Donnerstag, September 18, 2014

Giumaglio

Was gibt es Schöneres als einfach Zeit zu haben und die Seele baumeln zu lassen? Natürlich braucht es das passende Umfeld und den geeigneten Ort dazu. Giumaglio im Maggiatal ist ein solcher Ort, hier finden meine Frau und ich Ruhe und Musse. Gute Freunde wohnen in diesem Dorf schon seit Jahrzehnten und vermieten ein renoviertes Rustico. Wir haben einen schönen Raum, eine imposante Landschaft und glasklares Wasser, die zur Entspannung beitragen. Und es ist Zeit zum Sein, Geniessen, Wandern, Baden und Lesen da. Bleibenden Eindruck hinterlassen haben die Bücher von Barbara Drossel: Und Augustinus traute dem Verstand; David Bentley Hart: Atheist Delusions; Alister McGrath: C. S. Lewis - Die Biografie; Jodi Picoult: Beim Leben meiner Schwester. Letzteres ist einer der besten Romane, den ich je gelesen habe. Es ist beeindruckend, wie die Amerikanerin stimmig formulieren und variieren kann. Bestimmt werde ich zu all diesen hervorragenden Werken zu gegebener Zeit noch mehr schreiben.
Blick vom Rustico in den südlich-klaren Abendhimmel

Labels: , , , , , , , , , , , , , ,

Sonntag, September 11, 2011

Tamierpass




Der Tamierpass ist mit 2'772 Meter über Meer einer der höchsten Pässe im Tessin. Er verbindet das Bavonatal mit dem italienischen Formazza (zu deutsch: Eschental). Auf Tessinerseite ist der Ausgangspunkt San Carlo, das letzte Dorf im Bavonatal, das auf 900 Meter über Meer liet. Man steigt also über einen anfänglich guten Bergweg und überwindet 1'800 Höhenmeter bis zur Passhöhe. Dabei fängt man im dichten Laubwald des Val Antabia an, der immer wie lichter wird und zu Nadelwald mit vielen Lärchen wechselt. Auf ungefähr 2'000 Meter über Meer hört der Baumbestand auf und nun dominieren Gräser und das eindrückliche Hochmoor "Piano delle Creste". Hier kann man auch übernachten im "rifugio", der Berghütte, die unmittelbar über dem Hochmoor liegt.
Danach geht der Weg wieder recht steil bergan, und die Berglandschaft verändert sich erneut: Steine und Fels in unterschiedlichen Grau- und Brauntönen dominieren. Erste, schmutzige Schneeflecken und kleine Schmelzseen werden sichtbar. Kurz vor der Passhöhe liegt flach etwas Ewigschnee, ein dünnes Ueberbleibsel eines Gletschers. Inzwischen ist jede Form von Grün verschwunden, es gibt nur noch Stein, Eis und Himmel, die schroffe und unwirtliche Hochgebirgswelt der Tessineralpen ist erreicht.




Labels: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Sonntag, September 04, 2011

Laghi della Crosa


Etwas vom schönsten, aber auch vom abgelegensten im Tessin, sind die "laghi della Crosa", die beiden Crosa-Bergseen, die zuhinterst und zuoberst im Calnegiatal liegen. Sie liegen auf über 2'100 Meter über Meer, daher erreicht man sie nur nach mehrstündigen Bergwanderungen von Foroglio, Calnegia oder von San Carlo aus.

Labels: , , , , , , , ,

Montag, Juli 18, 2011

Calnegia




Von Foroglio im Bavonatal geht rechts hoch ins Calnegiatal, von wo aus der berühmte Wasserfall herunterstürzt. Nur zuerst geht es kurvig und anstrengend bergauf, nach nur einer halben Stunde ist das eigentliche Hochtal erreicht. Jetzt führt der Weg sanft bergan, durch Bergwiesen und wilde Waldstücke geht es parallel des Calnegia-Flusses entlang ins Tal hinein. Immer wieder gibt es steil aufragende Felsen zu bestaunen. Nach einer Stunde abwechslungsreicher Wanderung erreicht man nun den Alpweiler Calnegia auf 1'100 Meter über Meer. Diese Alp, dreiseitig von Felsenumgeben, wird im Sommer nur noch wenig bewirtschaftet und genutzt. Vor Jahrzehnten wurde hier Alplandwirtschaft gründlich betrieben, deshalb heisst dieser Wanderweg auch "percorso della transumanza", was Weg der Transhumanz bedeutet. (Transhumanz ist Ferneweidewirtschaft mit Weideplätzen, die nur jahreszeitlich genutzt wurden zur Sicherung einer Existenz. Hier im Calnegiatal war das im Sommer der Fall!)
Von da aus geht der Weg weiter steil bergauf zu den Crosaseen und zum -pass, der ins nächste Seitental führt. Das ist ein wunderschöner Weg, aber er erfordert doch eine gute Kondition, denn es geht nochmals fast 1'500 Meter hinauf bis zur Passhöhe. Dafür wird man belohnt mit einer einsamen, weitgehend unberührten Bergwelt, kristallklaren Seen und Aussicht auf Ewigschnee und Gletschereis der Tessiner- und italienischen Alpen.





