Sonntag, September 11, 2011

Tamierpass




Der Tamierpass ist mit 2'772 Meter über Meer einer der höchsten Pässe im Tessin. Er verbindet das Bavonatal mit dem italienischen Formazza (zu deutsch: Eschental). Auf Tessinerseite ist der Ausgangspunkt San Carlo, das letzte Dorf im Bavonatal, das auf 900 Meter über Meer liet. Man steigt also über einen anfänglich guten Bergweg und überwindet 1'800 Höhenmeter bis zur Passhöhe. Dabei fängt man im dichten Laubwald des Val Antabia an, der immer wie lichter wird und zu Nadelwald mit vielen Lärchen wechselt. Auf ungefähr 2'000 Meter über Meer hört der Baumbestand auf und nun dominieren Gräser und das eindrückliche Hochmoor "Piano delle Creste". Hier kann man auch übernachten im "rifugio", der Berghütte, die unmittelbar über dem Hochmoor liegt.
Danach geht der Weg wieder recht steil bergan, und die Berglandschaft verändert sich erneut: Steine und Fels in unterschiedlichen Grau- und Brauntönen dominieren. Erste, schmutzige Schneeflecken und kleine Schmelzseen werden sichtbar. Kurz vor der Passhöhe liegt flach etwas Ewigschnee, ein dünnes Ueberbleibsel eines Gletschers. Inzwischen ist jede Form von Grün verschwunden, es gibt nur noch Stein, Eis und Himmel, die schroffe und unwirtliche Hochgebirgswelt der Tessineralpen ist erreicht.




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Montag, Juli 18, 2011

Calnegia




Von Foroglio im Bavonatal geht rechts hoch ins Calnegiatal, von wo aus der berühmte Wasserfall herunterstürzt. Nur zuerst geht es kurvig und anstrengend bergauf, nach nur einer halben Stunde ist das eigentliche Hochtal erreicht. Jetzt führt der Weg sanft bergan, durch Bergwiesen und wilde Waldstücke geht es parallel des Calnegia-Flusses entlang ins Tal hinein. Immer wieder gibt es steil aufragende Felsen zu bestaunen. Nach einer Stunde abwechslungsreicher Wanderung erreicht man nun den Alpweiler Calnegia auf 1'100 Meter über Meer. Diese Alp, dreiseitig von Felsenumgeben, wird im Sommer nur noch wenig bewirtschaftet und genutzt. Vor Jahrzehnten wurde hier Alplandwirtschaft gründlich betrieben, deshalb heisst dieser Wanderweg auch "percorso della transumanza", was Weg der Transhumanz bedeutet. (Transhumanz ist Ferneweidewirtschaft mit Weideplätzen, die nur jahreszeitlich genutzt wurden zur Sicherung einer Existenz. Hier im Calnegiatal war das im Sommer der Fall!)
Von da aus geht der Weg weiter steil bergauf zu den Crosaseen und zum -pass, der ins nächste Seitental führt. Das ist ein wunderschöner Weg, aber er erfordert doch eine gute Kondition, denn es geht nochmals fast 1'500 Meter hinauf bis zur Passhöhe. Dafür wird man belohnt mit einer einsamen, weitgehend unberührten Bergwelt, kristallklaren Seen und Aussicht auf Ewigschnee und Gletschereis der Tessiner- und italienischen Alpen.





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Montag, September 13, 2010

Froda


Das hintere Maggiatal ist weitläufig und zerklüftet mit tief eingeschnittenen Tälern. Nebst dem ausgedehnten, bekannteren Robiei-Cristallina-Gebiet gibt es östlich davon grosse Alpweiden und Berge, so auch die Alpe Froda. Man erreicht sie am besten von Pian di Peccia im Valle Lavizzara, dort wo noch heute Peccia-Marmor abgebaut wird. Gleich dahinter steigt man hoch durch dichte Wälder, zuerst Tannen, dann Lärchen und kommt dann auf eine Alp mit Weitsicht auf 2'000 Meter über Meer.
Ueber der Baumgrenze geht es weiter über Alpweiden und Stock und Stein auf einen Berggrat, von dem man eine fantastische Fernsicht geniessen kann. Hier erblickt man Schneeberge, Gebirgszüge und Gletscher bis ins Bündnerland und nach Italien hinein. Wie so oft in den Tessineralpen fehlt auch nicht ein glasklarer und spiegelglatter Bergsee, von denen es im Tessin Hunderte gibt, Orte der wohltuenden äusseren Ruhe.


Blick von der Alp nach Südosten in Richtung Peccia- und Verzascatal






Blick in Richtung Nordwesten nach Robiei und ins Cristallinagebiet



Blick in Richtung Westen zum Basodinogletscher und ins Wallis
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Donnerstag, August 05, 2010

Robiei

Was den Tessin auszeichnet, sind grosse klimatische Gegensätze. Man kann innert Stunden wechseln von mediterranem Flair mit Palmen, Strand und See zu hochalpinem Charakter mit Felsen, Gletscher und Schnee. Diesen Wechsel vom warmen, pulsierenden Leben in die kühle Einsamkeit mache ich regelmässig. Letzten Monat war ich für einen halben Tag in Robiei, das im Cristallinagebiet zuhinterst im Maggiatal liegt. Es ist zu Fuss oder mit einer imposanten Seilbahn ab San Carlo im Bavonatal erreichbar. Von der Bergstation eröffnet sich bei schönem Wetter eine weite Sicht auf den mächtigen Basodinogletscher. Und da wollte ich hin (und kam auch an...)



Was ich unterwegs sah, kaum war ich vom Wanderweg abgewichen, möchte ich nicht vorenthalten. Auf gut 2'000 Meter über Meer traf ich unerwartet auf ein Rudel mit etwa zwölf Steinböcken, die ich auf wenige Meter Distanz minutenlang beobachten konnte...


Einige Hundert Meter unter dem Gletscher haben sich erst kürzlich letzte, farbenfrohe und widerstandsfähige Pflanzen einen Platz in den Steinen erobert...

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