Freitag, April 28, 2017

Enneagramm-Grundkurs

Seit 2005 leite und gestalte ich mit zwei Freundinnen einen Enneagramm-Grundkurs in der Casa Moscia. 28 Teilnehmende zwischen 25 und 72 Jahren aus der Schweiz und aus Deutschland haben ihn diesen Frühling besucht. Jedes Mal bringt dieser Grundkurs den Teilnehmenden tiefe Einsichten und befreiende Aha-Erlebnisse. Aber auch bei mir selber stellen sich jedesmal neue Erkenntnisse ein, was ich als äusserst wertvoll erachte. Viele Einsichten haben mit grundlegenden Festlegungen und Mustern zu tun, die wir in den ersten Lebenjahren erworben haben. Diese führen häufig zu Übertreibungen, Verzerrungen, Verabsolutierungen, Zwängen und Ängsten, die letztlich lebens- und beziehungsfeindlich sind. Gott sei Dank konnte ich solche Muster bei mir wahrnehmen, benennen, vor Gott bringen und loslassen, so dass ich freier, entspannter und wirksamer durchs Leben gehen darf. Aber auch immer wieder tauchen neue Erinnerungen auf, wo ich nur sagen kann: Kyrie eleison!
Austausch- und Reflektionszeit auf der Loggia der Casa Moscia mit Blick auf den Lago Maggiore bei schönstem Frühlingswetter

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Mittwoch, Oktober 30, 2013

John Ortberg: Weltbeweger

Der Autor John Ortberg hat ein neues Buch geschrieben. Er wurde 1957 als schwedischstämmiger Amerikaner in Rockford (Illinois) geboren. Er ist verheiratet mit Nancy und hat erwachsene Kinder. Er studierte Theologie und Psychologie am Wheaton College, am Fuller Theological Seminary und an der University of Aberdeen. Er hat danach in verschiedenen Kirchen in den USA gearbeitet, vor allem als Lehrer, wozu er sehr begabt ist: in Simi Valley Community Church, Horizons Community Church Claremont, Willow Creek Community Church und Menlo Presbyterian Church. Seine Predigten werden zunehmend international beachtet, seine Bücher werden weltweit von vielen Menschen gelesen. Als seine Stärken erachte ich sein tiefes Verständnis für die Bibel und die Realität der Menschen. Er kann komplexe geistliche Sachverhalte verständlich erklären, spannend erzählen und humorvoll darstellen. Auch schätze ich seine Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Gespür und seine Präsenz sehr. Weltbeweger. Jesus - wer ist dieser Mensch? Das Buch umfasst 331 Seiten und ist in 15 Kapitel aufgeteilt. Es sind verschiedene Themenbereiche einer Predigtserie zum unbekannten Menschen Jesus, die weitgehend in sich abgeschlossen sind und auch gut einzeln gelesen werden können. Es empfiehlt sich sogar, gewisse Passagen zweimal zu lesen, weil Ortbergs Sprache und die gewählten Zitate zwar gut verständlich, aber doch dicht und tiefsinnig sind. Kapitel eins steht unter dem Titel: Der Mann, der einfach nicht von der Bildfläche verschwinden will. Hier schreibt Ortberg von der Lebensweise und den Auswirkungen von Jesus. Jesus war mysteriös und verwirrend, trotzdem zog er unterschiedlichste Menschen an. Sein Einfluss war nicht zufällig und ist heute noch ungeheuer gross, auch wenn sein Name nicht immer explizit genannt wird: 1. Jesus hatte keine Kinder, aber er gab den Kindern Raum und Wert 2. Jesus war nie verheiratet, aber er gab den Frauen Würde 3. Jesus schrieb nie ein Buch, aber über ihn wurden die meisten Bücher geschrieben und die westliche Bildung geht auf ihn zurück Ralph Waldo Emerson sagte zu diesem Sachverhalt: „Der Name Jesus ist in die Weltgeschichte hineingepflügt worden.“ Eigentlich nur zu viel Geld und Macht verdarb das Erbe Jesu, und der christliche Glaube wanderte jeweils in andere Weltregionen ab. Kapitel zwei heisst: Das Ende der Menschenwürde. Jesus war ein „mamser“, ein uneheliches jüdisches Kind. Er kam ohne Würde in diese Welt. Sein Kind-Sein betont vor allem der Evangelist Matthäus und setzt dies in Gegensatz zum König Herodes dem Grossen, dem Freund der Weltmacht Rom. Jesus dagegen war ein Freund der Unterdrückten, des Abschaums, der Sünder und zudem ein einfacher Bauarbeiter. Bei Gott und Jesus sind alle Menschen wertvoll und geliebt und können „Königskinder“ sein. Aus diesem Grund gab es bei Juden keine Kindsaussetzungen, in Rom wurden sie erst um 400 nach Christus verboten. Wahre Grösse wird uns geschenkt, und so müssen wir nicht mehr zwanghaft jemand sein und Geltung gieren. Kapitel drei behandelt: Eine Menschheitsrevolution. Jesus hatte Mitgefühl und Mitleid mit Geringen und Leidenden, aber er provozierte auch die Besitzenden und Mächtigen, obwohl er ein Rabbi war. Er tat dies durch : · Heilung am Sabbat · Menschliches Leben in seiner ganzen Form ist mehr wertschätzen als der Sabbat · Unehrenhaft Einladungen machen und annehmen: Arme, Behinderte, Kranke, Sklaven (waren Personen ohne Rechte und Gesicht) Seine Provokationen wurden später Anstösse zur Gründung und Entwicklung der Krankenpflege, der Spitäler, dem Roten Kreuz, der Sklavenbefreiung und der Gleichberechtigung. Kapitel vier hat den Titel: Was Frauen wollen. In Asien gibt es heute wieder 163 Millionen mehr Männer als Frauen, weil Frauen wie in der Antike gering geschätzt werden. Jesus war anders: mit ihm reisten auch Frauen, was damals unüblich war, und Johanna, (Susanna und andere) sorgten gar finanziell für die Jüngerschaft (siehe Lukasevangelium Kapitel acht). Für Jesus war das Geschlecht unwichtig, aber das Hören und Befolgen des Wortes Gottes entscheidend. Und Maria, Jesu Mutter, verhielt sich ihm gegenüber auch wie ein Jünger.

