Donnerstag, Januar 21, 2010

Von der Emanzipation zum Nationalismus 1820-76 (Seiten 183-201)

Die amerikanische und französische Revolution wirkten nach, die industrielle Revolution mit Dampfmaschine, Eisenbahn, Telegraph und Zeitungen eroberte die Welt. Das europäische Bürgertum entdeckte Griechen und Israeliten neu und empfand Mitleid für die Unterdrückten. Besonders Frankreich und Grossbritannien unterstützten Dhimmis oder Rayas in den osmanischen Provinzen aus politischen, wirtschaftlichen und humanistischen Gründen. Hingegen blockierten Oesterreich und Russland, um ein europäisches Gleichgewicht zu bilden. 1839 und 56 proklamierte Sultan Abdülmedschid mit den Schreiben „Chatt-i Scharif“ und „Chatt-i Hümayun“ die Gleichheit aller Untertanen ohne Unterschied der Religion und Rasse.
Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Griechen, Serben, Rumänen, Bulgaren und Armenier waren zuerst ein Kampf um die eigene Sprache, Kultur, Geschichte und dann auch um die eigene christliche Religion.
Gleichzeitig gab es aber auch europäische diplomatische Aktivitäten und Reformen zur Stützung des osmanischen Reichs. Es gab islamischen Widerstand gegen die Gleichberechtigung, die vom Dschihad und Panislamismus geprägt war. Das Primat des Islam wurde nicht freiwillig aufgegeben, und artete in Angriffe auf Dhimmis aus. Muslimische Flüchtlinge und Auswanderer des Balkans wurden bewusst in Armenien und Palästina angesiedelt. Die Dhimmis bewegten sich weiter zwischen Hoffnung und Trauer, zwischen Emanzipation und Verfolgung.
1856 wurde im Vertrag von Paris die Christen in der Türkei durch westeuropäische Staaten geschützt, 1860 die Maroniten Syriens. Die russische Einnahme von Kars 1878 schützte die Armenier, auch die Aufstände der Slawen wurden unterstützt, und Oesterreich protegiert Bosnien-Herzegowina.
Nebst Freiheitsbewegungen und Emanzipation beschleunigte die europäische Kolonisierung die Auflösung des osmanischen Reichs. In dieser Umbruchszeit gab es grosse Defizite auf dem Land und in den Gerichten zur Umsetzung der ethnisch-religiösen Gleichberechtigung. Und es gab enorme Rückschläge: 1860 wurden 20'000 Christen in Syrien und Libanon ermordet, 1896 gab es Progrome an Armeniern mit 150'000 Toten, 1909, 15 und 17 fand der eigentliche Genozid an den Armeniern statt mit über einer Million Toten. Gleichzeitig wurden 96'000 jakobitische Christen in Mardin (Irak) umgebracht, die auch schutzlos waren!

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