Mittwoch, April 25, 2007

Theologische Gesprächsfiguren und Motive

In den „Theologischen Gesprächsfiguren“ im Teil 3 ab Seite 210 entfaltet Bartels aus christlicher Sicht verschiedene Motive und Themen, die für den Gebrauch des Enneagramms relevant sind. Er beginnt mit dem „Sündenmotiv“ und schreibt dazu: „ In den Podiumsinterviews wird also eine kritische Selbstbeobachtung kultiviert... spirituelles Anliegen der Selbstfindung ist nicht frei von den Einflüssen des sündigen Egos... ein radikales Sündenverständnis durch moderne psychologische Sensibilisierung passt zum Sündenbegriff der Reformation.“

Ab Seite 219: Das „Gnadenmotiv“ erachtet er zu Recht als wichtig für Muster 1. Nicht umsonst hat Luther um einen „gnädigen Gott“ gebetet und gerungen. (Schuldorientierung und Leugnung von Schuld hat die deutsche Kultur geprägt bis in die Gegenwart)

Ab Seite 228: Das „Gottesmotiv“. „Gott ist. Gott ist nahe und gegenwärtig. Gottes Geist, Kraft, Wirkmacht reicht hinein in jedes Ding und Wesen der Schöpfung, reicht hinein auch in den Menschen, bis in das Innerste des Menschen.“ Eine Kurzfassung Meister Eckharts Mystik nach Jürgen Linnewedel 1983. Hier erläutert Bartels die mystische Tradition, die jedoch in Gefahr läuft, die Seele als überpersönliche Grösse zu verstehen. Der Gottesbegriff wird dann unscharf und oszilliert zwischen Gott, dem Seinsgrund und der Seele. Mystik hat deshalb Grenzen, weil Gott und Seele in Bartels (und meinem) Verständnis nicht identisch sind.

Ab Seite 234: Das „Kontemplationsmotiv“ sieht er im Zusammenhang von Selbst- und Gotteserfahrung, Introspektion und Transzendenzerfahrung gehören eng zusammen. Wahrnehmungsgewohnheiten sind oft spirituelle Barrieren. Der Mensch muss Eingrenzungen seines Bewusstseins sprengen, dann werden wirkliche Zusammenhänge erfahrbar, nämlich Ruhen und Sein in Gott. (Meine Frage dazu ist, ob der Mensch in der Lage ist oder ob es nicht eher ein Geschenk Gottes ist!) Josef Sudbrack, ein Jesuit hat in seinem Werk „Was heisst christlich meditieren?“ (Mainz 1996) treffend vermerkt: „Je tiefer du in dein Selbst hineinsteigst, desto mehr wirst du gewahr, dass Gott allein es ist, der dich erfüllen und dir Verzeihung und Liebe schenken kann“

Ab Seite 241: Das „Transformationsmotiv“ geht von der Selbstverhaftung in Schritten zum befreiten Leben. Selbstwerdung (im christlichen Sinn) heisst nicht Selbstverwirklichung, sondern leer werden für Gott „vacare Deo“.

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