Freitag, April 06, 2007

Raimund Lull

Erstaunlich viel Raum in Bartels Werk nimmt danach die geschichtliche Person von Raimund Lull ein, der 1232-1316 auf Mallorca gelebt hatte. 1263 erlebte er eine Bekehrung durch Visionen des Gekreuzigten. Sein Ziel war die gewaltlose Bekehrung der Sarazenen. 1273 erhielt er die Eingebung der „Ars“, einem philosophischem System bestehend aus neuplatonischen, jüdischen (Kabala), christlichen (Augustin, Anselm, Richard von St. Viktor) und muslimischen (al-Gazali und Sufi-Mystik) Elementen. Dadurch versuchte er die göttliche Trinität rational zu durchdringen und sie für Moslems verständlich zu machen, um sie damit zu überzeugen. Aus diesem Grund bereiste er auch Nordafrika und Vorderasien und lernte die arabische Sprachen. Diese Missionstätigkeit kostete ihm schlussendlich das Leben.

Die Figura A enthielt die absoluten Prinzipien, die Grundwürden Gottes: Gutheit, Grösse, Dauer, Macht, Weisheit, Wille, Tugend, Wahrheit und Herrlichkeit. Die Figura T dagegen zeigte die relativen Prinzipien, die der Menschen. Aehnliche Bestrebungen gab es bereits bei Platon, Dionysios Areopagita und bei Duns Scotus.

Andreas Ebert bezeichnet Lulls Figur T als Vor-Enneagramm, doch Bartels widerspricht ihm vehement. Er hält fest, dass das Enneagramm bis 1952 als Charaktertypologie unbekannt war. (Mehr zu Lull siehe Erhard Platzeck: Raimund Lull. Sein Leben – seine Werke. Düsseldorf 1962.)

Etwas kürzer fällt der Exkurs zum Deutschen Athanasius Kircher, 1602-80, aus. Mit sechzehn Jahren trat er der Gesellschaft Jesu bei. Dort erhielt er viel Raum zu vielfältiger Forschung und wurde Universalgelehrter. So entwickelte er auch die Neunerfigur der „Enneade“.

Bartels versucht auch, den Zeitgeist zu fassen, indem er schreibt: „Wir sind wissenschaftlich und technologisch intelligent, aber traditionsarm und spirituell dunkel. Die Folge ist, dass eine grosse Suche nach spiritueller Tradition da ist. In diese Suche oder in dieses Vakuum stösst nun das Enneagramm. Denn es ist weder wissenschaftlicher noch historischer, sondern weisheitlicher Natur. Je komplexer und bestimmter es verstanden wird, desto kraftloser und unschärfer sei es.

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