Mittwoch, April 23, 2008

Von Ugarit nach Samarra

Eine archäologische Reise auf den Spuren Ernst Herzfelds von Volker Popp auf den Seiten 13-222.
Popp versucht als erstes Namen und Begriffe zu klären: „M(u)H(a)M(ma)D“ ist ugaritisch und meint eine ausgesuchte Qualität des Golds von höchster Reinheit, im übertragenen Sinne also ausgewählt, auserkoren, erwählt und auserwählt.
(A)r(a)bî“ bedeutet zuerst Westen, dann Bewohner des Westens (von Persien aus gesehen), dann Beduinen, beduinisch und erst schlussendlich arabisch.
Die Sassaniden stammten aus dem Südiran. 500nChr entstand die syrische Daniel-Apokalypse, die Jesue als Sieger „mansûr“ bezeichnete. 540 wurden die Christen Antiochiens nach Persien deportiert. Jesus als Abkömmling des göttlichen Glanzes ist eine persische Idee.
Wichtig war dann das Jahr 622, das Jahr der Araber, denn da wurden die persischen Sassaniden von den Byzantiner unter Herakleios in Armenien geschlagen. Das war der Beginn einer neuen Zeitrechnung und bedeutete für die christianisierten Araber, die mesopotamischen „Lakhmiden“, monophysitischen „Ghassaniden“ und syrischen „Omaiyaden“ das Ende der sassanidischen Unterdrückung und somit Selbstherrschaft. (Die Omaiyaden waren altgläubige, häretische Christen, die über „koranisches“ Material verfügten. Für sie war Jesus der Gottesknecht „abdallah“ und Erwählte „muhammadun“, sie lehnten die klassisch-griechische Trinität Gottes ab.)
Ab 628 herrschte Frieden zwischen den Grossmächten Persien und Byzanz. Die syrische Alexanderlegende wurde 629 geschrieben und diente als byzantinische Reichseschatologie gegen Persien. Der persische Schah war der Antichrist und Pharao im (arabischen) Koran, nur so konnte Israels Geschichte wiederholt und angeeignet werden.
638 gingen Syrien und Aegypten für Byzanz verloren. Ab 661 steht „MHMMD“ für sassanidische Herrscher auf Münzen. Und es wurden Bleiplomben gefunden, in denen der arabische Herrscher Abd al-Malik, der in Erwartung der Wiederkehr des Messias lebte, sich als neuer „Joschua“ fühlte und 686-706 regierte, einschreiben liess: „Es gibt keinen Gott, ausser Gott allein, er hat keine Beigesellung, erwählt ist der Gesandte Gottes“. Einen ähnlichen, vornizenischen Text gibt es auch im Felsendom, der den Wiederaufbau des Tempels verkörperte: „Der Erwählte „muhammad/un“ ist Jesus, Sohn der Maria, er ist der Messias „al-Masîh“.
Folgende Bezeichnungen gelten primär als Begriffe und Prädikate und nicht als Namen:
· “abd-Allâh Harûn amir al-mû’minin” Knecht Gottes Aaron Landpfleger oder Sicherheitsgewährer
· „Alì“ Erhabender, Koranleser, scheiternder Jesus, später auch angeblicher Schwiegersohn des Profeten, der 661 gestorben sei
· “Allâh rabb al-hukm” Gott ist Herr des Befehls oder Gesetzes (ab 675)
· „Amîr al-mu’minîn“ Polizeichef
· „Bahîra“ Mönch
· „bism’llâh walî Allâh“ im Namen Gottes ist er der Beauftragte oder Stellvertreter
· „Imâm“ Führer, Merkmal, Muster, Sprecher oder Vorbild (seit 815) geht auf „ma’mûn“ zurück, das „der, dem man vertraut“ bedeutet
· „Khal(î)fat Allâh” Sprecher oder Stellvertreter Gottes
· „Mahdi“ Herrschaft Abwesender oder Verborgener oder Rechtgeleiteter
· „Mansûr“ Sieger, siegreich oder „dem der Sieg gegeben wird“
· „(mu)sl(i)m“ Anhänger der Eintracht
· “Rasûl” Apostel oder Gesandter
· „walî’ahd al-muslimîn“ Beauftragter im Bund der Friedfertigen
· „walî al-amr“ Stellvertreter im Befehl
· „Walî’llâh“ Beauftragter, Bundesgenosse, Freund, Heiliger, Sachwalter, Stellvertreter oder Verwandter Gottes (ab 692, kommt heute noch im Schiismus vor)

Von 663-674 verwüstete Mu’awiya mit Arabern Kleinasien bis Konstantinopel. Westliche Syrer waren monophysitische Christen, östliche Syrer wurden erst um 680 nestorianische Christen, diese Differenz ist auch im Koran enthalten: 2,135 & 141; 3,110; 5,73 & 82. Erstmals taucht 687 „MHMT“ in persischer Schreibweise auf. 698 wurde die „Apokalypse“ erwartet. Um das Ueberleben in dieser schwierigen Zeit zu sichern, wurde „Isâ bn Maryam“ fallen gelassen. „Dîn“, der gute, rechte, reine, unbeugsame und wahre Glaube(nsgeist) im Sinne einer Bindung an Gott wurde dagegen wichtiger und „islâm“ wurde als Abwesenheit von Streit und Eintracht verstanden von den strengen Persern. Neue, bildlose Münzen mit anonymen Inschriften tauchten auf. Jerusalem wurde als geistliches Zentrum aufgegeben und Damaskus wurde als Stadt mit dem Patron Johannes dem Täufer wichtiger. 702 wurde „al-Walîd, der Sohn Abd al-Malik zum Kronprinzen ernannt.
717-740 Belagerung Konstantinopel und Niederlage der Araber
Karl Martell siegte 732 bei Poitiers und 737 bei Narbonne gegen die anrückenden Muslims und rettete die Franken und somit das Abendland. Karl der Grosse verdammte die Lehre eines adoptierten Sohnes Gottes, mit der die spanischen Bischofe liebäugelten, die näher beim Islam waren.
754 erfolgte eine anonyme Goldprägung mit dem Motto aus dem Koran 9,33: „Er ist es, der den Gesandten geschickt hat...“ Das Leben Mohammeds wurde erstmals von Ibn Ishaq, gestorben 768, biografisiert. Die Grundlinien des Islams wurden etwa um 800 festgelegt, erst jetzt wurden diakritsche Zeichen des Korans festgelegt, die zu neuer Lesung führte. Rechtsschulen festigten die reine Lehre und Zweifel wurden eliminiert. Auf 822 wird die früheste geprägte Münze Mekkas datiert, auf 870 ein Goldmünze. 823-826 wurde die Hierarchie im persischen Raum neu organisiert. Neue Namen und Bezeichnungen wurden eingeführt. Es fand eine Art Uebergang von „proto-schiitischer“ zu „proto-sunnitischer“ Herrschaftspraxis statt. Für die Perser war Christus der Profet des Westens, der in Medina begraben war, und Zoroaster der Profet des Ostens, der in Chorasan begraben war. Mohammed war nicht als Fürsprecher am Tag des jüngsten Gerichts gedacht. Wichtige „Erkenntnisse“ über Mohammed stammten später von Ijad al-Jahsubi, der 1148 gestorben ist. Er bezeichnete Zweifel an der Allzuständigkeit Mohammeds als verwerflichen Abfall vom Islam, der mit dem Tod zu bestrafen sei. Er sagte: „Beachte nicht Historiker...“

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