versen und Strophen, die zur Busse aufrufen und vor der Endzeit warnen. Abraham wird als „Hanif“, als edler Heide dargestellt. Der erste Teil, der in Mekka entstanden ist, ist gewaltlos.
Mohammed musste nach Medina emigrieren. Damit begann auch die islamische Zeitrechnung und die „Hidschra“, eine neue Aera und ein neues Konzept: Der Islam als Reich von dieser Welt: Ein Gott, ein Volk und ein Reich. Brüderlichkeit gilt nur unter diesen Bedingungen. Mohammed wollte das Judentum und Christentum unter sich vereinen und erneuern, indem er das jüdische Gesetz reformieren wollte. Er anerkannte Teile der Bibel, so die fünf Bücher Mose, die Psalmen und ein Evangelium, hielt sie aber für verfälscht. Die Kirche sollte das allgemeine Priestertum einführen, der Gottesdienst müsse vor allem Gebet und Predigt umfassen. Fasten wäre wichtig und Bilder würden verboten. Jesus ist im Islam Profet, Heiler, Messias und Weltenrichter, aber nicht Gottessohn und Erlöser, der für die Menschen am Kreuz gestorben ist. Der Islam kennt daher kein „Heil“ und keine Heilsgewissheit. (Ausnahme: Märtyrer für die Ausbreitung des Islams, heute die Selbstmordattentäter, dürfen sich des Paradieses sicher sein.) Doch nicht alle Juden und Christen liessen sich überzeugen und einbinden und wiesen Mohammed zurück. So wurde er ihr Feind und begann sie zu unterdrücken und zu verfolgen. Als Besitzer von heiligen Schriften behielten sie aber gewisse Rechte wie die Kultfreiheit. Dabei von „Toleranz“ zu sprechen ist jedoch übertrieben, denn Muslime dürfen Christinnen heiraten, aber nicht umgekehrt. Und die Kinder dieser Ehen sind immer Muslime. Zudem mussten die Nichtmuslime die ganze Steuerlast tragen und konnten in islamischen Staaten keine Karriere machen.
Mohammed war in Medina vor allem Heerführer und Machthaber. Er liess Männer umbringen, machte Sklaven und nahm sich mehrere Frauen. Es gelang ihm auch, Mekka zurückzuerobern. Der Islam wurde politisch, eine „politische Ideologie gewaltsamer Weltherrschaft“, ein Reich von dieser Welt! Deshalb wurde mit Feuer und Schwert das islamische Reich ausgebreitet, was nicht gleichbedeutend mit dem islamischen Glauben ist!
(Die christlichen Kreuzzüge können damit nicht direkt verglichen werden, weil es dabei „nur“ um Sicherung der Pilgerwege nach Jerusalem ging, die von türkischen Horden gefährdet wurden und nicht um territoriale Ausbreitung des Christentums.)

Mohammeds Nachfolger
Mohammeds Nachfolger sind die Kalifen, die zuerst gewählt wurden. Nach einiger Zeit gab es deswegen eine Spaltung: die „Schia“, die Abspaltung, bestand darauf, dass der Kalif eine Nachkomme Mohammeds sein muss. Die „Sunna“, was richtige Ueberlieferung bedeutet, wollte den Besten zum Kalifen machen. (Eine dritte Richtung sind die „Chawaridsch“, die Abtrünnigen.)
Im Mittelalter war über eine lange Zeit das osmanisch-islamische Reich vorherrschend. Da waren Juden und Christen eindeutig Bürger zweiter Klasse. Seit 1923 sind wir in der „kalifenlosen“ Zeit. Nun wurde von verschiedenen Seiten versucht, den Islam zu modernisieren. Doch dieser Versuch muss als gescheitert betrachtet werden, vor allem wegen dem Korandiktat. Der Koran darf nicht relativiert und in Frage gestellt werden.
Heute ist eine „Sondergruppe“ führend im Islam, nämlich die sogenannten Wahhabiten oder Salafiten, die im 18. Jahrhundert in Arabien entstanden waren. Sie wollen zurück zum ursprünglichen Islam. Da der „Hadsch“, die einmalige Pilgerfahrt nach Mekka führt, kommen viele Muslime mit dem Wahhabismus in Kontakt. Die Petrodollars der wahhabitischen Saudis fördern die Unterwanderung in Europa und den Moscheebau in der ganzen Welt. Weitere Mittel zur Expansion sind der „Dschihad“, der heilige Krieg, und die Scharia, das islamische Recht. (Der Heilige Krieg wurde früher von Marokko bis Indien durchgeführt, heute ist vor allem der südliche Sudan betroffen. Ostasien wurde vor allem durch Händler islamisiert.)