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Freitag, Juli 26, 2013

Siegfried Zimmer: Jesus von Nazaret

Dies ist eine Zusammenfassung von Vorträgen von Siegfried Zimmer, die auf der interessanten Homepage www.worthaus.org oder auch auf youtube zu finden sind. Siegfried Zimmer ist ein äusserst begabter deutscher Lehrer und evangelischer Theologe, der auf eine einfache, aber überzeugende Weise Wesentliches von Jesus neu beleuchten kann. Wichtigste Erlebnisse waren laut Zimmer zur Zeit Jesu die Gotteserfahrungen. Erfahrungen sind aber bereits gedeutete Erlebnisse. Zu Gott reden (im Gebet) ist aber etwas anderes als Reden über Gott. Die auffälligste Neuigkeit, die mit Jesus von Nazaret gekommen ist, ist seine neue, ungewohnte Vateranrede und –erfahrung Gottes. Vorher waren alle Vatererfahrungen patriarchalisch geprägt, denn die männliche Dominanz herrschte seit Jahrtausenden in allen Hochkulturen. Diese Kulturen hatten auch patriarchalische Religionen. Das Patriarchat geht auf den Hausvater oder Hausherr im Haus („bayit“) oder Haushalt („oikos“) mit den damals üblichen 30-50 Personen zurück. Alle Personen dieser Geschäftseinheit waren unter seiner Herrschaft, Vormundschaft und Fürsorge. Er hatte auch die Macht, dort über Leben und Tod zu verfügen. „Sein Angesicht leuchten lassen“ bedeutete einen Menschen das Leben schenken, ihn leben lassen. Die Realität des Hausvaters wurde auch zum Modell für die Rolle des Königs eines Landes und für Gott im Himmel. Der oberste Gott war immer ein Vatergott. Bei den Aegypter war dies Re, bei den Griechen Zeus und bei den Römern Jupiter. Der König war ein Repräsentant dieses Vatergottes, und er liess sich auch durch ihn legitimieren. Die Menschen eines Reichs waren Söhne und Töchter des Königs, diese Rollenverteilung und Repräsentation wirkte sehr stabilisierend. Hauptgrund für dieses Vaterbild war die physische Stärke der Männer, die nicht mit Schwangerschaft und Stillen beschäftigt waren. Auch die Sichtbarkeit des Spermas spielte eine Rolle, da erst 1843 erstmals eine Eizelle durchs Mikroskop sichtbar wurde. Somit war nur der Mann bis anhin Spender neuen Lebens, die Frau wurde mehr als “Nährboden“ des Samens gesehen. Wer Vatererfahrungen in Frage stellte, der veränderte das Gesellschaftssystem und somit die Kultur. Das Judentum lehrte eigentlich keinen Vatergott, denn die Tora demontierte sogar das damalige Vaterbild Gottes, das eher auf den Pharao als Gottkönig zutraf. Nur einmal in Deuteronomium 32,6 kommt Gott als Vater vor, aber das ist eigentlich ein Nachtrag zur Torah. In den Psalmen kommt Vater für Gott zweimal, im Profet Jesaja dreimal vor in 63,16 und 64,7. Diese „Klagelieder“ entstanden aber im heidnisch beeinflussten babylonischen Exil. JHWH dagegen, der 6'800 mal im Alten Testament vorkommt, ist der häufigste Name für Gott. Denn Elohim kommt „nur“ 2'500 mal vor, Adonay 450 und Zebaoth nur 250. JHWH ist der befreiende Gott, der Gott der Hebräer, die damals Zwangsarbeit in Aegypten leisten mussten. Der Name JHWH selbst ist nicht ganz einfach zu übersetzen, er kommt von „haja“, was „sein“ bedeutet. Das ist ein spezielles, ein „entklitisches“ Verb, das einen Adressaten braucht. JHWH wird am ehesten mit „Ich bin/werde für dich/euch da (sein)“ übersetzt, da im Hebräischen nicht zwischen Gegenwart und Zukunft unterschieden wird. Es ist ein autoritäres Sein, das aber nichts Unterdrückendes an sich hat, sondern die kraftvolle Zuwendungs- und Befreiungslust Gottes ausdrücken will! Beim Profeten Hosea kommt noch ein ganz neuer Aspekt Gottes dazu: Israel wird als Frau dargestellt, die zu einem andern Mann weggeht, und als Sohn, der sich vom Vater abwendet. Beide Verhaltensweisen waren damals im Orient das Schlimmste und Beschämendste, was man tun konnte! Gott ist der gedemütigte und blamierte Ehemann und Vater, der aber seine Frau und seinen Sohn nicht aufgibt! Generell wird Gott im Alten Testament bewusst nie als Vater angeredet, denn das galt als heidnisch. Erst die Pharisäer seit 150 vor Christus begannen, Gott als unser Vater, König, Gebieter und Herrscher im Himmel anzusprechen, dies kann bei Sirach nachgelesen werden. Das Gebet wurde dadurch persönlicher, innerlicher und intimer, aber Vater als Anrede allein wurde noch nicht gebraucht! Ganz anders wird Jesus in den Evangelien zitiert: 170 mal spricht er Gott als Vater ohne Zusatz an! Eine Ausnahme ist der Ausspruch am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Der verwendete Begriff „Abba“ ist aramäisch und wurde in der Familie als zärtliche Anrede verwendet, die Mutter war die „ima“. Sie schlossen Urvertrauen, Nähe, Geborgenheit und Unbeschwertheit mit ein. Diese Einsicht hat besonders der deutsche Theologe Joachim Jeremias herausgearbeitet und betont.... Ein weiterer Schwerpunkt der Verkündigung Jesu ist das „Malkut Jahwe“, das „Basileia Theu“, das auf deutsch mit Reich Gottes wiedergegeben wird. In Markus eins steht: „die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen“. Das Reich Gottes ist also im Kommen, aber es kommt von anderswo. Das Reich Gottes wird in den Evangelien nie erklärt, weil es für Juden ein klarer Begriff war, der auf die Profeten zurückgeht. Es ist ein Wunder, dass die jüdische Religion im Untergang von Israel neu kreiert wurde. Was bedeutet denn „Malkut“ wirklich? Es kann mit Reich, Gebiet, Akt des Herrschens oder Willensausübung übersetzt werden. Gott gehört die Erde, aber er herrscht noch nicht ganz, er wird einmal eingreifen und für die Armen kommen. Das ist Hoffnung und Sehnsucht für Israel. Jesus war kühn, er hatte einen grossen Anspruch, indem er sich vor die Schrift stellt. Er proklamierte mit sich das Reich Gottes hier und jetzt, das auch politisch-gesellschaftliche Veränderungen bewirke. Leben, Wirken und Worte Jesu sind auch wichtig zu nehmen, nicht nur sein Tod und Auferstehung. Beides gehört untrennbar zusammen: Nur durch seinen Tod und seine Auferstehung wissen wir überhaupt etwas von seinem Leben. Jesus interessierte sich sehr für das alltägliche Leben der Menschen von damals, er war ein kontaktfreudiger, gewinnender Mensch und hatte oft Tischgemeinschaft mit unterschiedlichsten Menschen. Jesus hat auch die Risse und Klüfte der damaligen Gesellschaft überwunden. Er hielt sich nicht an die kleinkarierten familiären Konventionen und wurde dadurch von seiner Familie abgelehnt, wie es klar in Markus 3,20+21+33-35 beschrieben worden ist: ... Da kam seine Familie und wollte ihn mit Gewalt zurückholen, denn sie sagten: Er ist geistesgestört (oder nach Luther: von Sinnen)! Armut war ein existenzielles Problem im Umfeld von Jesus, das er sehr wohl wahrnahm. Nur gerade 5% gehörten zur Oberschicht, die Musse hatten und freie Künste erlernen und ausüben konnten. Auch nur 5% waren freie, wohlhabende Handwerker und Händler, die gut leben konnten. Normalerweise waren 80% „Penetes“, arme Handwerker und Kleinbauern, die nur mühsam durchs Leben kamen, und 10% waren „Ptochoi“, die wirklich Armen und Entwurzelten, die ums Ueberleben bettelten und kämpften. Zur Zeit Jeus erhöhte sich die Zahl der „Ptochoi“ auf 30% infolge römischer Herrschaft, Bauwut des Herodes des Grossen, Missernten und Hungersnöte in Palästina. Räuberei und Auswanderung nahmen dadurch auch zu. Jesus sprach „Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes“, was am besten mit „zu gratulieren ist euch Armen“ wiederzugeben ist. Reichtum zählte nichts im Reich Gottes, und Jesus gab den „Ptochoi“ Würde und Wertschätzung. Die Jünger waren „Penetes“ und wurden aber durch die Nachfolge Jesu zu „Ptochoi“! . . . Auch Kinder, die in der damaligen Welt wenig galten, wurden von Jesus wahrgenommen, in Markus 10,13-16 steht: „Kinder wurden zu ihm gebracht, damit er sie berühre...“ Man weiss heute sehr viel über die Kinder der Antike, besonders Lloyd deMause hat ein Buch geschrieben, das „Hört ihr die Kinder weinen“ heisst und viel über die allgemeinen üblen Zustände von damals aufgedeckt hat: · Sie waren für die Erwachsenen da als Nutzen und Rohmaterial: Arbeitskräfte ab 4, 7 oder 10 Jahren; Verkauf von Kinder als Diener und Sklaven; Söhne waren potenzielle Soldaten; Altersversorgung für die Eltern; Kinderreichtum war göttlicher Segen · Kinder hatten keinen eigenen Wert und Rechte; Benachteiligung der weiblichen, unehelichen, kranken und behinderten Kinder · Waren Mängelwesen, die erst in der Vorstufe der Erwachsenen waren (keine Jugendzeit) · Gängelung und Gewalt an Kindern; Aussetzung und Kindertötung waren üblich wegen Hunger und Belästigung; es gab auch Kinderopfer.... Das Judentum schützte die Kinder bereits besser als die umliegenden Völker, besonders die Söhne waren eine Gabe Gottes. Es gab kaum Kindstötung und Aussetzung, denn Kinder waren Geschöpfe Gottes von Geburt an und fähig zur Gottesbeziehung: Aus dem Mund der Säuglinge hast du mir Lob zubereitet! Gott kümmerte sich um hilflose Säuglinge, und die Kinder waren Träger der Verheissung. Jesus ging noch weiter, bei ihm ging es um die Kinder an sich, egal welchen Geschlechts. Eltern und Status spielten bei der Begegnung mit Kindern keine Rolle. Jesus verlor seine Beherrschung gegenüber den Jüngern, nach Luther war er nur unwillig, als sie das Bringen und Anrühren der Kinder unterbinden wollten. Lasst die Kinder kommen bedeutet auch Freiraum für sie. Nur in Markus 9 und 10 wurde für Umarmen, Schmusen und Streicheln das zärtlichste Wort verwendet. Kinder wurden sogar Lehrmeister auf dem Weg zu Gott: Sie hatten keine Macht, keine Ehre, keine Titel, keinen Status und brauchten und nahmen Zuwendung und Geschenke an. Sie standen am Anfang des Lebens und hatten Erwartungen. Nur bei den Erwachsenen stellte Jesus Bedingungen oder schränkte deren Adressatenkreis ein: Arme, Verfolgte, kleine Herde, etc. Jesus aber liebte die Kinder grund- und bedingungslos, weil seine Liebe keinen Grund und kein Motiv kannte und (trotzdem) hielt. „Amen, wenn ihr das Reich Gottes nicht annehmt wie ein Kind...“ Hier nahm Jesus das Amen an den Anfang, um eine Offenbarung anzuzeigen. Generell sollte man die Bibel scharf und hart gegen sich sprechen lassen, um sie besser zu verstehen!

