Freitag, Dezember 17, 2010

Orta und sein Sacro Monte


Orta ist ein wirklich malerisches Städtchen auf einer Halbinsel am Ortasee, der nur unweit westlich des Lago Maggiore liegt und auch in diesen entwässert wird. Nebst der schmucken Altstadt am See gibt es die Klosterinsel San Giulio und den Sacro Monte, von wo man dies alles anschauen, überblicken und sich der Geschichte von Franz von Assisi in Skulpturen widmen kann. Der Sacro Monte mit seinen zwanzig Kapellen wurde 1591 bis 1770 erbaut.
Leider war der Akku meines Fotoapparats zu früh ausgestiegen, so dass ich nicht allzu viele und gute Aufnahmen machen konnte. Trotzdem einige Bilder dieses Bijous, es ist für mich eine Art "Gesamtkunstwerk":






Vom Sacro Monte hinunter in die herausgeputzte Altstadt

Labels: , , , , , , , , , , , ,

Sonntag, Dezember 12, 2010

Varallo und sein Sacro Monte




Varallo gehört auch zur Provinz Vercelli, liegt aber fast hundert Kilometer nördlich vom eigentlichen Provinzhauptort. Es ist ein malerisches Provinzstädtchen mit 8'000 Einwohnern in den italienischen Voralpen am Fluss Sesia.
Was Varallo auch bedeutend gemacht hat, ist sein "Sacro Monte", der als erster von 1486 bis 1650 erbaut wurde. "Sacro Monte" ist ein "heiliger Berg", der als katholisches Kloster und Wallfahrtsort zur Glaubenslehre, Glaubensvertiefung und Glaubensstärkung erstellt und kultiviert wurde. Diese Orte hatten ihre Berechtigung vor allem für Leute, die nicht (gut) lesen konnten, da mittels realistischer Szenen und eindrücklichen Bildern meist biblische Geschichten dargestellt und somit erzählt wurden. Und es gab immer eine Abfolge von solchen Bildgeschichten, die oft je in einer eigenen Kapelle untergebracht waren. Im Sacro Monte Varallo sind es insgesamt 45 solcher Kapellen!




Einzug von Jesus auf dem Esel in Jerusalem
(dargestellt mit bemalten Figuren aus Terrakotta)



Jesus und/oder Simon tragen das Kreuz durch Jerusalem


In Norditalien gibt es zahlreiche solcher "Sacro Monte", die meisten davon wurden erst zur Zeit der Gegenreformation neu gestaltet und gebaut. Die berühmtesten davon sind nebst Varallo:
- Crea (bei Casale Monferrato, 1589 erbaut)
- Belmonte (bei Torino, 1712 erbaut)
- Domodossola (1657)
- Ghiffa (oberhalb des Lago Maggiore, 1591 erbaut, klein aber fein!)
- Ossuccio (am Comersee, 1635 erbaut)
- Varese (1598, bedeutend, gross, ein eigenes Dorf und touristisch)
- Oropa (bei Biella, 1617 erbaut)
- Orta (am Ortasee, 1590, thematisch viele Bilder mit der Geschichte von Franz von Assisi, landschaftlich sehr schön gelegen!)

Labels: , , , , , , , , , , , ,

Freitag, Dezember 10, 2010

Vercelli und Arborio


Vercelli ist der Hauptort der gleichnamigen Provinz und gehört zur Region Piemont. Die Stadt liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Milano und Torino, zählt heute knapp 50'000 Einwohner und ist bekannt als das Zentrum des italienischen Reisanbaus. Wenn man die Stadt von Norden her erreicht, stösst man ausserhalb auf riesige Reisfelder, die je nach Jahreszeit in einem unterschiedlichen Stadium sind: im Frühling mit Wasser geflutet, im Sommer intensivgrün und im Herbst gelb und reif zur Ernte. Am Stadtrand und in Bahnhofsnähe liegen dann die grossen Metallsilos, die den geernteten Reis aufnehmen, der dann in Reismühlen be- und verarbeitet wird.
Die Altstadt ist sehr gepflegt, sie zeugt von einem gewissen Wohlstand und Reichtum. Eckpunkte davon sind die Piazza Cavour in der Mitte, eine eindrucksvolle Basilika "Sant'Andrea" und der klassizistische Dom mit Bischofssitz.


