Freitag, August 18, 2006

Das Herz und der Schatz

Im letzten Teil möchte ich Wilfried Daim ab Seite 151 und fortfolgende zu Wort kommen lassen:
Christi Wort: "Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz" zielt auf einen zentralen Sachverhalt des menschlichen Daseins. Der Schatz ist, wie Christus sagt, das Himmelreich. Die beiden Gleichnisse, die sich mit dem Schatz und der Perle beschäftigen, zeigen, dass der Schatz den Inbegriff des Wertvollen für einen Menschen darstellt. Er ist der für einen Menschen absolute Wert, der Wert, der den Inbegriff seines Strebens und Begehrens ausmacht: sein Schatz.
Credere kommt, wie wir an anderer Stelle bereits ausführten, von cor-dare, Sein-Herz-setzen. Das Herz ist hier ein Symbol für das Zentralste im Menschen. Es symbolisiert das organisierende Zentrum der menschlichen Kräfte, es ist das personale Zentrum, das Wichtigste im Menschen, das was seine Kräfte integriert. Man liebt, glaubt und hofft mit dem Herzen. Die zentralen positiven und negativen Affekte sind solche des Herzens: Liebe und Angst. Der Schatz nun steht zum Herzen in enger Beziehung. Das Herz wird "an etwas gehängt", wird auf etwas gesetzt. ...
Es mag eine Formulierung gewagt werden, die leicht falsch verstanden werden kann: Dem objektiven Gott entspricht das Göttliche in uns. Es ist diese Fähigkeit des Verhaltens zum Absoluten das Kernstück der menschlichen Persönlichkeit, und sein Symbol ist das Herz. Diese Fähigkeit, das Verhaltenkönnen zum Absoluten, ist das Wesentlichste eines Menschen und auch das Wertvollste seiner selbst. es ist das Selbst schlechthin.
Diese Fähigkeit muss in jedem Falle betätigt werden. Wie wir schon zitierten: Wer keinen Gott hat, hat einen Götzen. Der Mensch identifiziert sich mit seinem Schatz, das heisst, er steht und fällt mit seinem Absoluten. Der Schatz eines Menschen und sein Herz sind sozusagen miteinander verschmolzen, sind für den Menschen miteinander vertauschbar. Der Mensch hat sein Herz an sein Absolutes abgetreten, das ihn nun dirigiert, sich seiner Kräfte bemächtigt und diese auf sich hin zentriert, wie wir das schon darstellten.
Das Herz ist hingeordnet auf Gott, der sein eigentlicher Schatz ist. Daher ist das Herz auch unruhig "bis es ruht in Gott". Wird diese Hinordnung realisiert, dann besitzt der Mensch auch sich selber, so paradox es klingen mag. Er ist dann fähig, seine eigene Wirklichkeit zu leben und zu entfalten, da sein eigenes Zentrum in Ordnung ist. Der Mensch ist dann "er selber", wenn Gott sein Schatz ist.
Die Realisierung des eigenen Selbstwertes und damit auch die echte Selbständigkeit ist nur dann möglich, wenn das Herz des Menschen im realen Absoluten verankert ist. Das Herz eines Menschen ist sein subjektives Heiligtum, und es ist wichtig, was er dort verehrt. Man könnte das Herz auch "heiliges Selbst" oder "wahres Selbst" nennen, dem das bewusste Ich nur vorgebaut ist.

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