Montag, Juni 12, 2006

Neun Wege, Gott zu lieben

Bei unseren Morgenbesinnungen in der Casa Moscia begleitet uns das Buch von John Ortberg: Abenteuer Alltag. Ein ganz normaler Tag mit Jesus. Es ist ein einfaches, kurz gehaltenes Arbeitsbuch, das viel Raum für eigene Gedanken und Erkenntnisse lässt. Sein Impulse sind kurz, jedoch einprägsam. Das schätze ich.
So haben wir die Einheit der geistlichen Zugänge begonnen. Deshalb möchte ich hier meine Zusammenfassung des wertvollen Buches von Gary Thomas: "Neun Wege, Gott zu lieben" veröffentlichen:

Autor: Gary L. Thomas
Titel: Neun Wege, Gott zu lieben
Untertitel: Die wunderbare Vielfalt des geistlichen Lebens
Verlag: R. Brockhaus Wuppertal 2003
ISBN-Nummer: 3-417-24460-9

Gary Thomas hat am Regent College in Vancouver (Kanada) Theologie studiert, ist Pastor, Buchautor und Gründer und Leiter des "Center for Evangelical Spirituality". Er lebt mit seiner Familie an der Westküste in Bellingham, Washington (USA).

Zum Zweck dieses Buch schreibt er auf Seite 10 unten: "Es gibt viele Opfer eines "mechanisierten Christseins". Natürlich gibt es geistliche Leere unter den Menschen, die keine Christen sind; viel betroffener macht mich, dass ich auch immer mehr Christen begegne, die unter der gleichen geistlichen Leere leiden.
In letzter Konsequenz geht es dabei um die Art der geistlichen Nahrung. Viele Christen haben es nie gelernt, wie sie sich selbst geistlich "füttern" können. Sie leben auf Nulldiät und sind dann ganz überrascht, dass sie sich immer so "hungrig" fühlen."

Und auf Seite 29: "Wenn Sie dieses Buch gelesen, werden Sie Ihr geistliches Temperament oder Ihre Temperamente benennen können. Auf dieser Grundlage können Sie dann damit beginnen, ein geistliches Ernährungsprogramm für sich aufzustellen. Wohlgemerkt, Ziel ist nicht Selbstverwirklichung oder Selbstumkreisung. Ziel ist vielmehr, unsere Seele zu füttern, damit wir Gott ganz neu kennen lernen, ihn mit jeder Faser unseres Seins lieben und dieser Liebe dann Ausdruck geben können, indem wir auf andere zugehen."

Im zweiten Teil des Buches, ab Seite 35 stellt er die neun Wege dann detailliert vor auf je zirka 25 Seiten. Dabei umreisst er die verschiedenen Typen und illustriert sie mit anschau-lichen Personenbeispiele aus der Bibel und der Kirchengeschichte. Für jeden Typen zeigt er aber auch die Versuchungen auf, die oft mit Uebertreibungen und Vergötzungen zu tun haben. Um herauszufinden, inwiefern jemand wirklich zum entsprechenden Typen gehört, hat Thomas zu jedem Typ sechs pointierte Aussagen präsentiert. Sofern man diesen mehr-heitlich zustimmen wird, kann man davon ausgehen, dass derjenige diesen Weg benutzen sollte, um Gottes Liebe so zu spiegeln. Gary Thomas unterscheidet folgende neun Wege:

1. Der Natur-Typ: Gott in seiner Schöpfung lieben
 Naturverbundene Menschen in der Bibel: Adam & Eva (Thomas: "Gott entschied sich dafür, mit Adam und Eva in einem Garten zu wandeln"), Abraham, Hagar, Jakob, Jesus
 Geistliche Lektionen für den naturverbundenen Typen: Geistliche Wahrheiten sichtbar vor Augen; Gott klarer sehen: Ps 19,2: Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, die Himmelsfeste verkündet das Werk seiner Hände. Röm 1,20: Denn sein unsichtbares Wesen, seine ewige Macht und Göttlichkeit sind seit Erschaffung der Welt an seinen Werken durch die Vernunft zu erkennen. Antonius: "Mein Buch ist das Wesen der geschaffenen Dinge, und immer wenn mir danach ist, die Worte Gottes zu lesen, dann sind sie schon da." Luther: "Die Schöpfung ist die Maske Gottes." Confessio Belgica: "Gott wird uns bekannt gemacht durch die Schöpfung, Erhaltung und Regierung der Welt, die offen liegt wie ein schönes Buch." Thomas: "Die Schöpfung erinnert uns an Gottes Schönheit, an seine Macht und sein Gericht... Die Schöpfung weißt auf die Fülle Gottes hin"
 Gott in seiner Schöpfung lieben – wie geht das? Glauben, Erkennen und Empfangen. Thomas: "Die Schöpfung kann so etwas wie eine warme Decke sein, die Gott benutzt, um unsere kalten Herzen darin einzuhüllen."
 Versuchungen: Individualismus, Irrglaube und Natur als Idol