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Sonntag, Oktober 14, 2012

Unsere zwei Lebensaufgaben

Letzte Woche habe ich im Campo Rasa im Centovalli (Tessin) mit meiner Frau und zwei lieben Freunden einen Enneagrammkurs geleitet. Es war wieder einmal intensiv und äusserst lehrreich. Wir haben gelacht, es wurde geweint und viele wurden getröstet. Schön ist auch, dass man sich selbst und das Enneagrammsystem relativieren kann. Deutlicher als sonst ist mir die Entstehung des Musters klar geworden. Es hat viel mit unserer ersten Lebensaufgabe zu tun, die der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit dient. Sie dauert normalerweise bis in die Zwanzigerjahre. Am Anfang werden wir ungefragt auf die Welt "geworfen". Unsere Gene und potenziellen Begabungen treffen auf eine konkrete Lebenssituation, die wir auch nicht auswählen. Unser unbändiger Lebenswille und die starke Lebenskraft lassen uns zunehmend für uns selbst sorgen. Wir wählen unbewusst (Ueber)lebensstrategien, entwickeln damit ein Muster (eines von neun) und werden einmalig und zugleich einseitig. Das ist gut so und muss so sein, es gehört zu unserem Menschsein. Wir verstecken unsere unsicheren und schwierigen Anteile wie Adam und Eva sich versteckt hatten und ihre Scham mit Tierfellen bedecken liessen. Als ausgewachsene, einseitige und einmalige Persönlichkeit ist es unsere Aufgabe, zunehmend Grenzen, Schwierigkeiten und Schwächen zu erkennen, zu akzeptieren und zu bewältigen. Häufig nur unter Druck und gegen Widerstand lassen wir Weiterentwicklung, Veränderung, Verwandlung und Erlösung durch Jesus Christus zu. Das ist unsere zweite, andauernde Lebensaufgabe.

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Sonntag, Januar 23, 2011

Vom Gewissen - wie es gebildet wird und wirkt


„Das Ziel der Unterweisung ist: Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.“ 1. Timotheus 1,5

Habt Ihr schon viele Predigten über das Gewissen gehört? Ich jedenfalls nicht, obwohl das Gewissen damals und heute eine wichtige Angelegenheit ist und doch jeder eines hat! Hier im Text des Paulus ist die Liebe das wichtigste, die aber auch von einem guten Gewissen genährt wird. Und über dieses Gewissen möchte ich heute reden:
Das Wort „Gewissen“, griechisch „syneidäsis“, kommt als Begriff ungefähr dreissig Mal im NT vor. Es könnte aber auch mit Bewusstsein, Gewahrwerdung und Mitwisser übersetzt werden. Vor allem der gebildete Paulus gebrauchte es in seinen Briefen recht häufig (Römer, Korinther, Timotheus, Titus und Hebräer).
Johannes dagegen verwendete stattdessen „Herz“, so wie es im AT, bei den Juden und Jesus gebräuchlich war. So steht in 1. Johannes 3,19b&20: „Und vor ihm werden wir unser Herz beschwichtigen, wenn unser Herz uns verurteilt, denn Gott ist grösser als unser Herz und weiss alles.“
Im AT galten zudem die „Nieren“ noch stärker als eigentlicher Ort oder Organ des Gewissens. David drückte dies ein paar Mal in den Psalmen so aus, beispielsweise in 26,2: „Prüfe mich, Jahwe, und durchforsche mich, erprobe mich auf Nieren und Herz.“

Gerade bei der Vorbereitung auf diese Botschaft fiel mir erneut auf, dass es nicht nur ausdrückliche (explizite) Bibelstellen zum Gewissen gibt, sondern auch umschreibende (implizite) Texte, die den Umgang mit dem Gewissen und Gewissensfragen beschreiben. Das gilt übrigens für andere Themen auch. Das Gewissen taucht erstmals in Genesis zwei und drei auf beim „Baum der Erkenntnis von gut und böse“ und dessen Frucht. Auch bei Jesus spielt es eine wesentliche Rolle, mir kommt das reine Herz in der Bergpredigt, Gleichnisse und Begegnungen im Lukas- und Johannesevangelium in den Sinn. In Johannes 21 wird beschrieben, wie Jesus den beschämten Jüngern begegnet und Petrus mit dem schlechtem Gewissen befreit. In der Apostelgeschichte behandelt Kapitel 15 mit dem Apostelkonzil in Jerusalem auch Gewissensfragen, ebenso Paulus im Römer- und 1. Korintherbrief, wo es um Reinheit, Gesetz, Essen und Rücksichtnahme geht.

Was ich heute besonders herausschälen und erhellen möchte, ist Entstehung und Wirkung des Gewissens. Dazu habe ich viel vom Missionologen Hannes Wiher gelernt, der über zwanzig Jahre in Afrika tätig war. Gerade dort hat er erlebt, dass die Menschen häufig anders reagierten als Europäer. Herausgefunden hat er, dass sie über ein anders geprägtes Gewissen verfügen. Ueber diese unterschiedlichen Gewissensformen möchte ich nun reden. Leider gibt es zusätzlich noch Menschen, die über gar kein ausgebildetes Gewissen verfügen, weil sie keine Erzieher hatten und somit keine Werte vorgelebt erhielten. Das ist eine ganz gravierende Missbildung, die schwer zu korrigieren ist.

Viele Mittel- und Nordeuropäer, besonders Protestanten und Pietisten, verfügen über ein sogenannt „schuldorientiertes“ Gewissen. Sie wurden von einzelnen Personen, der Kleinfamilie, erzogen, die nach gleichen Normen und Werten gelebt und gehandelt hatten. Das Kleinkind konnte dank dem diese Regeln verinnerlichen und das Gewissen wurde festgelegt. (Mit dem Gewissen ist es ähnlich wie mit der Sprache, es ist eine Anlage da, die aber in den ersten Lebensjahren ausgebildet und ausgefüllt werden muss, sonst verkümmert es!)
Wenn nun das Kind die Norm verletzt, beginnt es ein Schuldgefühl, ein „schlechtes Gewissen“ zu empfinden! Dies passiert auch, wenn der Erzieher nicht mehr anwesend ist. Das ist zwar unangenehm, aber wichtig für die Bewältigung und Entwicklung. Durch Rechtfertigung, Schuldbekenntnis und/oder Korrektur bekommt es wieder ein „gutes Gewissen“. Das schlechte Gefühl ist weg, die Schwierigkeit ist bewältigt, und alles ist wieder gut! Das ist eine gute Lösung, bei der auch konstruktive Kritik, persönliches Lernen und Heiligung Raum gewinnen und möglich sind.
Ein Problem bleibt jedoch, denn das Gewissen ist durch den „Sündenfall“ (mir gefällt besser: „Beziehungszerfall“ nach Manfred Seitz) nicht mehr die objektive, unverfälschte Stimme Gottes und kann daher auch zu überempfindlich und einseitig werden, gerade bei ängstlichen, sehr gewissenhaften Menschen! Man wird in einzelnen Dingen und Themen zu detailversessen, pingelig oder pharisäerhaft, zu zwanghaft oder rechthaberisch. Ich muss immer alles richtig machen und alles muss sofort in Ordnung gebracht werden. Doch Rettung, Gerechtigkeit und geistliches Leben beruhen auf erfahrener Gnade Gottes und unverdienter Liebe, deren ich nie würdig sein werde und entsprechen kann und sie trotzdem von Gott erhalten habe und bekomme! Jesus spricht sich klar gegen pharisäische Haltungen aus (in der Bergpredigt Mt 7,12 „Splitter im Auge“ und in Lk 18,21: Der reiche Mann hat alle Gebote gehalten und trotzdem fehlt ihm etwas, nämlich der Schatz im Himmel). Ebenso wendet sich Paulus in seinen Briefen gegen Gesetzlichkeit (Rö, 1Ko 8,1-11,1; Gal, etc.).

Die meisten Menschen im Süden und Osten hingegen kennen obgenannte Gewissensform kaum, weil sie anders erzogen wurden und in einem andern Umfeld leben. Hier herrscht die Grossfamilie, bei der viele Personen zur Erziehung der Kleinkinder beitragen. (Das gleiche gilt übrigens auch für Kibbuz und Kinderkrippen. Die jüngere Generation im Westen ist daher viel gruppenbezogener und schamorientierter, das verändert Gesellschaft und Gemeinden).
Wenn die Mutter da ist, gilt x, die Oma dagegen bestimmt y und die Tante sagt z. So kann das kleine Kind die Normen und Regeln nicht mehr verinnerlichen. Es stellt sich darauf ein, dass der Massstab personenbezogen ist und bleibt, ein "schamgeprägtes" Gewissen entsteht. Eine Normverletzung ist ein Versagen gegenüber der anwesenden Person und bewirkt ein Schamgefühl oder ein Gesichtsverlust. Die Normalisierung geschieht durch Versöhnung oder Vermittlung einer Person, auf die man angewiesen ist. So bestimmt also die Grossfamilie, der Clan, die „Group“ die gültigen Werte, die gelebte Ethik. Gut und richtig ist, was die Gruppe gutheissen kann, nicht was individuell und objektiv wahr und richtig erscheint.

