Donnerstag, August 17, 2006

Gottesforderung und Götzenforderung

Wilfried Daim schrieb auf Seite 138-143:
Das Absolute erfordert ein Verhältnis zu ihm, das selbst absolut ist. Die Unverbindlichkeit wird ihm nicht geduldet. Moses vor dem Dornbusch ist es nicht erlaubt, zu sagen: "Das interessiert mich nicht!"
Im Motto unseres Buches haben wir Kierkegaard zitiert: "... dass der einzelne in einem absoluten Verhältnis zum Absoluten steht..." Das Absolute erfordert einfach ein unbedingtes Verhältnis zu ihm. So gewinnt der Mensch aus seinem Absoluten heraus eine von diesem geforderte Orientierung seines Handelns und Wirkens. Er erfährt und vernimmt von seinem Absoluten eine ganze Struktur von Forderungen, von Geboten und Verboten, die sein Leben auf das absolute hin abstellt und hinordnet. Die absolute Verbindlichkeit dieser Forderungen gestattet kein Kompromiss. Alles, was von diesem Absoluten herkommt, hat diesen absoluten Charakter. Es gibt hier keine Diskussionsbasis, die irgendein Ausweichen ermöglichen würde. Diese Forderungen haben einen unbedingten Charakter, sie geben nicht die Möglichkeit eines Abweges. Dieser unerbittliche Ernst der Forderungen ist insoferne existentiell, als sie ja das Absolute des Menschen selbst betreffen.
Die eigentliche (wir gebrauchen das Wort weiterhin im anfangs gebrauchten Sinn) absolute Forderung an den einzelnen erlebt er im Gewissen. Theologisch formuliert, ist das Gewissen die Stimme Gottes in uns. Ist Gott, wie in unserem Parabelgleichnis das, worauf der Mensch wahrhaft gerichtet ist, dann erfährt er einerseits dessen direkte Forderungen – der zentrale Strahl – als auch seine indirekten im Umweg über die Dinge. Da nur der, so auf Gott hin gerichtete Mensch ein wirklich sachliches Verhältnis zu den Dingen hat, ihnen also ihrem Wesen gemäss begegnet, so werden ihn auch die Gewisssensforderungen zum sachgemässen Handeln und Behandeln der Dinge auffordern. …
Das Gewissen stellt also letztlich nicht mehr und nicht weniger dar als die absolute Forderung nach einer sachlichen Begegnung mit Gott und Welt. Nur dann, wenn seine Forderungen erfüllt werden, besteht eine Uebereinstimmung zwischen Welt und Erkenntnis, aber auch zwischen Welt und Selbstverwirklichung. Die Erkenntnisse sind dann wahr, die Handlungen wahrhaftig. …

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