Samstag, November 23, 2013

Freitag, Samstag, Sonntag

In den letzten drei Kapitel von Ortbergs Buch Weltbeweger geht es um Tod, Grablegung und Auferstehung von Jesus. Er bezeichnet den Tod Jesu als Dreh- und Angelpunkt seiner Geschichte. Offensichtlichster Akteur war Rom, denn „Christos“, der Gesalbte, sein Titel machte Aerger, obwohl er Rom militärisch nicht wirklich bedrohen konnte. Aber der Hohepriester und die damals führenden Juden versuchten Druck auf den römischen Statthalter Pilatus auszuüben. Jesus verkündete sein eigenes Todesurteil, jedoch starb er letztlich aus und für die Liebe! Der Tag nach Kreuzigung und Tod war der Tag dazwischen. Verzweiflung und Verwirrung herrschte unter seinen Jüngern und Freunden. Auch ihr Traum war gestorben, sie wussten nicht mehr, wie und wofür sie weitermachen sollten. Freude und Klarheit kamen erst am Sonntag und danach auf. Die Auferstehung setzte Hoffnung frei, die gefährlich wurde für die religiösen Juden und das mächtige Rom. Wenn der Himmel auf die Erde kommt, dann werden Sünden vergeben, aus einem „Niemand“ wird „Jemand“, Ausgestossene treten in Beziehung zu Gott und das menschliche Leben bekommt einen göttlichen Sinn. Neues Leben, das Jesus auch uns anbietet, ist eine Einladung, bei der jeder mitmachen kann. Und Ortberg fordert seine Lesenden am Schluss auf: „Versuchen Sie, so zu leben, als ob es einen himmlischen Vater gäbe, der sich um sie sorgt und Ihnen zuhört... Das Angebot steht!

