Montag, Juli 18, 2011

Calnegia




Von Foroglio im Bavonatal geht rechts hoch ins Calnegiatal, von wo aus der berühmte Wasserfall herunterstürzt. Nur zuerst geht es kurvig und anstrengend bergauf, nach nur einer halben Stunde ist das eigentliche Hochtal erreicht. Jetzt führt der Weg sanft bergan, durch Bergwiesen und wilde Waldstücke geht es parallel des Calnegia-Flusses entlang ins Tal hinein. Immer wieder gibt es steil aufragende Felsen zu bestaunen. Nach einer Stunde abwechslungsreicher Wanderung erreicht man nun den Alpweiler Calnegia auf 1'100 Meter über Meer. Diese Alp, dreiseitig von Felsenumgeben, wird im Sommer nur noch wenig bewirtschaftet und genutzt. Vor Jahrzehnten wurde hier Alplandwirtschaft gründlich betrieben, deshalb heisst dieser Wanderweg auch "percorso della transumanza", was Weg der Transhumanz bedeutet. (Transhumanz ist Ferneweidewirtschaft mit Weideplätzen, die nur jahreszeitlich genutzt wurden zur Sicherung einer Existenz. Hier im Calnegiatal war das im Sommer der Fall!)
Von da aus geht der Weg weiter steil bergauf zu den Crosaseen und zum -pass, der ins nächste Seitental führt. Das ist ein wunderschöner Weg, aber er erfordert doch eine gute Kondition, denn es geht nochmals fast 1'500 Meter hinauf bis zur Passhöhe. Dafür wird man belohnt mit einer einsamen, weitgehend unberührten Bergwelt, kristallklaren Seen und Aussicht auf Ewigschnee und Gletschereis der Tessiner- und italienischen Alpen.





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Dienstag, Juni 28, 2011

Bosco Gurin





Bosco Gurin war langezeit das einzige deutschsprachige Dorf im Tessin mit eigener deutschsprachiger Schule. Es ist ein Walserdorf, das in einem Seitental des Maggiatal liegt in einer Mulde auf 1'500 Meter über Meer. Die Leute waren im Mittelalter aus dem Kanton Wallis eingewandert über mehrere Alpenpässe und hatten hier eine neue Existenz mit Berglandwirtschaft aufgebaut. Leider ist diese Kultur am Verschwinden, denn heute wohnen dort ganzjährig nur noch etwa fünfzig, meist ältere Personen. Aber es gibt auch noch etliche umgebaute Häuser, die als Feriendomizil dienen, liegt Bosco Gurin doch in einer wenig berührten Berglandschaft der Südalpen. Ausser wenigen Skiliften, etwas landwirtschaftlichen Eingriffen mit Zäunen und vielen kleinen Steinspeichergebäuden, erinnert wenig an unsere technisierte Zivilisation. Es gibt also noch viel Bergwelt pur.
Vor wenigen Tagen war ich an einem eher nebligen Tag dort oben und habe eine Rundwanderung hinauf bis zu den zwei Bergseen über 2'000müM gemacht und dabei einige stimmungsvolle Bilder geknipst:







Zum Nachweis, dass es dort oben auch sonnigeres Wetter gibt, ein früheres Bild eines Sees in der Nähe der "Henggufurgge" mit Blick nach Westen in die italienischen Alpen des Eschentals:

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Sonntag, November 28, 2010

Ascona im Winter


Heute ist zwar winterlicher Schneefall hier, ansonsten ist es aber südlich der Alpen häufig schönes Wetter im Tessin. Ascona und der Lago Maggiore haben dann eine besondere Magie mit ihren Stimmungen und Sonnenuntergängen. Der Himmel zeigt sich manchmal in allen Farbabstufungen, eingerahmt durch weisse Schneeberge und den spiegelnden See. Vieles ist dann ruhig und beschaulich, die Hetik scheint weit weg.

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Samstag, November 29, 2008

Kastanienselven



Gleich neben der romanischen Kirche in Biasca gibt es eine der wenigen gut erhaltenen Kastanienselven im Tessin. Die Bäume der Edel- oder Esskastanie wuchsen früher nicht im Wald, sondern in einer Art "Garten", in der "Selve". Das heisst zwischen jedem Baum hatte es Weidefläche für Ziegen und Schafe, jeder Baum hatte genügend Raum zu Wachstum und Entfaltung. Die Bäume wurden gepflegt, die dürren Aeste wurden abgeschnitten. Schliesslich handelte es sich bei der Kastanie um den Brotbaum, von dem die ärmeren Leute bis vor etwa fünfzig Jahren im Tessin lebten. Man wusste, dass die Ernte eines ausgewachsenen Baumes eine Person durch den Winter bringen konnte. Ursprünglich hatten die Römer diese Baumart bis ins Tessin und an die Südalpen gebracht; ein Kastanienbaum kann bis zu vier Meter dick und 1000 Jahre alt werden! Solche Exemplare sind aber heute äusserst selten geworden, man findet sie höchstens an abgelegenen und unzugänglichen Südhängen bis 1000 Meter über Meer, wo sie über gute Wachstumsbedingungen vorgefunden hatten und auch noch nicht umgehauen wurden. Denn früher wurde alles verwertet: Früchte, Blätter und schlussendlich das sehr beständige, zähe und wertvolle Holz für Balken, Zäune und Möbel. Aehnlich wie bei den Aepfeln gibt es unterschiedliche Sorten, die "Marroni" ist die beste davon, die dann über dem Feuer gebraten wurde. Die Früchte wurden im Oktober mittels Netzen geerntet und ins Dorf getragen. Dort wurden sie erlesen und die meisten wurden im "Ofenhaus" über Rauch getrocknet und so haltbar gemacht. Danach wurden sie zerschlagen und gemahlen, so erhielt man Kastanienmehl. Heute wird es noch in kleineren Mengen hergestellt und ist in Drogerien oder Spezialitätenläden erhältlich. Es ist beliebt gerade auch bei Weizenmehlallergikern, enthält es doch hauptsächlich Kohlenhydrate und viele verschiedene Mineralstoffe.

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