Donnerstag, Juni 12, 2014

DSM 5

DSM 5 ist das neuste Standardwerk der Psychiatrie. Am 4. Janaur 2014 hat Allen Frances, ein emeritierter Psychiatrieprofessor aus den USA ein beachtenswertes und verständliches Interview in der Schweizer Tageszeitung "Der Bund" dazu gegeben. Er prognostizierte, dass DSM 5 zur Hyperinflation psychischer Krankheiten führen werde. Depressionen bei Kindern haben bereits in den letzten zwanzig Jahren um das Vierzigfache zugenommen, Autismus um das Zwanzigfache und Aufmerksamkeitdefizit (Attention Deficit Disorder ADD) um das Dreifache. Eine Studie hat aber festgestellt, dass das Alter der Kinder in einer Schulklasse mitentscheidend sei, ob ein Kind ein solches Defizit habe. Die jüngsten einer Klasse seien fast doppelt so häufig unruhig und hyperaktiv wie die ältesten, weil sie einfach unreifer sind und sich behaupten müssten. Frances empfiehlt Aerzten, ein schrittweises Vorgehen und eine allfällige Diagnose erst am Ende eines Begleitprozesses zu geben. Umgebungsveränderungen wie Klassenwechsel können manchmal viel helfen und sollten gegenüber Medikamenten vorgezogen werden. Auch Burn-out ist keine eigentliche Erkrankung, früher hiess die Diagnose "Neurasthenie", heute eher "Depression". Burn-out kommt vorwiegend in Wohlstandgesellschaften vor, wo das Leben bereits gut funktioniert, aber trotzdem als stressig empfunden wird. Stress und die darauffolgende Reaktion jedoch sollten nicht als medizinische Störung angesehen, sondern als Teil unserer menschlichen Existenz angenommen werden. Ebenso ist Trauer keine Krankheit, die mit Pillen zu behandeln wäre, sondern eine gemachte Verlusterfahrung, die andauern könne und durchlebt werden müsse, um bewältigt zu werden! Süchte wurden früher als Sünde angesehen und bezeichnet, die man bereuen konnte; heute sind es Krankheiten, die behandelt werden müssen! Nicht für jedes Problem gibt es aber eine Pille! Psychiatrische Diagnosen sollten nicht voreilig abgegeben werden, denn sie sind auch zeitbedingt, sie brauchen viel Zeit zur sorgfältigen Erstellung; und man sollte daran denken, dass man sie kaum wieder los wird!
"Und mängisch trifft z'Glück eim!"

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