2. Der sinnliche Typ: Gott mit allen Sinnen lieben
 Der Gott der Bibel: laut und farbenfroh. Thomas: "Kunst kann uns ein tieferes Verständnis von Gottes Wahrheit und Wesen vermitteln... Wir sollten unseren Körper lieber in den Lobpreis Gottes einbeziehen, als ihn dabei zu ignorieren."
 Sinn für Schönheit – ein Gewinn
 Die Sinne wecken: Hören (Hes 3,12; Luther: Die Schrift ist dazu geschaffen, mehr gehört als gelesen zu werden), Riechen (Gen 8,21; Lev 26,31; 1 Sam 26,19), Bewegen, Fühlen, Sehen (Hes 1,4+26; Thomas: Da das Sehen einen grossen Einfluss auf uns ausübt, tun wir also gut daran, es in unser Gebet einzubeziehen.), Schmecken (Ps 19,11b: süsser seine Worte als Honig; Ps 34,9a: Kostet und sehet, wie gütig Jahwe!; Jer 15,16: Ich verschlang Worte Jahwes; Hes 3+10)
 Versuchungen: Anbetung ohne innere Ueberzeugung, Verherrlichung der Schönheit; Hingabe als Selbstzweck

3. Der traditionalistische Typ: Gott lieben durch Rituale und Symbole
 Religiöse Riten in der Bibel
 Ausdrucksformen: Bewusste Zeichen einer unbewussten Tat. Evelyn Underhill. Greifbare Welt nutzen, um nicht greifbare Wahrheiten auszudrücken
 Riten: Feste und Riten im Kirchenjahr, Biblische Rituale, Der christliche Kalender, Vorgegebenes Gebet (Thomas: Ich habe festgestellt, dass es sehr hilfreich ist, Gebete zu wiederholen – nicht weil dann die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Gott uns hört, sondern weil ich selbst besser verstehe, was ich da bete... Menschen, die neu zum Glauben gekommen sind, brauchen oft mehr Anleitung als die übliche Empfehlung: "Rede einfach mit Gott und sag ihm, was du auf dem Herzen hast." Das reicht nicht, um ihnen beizubringen, wie man richtig betet.), Feste Gebetszeiten
 Symbole
 Opfer (Thomas: Glaube wird heute oft als Mittel dazu gesehen, etwas Bestimmtes von Gott zu bekommen. Eigentlich aber sind Christen immer Menschen gewesen, die etwas Kostbares abgegeben haben.)
 Versuchungen: Gott dienen, ohne ihn zu kennen, soziale Pflichten vernachlässigen, andere verurteilen, mechanisches Wiederholen, Vergötzung von Riten (absoluter Wert beimessen)

4. Der asketische Typ: Gott lieben in Einsamkeit und Schlichtheit
 Asketen in der Bibel: Daniel, Johannes der Täufer, Jesus
 Drei Schwerpunkte: Zurückgezogenheit und Einsamkeit; Einfachheit und Beschränkung; Konsequenz und Strenge
 Asketisches Leben konkret: Nächtliches Wachen, Still sein, Fasten, Gehorsam, Arbeit, Einkehrtage (Thomas: Unser Leben hat viele verschiedene Phasen, und wir müssen lernen, unser geistliches Leben, ja sogar unser geistliches Temperament den verschiedenen Anforderungen unserer sich wandelnden Lebenssituation anzupassen.), Einfach leben, Entbehrungen auf sich nehmen. Thomas: "Asketisch geprägte Christen sind bereit, auf die Freuden und Tröstungen dieser Welt zu verzichten, um in den Genuss der Freuden und Tröstungen zu kommen, die Gott uns schenken will."
 Versuchungen: Die persönliche Frömmigkeit zu sehr betonen; Leid suchen um des Leids willen; Gottes Gunst erwerben wollen

5. Der aktivistische Typ: Gott lieben durch Konfrontation
 Biblische Lektionen für Aktivisten: Mose, Elia und Elisa, Habakuk
 Konfrontation – ein Schwerpunkt im Leben des Aktivisten (Thomas: "Für Aktivisten ist der Kampf die geistliche Nahrung, die sie brauchen.")
 Formen des Aktivismus
 Beten – ein wichtiges Thema für Aktivisten: Gebetsgänge, Prozessionen, Fürbitte (Thomas: "Aktivisten brauchen das Gebet, um sich die richtige Ausrichtung und ihre Reinheit zu bewahren. Der Hass auf die Sünde kann zu einem Hass auf die Menschen werden, wenn Aktivisten müde werden und geistlich ausbrennen.")
 Versuchungen: Andere verurteilen, Ehrgeiz und Sex, Elitäre Gedanken und Groll, Uebertriebene Geschäftigkeit, Mangelnde persönliche Heiligung

