Mittwoch, November 25, 2009

Der Mythos des "goldenen" Spaniens

In den letzten Wochen ist mir wieder mehrmals das Ideal des maurischen Spaniens begegnet. Es wird als Beispiel des toleranten und friedlichen Zusammenlebens von Judentum, Christentum und Islam beschrieben. Etliche Historiker bezeichnen aber dieses "goldene Zeitalter" in Spanien als Mythos! Vermutlich höchstens etwa 50 von 800 Jahren islamischer Herrschaft waren wirklich friedlich und tolerant. Spanien war damals eher ein unruhiges Land. Ob es je die gelobte Toleranz gegeben hat, ist zweifelhaft, jedenfalls war sie nicht eine gleichberechtigte. Aus einer islamischen Machtposition heraus wurden im Jahr 1066 viele Juden in Granada massakriert und Christen wurden 1126 nach Marokko deportiert.
Leistungen der islamischen Wissenschaft gab es, sie sind vor allem in Trigonometrie und Optik (al-Haitham 1039 und al-Farisi 1320) zu finden. Sie wurden aber vorwiegend durch Perser, Christen und Juden vollbracht, Araber waren fast keine darunter! Medizin, Algebra, Arithmetik, Geometrie, Mechanik und Astronomie wurden als fremde Wissenschaften angeschaut und waren deshalb gefährlich. Religion, Sprache, Exegese, Recht, Theologie (Scholastik), Grammatik, Rhetorik und Literatur galten als eigentliche islamische Wissenschaften. Sie waren erwünscht, sofern sie im Einklang mit dem Koran waren.
Imposante bauliche Zeugnisse sagen wenig über die Qualität des damaligen Zusammenlebens aus, vielmehr über den gestalterischen Willen, die technischen Fähigkeiten und die wirtschaftliche Macht der Erbauer. Gerade islamische Machthaber benutzten häufig Fähigkeiten und Reichtum unterdrückter Juden und Christen.

Das friedliche Zusammenleben im maurischen Spanien war eher ein idealistisches Konzept des 19. Jahrhunderts, um damit westliche Fehler dieser Zeit wie den Kolonialismus anzuprangern. Diese Sachverhalte können bei Richard Fletcher, Hans Peter Raddatz, Ibn Warraq und Bat Yeor nachgelesen werden, die fundierte Werke über den Islam und dessen Wirkungsgeschichte geschrieben haben.

Labels: , , , , , , , , ,

0 Comments:

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home