Aufgrund meiner Beschreibung könnte man meinen, dass ein schuldorientiertes Gewissen besser sei als ein schamgeprägtes Gewissen. Doch dem ist nicht so, denn das hat mehr mit der eigenen Kind-heit, der erfahrenen Erziehung und Kultur zu tun, in der wir leben! Unser Ziel sollte sein, beide Gewissenformen zu kennen und vom Heiligen Geist in uns ausbilden zu lassen. Die Basis dazu ist, dass das Blut Christi unser Gewissen von toten Werken reinigt, dass wir dem lebendigen Gott dienen (Heb 9,14b). Und Denn die Bibel und speziell Jesus kennen Beispiele für beide Ausformungen:
· Adam und Eva schämen sich nach dem Essen der verbotenen Frucht (Genesis 3)
· Jesus beschämt und stösst die gesetzestreuen, einseitigen und teilweise heuchlerischen Pharisäer mehrmals vor den Kopf
· Jesus erzählt in den Gleichnissen von Schuld und Scham. Beispielsweise in Lukas 15,21ff bekennt der jüngere Sohn dem Vater: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heissen.“ Der Vater dagegen spricht nur von Entfernung der Schande, Versöhnung und Wiederherstellung (und nicht von Sünde und Schuld!): „Holt schnell das beste Kleid heraus und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füsse...“
· Jesus ist voll Gnade und Wahrheit (Joh 1,14 & 17)
· Jesus ist für Schuld und Scham (Schande, Unehre, Zerstörung der Gottesebenbildlichkeit) der Menschen gestorben, er vergibt unsere Sünde und stellt uns wieder her (Ehre, Wert, Würde)

Einige Fragen zum Schluss:
· Wie bin ich aufgewachsen, wie ist mein Gewissen geprägt worden? Bin ich eher auf Schuld oder auf Scham ausgerichtet? Bin ich vielleicht sogar übermässig gewissenhaft?

· Ist Jesus sowohl für meine Schuld als auch für meine Scham gestorben, gibt er mir Vergebung und Ehre? Oder bin ich einseitig und habe gar einen blinden Fleck?

· Wie gehe ich mit Menschen um, die eine andere Gewissensprägung haben? Anerkenne und verstehe ich unterschiedliche „Kulturen“ an, gerade auch in Beziehungen, Kleingruppe und Gemeinde?

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Sonntag, Oktober 25, 2009

Neil Postman: Das Verschwinden der Kindheit

Dieses kleine und wertvolle Werk des Amerikaners Neil Postman ist in Deutsch bei Fischer Taschenbuch 3855 Frankfurt 1987 erschienen unter der ISBN 3-596-23855-2.
(Amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel: The Disappearance of Childhood). Neil Postman wurde 1931 geboren und starb im Jahr 2003. Er war Professor für Media Ecology (Medienökologie) an der New York University. Er war ein Querdenker, Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu Grundsatz- und Erziehungsfragen und machte auf die kulturzerstörende Kommerzialisierung und Medialisierung aufmerksam.

Auf der Rückseite dieses Taschenbuchs steht zusammenfassend nur ein Satz: "...es ist für die elektronischen Medien unmöglich, irgendwelche Geheimnisse zu bewahren. Ohne Geheimnisse aber kann es so etwas wie Kindheit nicht geben."
Postman bricht mit "diesem Buch den faulen Frieden, den die Erwachsenen mit der Gleichgültigkeit geschlossen haben, um die Welt bis in die Nischen hinein nach ihrem Bilde einzurichten. Es handelt von dem vielleicht folgenschwersten kulturellen Kolonisierungsunternehmen in der Gegenwart: der Zerstörung der Kindheit durch Missachtung oder Destabilisierung ihrer Spielräume, ihrer inneren Geschichte und ihrer spezifischen Zeitrechnung.... Postmans Kritik gilt der Allianz von Kommerz, Ideologie und Gedankenlosigkeit gegen die Ansprüche der Kinder auf eine eigene, freie Lebenszeit: auf die Kindheit nicht als eine biologische, sondern vielmehr als eine kulturelle Erfahrung. Die Vorstellungs- und Empfindungswelt der Kindheit ist endgültig dann abgeschafft, wenn die Kinder und Jugendlichen nur noch zu Erwachsenen-Wünschen fähig sind."

Wer Postman kennt weiss, dass er einer ist, der geschichtlich denkt, nachvollziehbar argumentiert und sich pointiert ausdrückt. Er scheut sich nicht, problematische Entwicklungen der Gegenwart anzusprechen und alternative Denkansätze und Handlungsmuster aufzuzeigen. In der Einleitung auf Seite 7 fängt er so an: Kinder sind die lebenden Botschaften, die wir einer Zeit übermitteln, an der wir selbst nicht mehr teilhaben werden. Eine Kultur, die vergisst, dass sie sich reproduzieren muss, ist, biologisch gesehen, undenkbar. Aber eine Kultur kann sehr wohl Bestand haben, ohne über eine gesellschaftliche Vorstellung von Kindern zu verfügen. Anders als das Säuglingsalter ist die Kindheit eine gesellschaftliches Kunstprodukt, keine biologische Kategorie.

Seite 19: Ohne entwickeltes Schamgefühl kann es Kindheit nicht geben.

Seite 23: In einer literalen Welt als Erwachsener zu leben bedeutet also, dass man Zugang zu kulturellen Geheimnissen hat, die in nicht-natürlichen Symbolen verschlüsselt sind. In einer literalen Welt müssen Kinder erst zu Erwachsenen werden; in einer nicht-literalen Welt dagegen ist es unnötig, zwischen Kindern und Erwachsenen genau zu unterscheiden, denn es gibt nur wenige Geheimnisse, und die Kultur braucht ihre Angehörigen nicht erst darin zu unterweisen, wie sie selbst zu begreifen ist.

Seite 28 und 29: Die Druckerpresse brachte eine neue Definition von Erwachsenheit hervor, die auf Lesenkönnen gründete, und entsprechend eine neue Auffassung von Kindheit, die auf dem Nichtlesenkönnen beruhte...: In der Welt des Mittelalters ist die Kindheit unsichtbar. Barbara Tuchman schreibt: "Von allen Eigenheiten, in denen sich das Mittelalter von der heutigen Zeit unterscheidet, ist keine so auffallend wie das fehlende Interesse an Kindern."

Seite 48: Seit der Erfindung des Buchdrucks musste die Erwachsenheit erworben werden. Sie wurde zu einer symbolischen Leistung, war nicht länger Resultat einer biologischen Entwicklung. Seit der Erfindung des Buchdrucks mussten die Kinder Erwachsene erst werden, und dazu mussten sie lesen lernen, die Welt der Typographie betreten. Damit ihnen das gelang, brauchten sie Erziehung. Deshalb erfand die europäische Zivilisation die Schule von neuem. Und damit machte sie aus der Kindheit eine Institution.

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Montag, Oktober 12, 2009

Erziehung: Warum sie so schwierig und trotzdem so wichtig ist



Als direkt und indirekt Betroffener, durch jahrelange Beobachtungen, Gespräche und die Internetseite www.elternkompetenz.de bin ich angeregt worden, Gedanken zu Erziehung heute aufzuschreiben:

Wir leben in bewegten Zeiten, kaum je hatte eine Gesellschaft so viele materielle und technische Möglichkeiten wie die unsere. Die daraus entstandene „Multioptionsgesellschaft“ mit Informationsflut und Hektik prägt sowohl uns Eltern, als auch unsere Kinder, Schule, Beruf, Kirchen und Freizeit. Wir können uns dieser Atmosphäre, diesem „Sog“ nicht ganz entziehen, trotzdem sollten wir den Zeitgeist kritisch betrachten und nicht einfach übernehmen. Sind wir noch in der Lage, unsere Zeit nüchtern und klar wahrzunehmen, um dann sinnvoll agieren, angemessen reagieren und auch Gegensteuer geben zu können? Nach meinem Verständnis trifft für die Gegenwart viel vom Gleichnis des Säemanns zu, der unter die Dornen säte: „Der in die Dornen Gesäte, das ist der, der das Wort hört, aber weltliche Sorgen und der Trug des Reichtums ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht.“ (Mt 13,22).

Wir leben heute im Westen in einer Welt des materiellen Wohlstands, einer Welt des „Zuviels“, die uns bestimmen will und ersticken lässt: zu viel Optionen, zu viel Informationen, zu viel Tempo, zu viel Zeitdruck und zu viel ungesunder Stress. Zu häufig sind uns Auswirkungen und die daraus folgenden Mängel wenig bewusst:
· zu wenig zweckfreie Zeit
· zu wenig wirkliche Musse
· zu wenig zwecklose Beziehung
· zu wenig ungestörte Zuwendung
· letztlich einfach zu wenig echte Liebe

Gute Lösungen für dieses Dilemmas sind nicht leicht zu finden. Denn zurück zu den „guten alten Zeiten“ können wir nicht, zudem waren sie auch nicht nur gut! Die erfahrene eigene Erziehung kann nicht kopiert werden, da andere Zeiten und neue Herausforderungen für unsere Kinder vorhanden sind, beispielsweise der Umgang mit Internet und Handy.
Aus Gründen wie Narzissmus, Unübersichtlichkeit, Beanspruchung in Berufsalltag und aus Ueberforderung besteht die Tendenz, vieles laufen zu lassen. Statt Liebe und Zeit gibt es dann eher Geld, Gameboy und Gelati. "Kinder, die alles dürfen, sind eher die unglücklicheren Kinder", meint die Psychologin und Verhaltenstherapeutin Annette Kast-Zahn. Auch sind sie häufig sich selbst überlassen und verunsichert und es fehlt ihnen an:
· ruhiger Zuwendung und Auseinandersetzung
· gegenseitigem Verstehen
· geduldigem Suche nach Ursachen, wenn es Probleme gibt
· Anstrengungsbereitschaft, und zwar von Vater und Mutter

