Samstag, April 26, 2008

Islam und Parsismus

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, noch kurz zu: Relikte syro-aramäischer Buchstaben in frühen Korankodizes von Christoph Luxenberg auf Seiten 377-414. Hier versucht Luxenberg nachzuweisen, dass ursprünglich abgefasste Koranvorlage in syro-aramäischer Schrift war. Nach seinen Erkenntnissen waren Korankopisten syro-aramäisch gebildete Araber. Noch heute gibt es eine ähnliche arabische Schrift „Garschuni“ oder „Karschuni“, die für christliche Liturgie gebraucht wird. So ist es denkbar, dass irgendwo im arabischen Raum ein Urkoran in gleicher oder ähnlicher Sprache vorhanden wäre.

Nun zu Islam und Parsismus, einem Vortrag von Ignaz Goldziher, den er 1900 an der Sorbonne in Paris gehalten hatte, der im Buch von Ohlig auf Seiten 415-439 wiedergegeben ist. Er hat kaum an Aktualität eingebüsst, da es um geschichtliche Zusammenhänge geht, die noch wenig erforscht und publiziert worden sind:
Der Islam anerkannte den Einfluss jüdischer und christlicher Elemente, indem er sich von Juden- und Christentum distanzierte. Das persische Element, der Parsismus, hat jedoch erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erhalten. Die sassanidische Kultur hatte aber nachgewiesen grossen Einfluss bis nach Europa. Eine arabische Geschichtsschreibung gab es nur dank persischen Königen, denn vorislamische Araber hatten kein historisches Bewusstsein. Die Araber eroberten Persien, Perser aber beeinflussten Islam auf geistige und kulturelle Weise, besonders mit den Schulen von Basra und Kufa um 750 und durch Händler.
In der Uebergangszeit von Omaiyaden zu Abbasiden bahnten sich grosse geistige und systemische Veränderungen an: Die Omaiyaden hatten eine weltliche Regierung in Damaskus, die Abbasiden ein theokratisches Regime in Anbar und Bagdad (wie die persischen Sassaniden). Das persische Königstum wurde nachgebildet, wo Religion und Regierung identisch waren. Der König war „bäghi“ also der Göttliche, und diese persische Vorstellung führte zur Kalifenwürde, zum Wächter des Heils, zur „Bewahrung der Sunna“, zu Konfessionalismus, Intoleranz und Inquisition.
Auch die rituelle Reinheit war von der persischen Religion beeinflusst, so galten Polytheisten als unrein in moralischer Hinsicht auch später bei den Sunniten und buchstäblich bei den Schiiten.
Rezitieren heiliger Texte, besonders des Korans, galt als verdienstliche Handlung (bei den Persern: Vendidad). Es gab keine Totenklage, aber die Lehre von der Waage „mizän“ für die guten und schlechten Taten der Menschen nach dem Tod. (Das letzte Gericht im Koran ist zusätzlich vom äthiopischen Henochbuch der Christen beeinflusst.) Dies führte dazu, dass alle Handlungen bewertet werden: so ist gemeinsames Gebet 25x mehr wert als normales Gebet, ein Mekkagebet gar 100’000x! Auch Zahlen wie 33 und 333 sind wichtig, die Hadithe haben dies vom parsischen System übernommen.
Gebet ist zur wichtigsten islamischen Institution geworden, dreimal täglich war jüdische, fünfmal war persische Sitte. Auch „Zahnstochern“ vor dem Gebet „miswäk“ war wichtig und erhöhte den Wert des Gebets erheblich.
Der Freitag galt als Versammlungstag zur Feier des Kults, aber im Gegensatz zu Juden und Christen war er kein Ruhetag.
Hunde genossen Achtung im Persien, weil sie Dämonen sehen können, ihr Bellen liess böse Feinde und Dämonen fliehen. Der Islam kehrte dies ins Gegenteil und verachtete Hunde.
Wahrscheinlich reicht auch der Ursprung des Sufismus nach Persien hinein. Ein Sufi, ein Fakir, hat nämlich folgende Kennzeichen:
1) Er hat immer Hunger
2) Er hat keine ständige Behausung (Brauch der Gottvertrauenden)
3) Er schläft nachts wenig (Brauch der Gottliebenden)
4) Er hinterlässt kein Erbe (Asket)
5) Er verlässt seinen Herrn nicht (Anhänger)
6) Er begnügt sich mit dem Geringsten (Enthaltsamer)
7) Wird er weggejagt, sucht er sich einen neuen Ort (Demütiger)
8) Er gehorcht auch bei schlechter Behandlung (Bescheidener)
9) Er bleibt fern, wenn er Nahrung sieht (Armmütiger)
10) Er nimmt keine Wegzehrung mit (Rückzug von der Welt)

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