Dienstag, November 12, 2013

Politik, Religion und Sexualität

Kapitel sechs: Jesus war kein bedeutender Mensch. Denn Jesus wusch Füsse, was damals nur heidnische Sklavenarbeit war, und er hatte ein Gespür für unbedeutende, unbeeindruckende Personen. Paulus wurde ein Nachfolger Jesu und nannte sich danach einen Knecht Jesu Christi in den Briefen, die er an die Gemeinden schrieb. Das war gesellschaftlicher Suizid, aber es war ihm gleichgültig, weil nicht mehr Selbsterfüllung, sondern aufopfernde Liebe sein höchster Wert geworden war. Kapitel sieben: Hilf deinen Freunden, strafe deine Feinde. Antike Götter waren dazu da, um den Menschen zu geben, was sie wollten. Und Verletzte wollten Vergeltung. Es ging um Ehre, Status und Schmach, nicht um Sünde, Sühne und Gnade. Schmerzvermeidung war weit wichtiger als Vergebung. „Vergebung und Feindesliebe sind christliche Beiträge zur Menschheitsgeschichte“ Hannah Arendt. Jesus liebte Insider und Outsider, die zwölf Stämme Israels ebenso wie die sieben Völker Kanaans, die in Dekapolis am andern Ufer des Sees Genezareth lebten. Kapitel acht: Es gibt Dinge, die dem Kaiser nicht zustehen. Die Existenz Gottes schränkt die Autorität der Machthaber ein. Als für Jesus Palmenzweige geschwungen wurden in Jerusalem, war das eine Kriegserklärung an Rom. „ Reich Gottes“ hatte in Israel die Intention vom eigenen Land mit intaktem Tempel. Es gab damals drei Hauptgruppen mit drei Verhaltensweisen in Israel zur Zeit der römischen Besatzung: ·Zeloten: standen gewaltsam gegen Rom auf ·Essener: zogen sich in ihre eigene Welt zurück ·Sadduzäer: passten sich Rom an und kollaborierten Philip Jenkins sagte: „Der christliche Glaube verbreitet sich wunderbar unter den Armen und Verfolgten, während er unter den Reichen und Gesicherten schwindet.“ Kapitel neun: Gutes Leben oder guter Mensch. Heuchler heisst auf griechisch „hypokritai“, was auch mit Schauspieler wiedergegeben werden kann. Griechische Götter lebten wie Menschen idealerweise sein sollten: jung, stark und unsterblich. Alle Menschen haben eine Innen- und Aussenseite, Gott interessiert sich vor allem für die Innenseite, das „Herz“. Kapitel zehn: Und die Welt ist doch klein. Jesus berief seine Jünger auch, um zu zeigen, dass Gott Menschen beruft. Nachfolge ist Gemeinschaft, die Gegenwart und Macht Gottes wiederspiegelt. Zuerst wurden die christlichen Gemeinden von Rom nicht als neue Religion angesehen, sondern als Beerdigungsgemeinschaft. Kapitel elf: Eine altmodische Sache namens Ehe. Sexuelle Aktivität ausserhalb eines Ehebündnisses ist das ältere gesellschaftliche Arrangement als die Ehe. Der Grieche Demosthenes hat es aus Männersicht so gesagt: „Mätressen sind zum Vergnügen, Konkubinen für Bedürfnisse und Ehefrauen für die Kinder.“ Im Matthäusevangelium werden im Stammbaum Jesu fünf Frauen erwähnt, drei davon waren in sexuelle Skandale verwickelt. Jesus war nie verheiratet, aber er hat das Eheverständnis am stärksten neu interpretiert und geprägt. Nach ihm ist die Ehe ein freiwillig gegebenes Versprechen, das freudig bezeugt und treu gehalten wird, auch wenn der andere nicht mehr attraktiv ist. Ausgeübte Sexualität ist eine Art Sakrament: ein äusserliches Zeichen, das auf eine innerliche Wirklichkeit deutet. In der Thora wird dafür „yada“ gebraucht, was persönliches Wissen aus Erfahrung bedeutet. Ein guter Mann ist also der, der Frauen nicht als Objekt der Begierde anschaut, sondern seine Frau immer mehr kennen und schätzen lernt. Deshalb wurde nach der Reformation die Familie zur wichtigsten geistlichen Gemeinschaft.

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