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Montag, Dezember 17, 2012

Tomas Halik: Geduld mit Gott

Der Tscheche Tomas Halik hat die Geschichte von Zachäus originell aktualisiert. Sein Buch, das 2010 im Herderverlag Freiburg mit der ISBN-Nummer 978-3-451-30382-1 herausgekommen ist, heisst ganz einfach: "Geduld mit Gott". Etwas zum Autor: Tomas Halik wurde 1948 in der Tschechoslowakei geboren. Er wuchs also in einem kommunistischen Staat auf, der auch einen materialistischen Atheismus propagierte. Er studierte Soziologie und Religionsphilosophie, er konnte jedoch wegen seiner christlichen Gesinnung nicht Karriere machen und Dozent werden. 1978 wurde er in der DDR zum römisch-katholischen Priester geweiht. Nach der Wende studierte er in Rom weiter, später wurde er sogar externer Berater von Vaclav Havel. Heute ist er Professor für Soziologie in Prag und Rektor der Universitätskirche. Nun zum Inhalt: Tomas Halik setzte sich intensiv mit dem Atheismus in seiner Heimat auseinander. Aus diesen Erfahrungen kann er sagen: „Mit Atheisten bestimmter Prägung kann ich die Wahrnehmung der Abwesenheit Gottes in der Welt nachvollziehen. Ich erachte ihre Deutung dieses Gefühls jedoch für übereilt... Das Schweigen Gottes und die beklemmende Gottesferne bedrängen oft auch mich... Ich kenne drei Arten von Geduld angesichts der Abwesenheit Gottes: es sind dies Glaube, Hoffnung und Liebe.“ Aus Ueberzeugung zitiert er Adel Bestavros, der gesagt hat: „Geduld mit andern ist Liebe, Geduld mit sich selbst ist Hoffnung, Geduld mit Gott ist Glaube.“ Zusammen mit dem Philosophen Slavoj Zizek möchte er das authentische Erbe des Christentums nicht fundamentalistischen Sonderlingen überlassen, weil es zu wertvoll sei. In der biblischen Person des Zöllner Zachäus erkennt er jene Menschen wieder, die Distanz wahren, aber durch Anrede und Dialog wahr werden und Gott nahe kommen. Dieses Geschehen sei auch geheimnisvoll, ein unerschöpfliches Geheimnis des Glaubens. Glaube sei Nachfolge, ein nie endender Weg durch diese Welt. Gott sei nicht leicht zu haben, mit ihm müsse man ringen. Man darf sich seiner nicht zu sicher, aber eben auch nicht zu gleichgültig sein. Die Liebe zu Gott lasse uns seltsame Gedanken und Prüfungen erdulden, Thérèse von Lisieux sprach in diesem Zusammenhang von der „Nacht des Nichts“, die eine Art Entkleidung des Glaubens sei. Den Unglauben überwältigen könne der Glaube nur, wenn er ihn umarmt. Der Gläubige zeige sich auch darin solidarisch mit dem Ungläubigen. Denn Atheismus sei nicht Lüge, sondern nicht zu Ende gesprochene Wahrheit. Gott sei stets grösser, mehr als es unsere Vorstellungen erlauben. „Glaube ist ein Weg der leidenschaftlichen Suche nach Gott“, das hat bereits Sören Kierkegaard festgestellt und gesagt. Und Gott sei deshalb so unbekannt, weil er eigentlich so nahe ist. Für Halik gilt deshalb: „Christi Auferstehung muss eine Provokation, eine Torheit, ein Skandal bleiben; wollten wir dieses zentrale Geheimnis unseres Glaubens beweisen, dann würden wir es um seine Kraft bringen.“ (Seite 174). Mit Martin Heidegger stellt Halik fest, dass die Technik fast alle Entfernungen überwunden hat, aber trotzdem keine wirkliche Nähe geschaffen hat. Zudem seien heute die Bilder der Medien eine Art „Antimeditation“. Das zwinge uns auch zur Erneuerung unserer religiöser Sprache. Verstaubte und abgenutzte Wörter sollten wir in jene ursprüngliche Quelle des Glaubens eintauchen. Diese befreiende und verwandelnde Freude durften bereits Thomas, Maria Magdalena, Zachäus und die blutflüssige Frau in ihrer Begegnung mit Jesus erfahren (S. 215). Das Privileg der Heiligen sei, die eigene Sündhaftigkeit wirklich scharf zu sehen. Das führe unweigerlich zum Weinen über die Sünde und zum Gott preisen für seine Barmherzigkeit. Denn nicht die schmerzvolle Reue sei wesentlicher Bestandteil der Umkehr, sondern Vertrauen in die Macht Gottes und Vergebung. Und wie Gott mir tut, so tue ich auch dir! Die bekannte Geschichte im Lukasevangelium Kapitel 15 nennt er das Gleichnis der verlorenen Söhne; denn der Weg beider Söhne gehe am Vater, der hier für Gott stehe, vorbei. Sowohl Beliebigkeit und Lasterhaftigkeit als auch Bravheit und Moralität seien falsche Wege; sich selbst und andere abwerten oder sich überheben verfehlen je das Ziel. Insgesamt ein spannendes, gut lesbares, apologetisches Werk mit schlüssigen und nachvollziehbaren Argumenten. Es passt bestens in unsere Zeit, in der Glaube an Gott stark in Frage gestellt wird. Halik dreht deshalb den Spiess um, indem er die Ungeduld, die Vorurteile und die Selbstgefälligkeit der Menschen kritisiert. Denn bereits früh war er dem rauen Wind seiner Zeit ausgesetzt, so dass er Worte und Formulierungen suchen musste, um neue, glaubwürdige Antworten für kritische und skeptische Zeitgenossen zu finden.

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Montag, Oktober 17, 2011

Gerhard Jankowski: Die grosse Hoffnung

Gerhard Jankowski wurde 1937 geboren und studierte Theologie. Er war 1965 bis 1998 Pfarrer in mehreren rheinischen Gemeinden, so in Bad Breisig. Er ist Mitherausgeber der exegetischen Zeitschrift Texte & Kontexte. Heute ist er im Ruhestand und lebt in Siegburg.

Der Untertitel dieses Buchs lautet: Paulus an die Römer. Eine Auslegung.
Es ist im Alektor Verlag Berlin 1998 unter der ISBN-Nummer: 3-88425-069 8 erschienen. Noch ein Buch über den Römerbrief, gibt es nicht schon genug? Ja, aber es ist ein Werk mit einem anderen Ansatz und Fokus, denn Jankowski versteht Paulus primär als jüdischen Lehrer und Vermittler zwischen Juden- und Heidenchristen. Und er begründet dies auch anhand des Textes. Noch selten habe ich von einem exegetischen Buch so viel gelernt und fundierte neue Sichtweisen erhalten wie bei diesem unscheinbaren Buch in schlichtem Grün mit seinen 335 Seiten.

