Sonntag, Januar 24, 2010

Eigenschaften der Dhimmitude (Seiten 251-273)

Der Dschihad ist ein einzigartiger Krieg, weil er ein mit einer Religion verbundener, permanenter, unbegrenzter und universeller Angriffskrieg ist. Das Dhimmi-System leitet sich aus Dschihad und Scharia ab und hat einen allgemeinen Charakter. Es ist unabhängig von Ethnie und Sozietät, geografisch grenzenlos und überdauerte Jahrhunderte. Der Tribut der besiegten Schriftbesitzer diente nur der Umma und dem islamischen Staatsschatz.
Im „goldenen Zeitalter“, unter islamischen Herrschaft, förderten Dhimmi-Beamte ihre Gemeinschaften, deren geistige Beweglichkeit und auch Intellektuelle, die besonders in Philosophie, Exegese und Jura tätig waren. Es gab eine starke jüdische Bevölkerung in Aegypten, Palästina, Syrien, Irak (unter den Abbasiden) und in der Türkei. Wurde die Unterdrückung zu stark, wanderten die Juden weiter, im 10. Jahrhundert nach Quirawan in Tunesien, das von den Fatimiden beherrscht wurde. Von dort aus gingen sie nach Aegypten und Spanien (Cordoba und Granada). Von Spanien wichen sie nach Sizilien, in den Maghreb und nach Aegypten (Fustat) aus.
Die Umaiyadenzeit war die engste Symbiose zwischen Islam und Christentum, trotz Zerstörung von jüdisch-christlicher Kultur in Seleukia, Jerusalem, Caesarea, Alexandria und Karthago. 750-814 fand der Niedergang des koptischen Christentums statt. Melkitische, jakobitische und nestorianische Klöster waren die Zentren der Bildung. Hier und durch Juden und Zoroastrier wurden Traktate über Astronomie, Medizin, Alchemie, Philosophie und Belletristik ins Arabische übersetzt. Die erste Uebersetzung aus dem Syrischen ins Arabische wurde 683 durch den jüdischen Arzt Masardschawaih in Basra ausgeführt. Die meisten Uebersetzungen geschahen dann zwischen 750-850.
830 liess der Kalif al-Ma’mun ein Haus der Weisheit bauen. In dieser Bibliothek wurden Werke aus Sanskrit, Persisch, Aramäisch und Griechisch ins Arabische übersetzt durch jüdische Konvertiten, Jakobiten und Zoroastrier. Christliche Gefangene arbeiteten als Architekten und Bauhandwerker und errichteten prachtvolle Moscheen, christliche Frauen bevölkerten die Harems der Herrscher. Diese machten ihren Herrschern Wissen, Kenntnisse und Kultur zugänglich. So baute der Islam seine Grösse auf den Fundamenten der Schutzbefohlenen auf und pflegte asymmetrische Beziehungen zu ihnen. Dies zeigte sich bei der erniedrigenden Entrichtung des Schutzgeldes und der eingeschränkten Rechte. Das Leben musste immer wieder erkauft werden. Die ursprünglichen Sprachen der Dhimmis wurden auf die Liturgie zurückgedrängt, ihre Geschichte wurde verheimlicht und ihre Zeugnisse waren vor Gericht nicht zugelassen!
Mit der Bekehrung der Mongolen zum Islam unter Ghazan 1295-1304 und der Zerstörung der christlichen Zentren durch den äusserst brutalen Herrscher Timur 1400-05 endete das „goldene Zeitalter“ auch im Osten des islamischen Reichs abrupt.
Generell lässt sich sagen, dass die Elitebevölkerung (meist Juden, Christen und zoroastrische Perser) das kulturelle Gepäck von Vorderasien über Spanien, Südfrankreich und Italien nach Europa gebracht haben. Die Antike kam also auch vom Griechischen über das Syrische und Arabische ins Lateinische und von da in alle modernen Sprachen Europas und der Welt!

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