Mittwoch, April 12, 2017

1. Metanoia, das geschärfte Eisen

Im ersten Kapitel, auf den Seiten 12 bis 36, schreibt Schleske von der Wichtigkeit der richtig vorbereiteten und geschärften Werkzeuge. Denn es gebe abgestumpfte Werkzeuge, die die Arbeiten anstrengend und mühsam machen; und es gebe blau geschliffenes Eisen, das das Metall brüchig und unbrauchbar mache. Das Gleiche könne mit einer zu gewissenhaften Seele passieren, die dadurch Orientierung, Halt und Trost verliere. Zu letzterem zitiert er den Jesuitengründer Ignatius von Loyola, der mal gesagt hat: Wenn es dem Feind nicht gelingt, eine Seele zu vergröbern, dann setzt er alles dran, sie in einem Übermass zu verfeinern. Solch eine überfeine Seele hält ständig Dinge für Sünde, wo gar keine Sünde ist, und darum klagt sie sich an (Seite 28).

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Montag, Oktober 12, 2009

Erziehung: Warum sie so schwierig und trotzdem so wichtig ist



Als direkt und indirekt Betroffener, durch jahrelange Beobachtungen, Gespräche und die Internetseite www.elternkompetenz.de bin ich angeregt worden, Gedanken zu Erziehung heute aufzuschreiben:

Wir leben in bewegten Zeiten, kaum je hatte eine Gesellschaft so viele materielle und technische Möglichkeiten wie die unsere. Die daraus entstandene „Multioptionsgesellschaft“ mit Informationsflut und Hektik prägt sowohl uns Eltern, als auch unsere Kinder, Schule, Beruf, Kirchen und Freizeit. Wir können uns dieser Atmosphäre, diesem „Sog“ nicht ganz entziehen, trotzdem sollten wir den Zeitgeist kritisch betrachten und nicht einfach übernehmen. Sind wir noch in der Lage, unsere Zeit nüchtern und klar wahrzunehmen, um dann sinnvoll agieren, angemessen reagieren und auch Gegensteuer geben zu können? Nach meinem Verständnis trifft für die Gegenwart viel vom Gleichnis des Säemanns zu, der unter die Dornen säte: „Der in die Dornen Gesäte, das ist der, der das Wort hört, aber weltliche Sorgen und der Trug des Reichtums ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht.“ (Mt 13,22).

Wir leben heute im Westen in einer Welt des materiellen Wohlstands, einer Welt des „Zuviels“, die uns bestimmen will und ersticken lässt: zu viel Optionen, zu viel Informationen, zu viel Tempo, zu viel Zeitdruck und zu viel ungesunder Stress. Zu häufig sind uns Auswirkungen und die daraus folgenden Mängel wenig bewusst:
· zu wenig zweckfreie Zeit
· zu wenig wirkliche Musse
· zu wenig zwecklose Beziehung
· zu wenig ungestörte Zuwendung
· letztlich einfach zu wenig echte Liebe

Gute Lösungen für dieses Dilemmas sind nicht leicht zu finden. Denn zurück zu den „guten alten Zeiten“ können wir nicht, zudem waren sie auch nicht nur gut! Die erfahrene eigene Erziehung kann nicht kopiert werden, da andere Zeiten und neue Herausforderungen für unsere Kinder vorhanden sind, beispielsweise der Umgang mit Internet und Handy.
Aus Gründen wie Narzissmus, Unübersichtlichkeit, Beanspruchung in Berufsalltag und aus Ueberforderung besteht die Tendenz, vieles laufen zu lassen. Statt Liebe und Zeit gibt es dann eher Geld, Gameboy und Gelati. "Kinder, die alles dürfen, sind eher die unglücklicheren Kinder", meint die Psychologin und Verhaltenstherapeutin Annette Kast-Zahn. Auch sind sie häufig sich selbst überlassen und verunsichert und es fehlt ihnen an:
· ruhiger Zuwendung und Auseinandersetzung
· gegenseitigem Verstehen
· geduldigem Suche nach Ursachen, wenn es Probleme gibt
· Anstrengungsbereitschaft, und zwar von Vater und Mutter

Im Zeitalter des Ueberflusses ist vermehrt Grenzen setzen angesagt. Der Familien- und Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge, Autor des Bestsellers "Kinder brauchen Grenzen" betont, dass junge Menschen ein Recht auf "begleitende Autorität" haben. Nur wer ihnen Grenzen setze, bringe ihnen bei, dass Konflikte zum Leben gehören. Diskussion und klare Argumente in der Familie bekommen Kindern besser als Harmonie und Nachgiebigkeit. Eltern sollen Sparringpartner, auch mal wie eine Mauer sein, gegen die die Kinder anrennen können und dürfen! Aus Angst vor der seelischen Zerbrechlichkeit und Schäden erdulden Eltern Demütigungen und Beleidigungen ihrer Kinder. Die Folge ist, dass Kinder ihre Eltern nicht (mehr) wirklich ernst nehmen. Holger Wyrwa, ein anderer Erziehungswissenschaftler meint dazu: "Kinder, die nicht die Erfahrung machen, dass ihrem Verhalten Grenzen gesetzt sind, wachsen mit einem unrealistischen Bewusstsein auf und halten sich für Riesen, wo sie nur Zwerge sind. Entmachten Sie die kleinen Tyrannen zu ihrem eigenen Besten."