6. Der fürsorgliche Typ: Gott lieben durch Nächstenliebe
 Biblische Beispiele für den fürsorglichen Typ: Mordechai, Jesus (Thomas: Für Christen vom fürsorglichen Typ ist die Zuwendung zu andern keine lästige Pflicht, sondern eine Form der Anbetung.")
 Biblische Ermahnungen
 Formen der Fürsorge: einem Freund durch eine persönliche Krise helfen, jemandem bei Reparaturarbeiten oder Computerproblemen helfen, auf die Kinder müder Eltern aufpassen, etc.
 Fürsorgliche Christen als Propheten
 Versuchungen: Andere verurteilen; Anderen dienen als Dienst an sich selbst; Eingeschränkter Blickwinkel; Menschen vernachlässigen, die an am nächsten stehen.

7. Der enthusiastische Typ: Gott lieben durch Mysterien und Feiern
 Das Mysterium des Glaubens (Thomas: "Der Gott, dem wir dienen und den wir anbeten, ist ein übernatürlicher Gott, der sich uns auch auf übernatürliche Weise zeigt.")
 Gefahren: Bibel nicht beachten und Verstand nicht gebrauchen
 Segnungen: Träume, Erwartung, Gebet
 Formen des Feierns
 Im Gottesdienst feiern: Zeit mit Kindern verbringen; Schöpferisches Gestalten; Wenn Enthusiasten die Bibel lesen
 Versuchungen: Erfahrungen um ihrer selbst willen suchen; Unabhängig sein; Gute Gefühle und gute Anbetung sind nicht das Gleiche

8. Der kontemplative Typ: Gott lieben durch grenzenlose Hingabe
 Biblische Beispiele für den kontemplativen Typ: Geliebte Gottes: Benjamin, Maria, die Frau mit dem Parfüm
 Kontemplatives Christsein gestalten: Das Jesusgebet (Herzensgebet); Verborgene Taten der Hingabe; Gebet als Tanz; Zentriertes Gebet, Kontemplatives Gebet; Den Kreuzweg beten; Meditation nach Ignatius von Loyola
 Versuchungen: Einseitige Anbetung; Gott gleich werden wollen; Meditation ohne Opferbereitschaft; Abhängigkeit von spirituellen Erlebnissen

9. Der intellektuelle Typ: Gott lieben mit dem Verstand
 Thomas: "Jesus Christus selbst hat dem Verstand eine wichtige Rolle zugedacht, als er sagte, wir sollten Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all unserem Verstand und allen unseren Kräften lieben... Wenn der Verstand eines intellektuellen Christen erwacht, wenn er etwas Neues über Gott oder seine Wege mit seinen Kindern lernen kann, dann löst das grosse Bewunderung und Hingabe bei ihm aus... Ich habe herausgefunden, dass mein Glaube die Stimulation durch Bibelstellen braucht, um zu wachsen und reifen zu können. Ich brauche die Auseinandersetzung mit in Liebe gestellten, schwierigen Fragen."
 Intellektuelle Christen aus der Sicht der Bibel: Levi, Salomo, Augustinus, Thomas v. Aquin, Calvin
 Intellektuelles Training
 Themengebiete der Theologie: Kirchengeschichte, Bibelkunde, Systematische Theologie, Ethik, Apologetik
 Bekenntnisse
 Als intellektueller Christ wachsen und reifen
 Versuchungen: Den Streit zu sehr lieben; Wissen statt Handeln; Stolz


Am Schluss des Buch zieht Thomas folgende, allgemeine Schlussfolgerungen auf Seite 252:
"Statt uns in den Grenzen unserer eigenen Erfahrungen zu bewegen und abzukapseln, sollten wir lieber voneinander lernen. Ich denke auch, dass die Menschen viel zu viel von ihrer Gemeinde erwarten... Jede Gemeinde ist voll von miteinander rivalisierenden geistlichen Temperamenten. Es ist zu viel verlangt, wenn man erwartet, dass ein einstündiger Gottesdienst alle sieben Tage die geistlichen Bedürfnisse jedes Einzelnen befriedigt. Meine Hoffnung ist, dass dieses Buch es den Menschen leichter macht, den Gemeindegottesdienst regelmässig durch ihre persönlichen Zeiten und Formen der Anbetung zu ergänzen. Dann können sie sich im gemeinsamen Gottesdienst darauf konzentrieren, gemeinsam den Ruf des christlichen Glaubens zu hören und sich dafür ausrüsten zu lassen, hinaus zu gehen in die Welt. Es grenzt an Götzendienst, wenn man meint, ein einziger Lehrer könne einem alles geben, was man braucht, um im Glauben zu wachsen...
Viel gesünder ist der Ansatz, ein Gebets- und Glaubensleben zu entwickeln, dessen Früchte umgekehrt Gemeindeleben zugute kommen. Statt den Gottesdienst zu kritisieren, könnte man lernen, ihn zu bereichern. ..."

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