Die Basilika Sant'Andrea ist aussen eher noch romanisch aufgebaut...



Dagegen ist das Innere der Basilika "Sant'Andrea" bereits gotisch geprägt. Es handelt sich also bei dieser Kirche, die um 1219-27 erbaut wurde, um eine Misch- oder Uebergangsform, wobei sie eine der grössten und berühmtesten Kirchen der damaligen Zeit ist.


Unweit, nur einige Kilometer nördlich von der Stadt Vercelli, liegt das Dorf "Arborio". Arborio ist also nicht nur eine Reissorte, nebst Carnaroli die berühmteste für Risotto, sondern auch ein Ort! Norditalien ist wahrscheinlich der grösste Reisproduzent Europas, der bis zu etwa 25% des europäischen Bedarfs deckt! Das viele Wasser, das für den Reisanbau notwendig ist, damit geschützte und optimale Keimbedingungen herrschen, stammt aus den oberitalienischen Flüssen und Seen. Die Reisbauern Arborios und Vercellis beziehen ihr Wasser vom Fluss Sesia, der westlich, aber parallel zum Ticino und dem Lago Maggiore verläuft. Mittels und dank eines weit verzweigten Kanalsystems, das grösstenteils seit 1855 oder früher besteht, konnte der Reisanbau im grossen Stil geschaffen werden. Die Flüsse und Seen liefern vor allem im Frühling genügend Schmelzwasser aus den Südalpen, damit diese Kanäle auch gefüllt werden können.


Reisfeld bei Arborio im September

Labels: , , , , , , , , , , , , , , ,

Montag, November 29, 2010

Casale Monferrato


Casale Monferrato ist eine alte italienische Stadt, die heute etwa 36'000 Einwohner umfasst. Sie liegt am Po zwischen Turin und Mailand und gehört zur Provinz Alessandria und der Region Piemont. Unmittelbar in südwestlicher Richtung ragt der Hügel Monferrat aus der riesigen Fläche der Poebene heraus, der für die Landwirtschaft und den Abbau von Zement genutzt wird.
Diesen Herbst habe ich zweimal diese Stadt besucht, die über eine intakte Altstadt und einen Marktplatz italienischen Zuschnitts verfügt. Doch etwas ist hier besonders: Es gibt eine Synagoge aus der Barockzeit - die einzige zwischen Turin und Mailand - und sie gehört zu den schönsten Europas. Sie ist nicht gerade einfach zu finden, ist sie doch in einer Sackgasse gelegen und passt sich unscheinbar in die umliegenden Häuser ein. Ihre wahre Pracht entfaltet sich im Innern: über einen Gang erreicht man rechter Hand die Synagoge.


Am gleichen Gang gleich danach öffnet sich ein kleiner Innenhof mit einem Granatapfelbaum, der als Lebenszeichen und Symbol dient.


Ein Mitglied der inzwischen auf acht Männer geschrumpften jüdischen Gemeinde - sie ist heute daher nicht mehr voll funktionsfähig - zeigte und erklärte mir wohlwollend Synagoge und umliegende Räume. Zu den besten Zeiten im neunzehnten Jahrhundert, als der König die Religionsfreiheit einführte und somit das Ghetto aufhob, umfasste die Gemeinde um die achthundert Mitglieder. Durch die Faschisten in den Dreissigerjahren wurden die Juden wieder gesellschaftlich und wirtschaftlich stark eingeschränkt. Die Kollaboration mit Nazideutschland bedeutete dann, dass gegen Kriegsende 63 Gemeindemitglieder in Auschwitz zu Tode kamen.

Labels: , , , , , , , , , , , , , ,