Jankowski geht zwar auch am Anfang auf Luthers Vorlesung über den Römerbrief von 1515/16 ein, die zur bedeutenden evangelischen Rechtfertigungslehre und Freiheit geführt hat. Luther habe sich aber weitgehend noch an den lateinischen Text gehalten, bei dem die Kernbegriffe „peccatum“ (Sünde) und „iustitia“ (Gerechtigkeit) immer auch eine stark juridische Bedeutung hatten im Gegensatz zu Paulus. Obwohl Luther das theologische System und die Praxis der katholischen Kirche zu hinterfragen und kritisieren begann, war er doch vom lateinischen Denken der Kirchenlehrer und seiner Zeit geprägt. Er „bellte“ zwar gegen die Philosophie und die Scholastik, die sich auf Aristoteles berufen hatte, und wollte die Theologie davon befreien, damit sie wieder einfach, beweglich und lebendig würde. Doch Luther schien mit der Botschaft von Paulus recht frei umgegangen zu sein. Denn das Hauptthema wäre bereits in den ersten Sätzen des Römerbriefs angedeutet: „an die Geliebten Gottes und die gerufenen Heiligen“. Das sind für Jankowski das Volk Israel und die „Gojim“, die Heiden. Der Römerbrief sei also zur Hauptsache eine Abhandlung über dieses Problem, das Verhältnis von Juden, Judenchristen und Heidenchristen, das seinen Höhepunkt in den Kapiteln 9 bis 11, in der Mitte des Römerbriefs erreichen wird.

Jankowski skizziert auch in präzisen, kurzen Zügen die Situation des römischen Reichs. Trastavere war damals der jüdische Stadtteil Roms, dort lebten Sklaven aus Israel, die später häufig freigelassen wurden. Es gab zudem gottesfürchtige Heiden, die nach einem Jahr zu Proselyten werden konnten. Man zählte damals ungefähr zwölf Synagogen in Rom.
Kaiser Augustus und Tiberius waren autoritäre Herrscher, aber erst Caligula war ein willkürlicher Despot, der ausschweifend und erpresserisch lebte, was sich negativ auf die römischen Bürger und zerrüttend auf das Staatswesen auswirkte. Der Historiker Th. Mommsen sagte über diese Zeit: „Um Geld verkaufte der Staatsmann den Staat, der Bürger seine Freiheit, die vornehme Dame gab sich preis wie die Dirne, Urkundenfälschung und Meineide waren gewöhnlich. Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit waren vergessen.“
Claudius herrschte bis 54 nach Christus, danach kam Nero, während dessen Herrschaft der Römerbrief von Paulus geschrieben wurde. Schon früher sagte der Dichter Vergil etwas sehr Treffendes über das Proprium des „Imperium Romanum“: „Du, Römer, denk daran, die Völker mit Gewalt zu regieren; das werden deine Künste sein – im Frieden Ordnung aufzu-richten, die Unterworfenen zu schonen und die Uebermütigen völlig zu besiegen.“ Dieser Kontext ist unbedingt zu beachten, will man den Römerbrief wirklich richtig verstehen und ihn für die Gegenwart nutzbar machen.

Den Juden wurden die Sprüche Gottes anvertraut, die Gottes Treue verkünden. Aber sie haben den Heiden nichts voraus, weil sie die Thora nicht eingehalten haben. Alle sind unter der Sünde, von Gott getrennt, und allen, die Gott vertrauen und mit Treue antworten, kommt seine Bewährtheit und Treue zugute. Jesus verkörpert Gottes Programm, er löst die Menschen aus, wir sind keine Sklaven der Sünde mehr, sondern befreit, um versöhnt zu leben. Gott hat Jesus als „kaporet“ oder „hilasteerion“ hingestellt, das entspricht der Deckplatte oder Bedeckung der Bundeslade, die mit Blut besprengt wurde (Kapitel 3).
Zwar hatte der zweite Tempel keine Bundeslade mehr, aber am leeren Platz wurde trotzdem dieses Entsündigungs- und Sühneritual vom Hohepriester am „Jom Kippur“ vollzogen. Um Jude zu werden, musste ein „goj“, ein Heide, sich beschneiden lassen, an Jom Kippur Blut des Bundes für sich spritzen lassen und ein Tauchbad nehmen.
Taufe ist also keine christliche Erfindung, der Ursprung ist das jüdische Tauchbad, um Unreinheit abzuwaschen und rein erklärt zu werden. Tauchbad und Taufe begründen Eintritt in die jüdische respektiv christliche Gemeinschaft. „Messianische Taufe“, Taufe auf Jesus hebt auch Feindschaft, Abgrenzung und unheile Verhältnisse auf. Nun können sich Juden und Heiden gemeinsam auf den Weg machen. Befreiung heisst frei vom Sklavendienst Aegyptens und Roms zum befreiten Sklavendienst Gottes. Da gehörte auch die Heiligung des NAMENS „kiddusch ha-schem“, Thora tun, Gebet und Hingabe bis zum Martyrium dazu. Durch die Thora bekam die Freiheit die entsprechende Disziplin. Aber in der römischen Diaspora konnte ein Jude kaum leben, ohne die Thora zu übertreten. Paulus spricht deshalb im Kapitel sieben wohl als Anwalt der Nichtjuden zu seinen jüdischen Brüdern.