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Dienstag, Mai 29, 2007

Der Koran: Entstehungsgeschichte, Prägeform, Systemwandel & Akzente

Der Koran, ab Seite 55:
Ab Seite 55 beschreibt Raddatz die Entstehung des Koran. Er ist unter wesentlicher Mitwirkung Muhammads entstanden, da er vorher religiöses Wissen aus seinem Umfeld aufgenommen hatte. Er verschmolz es mit seiner reifenden Spiritualität (das ist der „mekkanische“ Teil, der in Reimprosa geschrieben ist) und seinem politischen Instinkt (das ist die „medinensische“ Periode, die in Erzählform gehalten ist). Muhammad machte den Weg vom Wahrsager zum Warner: Er forderte gerechtes Verhalten als Dank für die Barmherzigkeit des Allmächtigen. Allah bestimmt den Lauf der Geschichte, auf ihn haben die Menschen sich auszurichten. Nach Raddatz sind es Reflexionen und ein sensibler Spiegel Muhammads Lebens.
Der Forscher C. Luxenberg hat festgestellt, dass einige Passagen syrisch-christlicher Herkunft sind. Etwa ein Viertel des Korans betrachtet er als liturgische Lesevorlage für den christlichen Gottesdienst.

Die islamische Sicht ist natürlich eine andere: Der Koran ist die ewige, fehlerlose und irrtumsfreie Offenbarung Allahs, die „Tafel im Himmel“, herabgesandt in arabischer Sprache. Sie umfasst 114 Suren, die nach Länge geordnet sind. Diese Offenbarung wurde zum Glaubensnenner, zur Stabilisierung der „umma“, der islamischen Glaubensgemeinschaft, zum universalen Standard und ist auch eine Ideologie („Medina-Modell“). Daher ist keine analytische Annäherung an den Koran möglich und es gibt kein dauerhaftes Eigenleben für Wissenschaft, Literatur, Philosophie und arabische Sprache. Es gibt keine autonome Handlungsfreiheit für den Menschen. Alle Mittel sind gerechtfertigt zur Durchsetzung des Gesetzes Allahs (kommt in Suren 7, 36 und 79 vor).

Die erste Weitergabe erfolgte mittels auswendig lernen der Anhänger Muhammads. Abu Bakr, ein Schwiegervater Muhammads, erster Kalif, gestorben 634, beauftragte Zayd Ibn Thabit, Muhammads Sekretär, seine Verkündigungen zu sammeln und aufzuzeichnen. Dieser erste schriftliche Koran war in aramäischer Sprache verfasst, denn die arabische Schriftsprache gab es erst seit etwa 800 nach Christus.
Unter Utman, dem dritten Kalifen, der ein gutes religöses Gespür und politischen Weitblick besass und 656 starb, wurde ein neuer, zusammengefasster Koran in arabischem Dialekt der Quraysh erstellt. Die nur fünf Exemplare dieses Korans gingen nach Kufa, Basra, Damaskus, Mekka und Medina und ergaben die kanonische Lesarten.

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Donnerstag, Mai 24, 2007

Was ist "Waqf"?

