Sonntag, September 25, 2011

Adolf Pohl: Die Offenbarung des Johannes.


Im Rahmen der Wuppertaler Studienbibel wurde dieses Werk 1983 publiziert. Nicht alle Teile dieser Studienbibel sind so informativ wie die von Adolf Pohl. Der Autor, der norddeutsche evangelische Theologe, geht gründlich und tiefgreifend an die Thematik heran. Er sieht in der Offenbarung göttliche Bilder der Zukunft, aber zu Recht keinen vollständigen Plan. Sie kann nur richtig verstanden werden, wer ein Verständnis für Leiden aufbringen wird, denn mit Tränen wurde sie geschrieben!
Die erste historisierende Auslegung geschah bereits durch Viktorin von Pettau, der 303 starb. Der Pietist Johann Albrecht Bengel meinte auch, einen Abriss der Weltgeschichte mit fixem Ende zu sehen, wovor Pohl jedoch abrät und warnt.

Gott gehört alle Macht, der sie aber auf Jesus Christus, den Menschensohn und das Lamm, überträgt, der nun das Geschehen zusammen mit den Engeln bestimmt. Hier sieht man auch Aehlichkeiten mit dem Johannesevangelium, besonders in der Beziehung von Vater und Sohn.
Und der Sohn hat uns auch erlöst durch sein Blut (1,4 & 5,9). Pohl erklärt sehr gut, was das bedeutet, nämlich Freikauf, das ein rechtliches und persönliches Geschehen zum Heil ist. Diese beiden Aspekte sind zu beachten, gerade auch bei der Sünde und deren Folgen. Das ist auch der Grund für den „zornigen“ Gott (Beziehungszerfall, Feindschaft) und den verfluchten Acker (Sachzwänge, Verwirrung, Verwüstung & Zerstörung). Er plädiert auch dafür, die Opfersprache nicht aufzugeben, sondern sie gut zu erläutern, denn es geht nicht nur um Tötung, sondern um das „redende“ Blut (Heb 12,24), das zur Sühnung verwendet wurde. Jesus dagegen wurde nicht ausgeblutet wie ein Opferlamm, denn bei der Geisselung floss sogar mehr Blut als bei der Kreuzigung selbst, die erst noch ausserhalb des Lagers (Heb 13,13) stattfand, an einer kultisch unreinen Stätte und im Rahmen einer Gruppenhinrichtung. Jesus war am Kreuz also nicht nur Opfer, sondern auch noch unser Priester!

Bei den Sendschreiben, bei denen es auch um das Verhältnis zu Andersgläubigen und deren Götter, Fruchtbarkeitskulte und die damit zusammenhängende Sexualisierung geht, zitiert Adolf Pohl C.G. Jung, der dazu 1925 meinte: „Wenn man sich einmal einen Eindruck geholt hat vom Sexualgehalt antiker Kulte, wundert man sich nicht, dass sich das ursprüngliche Christentum mit grösster Energie von aller Natur- und Triebhaftigkeit und insbesondere durch seine asketische Tendenz von der Sexualität abgewandt hat. In einer Zeit, wo ein Grossteil der Menschheit anfängt das Christentum wegzulegen, lohnt es sich wohl, klar einzusehen, wozu man es eigentlich genommen hat. Man hat es genommen, um der Rohheit und Unbewusstheit der Antike zu entkommen. Legen wir es weg, so steht schon wieder die ursprüngliche Rohheit da, von der wir uns ja die zeitgenössische Geschichte einen nicht mehr überbietenden Eindruck gegeben hat.“

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