72mal verwendet Paulus insgesamt den Begriff „sarx“, was meist mit Fleisch übersetzt wurde, 26 mal kommt er im Römerbrief vor, davon elf mal im Kapitel 8. Selten braucht er ihn wortwörtlich, sondern zur Bezeichnung verwandtschaftlicher Beziehungen (in 4,1 und 9,1), als Synonym für die Beschneidung, als Einheit von Mann und Frau und für Israel. Der hebräische Begriff, der ihm zugrunde liegt ist „bassar“. Die drei Konsonanten stehen auch noch für „boschah“ Scham, Schande; „serucha“ Gestank, Verwesung; „rimma“ Gewürm. Mit diesen Begriffen bekommt bassar jedoch eine eher negative Bedeutung, das „Fleisch“ beeinflusst also das menschliche Leben negativ.

Israels Fertilität (Fruchtbarkeit) ist eine von Gott her zugesagte, gewährte und geschenkte. In den „toledot“ (Geschlechterfolgen) Israels gibt es nicht nur natürliche Folgen, sondern auch ungewöhnliche Durchbrechungen und teilweise Unordnung. Denn nicht immer ist der Erstgeborene der „bechor“ (Stammhalter), weil Gott nicht das Grosse und Starke erwählt, sondern das mindere. Und er verwirft die, die Schwachen und Zuspätgekommenen unterdrücken und verfolgen. Wie ein Töpfer (Jes 44 und 45) ist Gott souverän, er schuf Israel, um es zu befreien. Ziel dieser Traditionskette ist das Aufrufen der befreienden Taten Gottes und ihre Vergegenwärtigung. Dies geschieht durch Vertrauen, das aber nur möglich ist, wenn zuerst hingehört wird, was kundgemacht wird (Seite 238). Der Gesandte und Profet hat also die Aufgabe, Gottes Taten zu verkündigen, der Hörer der Botschaft, Vertrauen in Gott zu setzen.

Gnade ist Solidarität, die das Zusammenleben neu gestaltet. Israel ist nicht verstossen, weil Gott sein Volk nicht verstossen kann. Israel ist nach wie vor da in einem Rest. Es muss in den messianischen Gemeinschaften einen schleichenden Antijudaismus gegeben haben, besonders in Philippi. Die Ermutigung zum Zusammenleben von Juden- und Heidenchristen ist ein Anzeichen dafür. Einige wollten Israel beerben, indem sie es enterbten. Dagegen wendet sich Paulus vielfältig in den Kapiteln neun bis elf.

Kapitel 12 bis zum Schluss sieht Jankowski als „halacha“, die Juden und Christen gemeinsam beachten und tun sollen, um gottgefällig zu leben. Halacha kommt von „hlkh“, was gehen bedeutet.
Gott befreite Israel aus Aegypten, das war bereits das Hauptstichwort der Exoduserzählung. Die Befreiung aus der römischen Unterdrückung war ein Hauptanliegen des Paulus, aber nicht in einem direkten, kriegerischen Sinn, sondern dass dem Befreier Israels das letzte Wort und alle Macht gehört. Deshalb sind ungerechte Grossmächte wie Rom vorläufig zu dulden und Christen haben sie zu akzeptieren und sich ihnen unterzuordnen, weil Gott über Rom verfügen und ihm zu seiner Zeit ein Ende setzen wird (Kapitel 13). Das ist die (grosse) Hoffnung, die wir haben können kraft des heiligen Geistes, wie Paulus beim inhaltlichen Schluss in Kapitel 15,13 schreibt!