Im Zeitalter des Ueberflusses ist vermehrt Grenzen setzen angesagt. Der Familien- und Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge, Autor des Bestsellers "Kinder brauchen Grenzen" betont, dass junge Menschen ein Recht auf "begleitende Autorität" haben. Nur wer ihnen Grenzen setze, bringe ihnen bei, dass Konflikte zum Leben gehören. Diskussion und klare Argumente in der Familie bekommen Kindern besser als Harmonie und Nachgiebigkeit. Eltern sollen Sparringpartner, auch mal wie eine Mauer sein, gegen die die Kinder anrennen können und dürfen! Aus Angst vor der seelischen Zerbrechlichkeit und Schäden erdulden Eltern Demütigungen und Beleidigungen ihrer Kinder. Die Folge ist, dass Kinder ihre Eltern nicht (mehr) wirklich ernst nehmen. Holger Wyrwa, ein anderer Erziehungswissenschaftler meint dazu: "Kinder, die nicht die Erfahrung machen, dass ihrem Verhalten Grenzen gesetzt sind, wachsen mit einem unrealistischen Bewusstsein auf und halten sich für Riesen, wo sie nur Zwerge sind. Entmachten Sie die kleinen Tyrannen zu ihrem eigenen Besten."

Durch "produktiven Widerstand" gibt man Kindern Orientierung in einer Welt, die wenig Verlässichkeit und Stabilität kennt. Konkret heisst das liebevoll und dem Kind zugewandt zu sein, aber entschieden dort, wo festzulegen ist, was geht und was nicht. Kinder brauchen verbindliche und konsequente Eltern, nur so können diese in einer unübersichtlichen Kinderwelt Strukturen herstellen, die dann Halt und Sicherheit geben. Verabredungen mit Kindern sind einzuhalten, familiäre Regeln durchzusetzen und Wünsche sind zu begrenzen, vor allem die, die ständig auf Kosten anderer gehen. Ebenso sind Aufsässigkeit, Tyrannei und Aggressivität sinnvoll zu sanktionieren. Solche Sanktionen sind immer auf das Fehlverhalten zu beziehen, beispielsweise wird absichtliche Verschmutzung mit Entfernen derselben Verschmutzung geahndet.

Das Internet, eine virtuelle Welt ohne Grenzen, ist bald in jeder Familie und Schule verfügbar. Seine Inhalte sind aber unkontrollierbar und jederzeit abrufbar. Es beeinflusst und verändert seine Nutzer und Konsumenten, gerade auch Kinder und Jugendliche! Positiv zu vermerken ist, dass auch Intelligenz, Kreativität und Selbstbewusstsein trainiert werden können. Kinder benötigen aber in der unübersichtlichen multimedialen Welt mehr Orientierung. Dazu gehören auch zeitliche Begrenzungen und altersgemässe Kontrolle. Eltern müssen sich gegen die Macht der Medien behaupten und durchsetzen können, obwohl ihre Kinder eher digitale Kenner und Experten sind. Angemessener Dialog, andauernder Gesprächsfaden und gut ausgeübte Autorität sind auch hier besonders gefragt.

Einige Fragen zum Schluss:
· Wo bin ich als Erziehender gefordert, von Gott und andern Menschen erzogen und geformt zu werden?
. Wo können Eltern Grenzsetzung lernen, die nicht auf Liebesentzug hinausläuft?
· Wie setzt man Regeln, ohne aggressiv zu werden?
· Wie vermeiden Eltern, zum Kumpel der Kinder zu werden?

Vermehrt bräuchten Eltern - gerade auch Akademiker - Training, weil sie mit der anspruchsvollen und kräfteraubenden Erziehungsaufgabe stark gefordert und teilweise überfordert werden.
Aus Australien kommt das Erziehungstraining "Triple P", bei dem die drei "P" für Positive Parenting Program stehen. Es macht Ernst mit dem Gedanken der pädagogischen Prävention. In einer grösseren deutschen Stadt soll es künftig flächendeckend durchgezogen werden.
Andere Pädagogen rufen nach Fortbildungskursen, die am Beginn jeder neuen Lebensphase der Kinder stehen sollten: wenn sie in den Kindergarten kommen, beim Schulanfang, vor der Pubertät.
Oder sollte man darüber nachdenken, dass nur Kindergeld bekommt, wer regelmäßig Elternkurse absolviert und so seinen Erziehungswillen bekundet?

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Samstag, August 15, 2009

Lukas 15 ist das Evangelium im Evangelium

Das Lukasevangelium zeichnet sich dadurch aus, dass die Menschwerdung Gottes in Jesus sehr eindrücklich beschrieben wird. Gott wirkt durch seinen Geist an, in und mit den Menschen, gerade an Frauen, die damals nicht viel zählten. Menschliche Erfahrungen und Empfindungen wie Schwangerschaft und Geburt, Barmherzigkeit und Freude werden intensiv und detailliert beschrieben (siehe Kapitel 1).
Die Gleichnisse, die Lukas aufgezeichnet hat, zeigen vor allem das Wesen Gottes: Er ist ein barmherziger Vater, der das oder den Verlorenen sucht! Er sehnt sich danach, dass alle Menschen bei ihm ganz Zuhause sein können mit ihrem unterschiedlichen Erleben und Empfinden.
Gleichnisse waren die übliche Erzählform von damals. Sie haben aramäische Sprache und ländliche Lebensweise in Galiläa als Ausgangslage und Hintergrund. Es sind ausgebaute Vergleiche, bei denen eine Geschichte oder ein Bild für die eigentliche Sache, die geistliche oder himmlische Wahrheit steht. Gleichnisse sind an drei verschiedene Adressaten gerichtet: an die Jünger, an das Volk oder an die Pharisäer. Das Beachten der Adressaten ist wichtig, damit wir nicht falsche Schlüsse ziehen.
Gleichnisse sind zudem sprachliche Waffen, denn das Gegenüber kann schockiert und zur sofortigen Reaktion herausgefordert werden (frei nach Joachim Jeremias).
Gleichnisse sind auch ein Weg, um zu Menschen in "Trance", im Sinne von Verblendung, Fixiertheit und Verstockung zu sprechen; Menschen, die eigentlich sehen und hören können, es aber trotzdem nicht tun (nach Clarence Thomson).
Noch etwas zu den Titeln/Ueberschriften der Gleichnisse: Es sind immer menschliche Zusätze, die eine bestimmte, oft eine einseitige Sichtweise wiedergeben. Ueblich ist „Das Gleichnis vom verlorenen Sohn“ (Zürcher Bibel). Das finde ich etwas verkürzt, da eigentlich beide Söhne verloren waren. Und in der Hauptaussage geht es vermutlich noch mehr um den Vater! Einige Beispiele: - Der Vater und seine zwei Söhne (Gute Nachricht)- Verloren und wiedergefunden (Neue Genfer Uebers.)- Heimkehr der Verlorenen (Uebertrag. von Jörg Zink)- Der wartende Vater (Floyd McClung)- Das Gleichnis von der Liebe des Vaters (H. Nouwen)- Gott bietet sich als guter Vater an (Urs Scherrer) Ueberlegen Sie sich, wie Sie dieses Gleichnis benennen würden? Das sagt viel über Ihre Gottesbeziehung und Selbsteinschätzung aus!

Jedes Gleichnis hat eine oder mehrere "Pointen", einen springenden Punkt. Klaus Berger, der deutsche Theologe schreibt in seinem Buch "Jesus" auf Seite 238 dazu: Das Gleichnis (vom verlorenen Groschen in Lukas 15,8-10) handelt aber von Gott. Im Bild dieser Frau steht seine närrische Suche im Zentrum, seine, Gottes wahnsinnige Freude. Denn er, der Herr der Welten, ist auf der Suche nach jedem verlorenen kleinen Menschen. Er kehrt das Haus um, auf dass er den Letzten finden kann. Die normale Weltordnung ist hier verkehrt worden: Nicht wir müssen Gott suchen, den mächtigen und barmherzigen, sondern er sucht uns. Verzweifelt fast, um jeden Preis. Und wer sein Haus umkehrt, um einen Groschen zu suchen, der tut es auf Knien. Nicht wir knien hier, sondern Jesus schildert hier Gott auf Knien. Ein merkwürdiger Gott – versteht der denn gar nichts von Würde?

Im Gleichnis vom Vater und seinen Söhnen sehe ich drei zentrale Pointen:

1. Der Vater geht auf die Unverschämtheit des jüngeren Sohnes ein und lässt ihn ziehen: „Vater, gib mir den (mir) zukommenden Teil der Habe!“ Im Klartext von damals heisst das: Vater, ich möchte, dass du bereits tot wärest, damit ich mein Erbe erhalte. Eine solche Aussage war empörend, denn alle hatten Ehrfurcht vor alten Menschen und ihrem Vater, der bis an sein Lebensende über seine Familie zu bestimmen hatte. „Er aber teilte ihnen das Vermögen zu.“ Auch das war nicht denkbar damals, dass ein Vater vor seinem Ableben seinen Besitz verteilt hätte. Doch hier tut er es, er hält nicht an seiner Ehre, seinen Vorrechten fest, er lässt sich demütigen und erniedrigt sich selbst!

