Samstag, April 01, 2017

Wer hat uns das angetan? Erinnerungen an die Wirklichkeit

Laut Pressburg hätten islamische Staaten, besonders die arabischen davon, heute niedrige Werte bei sozio-ökonomischen Daten. Das treffe konkret auf Bildung, Buchproduktion und Patente zu. Der arabische Humanismus brachte Wissenschaften und Übersetzungen aus dem Griechischen, nicht jedoch der Islam. Der Islam entstand vorwiegend aus Christentum und beduinischer Wüstenkultur, die bildungs- und technikfeindlich war. Vorherrschend sind in islamischen Gesellschaften der Koran, die Sunna, die Umma und die Scharia; das sind alles religiöse Begriffe, die nicht hinterfragt werden dürfen. Diese Wissensfeindlichkeit und die Beharrung auf mittelalterlichen Konzepten hemmen die Entwicklung in islamischen Staaten stark. Der Araber Abdel Wahab (1703-1791), der Inder Ala Maududi (1903-1979) und der Ägypter Sayyid Qutb (1966) waren salafistische Muslime, die die buchstabengetreue Koranbefolgung wieder salonfähig gemacht und vorangetrieben haben. In diesen Kreisen ist Reformfähigkeit und Modernisierung des Islam nicht vorgesehen; am ehesten wären Reformen und Veränderungen von Muslimen in der westlichen Diaspora zu erwarten.

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Freitag, März 31, 2017

Die 1000 und zweite Nacht: Die Märchen von al-Andalus

Pressburg gibt zu bedenken, dass es keine zeitnahen Quellen zur islamischen Legende von al-Andalus gebe, der erste Text stamme aus dem 14. Jahrhundert (Seite 179). Der ägyptische Geschichtsschreiber Ibn bd Al-Hakam (803-870) schrieb von christlichen Arabern und Berbern, den Ibaditen, die nach Spanien kamen. Der Kalif Abd er-Rahman, der Dritte, etablierte 929 nach Christus al-Andalus. Hakam der Zweite (915-976) war gebildet und besass eine Bibliothek mit 400'000 Büchern. Der kriegerische Wesir Abi Amir (938-1003) dagegen zerstörte diese Bibliothek. 1031 endete die Omayaden-Herrschaft. Die muslimischen Almoraviden aus der Sahara unterwarfen al-Andalus 1090-1094 mittels Dschihad. 1095 fand der erste Kreuzzug statt, erst später erfolgte die Reconquista, die christliche Rückeroberung. 1147 herrschten Almohaden in Nordafrika und 1161 dann auch in Spanien. 1212 erfolgte die erste islamische Niederlage bei der Schlacht in Las Navas de Tolosa. 1236 wurde Cordoba durch den spanischen Herrscher Ferdinand eingenommen; 1246 ging Granada an Ibn Nasr. 1492 wurde auch Granada von den spanischen Königen Ferdinand und Isabel beherrscht. Nach Oleg Grabar waren Rom und Persien Vorbilder für die maurische Architektur, nicht Arabien. Zentrum der Wissenschaften und der Toleranz war al-Andalus nie, es brachte nur wenige Gelehrte hervor, nämlich Ibn Massarra, Ibn Ruschd, Ibn Maymun, letzterer mehr bekannt unter Maimonides. 1066 fand sogar ein islamisches Progrom an Juden in Granada statt; 1391 waren zwei Drittel der Judengemeinden ausgelöscht, und 1492 wurden dann alle (von den Katholiken) vertrieben.

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Sonntag, März 26, 2017

Die „Goldenen Zeiten“ des Islam: Verklärte Blicke in eine nicht existente Vergangenheit