Labels: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Mittwoch, Juli 06, 2011

Bavona





Der Fluss Bavona beginnt bereits im Cristallinagebiet und fliesst bei Bignasco im hintern Maggiatal in die Maggia. Er hat dem wilden, urtümlichen Bavonatal seinen Namen gegeben. Früher wurde hier versucht, diesem steinschlaggefährdeten Gebiet, Boden für die Berglandwirtschaft abzuringen. Davon sind noch etliche Spuren wie Wege, Natursteinmauern, Kastanienbäume, Häuser und wenige Menschen übriggeblieben. Jedoch im Winter war das Bavonatal wegen Naturgefahren meist unbewohnt. Heute ist es ein wilder Naturpark, wunderbares Wandergebiet und herrliches Kletterparadies.
Anbei einige Bilder davon:

Der berühmte Wasserfall bei Foroglio

Labels: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Dienstag, Juni 28, 2011

Bosco Gurin





Bosco Gurin war langezeit das einzige deutschsprachige Dorf im Tessin mit eigener deutschsprachiger Schule. Es ist ein Walserdorf, das in einem Seitental des Maggiatal liegt in einer Mulde auf 1'500 Meter über Meer. Die Leute waren im Mittelalter aus dem Kanton Wallis eingewandert über mehrere Alpenpässe und hatten hier eine neue Existenz mit Berglandwirtschaft aufgebaut. Leider ist diese Kultur am Verschwinden, denn heute wohnen dort ganzjährig nur noch etwa fünfzig, meist ältere Personen. Aber es gibt auch noch etliche umgebaute Häuser, die als Feriendomizil dienen, liegt Bosco Gurin doch in einer wenig berührten Berglandschaft der Südalpen. Ausser wenigen Skiliften, etwas landwirtschaftlichen Eingriffen mit Zäunen und vielen kleinen Steinspeichergebäuden, erinnert wenig an unsere technisierte Zivilisation. Es gibt also noch viel Bergwelt pur.
Vor wenigen Tagen war ich an einem eher nebligen Tag dort oben und habe eine Rundwanderung hinauf bis zu den zwei Bergseen über 2'000müM gemacht und dabei einige stimmungsvolle Bilder geknipst:







Zum Nachweis, dass es dort oben auch sonnigeres Wetter gibt, ein früheres Bild eines Sees in der Nähe der "Henggufurgge" mit Blick nach Westen in die italienischen Alpen des Eschentals:

Labels: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Sonntag, September 26, 2010

Maggia


Die junge Maggia im hochalpinen Naret-Gebiet

Von der Quelle bis zur Mündung ist der Fluss "Maggia" nur 58 Kilometer lang. Er beginnt weit hinten im Cristallinagebiet auf etwa 2'800 Meter über Meer und endet im Maggiadelta auf 193.50 Meter über Meer, das zwischen Locarno und Ascona am Lago Maggiore liegt. Das Gefälle ist im ersten Drittel beträchtlich, bevor in Bignasco die wilde Bavona in Maggia mündet und sie nahezu verdoppelt. Danach fliesst sie durch den flacheren und breiteren Talboden weiter dem Lago Maggiore zu.



Die Maggia im mittleren Abschnitt, in der breiten Talsohle

Das Spezielle des Maggiaflusses ist, dass er so extrem unterschiedlich viel Wasser führt. Die Menge pro Sekunde beträgt zwischen 2 und 4'500 Kubikmeter Wasser! Das letzte Mal hat die Maggia diese Maximalmenge 1978 erreicht, was damals gar zu Todesopfern geführt hat. So ist sie zum zweitgrössten Fluss der Schweiz, nach dem Rhein bei Basel, geworden. Das hat auch damit zu tun, dass das hintere Maggiatal zum niederschlagreichsten Gebiet der Schweiz gehört. Der Kanton Tessin und die Stadt Locarno wurden gezwungen, riesige, mehrstufige, zirka zehn Meter hohe Seitendämme anzulegen, um die Schäden bei den seltenen Hochwassern zu vermeiden.



Kurz vor Ponte Brolla wird das Tal wieder enger, felsiger, steiniger und die Maggia umso spektakulärer

Etwas weiter hinten, nach dem natürlichen Einschnitt bei Ponte Brolla, weitet sich das Maggiatal wieder und die Maggia hat hier wunderschöne, einmalige Auenlandschaften gebildet. Die Minimalmenge erreicht die Maggia häufig in den Winter- und manchmal auch in den Sommermonaten. Dann treten die riesigen Kies- und Sandbänke zutage, die von vielen zum (Sonnen)Baden genutzt werden. Natürlich hat das auch etwas mit der Wasserkraftnutzung zu tun, liegen doch im Einzugsgebiet der Maggia zahlreiche grosse Stauseen, die miteinander verbunden sind, und jedes Gefälle zur Stromgewinnung nutzen.





Vom Monte Gamborogno aus, von der gegenüberliegenden Seite des Lago Maggiore, hat man herrlichen Ausblick auf die Walliser-, Tessiner- und Bündnerberge

Labels: , , , , , , , , , , ,

Mittwoch, September 22, 2010

Naret


Zuhinterst im Lavizzaratal, zwischen Fusio, Robiei und Airolo, liegt das Quellgebiet der Maggia im Cristallinagebiet auf etwa 2'500 Meter über Meer. Eine wunderschöne, urtümliche und leere Berglandschaft, die aber nur nach Stunden zu Fuss erreichbar ist. Mitten drin liegt der grosse Stausee "Naret". Er ist Ausgangspunkt der Wasserkraftgewinnung, die im Maggiatal und im Tessin grosse Bedeutung hat. In Druckrohren fällt dieses Wasser Stufe für Stufe herab, treibt Turbinen zur Stromgewinnung an, und landet schlussendlich im Lago Maggiore bei Brissago. Da die meisten Rohre im Berg verlaufen, bleibt die Berglandschaft weitgehend unberührt. So findet man hier noch richtige Hochmoore umgeben von steinigen Hängen und abgeschliffenen Felsbrocken.







Labels: , , , , , , , , ,