Freitag, April 25, 2008

Von Muhammad Jesus zum Profeten der Araber

Der Untertitel dazu lautet: Die Historisierung eines christologischen Prädikats. Von Karl-Heinz Ohlig (auf Seiten 327-376)
Der Koran soll 650-656 unter Osman zusammengestellt worden sein. Die ältesten Handschriften stammen aber erst ab 750, der gesamte Kodex etwa um 800. Man darf daher annehmen, dass Bestrebungen da waren, die den Koran älter aussehen lassen sollten, möglichst nahe an die Profetenzeit.
Ab 650 gibt es „muhammad“ als Hoheitstitel Jesu auf Münzen und Inschriften im ostiranischen Raum. 661 steht das syrische „MHMT“ für arabische Herrscher, 693 wird Isa (=Jesus) bn Mariam (=Maria) Muhammad (=erwählt, gepriesen oder hochgelobt) genannt auf einer Inschrift im Felsendom in Jerusalem.
Ohlig macht nochmals darauf aufmerksam, dass die semitische Tradition sich von der griechischen unterscheidet in Bezug auf Jesus. Bei der ersteren ist die Heilsgeschichte, also der Messias, wichtig. Bei letzterer die Inkarnation, der Sohn Gottes.
So ist es verständlich, dass im Laufe der Zeit eine Verselbständigung dieses Würdetitels stattgefunden haben könnte, in diesem Fall unter dem Syrer Abd al-Malik in Jerusalem mit seiner „Bildtheologie“ am Felsendom. In Damaskus passierte Aehnliches: al-Walid setzte „haram“ für das Haupt des Johannes des Täufers ein, und 708 wurde die Omaiyadenmoschee als christliches Bauwerk erbaut.
756 entstand in Medina ein Heiligtum, dort wurde „muhammad“ letztmals als Prädikat verwendet. Ibn Saad, gestorben 845, verfasste eine Mohammedbiografie mit dem Namen „Klassen“ oder „Annalen“, worin er auch die anderen Namen Mohammeds nennt: der erste war „Koham“, dann folgen "Muhammad" (=Gepriesener), "Achmed", "Khatim" (=Siegel), "Haschir" (=Erwecker), "Ateib" (=letzter Profet) und "Machiy" (=Tilger). Es gab weitere Mohammed-Biografien im 9. und 10. Jh. Westliche Christen kannten das christologische Prädikat „muhammad“ nicht, deshalb konnten sie es eher als Namen verstehen.

Zu einigen Namen im Koran: Mekka wird nur einmal erwähnt, Medina 3x, Mohammed 4x, Aaron 20x, Jesus 25x, Adam 25x, Noah 33x, Maria 34x, Profet 43x, Pharao 74x, Abraham 79x, Mose 136x und Gesandter „rasul“ mehr als 300 mal. Die vier Stellen über Mohammed stehen in 3,144, 33,40, 47,2 und 48,29. Nur 33,40 bezieht sich auf einen arabischen Profeten, die andern drei Stellen reden allgemein vom Gesandten, der eben auch Jesus sein könnte.

Ohlig unterscheidet bei der Entstehung des koranischen Materials drei Stufen:
· Älteste Stufe: syrisch-arabisches Christentum, ein namenloser Verkünder verweist auf Jesus
· Mittlere Stufe: christliches Material durch arabischen Verkünder, eine erste Etappe in der Historisierung von „Muhammad“ findet statt
· Jüngste Stufe: Koran als letztgültige Offenbarung, arabischer Profet als Promotor und Religionsgründer
· Nachkoranische Stufe: Entfaltung und Ausschmückung der Biografie Mohammeds im 9. und 10. Jh. (Hadithsammlungen aus dieser Zeit haben legendarischen Charakter, erkannt seit Ignaz Goldziher)

Der Koran hat vergleichbare Ausführungen wie die syrischen Apokalypsen. Jüngeren Koranschichten lässt sich ein arabischer Profet entnehmen, der aber nicht zwingend Mohammed sein muss. Mekka könnte auch bei Haran und Ur liegen, der Gegend, aus der Abraham kam. „Bakka“ für Mekka meint zuerst einmal einen umzäunten heiligen Bezirk. "Qibla", die Gebetsrichtung, war von christlichen Altären beeinflusst, die zuerst nach Osten schauten, dann nach Jerusalem und erst um 800 nach Mekka.
Altarabische Straflegenden sind Erzählungen, die nach einem bestimmten Schema gestaltet waren: Gott sandte Profeten, die Leute lehnten ihn ab, Gott vernichtete sie, Profet und Gläubige wurden gerettet.
Ohlig macht darauf aufmerksam, dass der Koran seltsam geografisch unbestimmt sei, er sei nicht an die arabische Halbinsel gebunden. Er weist zudem Einflüsse syrischer und persischer Sprach auf.

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