Als „Goldene Zeiten“ des Islam gelten der Prophet und seine Nachfolger, die „rechtgeleiteten“ Kalifen und die Eroberungen bis China und Spanien. Auch beduinische Raubzüge wurden als islamische Glaubenseroberungen annektiert und so dargestellt. Noch heute weigert sich die „Salafiyya“ die real gewesenen Entwicklungen zu akzeptieren und konserviert und glorifiziert die „Goldenen Zeiten“. Auch nichtislamische Gelehrte und Forscher werden als Muslime dargestellt, obwohl sie es nicht waren oder es zumindest umstritten ist, weil sie unfrei unter islamischer Herrschaft waren: • Jakub ibn Ishak al-Kindi (800 in Kufa-873 in Bagdad), arabischer Philosoph & Mathematiker • Hunain ibn Ishak (808 in al-Hira-873 in Bagdad), christlich-arabischer Arzt und Übersetzer • Thabit ibn Kurra (834 in Harran-901 in Bagdad), heidnischer Sabier, Arzt und Astronom • Muhammad ibn Zakarija ar-Razi (865 in Teheran-925 in Teheran), persischer Arzt & Optiker • Al-Farabi (870 in Otri-950 bei Damaskus), kasachischer Gelehrter und Philosoph • Ibn al Haitham (965 in Basra-1040 in Kairo), arabischer Mathematiker, Optiker & Astronom • Abu Ali ibn-Sina “Avicenna“ (979 in Buchara-1037 in Hamadan), persischer Arzt • Al-Biruni (976 in Kath-1048 in Ghazna), usbekischer Astronom, Physiker, Geograph und Philosoph. . . . . . . Wirklich muslimische Gelehrte waren: • Ibn Ruschd „Averroës“ (1126 in Cordoba-1198 in Marrakesch) , andalusischer Arzt, Philosoph und Physiker; kein orthodoxer Muslim • Al-Ghazali (1058 in Tuz-1111), persischer Theologe, Philosoph und Mystiker; mit ihm begann die „versiegelte Zeit“ nach Dan Diner • Omar Ghayyam (1048-1123 in Nischapur), persischer Philosoph, Mathematiker und Dichter. . . . . . . Pressburg sieht es auf Seite 178 so: „Goldene Zeiten“ gab es in der arabischen Wissenschaft, die aber mit dem Aufkommen des Islam abrupt eine Ende fand.

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Sonntag, Juni 15, 2008

Arabischer Imperialismus, islamischer Kolonialismus (Seiten 277-297)

Araber fühlten sich Nichtaraber überlegen, Schwarze wurden gar verachtet und wurden zu Sklaven gemacht bis heute. Araber waren aber auch unter sich verhasst: Qaysiten (Nordaraber) gegen Jemeniten. Araber kennen kaum Selbstkritik. Die „Shu’ubiyya“ lehnten sich im 9. Jh. gegen arabische Arroganz auf, die „Khurrami“ machten gar einen antiislamischen Aufstand.
Hellenistische und christliche Lebensart wurden um 1060-70 durch türkische Invasoren in Vorderasien vernichtet.
Sheikh Rifa al-Tahtawi, ein ägyptischer Dichter, Gelehrter und Historiker, schrieb eine ägyptische Geschichte, die vor dem Islam beginnt und die Pharaonen rühmt.
Europäischer Imperialismus wird im Westen sehr negativ beurteilt, Indien aber verdankt Grossbritannien parlamentarische Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Araber konnten Berber in Nordafrika nur allmählich erobern und zum Islam bekehren, denn sie hatten schon seit 200 vor Christus eine eigene Sprache und Kultur. Viele heutige Berber lehnen deshalb den arabischen Imperialismus entschieden ab. Kateb Yacine (1929-89), ein algerischer Schriftsteller, verteidigte Berbersprache „Tamazight“ gegen arabisch-islamische Erdrückung, Gewalt, Hass und Verachtung.

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Montag, Mai 26, 2008

Die Ursprünge des Islam (Seiten 64-104)

Die wichtigsten Stadien in der Geschichte des Islam waren von der Assimilation von Fremdeinflüssen geprägt: „Islam ist ein Gebräu; es ist nicht Neues daran, ausser dem genialen Talent Muhammads, der alte Zutaten zu einem neuen Allheilmittel für menschliche Unbill zusammenmischte und dieses mit Waffengewalt einzuflössen verstand“ S. M. Zwemer. Folgende Einflüsse wurden erforscht und festgehalten:
· Zarathustrischer Einfluss (nach Ignaz Golziher und Henri Corbin)
· Jüdischer Einfluss (Geiger, Katsch und Torrey)
· Christlicher Einfluss (Richard Bell)
· Sabäer & vorislamische Araber (Wellhausen, Nöldeke, Hurgronje, Robertson Smith)
· Fremdvokabular im Koran (Arthur Jeffery)