Ab Seite 149 beschreibt Ulfkotte in Teil 4 das Innenleben des Spinnennetzes. Hier geht es mehr um die gegenwärtige Organisation der Muslimbruderschaft. Seit 2004 ist Mohammed Mahdi Akef Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft in Kairo. Er folgte auf Maamon al-Hodeibi. 1927 wurde Akef in Aegypten geboren. 1954-74 war er im Gefängnis wgen Beteiligung an einem Komplott gegen Nasser. 1984-88 war er Leiter des islamischen Zentrums in München (IZM) und kennt also Deutschland.

Ab Seite 213 geht es in Teil 5 um den Kampf ums Geld. Aber noch wichtiger für Moslems ist Bodenbesitz: "Waqf“ ist ein wichtiger islamischer Begriff. Er bedeutet das unveräusserliche und ewige Landeigentum des Islams. Dort ist die Scharia das einzig gültige Recht. So hat Kalif Omar um 600 Israel erobert und es zum „Waqf“ erklärt. Daher gehört es allein Allah. Und dies kann nie mehr rückgängig gemacht werden. Alles, was einmal von Moslems erobert wurde, ist demnach „heiliger Besitz“. Das gilt auch für die Eroberungen in Europa bis vor Wien und Poitiers (Frankreich). Heute sind auch die Moscheen in Europa „Awqf“, das ist die Mehrzahl von Waqf und heisst genauer „Güter der toten Hand“.

Am Schluss ab Seite 291 gibt Ulfkotte viel Literatur an. Er scheint sich gut auszukennen, was die deutsche Literatur über den Islam anbelangt. Unter den vielen Autoren stechen meiner Meinung folgende heraus:
· Bernard Lewis, einer der besten Islamkenner der Gegenwart
· Hans-Peter Raddatz, ein deutscher Orientalist, der fünfzehn Jahre in der islamischen Welt gelebt und umfassende, tiefgründige und kritische Werke geschrieben hat, vor allem zur Geistesgeschichte Europas (und Zusammenhänge zwischen griechischer Philosophie, christlichem Glauben und liberaler Neuzeit aufgezeigt hat) und des Orients (dort zeigte er die im Islam innewohnenden unterdrückenden Kräfte auf, die alle freiheitsliebenden Menschen zurückgebunden oder umgebracht und dadurch viele Entwicklungen abgewürgt hat)
. Bassam Tibi, ein Intellektueller und gemässigter Moslem aus Syrien

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Samstag, Mai 19, 2007

Historische Wurzeln des islamischen Fundamentalismus

Ab Seite 101, im Teil 2, unter dem Titel: „Ihr seid das beste Volk...“ kommt Ulfkotte zur eigentlichen Ursache, zu den historischen Wurzeln. Nun wird die Darlegung interessanter und tiefgründiger, denn es geht um Wurzeln und Geschichte der islamischen Fundamentalisten.
Er verweist ab Seite 112 auf den Wahhabismus, der die Rückkehr zum wahren Islam der Vorgänger (=salaf) forderte. Diese Forderung geht auf Muhammad ibn Abd al Wahhab (1703-1792) zurück. Er schloss 1745 ein Bündnis mit Muhammad ibn Saud , dem arabischen Stammesführer. 1773 wurde Riad erobert und ein islamischer Staat errichtet. 1932 wurde daraus das Königreich Saudi-Arabien gegründet mit der Dynastie der Familie Al-Saud an der Spitze. Seither wurden durch sie immer wieder islamistische Organisationen unterstützt.

Wichtig scheint im Islam auch der „Kalif“ zu sein, der Nachfolger Mohammeds, der allein mit der politischen und religiösen Führung der „Ummah“, der ,Gläubigen, betraut ist. Ueber ihm steht nur die "Scharia", das religiöse Gesetz. Das Kalifat ist die Einheit von Staat und Religion. Es ist das Regierungssystem im muslimischen Reich. Dieses Gottesreich existierte 632-661 nChr. Darin herrschte eine gemeinschaftliche Glaubenspflicht, die nicht vereinbar ist mit einer freiheitlich-demokratischer Rechtsordnung. 1924 wurde das (letzte) Kalifat in der Türkei abgeschafft (beschrieben ab Seite 113).

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