Donnerstag, Februar 13, 2014

Geschlechtliche Identität (Seiten218-254)

Volf äussert sich auch sehr differenziert und sachlich zur geschlechtlichen Identität von Mann und Frau. Er unterstützt die These von Mary Stewart Van Leeuwen, dass „Männer und Frauen gleichermassen gerettet, geisterfüllt und gesandt sind“. Denn Gott steht jenseits geschlechtlicher Unterscheidungen, er ist radikal vielschichtig, beziehungsorientiert und aktiv (nach Seren Jones). Wir Menschen benutzen männliche und weibliche Metaphern, weil Gott persönlich ist, und die Sprache unweigerlich aus dem geschöpflichen Bereich entstammt. Meine geschlechtliche Identität kann ich nicht aus dem christlichen Gottesbild herleiten, sondern aus meinem geschaffenen, sexualisierten Körper. Was ich von Gott lernen kann, ist primär meine Verantwortung als Mensch, Vater- und Muttersein sind dagegen nicht direkt ablesbar. Nach Phyllis Bird hat Mann- und Frausein mehr mit den Tieren als mit Gott gemeinsam. Sexuelle Körper sind natürliche, biologische Wurzel, „Gender“ dagegen ist eine soziale und kulturelle Kategorie, die nur eingeschränkt möglich ist. „Gender“ ist eine fliessende Identität, die im Kontrast zur stabilen Differenz geschlechtlicher Körper steht (Seite 228). Jesus lebte völlige Selbsthingabe und auch Gegenwart des Vaters in ihm, was seine Identität prägte. Seine Selbsthingabe suchte Ehre der andern Person und schuf ihr Raum zur gegenseitigen Einwohnung, was in der Fachsprache „Perichorese“ heisst. Es geht dabei um Beziehung und Zusammenhang, nicht um Vermischung von Personen. Gott kam in diese Welt, um Gemeinschaft zu leben. Alle Menschen sind zum Bild des dreieinigen Gottes geschaffen, dessen Vision und Beziehungen uns als Mann und Frau leben lassen. In Christus wird nicht der geschlechtliche Leib gegenstandslos, sondern die Geschlechterrollen, die kulturellen Normen, die Mann und Frau zugewiesen sind, werden es zunehmend. Geschlechtliche Identitäten sind aufeinander bezogen: Der Mann ist nicht die ohne Frau, die Frau ist nicht ohne den Mann. Denn teilweise wohnt das Weibliche auch im Mann, trotzdem ist er ganz Mann; und umgekehrt wohnt auch Männliches in der Frau. Solange wir das verneinen, uns manipulieren, beherrschen und befeinden müssen, haben wir Gottes Wertschätzung und Liebe nicht ganz begriffen. Selbsthingabe bedeutet, dass ich Selbstsucht überwunden habe, mich auf den andern zu bewege, um ihn oder sie zu nähren, zu pflegen und ihn makellos und herrlich erscheinen zu lassen. Mann und Frau, beide sind weder Fülle noch nur Mangel, beide haben zu gebieten und zu gehorchen (Seite 248-250).

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