Zur "Ka’aba": dieses Heiligtum steht im Zusammenhang mit dem „Zam-Zam-Brunnen“, in dessen Innern war ein trockener Brunnenschacht für die Opfergaben. Der siebenmalige Umlauf um die Ka'aba steht sinnbildlich für die Bewegungen der Himmelskörper. Nach islamischem Verständnis wurde die Ka’aba 2'000 Jahre vor Erschaffung der Welt im Himmel errichtet, dort ist immer noch ein Modell von ihr. Der heilige schwarze Stein war wahrscheinlich ein Meteor, der vom Himmel fiel. „Muzdalifah“ war ein Ort der Feueranbetung, und der Steinwurf sollte gefährliche Dämonen abwehren.
Allah war schon vor dem Islam als grosse Gottheit der Mekkaner, Nabatäer und der heidnischen Nordaraber bekannt. Er war Schöpfer und Spender des Regens, umgeben von drei Töchtern, den Göttinnen al-lat, Manat und al-Uzza. Muhammad säuberte nach anfänglichem Zögern den heidnischen Allah von seinen Gefährtinnen, aber etliche heidnische Bräuche wurden beibehalten: Polygamie, Sklaverei, Scheidung, Sozialgesetze, Beschneidung und zeremonielle Reinheit, die zu Befreiung böser Geister diente.
„Mit dieser Lüge... gab Muhammad dem Islam alles, was der Mensch braucht und was die Religion von der Philosophie unterscheidet: eine Nationalität, Zeremonien, historische Erinnerungen, Mysterien, eine Zusicherung des Eingangs ins Paradies, während er beständig sein eigenes Gewissen und das anderer Menschen betrog.“ A. Sprenger

Die Zarathustrareligion
Widengen, der 1965 „Die Religionen Irans“ verfasste, stellte ihren bedeutenden Einfluss auf postexilische Juden, hellenistische Mysterienkulte (Mithras und Gnosis) und den Islam fest. Im Islam sind vor allem die „shi’a“ und Eschatologie (Endzeitlehre) davon beeinflusst.
(Morton Smith nahm Aehnlichkeiten zwischen Jesaja 40-48 und den zarathustrischen Hymnen wahr, John Hinnels die Heilssymbolik und das Neue Testament.)
636 siegten Muslime über die Sassaniden, die ihnen aber kulturell weit überlegen waren und den Islam so beeinflussten. Paradiesvorstellungen aus Indien ähneln auch den muslimischen Visionen.

Was der Islam dem Judaismus schuldig ist
Dazu meinte S.M. Zwemer: „Der Islam ist lediglich Judaismus mit der Beifügung des Apostolats von Muhammad“. Es wurden Begriffe und Doktrine übernommen:
1. Rabbinische hebräische Wörter im Qur’an
2. Doktrinelle Ansichten
3. Moralische und zeremonielle Gesetze
4. Lebensanschauungen
Und auch Erzählungen und Legenden wurden übernommen.
Muhammad hatte aber eine verworrene Vorstellung von der Chronologie der Hebräer. Obermann stellte dazu fest: „Im Koran hat es Fehldarstellungen und Verzerrungen biblischer Elemente wie in postbiblischen Quellen.“
Und Torrey sagte: „Seine (Muhammads) Figuren gleiche sich alle... Er liebt den dramatischen Dialog, hat aber wenig Sinn für dramatische Inszenierung und Handlung."

Richard Bell, der den christlichen Einfluss feststellte, schrieb: „Er (Muhammad) hatte kaum eine Ahnung von der christlichen Lehre oder von der christlichen Kirche. Er erwarb eigentlich nie eine genaue Kenntnis dieser Dinge."

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Samstag, April 26, 2008

Islam und Parsismus

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, noch kurz zu: Relikte syro-aramäischer Buchstaben in frühen Korankodizes von Christoph Luxenberg auf Seiten 377-414. Hier versucht Luxenberg nachzuweisen, dass ursprünglich abgefasste Koranvorlage in syro-aramäischer Schrift war. Nach seinen Erkenntnissen waren Korankopisten syro-aramäisch gebildete Araber. Noch heute gibt es eine ähnliche arabische Schrift „Garschuni“ oder „Karschuni“, die für christliche Liturgie gebraucht wird. So ist es denkbar, dass irgendwo im arabischen Raum ein Urkoran in gleicher oder ähnlicher Sprache vorhanden wäre.

