Donnerstag, April 26, 2007

Ansätze zur Vertiefung, Leben als Fragment

Im letzten Teil ab Seite 267 kommt die Synthese mit Ansätzen zur Vertiefung. Zusammenfassend legt Bartels nochmals die wichtigsten Definitionen und Sichtweisen des Enneagramms dar:
Gurdjieff: Das Enneagramm ist universales Symbol, Wissen oder Gesetz
Richard Rohr: Das Enneagramm ist einfach und schön wie die Wahrheit
Andreas Ebert und W. Trillhaas (Internationale Enneagramm-Gesellschaft): Das Enneagramm ist heuristisch zu gebrauchen als Suchhilfe und Wegweiser
Bartels: Das Enneagramm soll als offenes System gesehen werden und darf nicht gesetzlich und zwanghaft angewendet werden. Triaden, Flügel und Pfeile dürfen deshalb nicht zu stark gewichtet werden, sonst entsteht ein Systemzwang. Gesetzmässigkeiten können überschätzt werden und machen verkrampft, humorlos und unfrei. Er verweist auf das Buch von Bernhard Grom: Wer bin ich? Reichweite und Grenzen von Charaktertypen in Psychologie und Esoterik. Köln 2000.

Bartels unterstützt auch die Sicht von Henning Luther, der das Leben als Fragment versteht. Dann heisst Reife auch, die eigene Gebrochenheit und Endlichkeit annehmen statt (krampfhaft) Ganzheit und Selbsterlösung suchen. Ganzheit, eine volle Identität ist nur bei Verzicht auf Trauer, Hoffnung und Liebe möglich! Wie Gott sein wollen, das ist die Sünde! Das Kreuz zeigt uns Jesus gerade als gebrochenen Menschen!
Als evangelischer Theologe weist Bartels auch darauf hin, dass Sünde „Sund“, Tod und grundsätzliche Trennung von Gott bedeutet. Es geht um mehr als Barrieren, Blockaden, Dilemma, dunkle Seiten, Einseitigkeiten, Fallen, Fehlhaltungen, Hindernisse, Lieblingslaster und Zwänge, wie sie im Enneagramm beschrieben werden. Es geht um die Stellung des Menschen vor Gott und um grundsätzlichen Unglauben, Gott nicht zu vertrauen. Das ist die eigentliche „Todsünde“.
Bartels plädiert daher für eine Vertiefung des Sündenbekenntnisses: „Ich habe nicht nur eine dunkle Seite, sondern ich bin als Person, Natur und Wesen ein Sünder“. „Superbia“ ist die sündige Selbstüberschätzung, gerade auch in Form sittlicher Leistungen, und führt zu Selbstgerechtigkeit, spirituellem Hochmut und elitärem Selbstbewusstsein. Der Mensch ist verkrümmt in sich selbst, das war schon Martin Luthers Erkenntnis. Sündenerkenntnis mit Gotteserkenntnis macht uns lebendig. So ist eine Gemeinschaft der Verwundbarkeit, ein Anteilgeben an eigenen Schwächen möglich (nach Ulrich Bach und Samuel Jakob), eine Gefährtenschaft der Nackten kann beginnen (Henning Luther) und ein kommunikativer Suchprozess wird eingeleitet (Ch. Meier).
Das trifft den Nagel auf den Kopf, falls man wie ich den christlichen Glauben als Weg und Weggemeinschaft versteht!

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