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Freitag, September 23, 2011

Jacques Ellul: Apokalypse: Die Offenbarung des Johannes – Enthüllung der Wirklichkeit.


Dieses wert- und gehaltvolle Buch ist bereits vor 30 Jahren, also 1981, im Neukirchener-Verlag erschienen und ist heute leider vergriffen. Der Autor, der französische protestantische Theologe und Soziologe aus Bordeaux, der von 1912-94 gelebt hatte, hat einen glasklaren und nüchternen Blick auf die Offenbarung. Er kann sehr gut Ordnungen, Strukturen und Wiederholungen erkennen, benennen und deuten, ohne unzulässig zu vereinfachen. Er gibt auch Symmetrien an, die zu einer Mitte führen, die er in Of 12,10-12 erkennt. Ihr gehen 205 Verse voraus und 207 folgen, obwohl er dieser Angabe keine besondere Beachtung schenken will. Wiederholungen dagegen sind meist Ankündigungen oder Vorblenden. Er beschreibt Zusammenhänge und Motive meist jenseits des Wortsinns. Er unterscheidet die Apokalypse von den Profetenbücher, weil das „Sehen“ wichtiger geworden ist als das Hören, die Hoffnung bedeutender als die Historie und der Streit kräftiger als der Trost. Aber er setzt sich klar von Mythos, Gnosis und Reinkarnation ab, weil die Apokalypse sich einem geschichtlichen Ereignis unterordnet, den Herrn im Blick hat und zu einem Ziel kommt. Sie ist in Bewegung, überraschend, schillernd, mehrdeutig, vielschichtig und lässt sich schwer verkürzt wiedergeben. Denn unsere Zeitabläufe und Denkschemen sind dazu schlecht in der Lage. Ungefähr je ein Drittel besteht aus Aussagen über Gott und Jesus, den Herrn; aus Anbetung, Hoffnung & Trost und aus Unglücksfällen und Katastrophen.
Er behauptet, dass das hebräische Denken beim Ziel ansetzt und vom Ende her kommt. „Was bald geschehen muss“ meint die Zwischenzeit zwischen Schöpfung und Neuschöpfung, die das Vorspiel zum Gericht ist. Schöpfung und Gericht sind eine unauflösliche Einheit. Gott handelt und hat Macht und Herrschaft Jesus Christus, dem Triumphator und Herr der Geschichte und der Kirche, übertragen. Er ruft und nimmt das Leben. Dabei ist nirgends das Spektakuläre entscheidend, sondern es ist Gleichnis, Illustration oder Allegorie. Der Weg des Verstehens geht vom Text zum Symbol und nicht umgekehrt.

Am Schluss (ab Kapitel 19) wird der Allmächtige seine Königsherrschaft nicht wieder antreten, sondern eher abgeschlossen haben. Er wird Bräutigam sein, und die Hochzeit kann beginnen!

„Wer der Inkarnation etwas hinzufügen oder abstreichen will, der beweist damit, dass er nicht wirklich Durst hat. Bei Jesus ist alles Gnade, eine Welt des „Umsonsts“; sie steht im Gegensatz zur Welt des Abrechnens und des Messens, dem Geld und der Technik.“

Noch einige hilfreiche Detailaussagen:
Im Brief an Laodizea spricht der Herr am zärtlichsten, am liebevollsten und am hingebungsvollsten; er will die Teilhabe Laodizeas an seiner Herrschaft.
Siegel steht für Geheimnis Gottes, Posaune ruft zum Kampf und kündet den Sieg, Schale entspricht dem Kelch, der Gemeinschaft mit Gott oder Dämonen bedeuten kann.