Nun zu Islam und Parsismus, einem Vortrag von Ignaz Goldziher, den er 1900 an der Sorbonne in Paris gehalten hatte, der im Buch von Ohlig auf Seiten 415-439 wiedergegeben ist. Er hat kaum an Aktualität eingebüsst, da es um geschichtliche Zusammenhänge geht, die noch wenig erforscht und publiziert worden sind:
Der Islam anerkannte den Einfluss jüdischer und christlicher Elemente, indem er sich von Juden- und Christentum distanzierte. Das persische Element, der Parsismus, hat jedoch erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erhalten. Die sassanidische Kultur hatte aber nachgewiesen grossen Einfluss bis nach Europa. Eine arabische Geschichtsschreibung gab es nur dank persischen Königen, denn vorislamische Araber hatten kein historisches Bewusstsein. Die Araber eroberten Persien, Perser aber beeinflussten Islam auf geistige und kulturelle Weise, besonders mit den Schulen von Basra und Kufa um 750 und durch Händler.
In der Uebergangszeit von Omaiyaden zu Abbasiden bahnten sich grosse geistige und systemische Veränderungen an: Die Omaiyaden hatten eine weltliche Regierung in Damaskus, die Abbasiden ein theokratisches Regime in Anbar und Bagdad (wie die persischen Sassaniden). Das persische Königstum wurde nachgebildet, wo Religion und Regierung identisch waren. Der König war „bäghi“ also der Göttliche, und diese persische Vorstellung führte zur Kalifenwürde, zum Wächter des Heils, zur „Bewahrung der Sunna“, zu Konfessionalismus, Intoleranz und Inquisition.
Auch die rituelle Reinheit war von der persischen Religion beeinflusst, so galten Polytheisten als unrein in moralischer Hinsicht auch später bei den Sunniten und buchstäblich bei den Schiiten.
Rezitieren heiliger Texte, besonders des Korans, galt als verdienstliche Handlung (bei den Persern: Vendidad). Es gab keine Totenklage, aber die Lehre von der Waage „mizän“ für die guten und schlechten Taten der Menschen nach dem Tod. (Das letzte Gericht im Koran ist zusätzlich vom äthiopischen Henochbuch der Christen beeinflusst.) Dies führte dazu, dass alle Handlungen bewertet werden: so ist gemeinsames Gebet 25x mehr wert als normales Gebet, ein Mekkagebet gar 100’000x! Auch Zahlen wie 33 und 333 sind wichtig, die Hadithe haben dies vom parsischen System übernommen.
Gebet ist zur wichtigsten islamischen Institution geworden, dreimal täglich war jüdische, fünfmal war persische Sitte. Auch „Zahnstochern“ vor dem Gebet „miswäk“ war wichtig und erhöhte den Wert des Gebets erheblich.
Der Freitag galt als Versammlungstag zur Feier des Kults, aber im Gegensatz zu Juden und Christen war er kein Ruhetag.
Hunde genossen Achtung im Persien, weil sie Dämonen sehen können, ihr Bellen liess böse Feinde und Dämonen fliehen. Der Islam kehrte dies ins Gegenteil und verachtete Hunde.
Wahrscheinlich reicht auch der Ursprung des Sufismus nach Persien hinein. Ein Sufi, ein Fakir, hat nämlich folgende Kennzeichen:
1) Er hat immer Hunger
2) Er hat keine ständige Behausung (Brauch der Gottvertrauenden)
3) Er schläft nachts wenig (Brauch der Gottliebenden)
4) Er hinterlässt kein Erbe (Asket)
5) Er verlässt seinen Herrn nicht (Anhänger)
6) Er begnügt sich mit dem Geringsten (Enthaltsamer)
7) Wird er weggejagt, sucht er sich einen neuen Ort (Demütiger)
8) Er gehorcht auch bei schlechter Behandlung (Bescheidener)
9) Er bleibt fern, wenn er Nahrung sieht (Armmütiger)
10) Er nimmt keine Wegzehrung mit (Rückzug von der Welt)

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