2. Der Vater empfindet Erbarmen für seinen heruntergekommenen Sohn und geht ihm entgegen: „Aber er war noch weit entfernt, (da) sah ihn sein Vater und empfand Erbarmen und (kam) gelaufen. Er fiel um seinen Hals und küsste ihn.“ Nachdem der Vater den unmöglichen Wünschen seines Sohnes nachgekommen war, waren keine Vorwürfe, kein Groll, keine Rache in seinem Herzen, sondern Sehnsucht nach dem Sohn. Dieser Sohn gehört trotz allem zu mir, ich habe ihn lieb! Die Vaterliebe ist stärker als Recht und unsere Vorstellung von Gerechtigkeit. Er hält Ausschau nach seinem Sohn. Als er ihn sieht, empfindet er Erbarmen oder Mitleid. Deshalb geht er ihm entgegen, fällt ihm um den Hals und küsste ihn. Er setzt ihn wieder ein als Sohn mit allen Zeichen, die damals dazugehörten: das schönstes Kleid, ein Ring und Sandalen. Und dann wird ein fröhliches Festmahl gefeiert!

3. Der Vater geht auch zum älteren Sohn und bittet ihn: Es gibt zwei verlorene Söhne in diesem Gleichnis. Der Vater kümmert sich um beide, er möchte beide fröhlich und glücklich bei sich haben. Hier kommen wieder die Adressaten, die Pharisäer, ins Spiel, denn sie benehmen sich wie dieser ältere Sohn: „(Es) näherten sich ihm alle Zöllner und Sünder, (um) ihn zu hören. Sowohl die Pharisäer als auch die Schriftgelehrten murrten (und) sagten: Dieser nimmt Sünder an und isst mit ihnen.“ Das gilt auch für uns: Egal ob du ein Sünder oder ein Frommer bist, Gott möchte dich lieben und in seiner Nähe haben. Sowohl Sünde als auch Frömmigkeit, Gesetzlichkeit und Rechtschaffenheit und die daraus entstehende Ueberheblichkeit trennen uns von Gott. Gott möchte, dass auch die Frommen ihre Verblendung einsehen und sich wie der Zöllner in Lk 18,13 benehmen: Aber der Zöllner stand von ferne (und) wollte nicht einmal die Augen aufheben zum Himmel, sondern schlug (an) seine Brust (und) sagte: O Gott, sei mir Sünder gnädig!

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Mittwoch, Juni 10, 2009

Resilienz


Ein neuer Begriff macht die Runde: „Resilienz“. Dieser war ursprünglich in der Technik gebräuchlich und bedeutet Flexibilität und Elastizität. Beim Menschen wird er verwendet für psychische Widerstandskraft ohne zu verhärten gemäss Dr. Samuel Pfeifer in der Zeitschrift „diakonie“ 04.2008.
Bereits vor über zwanzig Jahren ging der israelische Soziologe Dr. Aaron Antonovsky der Frage nach, was Menschen gesund hält (und nicht was sie krank macht) und begründete damit die „Salutogenese“. Er stellte in Forschungen fest, dass erstaunlich viele Frauen, die den Holocaust überlebt hatten, auch die Menopause gut meisterten. Diesen Zusammenhang nannte er „Kohärenz“, genauer ist es:

· die Fähigkeit, Zusammenhänge des Lebens zu verstehen

· die Ueberzeugung, das eigene Leben gestalten zu können und

· der Glaube, dass das Leben einen Sinn hat.

Er hat 1987 zehn Faktoren bestimmt, die Menschen in schwierigen Lebensumständen schützen und ihnen zu Widerstandskraft verhelfen:

1. Stabile emotionale Beziehung zu einem Elternteil oder Bezugsperson

2. Soziale Unterstützung innerhalb und ausserhalb der Familie (Nachbarn, Lehrer oder Gleichaltrige)

3. Emotional warmes, offenes, strukturierendes und Norm orientiertes Erziehungsklima

4. Soziale Modelle, die zu konstruktiver Lebensbewältigung ermutigen (Elternhaus, Schule, Kirchgemeinde, Jugendgruppe, etc.)

5. Soziale Verantwortlichkeit (z.B. Sorge für Verwandte oder Freunde) und Leistungsanforderungen (z.B. Pflichten in Familie, Schule oder Arbeitsplatz)

6. Kognitive Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, durchschnittliche Intelligenz und realistische Zukunftsplanung

7. Temperamentseigenschaften, die effektive Problembewältigung begünstigen wie Flexibilität, Annäherungsverhalten und Impulskontrolle

8. Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Ueberzeugungen, Selbstvertrauen und positives Selbstbild

9. Aktive Lösungssuche bei Problemen

10. Glaube: Erfahrung von Sinn, Struktur und Bedeutung in der eigenen Entwicklung


“Resilienz bedeutet, den Glauben nicht aufzugeben –
trotz unerfüllter Wünsche und offener Fragen an Gott.
Resilienz bedeutet, die Liebe nicht aufzugeben –
trotz erfahrener Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit.
Resilienz bedeutet, die Hoffnung nicht aufzugeben –
trotz schier unüberwindbarer Hindernisse und Widerstände.
Resilienz brauchen wir alle.“ Dr. Samuel Pfeifer

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Mittwoch, November 15, 2006

Das Wesen des Vaters

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und wurde von Erbarmen bewegt, lief hin, fiel ihm um den Hals und küsste ihn ...
Sein Vater kam heraus und redete ihm gut zu ... Er sprach zu ihm: "Mein Kind, du bist allezeit bei mir, alles, was mein ist, ist dein. ...


Rembrandt folgte in seinem Gemälde nicht wortwörtlich dem Lukasevangelium. Er entschloss sich, einen stilleren Vater darzustellen. Das hat wahrscheinlich mit seiner Biografie zu tun: der äussere Glanz und die Aktivität ist aus seinem Leben gewichen, aber das innere Feuer der Liebe ist durch viel Leid gewachsen und stark geworden. Der Blick des Vaters ist der eines Blinden, er erkennt den Sohn nicht mit den Augen, sondern mit seinem Innern, dem Herzen. Und seine Hände sind Instrumente dieses Herzens, das voll ist von Liebe und Erbarmen. Und diese Hände sind ins Licht und in die Mitte des Bildes gerückt. Sie verkörpern Vergebung, Versöhnung und Heilung.
Rembrandt hat eine Vater- und eine Mutterhand gemalt. Auf der Schulter des Sohnes ruht die kräftige und muskulöse Vaterhand, die festhält. Auf dem Rücken die feingliedrige, sanfte und zärtliche Mutterhand, die streicheln und trösten will. Die Mutterhand ist das Echo auf die Worte aus Jesaja 49,15 "Vergisst denn ein Weib ihren Säugling, ohne Erbarmen für den Sohn ihres Leibes? Auch diese mögen vergessen, ich aber, ich vergesse dich nicht. Da, auf beide Handflächen habe ich dich eingegraben."
Nouwen schreibt über die Hände Gottes: "Sie hielten mich seit der Stunde meiner Empfängnis, sie hiessen mich bei meiner Geburt willkommen, hielten mich an die Brust meiner Mutter gedrückt, sie gaben mir Nahrung und deckten mich zu. Sie schützten mich in Zeiten der Gefahr und trösteten mich in Zeiten des Kummers. Sie winkten mir beim Abschied und begrüssten mich stets beim Wiederkommen. Diese Hände sind Gottes Hände. Es sind auch die Hände meiner Eltern, Lehrer, Freunde, Helfer und all derer, die Gott mir gab, um mich daran zu erinnern, wie sicher gehalten und geborgen ich bin."

Gott will, dass auch wir den Weg von der Kindschaft hin zu Vaterschaft und Mutterschaft gehen. Oft ist es ein langer Weg, bis wir die lähmende Furcht vor Gott wirklich ganz fallen lassen können. Aber Gott wandelt uns in sein Bild um, wenn wir Jesus Christus nachfolgen. "Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist" hat Jesus gesagt. Die gleiche Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung, die er uns schenkt, soll überfliessen auf unsere Nächsten. Das ist die grosse Herausforderung im Alltag: Kann ich bedingungslos lieben, kann ich geben, ohne etwas dafür zu erwarten? Dann können andere nicht mehr Konkurrenten, Rivalen, Gegner und Feinde bleiben, sondern Menschen, denen ich mit Liebe und Wertschätzung begegne und segnend meine Hände auf ihre Schultern lege.

Deshalb lautet die letzte Frage an uns: Identifiziere ich mich mit dem Vater? Bin ich auf dem Weg zur geistlichen Mutter- und Vaterschaft? Wem kann ich väterlich oder mütterlich begegnen?

Father (ein Lied von Adrian Snell 1990, dessen Vater 1988 starb)

My defender, my protector
My provider, Father
Friend and stranger – always there
Never danger when you're near
In the shadow of your love.

Always righeous teacher, pleased to learn
Still the child inside the man
Sometimes right and sometimes wrong
Sometimes weak and sometimes strong.

Now life ending, temple ageing
Sadness sometimes, scarred yet so kind
Sometimes certain, often not
Sometimes broken, sometimes lost
Still with laughter in your eyes.