Durch "produktiven Widerstand" gibt man Kindern Orientierung in einer Welt, die wenig Verlässichkeit und Stabilität kennt. Konkret heisst das liebevoll und dem Kind zugewandt zu sein, aber entschieden dort, wo festzulegen ist, was geht und was nicht. Kinder brauchen verbindliche und konsequente Eltern, nur so können diese in einer unübersichtlichen Kinderwelt Strukturen herstellen, die dann Halt und Sicherheit geben. Verabredungen mit Kindern sind einzuhalten, familiäre Regeln durchzusetzen und Wünsche sind zu begrenzen, vor allem die, die ständig auf Kosten anderer gehen. Ebenso sind Aufsässigkeit, Tyrannei und Aggressivität sinnvoll zu sanktionieren. Solche Sanktionen sind immer auf das Fehlverhalten zu beziehen, beispielsweise wird absichtliche Verschmutzung mit Entfernen derselben Verschmutzung geahndet.

Das Internet, eine virtuelle Welt ohne Grenzen, ist bald in jeder Familie und Schule verfügbar. Seine Inhalte sind aber unkontrollierbar und jederzeit abrufbar. Es beeinflusst und verändert seine Nutzer und Konsumenten, gerade auch Kinder und Jugendliche! Positiv zu vermerken ist, dass auch Intelligenz, Kreativität und Selbstbewusstsein trainiert werden können. Kinder benötigen aber in der unübersichtlichen multimedialen Welt mehr Orientierung. Dazu gehören auch zeitliche Begrenzungen und altersgemässe Kontrolle. Eltern müssen sich gegen die Macht der Medien behaupten und durchsetzen können, obwohl ihre Kinder eher digitale Kenner und Experten sind. Angemessener Dialog, andauernder Gesprächsfaden und gut ausgeübte Autorität sind auch hier besonders gefragt.

Einige Fragen zum Schluss:
· Wo bin ich als Erziehender gefordert, von Gott und andern Menschen erzogen und geformt zu werden?
. Wo können Eltern Grenzsetzung lernen, die nicht auf Liebesentzug hinausläuft?
· Wie setzt man Regeln, ohne aggressiv zu werden?
· Wie vermeiden Eltern, zum Kumpel der Kinder zu werden?

Vermehrt bräuchten Eltern - gerade auch Akademiker - Training, weil sie mit der anspruchsvollen und kräfteraubenden Erziehungsaufgabe stark gefordert und teilweise überfordert werden.
Aus Australien kommt das Erziehungstraining "Triple P", bei dem die drei "P" für Positive Parenting Program stehen. Es macht Ernst mit dem Gedanken der pädagogischen Prävention. In einer grösseren deutschen Stadt soll es künftig flächendeckend durchgezogen werden.
Andere Pädagogen rufen nach Fortbildungskursen, die am Beginn jeder neuen Lebensphase der Kinder stehen sollten: wenn sie in den Kindergarten kommen, beim Schulanfang, vor der Pubertät.
Oder sollte man darüber nachdenken, dass nur Kindergeld bekommt, wer regelmäßig Elternkurse absolviert und so seinen Erziehungswillen bekundet?

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Mittwoch, September 13, 2006

