Mittwoch, Mai 28, 2008

Das Quellenproblem (Seiten 105-131)

Ibn Warraq listet hier zuerst die Muhammadbiografen und die ehrwürdigen Qur’an-Kommentatoren auf, welche da sind:
· Ibn Ishaq (gestorben 768)
· Ibn Hisham (834)
· Sayf bin Umar (796)
· Al-Waqidi (823)
· Mhammad ibn Sa’d (843)
· Ali b. Muhammad al-Madaini (840)
· Muhammad ibn Djarir al-Tabari (923; er war beides und ein Universalgelehrter)
· Al-Baghawi (1117 oder 1122)
· Al-Zamakhshari (1143)
· Al-Bidawi (1286 oder 1291)
· Fakhr-ud-Din al-Razi (1210)
· Jalal-du-Din Mahalli (1459)
· Jalal-du-Din as-Suyuti (1505)

Er erklärt auch, was „Hadith“ sind, nämlich Bücher der Ueberlieferungen, die ehrfürchtig behandelt werden. Es sind Sammlungen angeblicher Taten und Aussprüche des Profeten. Durch eine Kette zuverlässiger Zeugen lassen sie sich bis auf Muhammad zurückgeführen. Dies nennt man „isnad“.
Sunna“ bedeutet Brauch, Sitte oder Gewohnheit. Es sind traditionelle Normen der Riten und Regeln, die die praktische Lebensführung lenken.
Es gibt sechs sunnitische, authentische, anerkannte Hadithsammlungen:
1. al-Bukhari (gestorben 870)
2. Muslim ibn al-Hadjjadj (875)
3. Ibn Madja (887)
4. Abu Dawud (889)
5. al-Tirmidhi (892)
6. al-Nisa’I (915)
7. (Hanbal, gestorben 855, hatte die “musnad” mit 29'000 Hadithen)

Die Hadithe resp. Hadithsammlungen wurden kritisch betrachtet durch Wellhausen, Sayf bin Umar, Prinz Caetani und Pater Lammens. Letzter sagte es so: „Leere Felder wurden mit Hilfe von Stereotypen ausgefüllt. Biografie Muhammads war mutmassliche und tendenziöse Deutung späterer Generationen.“
Der berühmte Ignaz Goldziher meinte: „Nähere Bekanntschaft mit dem riesigen Corpus von Hadith führt zu skeptischem Argwohn.“ Dem pflichtete auch der Forscher Joseph Schacht bei und hielt fest, dass Belege rechtlicher Hadith uns nur bis etwa 718 zurückführen... Das islamische Recht stammt nicht aus dem Qur’an, sondern aus Brauch und Praxis während Umayyadenherrschaft.
Ein weiterer Kritiker, John Wansbrough, sagte: „Der Qur’an war im 9. Jahrhundert noch nicht ganz fertiggestellt. Rabbinische Berichte hatten Einfluss in einem arabischen Ambiente.
Michael Cook, Patricia Crone und Martin Hinds sind überzeugt, dass Islam durch Eroberungen und dann Zusammenschweissen jakobitischer Syrer, nestorianischer Aramäer, Kopten, Juden und Araber entstand. Islam erwarb Identität durch Begegnung mit älteren Zivilisationen wie Persien, durch Kontakte mit rabbinischem Judentum, christlichen Jakobiten und Nestorianern und durch den Hellenismus (römisches Recht, byzantinische Kunst und Neoplatonismus). Folgende Punkte und Vorgehen werden von ihnen vorgeschlagen:
· Skepsis an Historizität der islamischen Ueberlieferung
· Verwendung nichtmuslimischem Quellenmaterials
· Jüdisch-arabische Solidarität und Feindseligkeit gegen Christen
· Abstreifen des Judaismus
· Beilegung der feindlichen Einstellung zu Christen
· Doktrinelle Belesenheit, Einfluss der Samariter („Es gib keinen Gott ausser dem Einen“)
· Erschaffung arabischen Profeten nach dem mosaischen Modell
· Erschaffung Heiligtum und geheiligter Hauptstadt (Mekka)

„Der Qur’an ist insgesamt auffallend strukturarm, häufig unverständlich und inkonsequent, sowohl was seine Sprache als auch was seinen Inhalt angeht; flüchtig im Zusammenfügen ungleichen Materials... Auf dieser Basis lässt sich plausibel der Standpunkt vertreten, dass das Buch das Produkt später und mangelhafter Redaktion von Material aus vielfältigen Ueberlieferungsquellen ist.“

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1 Comments:

Blogger waranchia said...

Die Islamwissenschaft hat tatsächlich ein enormes Quellenproblem bezüglich der Anfänge und Frühgeschichte des Islam und verlässt sich im Gegensatz zu anderen Fachgebieten beinahe ausschließlich auf die literarische islamische Überlieferung, die erst Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später entstanden ist. Dieser Umstand, der von Wissenschaftlern immer wieder kritisiert wurde, ist auch der Grund dafür, dass zahlreiche Ungereimtheiten und Probleme nach wie vor bestehen und der wissenschaftlichen Aufarbeitung harren. Ansätze, die Stagnation der Islamwissenschaften zu überwinden und die islamische Geschichtsschreibung kritisch zu betrachten, bieten vor allem jüngere Forschungen wie
Karl-Heinz Ohlig/Gerd-R. Puin, Die dunklen Anfänge. Neue Forschungen zur Entstehung und frühen Geschichte des Islam, 2005;
Christoph Luxenberg, Die Syro-Aramäische Lesart des Koran. Ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache, 2007;
Christoh Burgmer (Hg.), Streit um den Koran. Die Luxenberg-Debatte: Standpunkte und Hintergründe, 2004

Samstag, 25. April 2009 um 03:12:00 GMT-7  

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