Father, always, need you, miss you
Thank you deeply – you are in me
I can touch you, hear you, feel you
You are with me, I'll be with you.

strong in faith, living soul
Israel, going home
Whole in love, live complete
Deep in peace – this is love inteed.

Empfohlene Literatur:
· Zuerst Texte der Bibel in verschiedenen Uebersetzungen: besonders Psalmen, Jesajabuch & Lukasevangelium
· Floyd McClung: Das Vaterherz Gottes. JmeM Frankfurt 1986
· Henri J. M. Nouwen: Nimm sein Bild in dein Herz. Herder Freiburg 1991
· Geri Keller: Vater. Ein Blick in das Herz Gottes. Schleifeverlag Winterthur 2002
· Brennan Manning: Verwegenes Vertrauen. Ergreifen, was Gott uns schenkt. Brockhaus Wuppertal 2002
· Susanne Schmid Grether: Jesus der Jude. Schoresch Wetzikon 1997
· W. A.Visser't Hooft: Rembrandts Weg zum Evangelium. Zwingli-Verlag Zürich 1955
· ...und sei Dir des Vater im Himmel gewiss. Zeitschrift Salzkorn OJC 2/2002

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Sonntag, Oktober 22, 2006

Eine berührende Geschichte von Parker Palmer

Ein dreijähriges Mädchen war die Erstgeborene und das einzige Kind in ihrer Familie. Doch nun wurde ihre Mutter erneut schwanger, und das Mädchen war sehr aufgeregt, weil sie einen neuen Bruder oder eine neue Schwester bekommen sollte. Wenige Stunden, nachdem die Eltern mit dem neugeborenen Jungen aus der Klinik nach Hause kamen, hatte das
Mädchen eine Bitte: Sie wollte allein mit ihrem neuen Bruder in dessen Zimmer sein, bei
geschlossener Tür. Sie bestand darauf, dass sie allein mit ihm und die Tür geschlossen sein müsse, was zunächst ein wenig Unbehagen bei den Eltern verursachte. Dann fiel ihnen ein, dass sie in der Erwartung des Babys eine Gegensprechanlage installiert hatten. Also dachten sie, sie könnten der Bitte ihrer Tochter ruhig nachkommen, und bei der leisesten Andeutung, dass etwas Seltsames geschehe, wären sie im nächsten Augenblick im Zimmer. Sie liessen also das kleine Mädchen in das Zimmer des Babys, schlossen die Tür und eilten zur Gegensprechanlage. Sie konnten die Schritte ihrer Tochter durch das Zimmer hören, stellten sich vor, wie sie über die Wiege gebeugt stand, und dann hörten sie, wie sie zu ihrem drei Tage alten Bruder sagte: „Erzähle mir von Gott – ich kann mich kaum erinnern.

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Donnerstag, August 24, 2006

John Bradschaw: Das Kind in uns

Da ich viel lese und sammle, möchte ich meine wichtigsten Zusammenfassungen all denen zur Verfügung stellen, die daran interessiert sind.
"Das Kind in uns" von John Bradshaw, das bei Droemer in Münschen 1992 erschienen ist, hat mich tief beeindruckt, so dass ich es zusammengefasst habe.

Etwas zum Autoren: John Bradshaw kann man nicht gerade als astreinen Christen bezeichnen. Er beruft sich auch relativ selten explizit auf den christlichen Glauben, das macht ihn mir symphatisch. Trotzdem habe ich viel von seinen grundsätzlichen Gedanken über Familiensysteme gelernt, weil er fähig ist, komplexe, schwer durchschaubare Zusammenhänge in klare Sätze zu fassen und starke Ausdrücke zu kleiden. Er ist heute eine Kapazität auf dem Gebiet der Familientherapie. Er wuchs in Houston, Texas, auf und erlebte eine schwierige Kindheit, weil sein Vater Alkoholiker war. Er studierte katholische Theologie in Kanada, wandte sich kurz vor der Ordinierung von der Kirche ab und war dann als Psychotherapeut und Managementberater tätig. Er versteht es wie nur wenige Personen, die Prozesse, die wir als Kinder durchleben, zu reflektieren und in tiefsinnige Aussagen zu packen: Keiner von uns hat eine ideale Kindheit erlebt, wir alle haben kleinere oder grössere Verletzungen abbekommen. Diese wirken oft weit ins Erwachsenenalter hinein und bestimmen uns und unsere Beziehungen wesentlich mit. Von diesen Verletzungen und von Heilungsprozessen, die möglich sind, schreibt John Bradshaw in seinem 384seitigen Buch, das vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt wurde. Nachfolgend gebe ich nur einige prägnante Aussagen, die er vorwiegend im ersten Teil dieses Buches macht, weiter:

Aus „Narzisstische Störungen“ auf Seite 31: „Jedes Kind braucht vorbehaltslose Liebe – zumindest zu Anfang. Das Kind muss sich in den Augen eines wohlwollenden Erwachsenen spiegeln können, sonst hat es keine Möglichkeit, zu erfahren, wer es ist. Jeder von uns war zuerst ein Wir, bevor er ein Ich wurde. Wir brauchten ein Gesicht, in dem wir alle Teile unseres Selbst wie in einem Spiegel erkennen können. Wir brauchten die Gewissheit, dass wir uns auf die Liebe der Bezugsperson, die sich um uns kümmerte, verlassen konnten, Das waren unsere gesunden narzisstischen Bedürfnisse. Wenn sie nicht befriedigt wurden, wurde unserem Gefühl für unsere Ichhaftigkeit Schaden zugefügt.“

Aus „Vertrauensprobleme“ auf Seite 32: „Wenn Bezugspersonen nicht vertrauenswürdig sind, entwickeln die Kinder mit der Zeit ein tiefes Gefühl des Misstrauens. Die Welt erscheint ihnen als ein gefährlicher, feindseliger und unberechenbarer Ort. Das Kind muss dann lernen, immer auf der Hut zu sein und die Situation unter Kontrolle zu behalten. Es ist schliesslich überzeugt, „wenn ich alles unter Kontrolle habe, kann mich niemand überraschen und verletzen“.“

Aus „Störungen der Intimität“ auf Seite 38: „Viele erwachsene Kinder sind ständig zwischen der Angst vor dem Alleingelassenwerden und der Angst vor dem Verschlungenwerden hin und her gerissen. Die einen leben in ständiger Isolation, weil sie Angst haben, von einem anderen Menschen erdrückt zu werden. Die anderen sind nicht in der Lage, eine zerstörerische Beziehung zu beenden, weil sie panische Angst vor dem Alleinsein haben. Die meisten Menschen bewegen sich zwischen diesen beiden Extremen.“
Dazu weiter auf Seite 40: „Es ist unmöglich, Intimität zu realisieren, wenn man kein Selbstwertgefühl hat. Wie soll man sich einem anderen Menschen hingeben können, wenn man selbst nicht weiss, wer man ist? Wie soll man sich einem anderen mitteilen können, wenn man nicht weiss, wer man wirklich ist?
Eine Möglichkeit, ein starkes Gefühl für sich selbst zu entwickeln, besteht darin, feste Grenzen zu ziehen. Wie die Grenzen eines Landes beschützen uns auch die Grenzen unseres Körpers, indem sie uns signalisieren, wenn uns jemand zu nahe kommt oder versucht, uns in unangemessener Weise zu berühren.. Unsere selbstbestimmten Grenzen in der Sexualität sorgen dafür, dass wir uns sexuell sicher und geborgen fühlen. (Menschen, die instabile sexuelle Grenzen haben, haben häufig Sex, obwohl sie es gar nicht wollen.)“
Dazu weiter auf Seite 42: „Die Erniedrigung eines anderen Menschen zum Sexualobjekt ist die Geissel der wahren Intimität. Intimität erfordert zwei vollständige Menschen, von denen jeder den anderen als Individuum achtet.“

Aus "Denkstörungen" auf Seite 45 & 46: „Jean Piaget nannte Kinder „kognitive Fremdlinge“. Sie denken anders als Erwachsene und neigen zum Absoluten. Ihr Denken ist durch ein Alles-oder-Nichts-Prinzip gekennzeichnet. Wenn du mich nicht liebst, dann hasst du mich. Dazwischen gibt es nichts anderes. Wenn mein Vater mich verlässt, werden mich alle Männer verlassen. Kinder sind nicht logisch. Das lässt sich am besten an einem Phänomen zeigen, das man „emotionales Argumentieren“ nennt. Ich habe ein bestimmtes Gefühl, also muss es so sein. Wenn ich mich schuldig fühle, muss ich eine verderbte Person sein.
Kinder brauchen eine ausgewogene Erziehung, damit sie lernen, wie man das Denken vom Fühlen unterscheidet – wie man über Gefühle nachdenkt und ein Gefühl für seine Gedanken entwickelt. Kinder denken egozentrisch, was dadurch zum Ausdruck kommt, dass sie alles personalisieren. Wenn Dad keine Zeit für mich hat, bedeutet das, dass mit mir irgend etwas nicht stimmt. Kinder interpretieren die meisten Beschimpfungen so. Sie sind von Natur aus egozentrisch, ohne dass das ein Zeichen für Egoismus im moralischen Sinn sein muss. Kindern fällt es eben noch schwer, den Standpunkt eines anderen Menschen einzunehmen.