Babylon und die grosse Hure seien Rom, damals DIE Stadt, mit seinen sieben Königen Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero, Galera und Otho. Sie sind auch Symbol der vollkommenen Macht und der kultischen Prostitution, die dämonische Praktiken einschliesst. Macht bedeutet einerseits Erfüllung menschlicher Träume, aber auch Entfremdung und Fluch durch Sklaverei und Ausbeutung. Prostitution ist das teuflische Schattenbild der Liebe, die Gottes Handeln in Christus am besten verkörpert hatte.
Der zweite Tod ist die Vernichtung des Todes und des Reichs des Todes.
Das neue Jerusalem ist eine von Gott gebaute Stadt, bei der Menschen mitwirken dürfen, ein Ort, wo vollkommene Gemeinschaft herrscht und man Gott schauen wird. Diese Neuschöpfung kann nur durch Gottes vorangehendes Gericht und Vernichtung werden. Vollendung ist immer nur sein Tun, obwohl auch unser relatives Tun seinen Wert hat. Die erste Erde und der erste Himmel wird dann verschwunden sein, weil Gott an der gefallenen Schöpfung gelitten hat. Es wird auch kein Meer mehr geben, weil das mit dem Chaos und seinen Mächten verbunden war.
Himmel der Himmel ist da, wo Gott alles in allem ist.

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Dienstag, September 20, 2011

Offenbarung von Jesus Christus (durch Johannes)


Dieses Jahr habe ich mich näher und tiefer mit dem biblischen Buch der Offenbarung beschäftigt, das nicht gerade zu den einfachsten gehört. Doch ich meine, dass es gute Gründe dafür gibt, sich damit zu befassen und es ernst zu nehmen:

Warum:
Weder Ignoranz noch übertriebenes, ängstliches Beachten und wörtliches Verstehen wollen ist die richtige Haltung zur Offenbarung, sondern ein sachgemässes, kontinuierliches Eintauchen in die Apokalypse. Sie stellt eine damals verbreitete, aber uns fremde Textform dar, die stark einer Profetie ähnelt und doch auch Unterschiede dazu aufweist. Diese gilt es zu entdecken, denn Gott möchte uns hineinnehmen in seine Absichten, uns seine Geheimnisse jetzt schon teilweise enthüllen und uns seine Grösse und Macht zeigen. Das vermittelt uns den richtigen Blick und führt uns in die Anbetung Gottes und des "Lammes", die im Buch der Offenbarung bereits präzise vorgezeichnet sind!

Was:
In der Offenbarung enthüllt Gott teilweise seine Wirklichkeit, seine Macht und Herrlichkeit. Mit dem Begriff „Himmel“ wird Gottes umfassende Wirklichkeit bezeichnet, dort wo Gott „wohnt“ und wo die Gemeinschaft mit ihm vollständig und ungetrübt ist, wo wir ihn einmal „von Angesicht zu Angesicht“ sehen werden können, was uns überwältigen wird.

Wie:
Die Offenbarung ist und bleibt mehrdeutig und vielschichtig zu betrachten und zu verstehen, sofern man ihr gerecht werden will:
1. geschichtlich (dominantes römisches Reich mit seinem zunehmenden Gottkaisertum, speziell bei Nero 54-68 & Domitian 81-96; Eroberung & Zerstörung Jerusalems 70 & 135; Zerstörung Pompeijs 79nChr)
2. zeitgeschichtlich(e Vorgänge heute)
3. endzeitlich (Wir sind bereits seit der Auferstehung Jesu in der Endzeit, denn es ist die Zeit zwischen Erlösung und Neuschöpfung!)
4. bildgeschichtlich (Allegorien, Bilder und Ideen, Illustrationen, die zu deuten sind)

Wer:

Die Personen werden sehr bewusst genannt und ihnen werden bestimmte Tätigkeiten zugeordnet, die genau zu beachten sind. Es besteht eine klare hierarchische Ordnung, bei der Gott zuoberst ist, dem alle Macht und Ehre gehört. Er tritt aber zugunsten von Jesus, dem Menschensohn und dem Lamm, mehr in den Hintergrund und übergibt diesem die sichtbare Macht im Ablauf und Zeitgeschehen. Erst am Ende wird seine Grösse und Herrlichkeit erneut sichtbar für die, die ihn schauen werden.

Wo:
Auf der Erde und im Himmel! In den ersten drei Kapiteln spielt sich vieles in der römischen Provinz „Asien“, der heutigen Westtürkei ab. Diese war damals eine wichtige Drehscheibe für den Austausch und Handel von Ost nach West (und teilweise umgekehrt). Zudem war sie Ausbildungs- und Produktionsstätte, die auch zu ideellem, materiellem und religiösem Reichtum, Wohlstand, Selbstbewusstsein und Macht beitrug.
Erst ab Kapitel vier wird eine Tür am Himmel aufgetan, wir erhalten also einen begrenzten Einblick in die göttliche Welt, die uns sonst nicht zugänglich ist!

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