Dieter Brandes: Einfach managen

Dieses Buch von Dieter Brandes heisst: Einfach managen. Klarheit und Verzicht – der Weg zum Wesentlichen. Es ist erschienen in Redline Wirtschaft bei Ueberreuter Frankfurt/Wien 2002.
Dieter Brandes war Geschäftsführer und Verwaltungsrat von Aldi Nord. Heute ist er selbständiger Berater für Strategie und Organisation sowie Buchautor. Dieses Werk von Brandes finde ich deshalb interessant, weil er es versteht die wesentlichen Elemente des Managens herauszuschälen, ohne plakativ zu werden. Ihm geht es, wie der Untertitel sagt, um zielorientierte Klarheit und bewussten Verzicht. Interessantes Detail ist, dass er auf ein Vorwort verzichtet und so auch hier seinem Credo nachlebt. Seine Beispiele, die er im Buch verwendet, sind sehr anschaulich, konkret und somit lehrreich. Seine treffenden Zitate regen zum Nachdenken an und zeigen, dass es dem Autor um mehr geht, als nur ökonomisch erfolgreich und gewinnorientiert zu sein. Er kritisiert die Pseudokomplexität, die heute zu Bürokratie, Blockierung und Mittelmässigkeit führt. Eine der Hauptfragen, die er immer wieder aufwirft ist, „Warum sollen die Kunden bei mir einkaufen?“ Ein Buch, das einen Bogen schlägt von allgemeingültigen Einsichten bis zu konkreten Handlungsanweisungen. Um einen Einblick in dieses Buch zu geben, gebe ich die wichtigsten Zitate und Einsichten des Autors wieder:
„Vollkommenheit entsteht nicht dann, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern, wenn man nichts mehr wegnehmen kann.“ Antoine de Saint-Exupéry
„Das Gehirn mit 500 Billionen Verkehrsknotenpunkten ist die komplexeste Materie des Universums.“ Wolf Singer
Das entscheidende Mittel der Komplexitätsbeherrschung ist die Reduktion der Möglichkeiten.
Einfacher machen bedeutet: Man muss so lange streichen, bis man nichts mehr weglassen kann, ohne das Wesen zu verändern.
„In den nächsten paar Jahren werden wir vorrangig um Vereinfachung bemüht sein.“ Jack Welch
„Menschen mit einfach und klar strukturiertem Denken und Wissen werden den Informationssüchtigen langfristig klar überlegen sein.“ Hugh Heclo, Virginia
„Der erste Schritt zu einem Roman ist eine Kurzfassung auf einem einzigen Blatt.“ John Steinbeck
Macht alles so einfach wie möglich, aber nicht einfacher“ Albert Einstein
Verbringe nicht die Zeit mit der Suche nach einem Hindernis, vielleicht ist keines da“ Franz Kafka
„Nur wer seiner Tante und seinem Onkel den Geschäftsplan in wenigen Sätzen erklären kann, verfügt über eine erfolgsversprechende Strategie.“ Jörg Kühnapfel
Nur eine drastische Reduktion der Informationen kann den Umgang mit Komplexitäten ermöglichen. Nur so können wir das Wesentliche erkennen, das Muster, den Wald und eine Orientierung... Wer Orientierung sucht, muss bereit sein zum Verzicht.
„Für ein Schiff, das seinen Hafen nicht kennt, weht kein Wind günstig“ Seneca
„Die Grenze ist der Ort der Entwicklung“ Heinrich Fallner
Vertrauen ist ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Wer misstraut, wird von immer weniger Leuten immer mehr abhängig.“ Niklas Luhmann
Die Redensart „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ ist dumm und falsch ... und ungeeignet für das moderne Management... Kontrolle ist ein Mittel, Leistungen wahrzunehmen, zu sehen, was der Mitarbeiter geschafft hat. Kontrolle ist ein Dialog über Aufgaben und Ergebnisse, über Abweichungen von Vorstellungen und ein Austausch über Einschätzungen und Bewertungen. Kontrolle sollte nur Stichprobenprüfung sein, ob Regeln eingehalten werden. Kontrolle soll Vertrauen bestätigen.
„Wir brauchen auch ein gewisses Mass an Dummheit im Sinne des Verzichts auf Informationen. Sonst können wir zwar alles gut erklären, analysieren. Aber noch nicht die Lösungen für die Zukunft finden.“ Gerd Binnig, Physik-Nobelpreisträger
Kultur, Sinn und Ziele werden durch Fakten verdeckt. ... Sinnfragen können nicht aus Informationen abgeleitet werden. ... Phantasie und gesunder Menschenverstand sind notwendig bei der Entdeckung und beim Verstehen des Wesens und der Elemente von Systemen. ... Alle Daten brauchen am Ende eine bewusste Bewertung und die Ableitung einer Entscheidung und Handlung.
„Den meisten Leuten helfen all die Daten nicht weiter. Was sie wissen müssen, ist: Welche strategischen Fragen muss ich beantworten? Welche Variablen sind zu berücksichtigen?“ Jack Welch
Je mehr wir mit Fakten eingedeckt werden, desto weniger erschliesst sich uns der Hintergrund oder Zusammenhang einzelner Botschaften“ Neil Postman, Technopolis
Ein Uebermass an Informationen wiegt uns in falscher Sicherheit. Man glaubt sich gut informiert, aber die Genauigkeit von Urteilen und Einschätzungen nimmt ab. Zu viele Informationen führen zur Orientierungslosigkeit.“ Peter Sloterdijk, Philosoph
Faktenreichtum führt zur Theoriearmut. Die Wissenschaftler überschwemmen sich selbst mit Informationen aus zahllosen, weltweit durchgeführten Experimenten. Eine "Zusammenschau“ wird immer schwieriger. Verzweifelt werden Theorien gesucht, mit denen sich die Informationen zu einem sinnvollen Ganzen integrieren lassen.“ Karl-Heinz Voigt, Neurobiologe
„Was nicht zu verstehen ist, kann nicht auf Verständnis hoffen.“ Roman Herzog
"Kontinuierliche Verbesserungen sind besser als hinausgezögerte Vervollkommnung.“ Mark Twain
Verzicht nimmt nicht. Der Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.“ Martin Heidegger
„Nicht allen alles bieten. Sondern wenigen vieles. Das Wesentliche im Ueberfluss.“ Adrian Stalder, Hotelier in Pontresina

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