Aus "Optimismus" auf Seite 56 & 57: „Der natürliche Lebensfunke des Kindes drängt es dazu, die Welt auf eine optimistische Art zu erforschen. Wenn seine Bezugspersonen auch nur in etwa berechenbar sind, lernt das Kind, der Aussenwelt zu vertrauen, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Kinder gehen natürlicherweise davon aus, dass die Welt ihnen freundlich gesinnt ist; sie sind voller Hoffnung, und es erscheint ihnen nichts unmöglich zu sein. Dieser natürliche Optimismus und dieses Vertrauen sind der Kern dessen, was uns die Natur mitgegeben hat, und die Säulen des sogenannten „kindlichen Glaubens“.
Dieser natürliche Optimismus und das Vertrauen der Kinder machen sie so verwundbar. Wenn ein Kind seinen Bezugspersonen völlig vertraut, ist es sehr verletzlich, wenn es beschimpft oder auf andere Weise angegriffen wird.

Aus "Naivität" auf Seite 58: Die Eltern oder die anderen erwachsenen Bezugspersonen müssen Geduld haben und verständnisvoll sein. Wenn ihnen diese Eigenschaften fehlen, erwarten sie zuviel von ihrem Kind. In den meisten Fällen von Kindesmisshandlungen, die mir bekannt sind, war der misshandelnde Elternteil fest davon überzeugt, dass das Kind in böser Absicht gehandelt hatte. Alle diese Erwachsenen hatten von dem Kind einen Reifegrad erwartet, der seinem tatsächlichen Alter überhaupt nicht entsprach.“

Aus "Einzigartigkeit" auf Seite 65 & 66: „Das natürliche Gefühl eines Kindes für Werte und Würde ist sehr anfällig, da es ständig von der unmittelbaren Rückmeldung und dem Echo der Bezugsperson abhängt, von der es versorgt wird. Wenn die Bezugsperson dem Kind kein wirklichkeitsgetreues und liebevolles Feedback gibt, verliert es das Gefühl dafür, dass es etwas Besonderes und Einzigartiges ist.
Zur Spiritualität gehört etwas, das tief in uns verborgen liegt und unser authentischster Teil ist – unser wahres Selbst. Wenn wir spirituell sind, stehen wir im Kontakt mit unserer Einzigartigkeit und Besonderheit. Das ist unser elementares Sein, unsere Ichhaftigkeit. Zur Spiritualität gehört ausserdem ein Gefühl für die Verbindung mit etwas, was grösser ist als wir selbst, und auf das wir uns gründen. Kinder sind von Natur aus gläubig – sie wissen, dass es etwas gibt, was grösser ist als sie selbst.
Ich glaube, dass unsere Ichhaftigkeit der Wesenskern dessen ist, was unsere Aehnlichkeit mit Gott ausmacht. Wenn ein Mensch ein Gefühl für diese Qualität hat, ist er in Harmonie mit sich und kann sich selbst annehmen. Kinder können das von Natur aus. Schauen Sie sich irgendein gesundes Kind an, dann werden Sie bei ihm einen Ausdruck erkennen, der besagt: „Ich bin, wer ich bin.“ Interessanterweise sagt Gott zu Moses in der Theophanie des brennenden Dornbuschs (Exodus 3,14): „Ich bin der „Ich-bin-da“.“ In diesem ICH BIN liegt der tiefste Sinn menschlicher Spiritualität, der alle Eigenschaften einschliesst, die mit dem Wertvollen, Besonderen verbunden sind. Im Neuen Testament findet sich immer wieder eine Situation, in der Jesus dem „Einzelnen“ die Hand reicht: dem verirrten Lamm, dem verlorenen Sohn, dem Menschen, der es verdient, dass man sich bis zum letzten Atemzug für ihn einsetzt. Der „Einzelne“ ist der, der er ist; es hat ihn vorher nie gegeben und es wird ihn auch nicht noch einmal geben.“

Aus "Liebe" auf Seite 66 & 67: „Kinder sind von Natur aus prädestiniert, zu lieben und ihre Zuneigung auszudrücken. Trotzdem muss jedes Kind erst geliebt werden, bevor es selbst lieben kann. Es lernt lieben, indem es selbst geliebt wird. Montagu schreibt: “Von allen menschlichen Bedürfnissen ist das Bedürfnis, geliebt zu werden ... das elementarste ... Es ist ein Bedürfnis, das uns menschlich werden lässt.“
Kein Säugling besitzt die Fähigkeit zu einer reifen, altruistischen Liebe. Er liebt auf eine Art, die seinem Alter entspricht. Die gesunde Entwicklung des Kindes hängt davon ab, dass es von einem Menschen geliebt wird, der es vorbehaltlos akzeptiert. Wenn dieses Bedürfnis befriedigt wird, wird die Liebeseneregie des Kindes freigesetzt, so dass es andere lieben kann.
Wenn das Kind in der Seele des Erwachsenen so schwer verletzt worden ist und unter solchen entbehrungen leiden musste, kann der Erwachsene später nur noch einen schwachen Widerhall aus der Welt der anderen Menschen wahrnehmen. Sein Hunger nach Liebe lässt ihn nie los. Das Bedürfnis bleibt bestehen, und das verletzte Kinde in ihm füllt diese Leere auf die Weise aus, die ich beschrieben habe.“

Aus "Sexueller Missbrauch" auf Seite 70: „Darunter versteht man, dass das Kind von einem Erwachsenen zur Befriedigung seiner sexuellen Lust missbraucht wird. Das Kind lernt dadurch, dass es für den Erwachsenen nur dann eine Bedeutung hat, wenn es sich sexuell betätigt. Die Folge einer solchen Verletzung ist, dass der Mensch als Erwachsener glaubt, er könne wahre Liebe eines anderen Menschen nur dann erringen, wenn er ein phantastischer Liebhaber oder ein sexuell ungewöhnlich attraktiver Mensch ist. Es gibt viele Formen des sexuellen Missbrauchs. Die nichtkörperlichen sind die, die am häufigsten nicht erkannt werden und das Opfer auf die schlimmste Weise neurotisieren.
Um nichtkörperlichen oder emotionalen sexuellen Missbrauch richtig verstehen zu können, müssen wir begreifen, dass die Familie ein soziales System ist, das seine eigenen Gesetze hat...
Das Familiensystem besteht ausserdem aus Komponten, von denen die wichtigste die Ehe ist. Wenn die Intimbeziehung der Ehe gestört ist, übernimmt das Familienprinzip des Gleichgewichts und des Ausgleichs das Regiment. Die Familie braucht eine gesunde Ehe, um im Gleichgewicht bleiben zu können. Wenn das Gleichgewicht gestört ist, drängt die Dynamik die Kinder dazu, es wiederherzustellen.
Die Faustregel lautet: Wenn ein Kind für einen Elternteil wichtiger ist als der eigene Partner, entsteht die Gefahr sexuellen Missbrauchs, der darin besteht, dass der Vater oder die Mutter das Kind für seine eigenen Bedürfnisse benützen. Ein derartiges Verhalten kehrt die natürlichen Verhältnisse um. Die Eltern sind dazu da, den Kindern Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und ihnen Orientierungen zu vermitteln, nicht, um sie zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu benützen, denn benützen bedeutet soviel wie missbrauchen.“

Aus Epilog „Nach Hause, Elliott, nach Hause!“ auf Seite 381: „Wie sehr wir uns auch anstrengen, um das Kind in uns zurückzugewinnen und zu beschützen, es bleibt trotzdem in jedem von uns eine gewisse Leere. Ich nenne das den „metaphysischen Blues“. Es ist natürlich ein freudiges Ereignis, wenn wir das Kind in uns zurückgewinnen und in unsere Obhut nehmen. Für viele von uns ist es ein Gefühl, als ob sie zum erstenmal wirklich nach Hause kämen. Aber auch wenn wir uns sicher fühlen und einander verbunden sind, haben wir alle doch noch eine Reise durch die Finsternis vor uns. Und so erschreckend das auch sein mag, es sehnt sich trotzdem jeder von uns tief in seinem Innersten danach. Denn gleichgültig, welche Träume in Erfüllung gehen, immer erleben wir auch so etwas wie eine kleine Enttäuschung, wenn wir an einem dieser Ziele angelangt sind. Dann sagen wir mit Dante, Shakespeare und Mozart: War das alles?
Ich glaube, dass dieses Gefühl der Enttäuschung dadurch entsteht, dass wir alle noch ein anderes Zuhause haben, wo wir wirklich hingehören. Ich glaube daran, dass wir alle aus der Tiefe des Seins kommen und dass dieses Sein uns wieder zurückruft. Ich glaube, dass wir von Gott kommen und dass wir Gottes Geschöpfe sind. Gleichgültig, wie gut es uns geht, wir sind nie wirklich zu Hause. Augustinus, auch ein verletztes Kind, hat das schön ausgedrückt: „Du hast uns für Dich selbst erschaffen, O Herr, und unsere unruhigen Herzen finden erst Frieden, wenn sie in Dir ruhen.“ Das wird dann endlich unsere wahre Heimkehr sein.“


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