Donnerstag, April 10, 2008

Luxemburg-Debatte oder Streit um den Koran

Christoph Burgmer ist der Herausgeber, zusammen mit verschiedenen Autoren, dieses Buchs mit Sprengkraft: Streit um den Koran, Die Luxenberg-Debatte: Standpunkte und Hintergründe. Dieses 200 seitige Werk ist im Hans Schiler-Verlag Berlin im Jahr 2004 erschienen mit der ISB-Nummer: 3-89930-145-5.
Für Uneingeweihte ist es etwas schwierig zu verstehen, um was es sich eigentlich bei der „Luxenberg-Debatte“ handelt. Der Titel gibt eine Teilantwort: Es geht um den Koran und um den Streit, wie dieser ursprünglich zu verstehen sei. Dies hat auch grossen Einfluss auf das heutige Verständnis, weil Ueberlieferungen in der islamischen Tradition wichtig sind.
Ein deutscher Sprachforscher hat sich vorsichtshalber das Pseudonym „Christoph Luxenberg“ zugelegt. Er ist ein akribischer Kenner und Spezialist orientalischer Sprachen und hat im Jahr 2000 das Buch „Die syro-aramäische Lesart des Korans“ veröffentlicht, um den Koran besser zu verstehen. Er geht davon aus und weist nach, dass einige schwierige Stellen im Koran nur mit einer Rückübersetzung ins Aramäische zu verstehen seien. Das hat ein kleines Erdbeben und Kontroversen in der Fachwelt ausgelöst, ging man doch mehrheitlich davon aus, dass der Koran ursprünglich in reinem Hocharabisch überliefert worden sei. Auch die islamische Tradition stellt es so dar, ungeachtet sprachhistorischer Forschungen und Erkenntnisse. Forschung gestaltet sich in diesem Bereich aber als schwierig, da es wenig schriftliche Dokumente aus dem arabischen Raum der damaligen Zeit gibt. In diesem Buch haben einige Forscher erneut Material zusammengetragen, die die These Luxenbergs stützen, erweitern oder auch relativieren.

Zuerst, von Seite 18-38, kommt nochmals Luxenberg in einem Gespräch zu Wort. „Licht ins Dunkel. Der Koran als philologischer Steinbruch“ heisst die Ueberschrift dazu. Er beginnt mit dem Versuch, die damalige Sprachsituation Arabiens darzulegen. Er weist darauf hin, dass auch Araber, beispielsweise die Nabatäer, im 7. Jh. Aramäisch gesprochen haben. In syrischen Städten sprach man dagegen Griechisch. Die armäische Sprache umfasste 22 Buchstaben, die arabische damals nur 15, heute hat sie 28 Zeichen, davon sind aber nur sechs eindeutig und 22 zwei- oder mehrdeutig.

„Mekka“ ist eine aramäische Bezeichnung und bedeutet Senke. Diese Stadt war eine wichtige Handelsmetropole zwischen Syrien und Südarabien. Erst ungefähr 690 nChr, 68 Jahre nach Mohammeds Tod, wurde die syrische Schriftsprache unter Abdel Malik Ibn Marwan durch die arabische ersetzt. Das stellt die islamische Selbstannahme, dass Koranarabisch aus vorislamischer arabischer Poesie entstanden ist, in Frage. Zudem ist keine Koranhandschrift aus der Zeit der Entstehung mehr vorhanden. Und weitere arabische Literatur ist erst ab 750nChr bekannt. Wie überbrückt man glaubwürdig eine Lücke von 130 oder mehr Jahren?

Altarabische Inschriften sind mit aramäischen Wörtern vermischt. Zur Zeit Mohammeds sprach man vermutlich arabisch-aramäische Dialekte. Seine Offenbarungen teilte Mohammed mündlich mit und verkündete sie, Zuhörer schrieben sie in einer arabisch-aramäischen Mischsprache auf. Die diakritischen Zeichen, die die Aussprache festlegen, wurden später eingefügt, sie sind also Menschenwerk und gehörten nie zur Offenbarung. Diese Punktsetzung sei aber teilweise irrig, gerade auch weil die aramäisch-arabische Sprachverwandtschaft schon früh ignoriert wurde. Auch gab es verschiedene Koranfassungen mit erheblichen Abweichungen.

Heute gilt nur noch die Kairiner Fassung von 1924 als kanonisch, denn sie geht auf Tabari zurück, der um 900 gelebt hatte. Dieser wiederum berief sich auf die mündliche Ueberlieferung und altarabische Poesie.

Auch die westliche Koranforschung verlässt sich zu stark auf die arabisch-islamische Tradition. Luxenberg möchte, dass vermehrt die Unterschiede zwischen Korantext und –exegese aufgezeigt würden. Ihn interessieren primär sprachhistorische Erkenntnisse, daher fühlt er sich nicht der islamischen Tradition verpflichtet. Diese Trennung, die er macht, ist für das ganzheitliche Verständnis, das Moslems in der Regel haben, schwer nachvollziehbar. Zudem sind in der islamischen Tradition die zuletzt geoffenbarten Suren, die medinesischen Suren, ausschlaggebend für die islamische Interpretation.

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