Sonntag, September 10, 2006

Jesus und die Juden

S. 439: Die Propheten, vorab Jes 5, nennen Israel „Gottes Weinberg“. Bei Jesus ist das Bild verändert: Nicht Israel ist der Weinberg, sondern der Weinberg ist Israel geliehen und kann ihm genommen werden.
S. 440: Nichts auf dem Lande erfordert so viel Liebe wie der Weinberg. Daher ist er ein wirkliches Kulturprodukt – und alle Mühen um ihn setzen vor allem eines voraus: dass Frieden herrscht im Lande. Im Judentum ist daher der Weinberg und besonders der Weinstock ein Symbol für Frieden. …
In Mittel- und Nordeuropa ist die Ausbreitung des Christentums mit der Anlage von Weinbergen deckungsgleich. …
Der Weinberg ist vielmehr Gottes Herrschaft unter Menschen – dass Gott anerkannt wird, und zwar so, dass Lehrer und Schüler gemeinsam dies verwirklichen, die einen lehrend, beide Frucht bringend.
S. 450: Juden fordern Zeichen, Griechen Wunder (1 Ko 1,22), das heisst Judenmission plus Wunder und Heidenmission und Belehrung.
S. 451: Jesus ist zunächst und zuerst Messias Israels. Als Heidenchristen sind ... erst nachträglich in das Gottesvolk aufgenommen (wie die sekundär eingesetzten Zweige des Oelbaums in Röm 11).
S. 459: Die theologische "Ortsfindung" ist dabei ein wichtiges Stück des vierten Evangeliums. "Wo wohnst du?", fragen die Jünger schon zu Anfang, und Jesus sagt zu ihnen: "Kommt und seht." Denn Jesus wohnt dort, wo Gott ist, und dort ist Gott, wo Jesus präsent ist. Das Vierte Evangelium ist somit eine glänzende Einführung in das, was man Realpräsenz Gottes nennt.
S. 467: Deutlicher als alle übrigen Evangelisten stellt Lukas Jesus als den Leidenden, als Märtyrer dar. ... Das Kreuz ist ein Dokument des antiken Antijudaismus, denn nur die Römer durften die Todesstrafe vollziehen.
S. 468: Wie soll aus 130'000 Fraktionen je wieder eine Kirche werden? Nur wenn wir uns orientieren an der Tiefe des Leidens, die unser Begreifen übersteigt, und an der schier unglaublichen Herrlichkeit, mit der Gott Jesus verherrlicht hat und alle krönen will, nur wenn wir uns auf diese Tiefe und Höhe besinnen, die beide nicht menschenmöglich sind, bekommen wir die wahr Optik zur Lösung unserer kleinlich traktierten Kleinigkeiten.
S. 471: Jesus darf sein, was von ihm ankommt... alles Fremde, Steile, Anstössige, Unbequeme, Unverständliche, Mystische wird von Jesus abgelöst, bis nur noch ein allgemeines Vorbild von ihm bleibt – ein dünnblütiger, papierener "Schulbuch-Jesus", der 99 Prozent der Jugendlichen gleichgültig ist, weil sie sich nicht für antike Vorbilder interessieren, für Sokrates nicht und auch nicht für den anderen. Diesen "Jesus" sucht man glücklicherweise in den Quellen vergeblich. Hier liegt bei der Bewältigung der Schwierigkeiten der gefährlichste Punkt: Dass man sich ein Jesusbild nach Gutdünken zurechtlegt.

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