Dienstag, Mai 29, 2007

Der Koran: Entstehungsgeschichte, Prägeform, Systemwandel & Akzente

Der Koran, ab Seite 55:
Ab Seite 55 beschreibt Raddatz die Entstehung des Koran. Er ist unter wesentlicher Mitwirkung Muhammads entstanden, da er vorher religiöses Wissen aus seinem Umfeld aufgenommen hatte. Er verschmolz es mit seiner reifenden Spiritualität (das ist der „mekkanische“ Teil, der in Reimprosa geschrieben ist) und seinem politischen Instinkt (das ist die „medinensische“ Periode, die in Erzählform gehalten ist). Muhammad machte den Weg vom Wahrsager zum Warner: Er forderte gerechtes Verhalten als Dank für die Barmherzigkeit des Allmächtigen. Allah bestimmt den Lauf der Geschichte, auf ihn haben die Menschen sich auszurichten. Nach Raddatz sind es Reflexionen und ein sensibler Spiegel Muhammads Lebens.
Der Forscher C. Luxenberg hat festgestellt, dass einige Passagen syrisch-christlicher Herkunft sind. Etwa ein Viertel des Korans betrachtet er als liturgische Lesevorlage für den christlichen Gottesdienst.

Die islamische Sicht ist natürlich eine andere: Der Koran ist die ewige, fehlerlose und irrtumsfreie Offenbarung Allahs, die „Tafel im Himmel“, herabgesandt in arabischer Sprache. Sie umfasst 114 Suren, die nach Länge geordnet sind. Diese Offenbarung wurde zum Glaubensnenner, zur Stabilisierung der „umma“, der islamischen Glaubensgemeinschaft, zum universalen Standard und ist auch eine Ideologie („Medina-Modell“). Daher ist keine analytische Annäherung an den Koran möglich und es gibt kein dauerhaftes Eigenleben für Wissenschaft, Literatur, Philosophie und arabische Sprache. Es gibt keine autonome Handlungsfreiheit für den Menschen. Alle Mittel sind gerechtfertigt zur Durchsetzung des Gesetzes Allahs (kommt in Suren 7, 36 und 79 vor).

Die erste Weitergabe erfolgte mittels auswendig lernen der Anhänger Muhammads. Abu Bakr, ein Schwiegervater Muhammads, erster Kalif, gestorben 634, beauftragte Zayd Ibn Thabit, Muhammads Sekretär, seine Verkündigungen zu sammeln und aufzuzeichnen. Dieser erste schriftliche Koran war in aramäischer Sprache verfasst, denn die arabische Schriftsprache gab es erst seit etwa 800 nach Christus.
Unter Utman, dem dritten Kalifen, der ein gutes religöses Gespür und politischen Weitblick besass und 656 starb, wurde ein neuer, zusammengefasster Koran in arabischem Dialekt der Quraysh erstellt. Die nur fünf Exemplare dieses Korans gingen nach Kufa, Basra, Damaskus, Mekka und Medina und ergaben die kanonische Lesarten.

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